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Niederkunft entgegen und befindet sich diesmal besser als bei ähnlichen Gelegenheiten.

Großbritannien.

London, 23. October. Die rusflsche Großfürstin Marie bat England verlassen. Die russische Regierung hat aber der englischen sofort einen anderen Beweis von Vertrauen gegeben, indem sie eine Fregatte von 46 Kanonen in den Docks in Portsmouth repariren läßt. Es ist schon wieder ein Australienfahrer,Dal- housic", im Kanal gescheitert. Von den 60 Personen an Bord ist nur ein Matrose gerettet. Das Linien­schiffQueen" von 116 Kanonen ist nach dem Mittel­meer abgegangen.

ImMorning-Advertiser", in welchen Blatte man jetzt einen wahren Moniteur der revolutionären Kriegs­partei hat, läßt sich heute Urquhart in einem Style und Behauptungen los , welche die Monomanie offen zur Schau tragen. Krieg will er nicht, man solle den Rus­sen und Türken überlassen, ihre Sache allein auszuma­chen, indem England sich begnüge, seine Emissäre ans der Türkei zurückzuziehen, die deren wahres Verderben wären. Die Gefahr und Rußlands Stärke seien in London, im Ministe, in in zu suchen. Aus dies und auf die Thätigkeit seiner überall verstreuten Agenten baue Rußland, nicht aber auf Krieg, der gar nicht in seiner Absicht läge. Es werde auch keinen Krieg beginnen, aber im Frühjahre werde cs mit Revolutionen operire», die es Hervorrufe u. s. w. Diese Russenriecherei ist ein vollständiges Gegenstück zur Jesuitenriecherei des vori­gen Jahrhunderts. Vielleicht faßt Mr. Urquhart noch gegen sich selbst den Verdacht, daß er russischer Agent sei wider Willen! Das könnten noch mehr Leute entdecken.

Der Entschluß der City Corporation, Temple-Bar abzutragen , hat eine lebhafte Agitation für die Aus­rechthaltung dieser alterthumlichenPforte Londons" hervorgerufen. Gestern fand zu dem Zweck ein Mee­ting statt. Temple-Bar ist das einzige von den ehe­maligen City Thoren, welches erhalten blieb Es knüpfen sich mannickfache geschichtliche Erinnerungen an diese gar nicht baufällige Pforte, und wenn sie auch mehr zu den Denkmalen als zu den Zierden Londons gehört, so wäre der Raumgewinn durch ihre Zerstörung gar zu unbedeutend, um in Betracht zu kommen.

Daily NewS, immer fruchtbar an außerordentlichen Neuigkeiten läßt es sich doch eben vonungarischen Offizieren iu Paris" schreiben, daß in Süd-Ungarn sich ein GuerrillaScorps znr Unterstützung der Türkei orga- nisirt habe! bringt, auch über Frankreich, die Notiz: der Kaiser von Rußland habe bei seinem letzten Besuch in Preußen dem König Friedrich Wilhelm, um ibn für dieCoalition" zu gewinnen, ein weiteres Stück (slice) von Polen angeboten , der König aber diese Lockung schlechterdings (utlerly) verworfen.

Italien.

Turin, 19. Oct. DerMon. dcll' armata," Or- gan des Generals La Marmora, sagt, Piemont be­dürfe starker, aufrichtiger und vernünftiger Allianzen, und die Regierung habe nicht vergessen, sich dieselben zu verschaffen. Diese Allianzen, meint das Regicrungs- organ, müssen noch geheim gehalten werden; aber es läßt doch deutlich durchblicken , daß unter denselben, für den Fall eines allgemeinen Krieges, Frankreich und Eng­land gemeint seien. Der Ministerrath soll den Be^ schluß gefaßt haben, drei AlterSclassen unter die Waffen zu rufen und bei Alessandria und Valenza ein Lager von 30.000 Mann zusammen zu ziehen.

Rom, 17. Oct. Unsere politischen Mißvergnüg­ten ziehen bei der größer werdenden Wahrscheinlichkeit eines Krieges zwischen der Pforte und Rußland in stei­gender Zahl von dannen, um in den Dienst des Sul­tan zu treten. Diese neue italienische Emigration schmeichelt sich mit der Hoffnung, Garibaldi werde von Amerika herüberkommen und die Führerschaft ihres eige­nen Corps übernehmen. Wirklich follj Garibaldi in Briefen an verschiedene Freunde unter gewissen Bedin­gungen sich nicht abgeneigt erklärt haben.

Nußland.

Kalisch, 22. Oct. (Lloyd). Man ist hier auf das Beginnen der Feindseligkeiten an der Donau sehr begierig, zumal man es sich nicht gut denken kann, daß Omer Pascha einen Versuch zum Uebergange der Do­nau den aufgestellten Russen gegenüber wagen werde. Worin also die angedrohle» Feindseligkeiten bestehen werden, ist bei den durch die Donau getrennten Heere noch gar nicht abzusehen, und eS wäre nur zu wünschen, daß sich im erwähnten Falle die türkische Tapferkeit nur nicht abermals gegen unsere wehrlosen christlichen Brü­der in der Türkei wenden möge, wie dies leider schon fp ost geschehen ist. Was den Fürsten Gortschakoff an. belangt, so kann derselbe einen Donauubergang nicht eher bewerkstelligen, bis er von St. Petersburg ermäch­tigt werden wird, was bis p^t noch nicht geschehen ist, auch hat der russische Feldherr die hierzu nöthigen Streit­kräfte noch nicht concentrirt, und es sind noch viele Truppen im Anmarsche nach den Donaufürstenthümern begriffen. Die Nachricht, daß die Infanterie deS 5. CorpS noch bei Odessa steht, ist eine irrige, und es ist

ein großer Theil der Lüdersschen Infanterie bereits in der Walachei einmarschirt und nur ein Theil der 14. Jnf.-Diviston steht bei Odeffa, was zur Verwechselung mit dem ganzen Corps Veranlassung gegeben hat. DaS russische Corps im Kaukasus wird von dem Orenburgi- schen Corps Verstärkungen erhalten und namentlich ist die 1. Brigade der 23. Jnf.-Division unter dem Gene­ral Fedajew nach dem Kaukasus im Anzuge. Se. Maj, der Kaiser von Oesterreich hat säst den sämmt­lichen Generalen und Regiments - Commandirenden des bei höchst Seiner Anwesenheit in Warschau manövri- renden 2. Jnf.-CorpS österreichische Orden verliehen; es haben auch die in solcher Weise decorirten hohen Militärs sämmtlich den ungarischen Feldzug mitgefoch- ten. Außerdem hat der Kaiser Franz Joseph an 40 Mann deS Husaren- Regiments Carl Ludwig die silberne Medaille verliehen. Feldmarschall Paskiewitsch weilt noch fortwährend in Homel und hierauf reduciren sich alle über diesen Feldherrn gebrachten Nachrichten.

Der Triester Zeitung wird aus Kertsch vom 4. October gemeldet:Die russische Flotte ist mit einer Truppen-Abtheilung von 16,000 Mann von Sebastopol nach Suchunikale abgegangen, von wo sie dem Ver­nehmen nach über Reduikale und Pots sich nach dem an der türkischen Grenze, etwa 24 Meilen von Battum liegenden Fort St. Nicolo begeben wird.

Vonaufürftenthümer.

Nach in Wien eingelroffenen Mittheilungen aus Bukarest vom 15. d. Mts. schickt sich Omer Pascha in der That an, die Initiative des Feldzugs gegen die Walachei zu ergreifen und die Donau zu überschreiten. So viel in Bukarest davon bekannt geworden, hat der türkische Befehlshaber zwei Punkte zum Uebergange, nämlich bei Lraila und Widdin, gewählt und auf bei­den Seiten bereits die rechtseitigen Flußarme überbrückt. Bei Praila ist die kleine Donauinsel, welche gegenüber der Stadt liegt, von den türkischen Truppen in Besitz genommen worden. Bei Widdin geschah dieselbe Ope­ration aus einer großen Insel oberhalb dieser Festung, wo man sich in Bereitschaft setzt, eine Brücke über den zweiten Donauarm zu schlagen. Ob sich die Türken auf diese zwei Uebergangsversuche beschränken, oder nach der Meinung Anderer auch bei Silistria einen Ueber- gang unternehmen werden, ist noch nicht gewiß. Aus­fallend erscheint, daß die Russen diesen kriegerischen Vor­kehrungen, die schon einige Tage sortdauern, bis jetzt nirgends Widerstand entgegengesetzt haben, und es ge­winnt in der Thal den Anschein, daß man Omer Pascha auf walachischem Boden erwarten will, um sich mit ihm zu messen. Die russische Armee ist inzwischen auf allen Punkten marschfertig und kampfbereit, so daß man sich an der SchweAr^UUfthtibenber Ereignisse betrachten muß. Alle Handelsplätze an der rechten Seite der Donau sind gesperrt, und kein Fremder darf sic mehr besuchen.

Ein Brief aus Widdin, 15. Oct., in der Temes- varer Zeitung gibt die ganze Streitmacht der Türken in jener Position bei Widdin au^ 4200 Mann an. Wenn also auch die Besatzung von Widdin, was aber kaum anzunebmen ist, bis auf den letzten Mann den Uebergang gemacht haben sollte, so könnte vorläufig immer nur eine Recognoscirung gemeint sein.

AuS Bukarest schreibt man demSatellit" vom 16. October, daß unter den fremden Truppen der Ge­sundheitszustand sehr beunruhigend sei und die asiatische Cholera sich gezeigt habe. In dem Heere Omer Pascha's sollen Pestfälle vorgekommen sein, was auch diesseits der Donau nicht geringen Schrecken verbreitet hat. Cholera und Pest sind zwei gräuliche Factoren, welche in den beiden Armeen nicht geringe Lücken machen wer­den. Fürst Gortschakoff bat energische Maßregeln er­griffen, um den Gesundheitszustand unter feinen Trup­pen zu bessern. Bis zum 16. Octobcr hat der Be- richtcrstattcr keine Bewegung wahrgenommen, woraus man auf die baldige Eröffnung von Feindseligkeiten schließen könne.

Durch zwei telegraphische Depeschen vom 9. und 10. October, die von Hermannstadt mittelst Estafette kamen, ist die Dampfschiff-Eilfahrt und die Aufnahme von Waaren eingestellt. DaS gewöhnliche Passagierschiff setzt jedoch seine Fahrten fort.

In der Nähe von Turnul haben sich die osmani­schen Truppen zwar noch nicht gezeigt, allein auch dort herrscht große Besorgniß, denselben in naher Zeit zum Kriegsschauplätze gemacht zu sehen. Kaufleute und die Mehrzahl bemittelter Einwohner haben sich einige Posten weit in das Land zurückgezogen. Die Cassen der Wa­lachei sind infolge dieser Kriegsdemonstrationen von den Russen in Besitz genommen worden, darunter selbst der Militärische Reservcfond. Die Mehrzahl der größeren Bojarenfamilien bereitet sich, das Land zu verlassen. Die russische Regierung soll bereits daran gedacht haben, in dem Falle, daß die vereinigte englisch-französische Flotte die Türkei thatsächlich unterstützen sollte, in Be­zug auf die Einfuhr nach Rußland durch eine Herab­setzung der Zölle den Transport zu Lande bedeutend zu begünstigen, eine Eventualität, bei deren Verwirklichung Deutschland ganz besonders im Vortheile sein würde.

Türkei

Von der unteren Donau schreibt man der

Medicinischen Wochenschrift":Aus dem türkischen Hauptquartier kann ich Ihnen folgende Mittheilung ma­chen: Omer Pascha hat seinen schon in der Campagne vom Jahre 1849 verwendeten Leibarzt, Dr. Thirk (ei­nen in Erlangen promovirten Kronstädter Deutschen, und ehemaligen Leibarzt des Pascha Abdullah in Sam­sun), wieder zu sich entboten; Dr. Gaal bleibt daher vorläufig noch in Sarajewo, nicht Varna, als Chef stationirt. Die Truppen der Türken, welche aus Asien herbcigezogen wurden, leiden sebr zahlreich an Pleuritis, Pneumonieen, Diarrhöen und Wechselfiebern, am aller­meisten die gefärbte Mannschaft. Dagegen sind die au« Rumelien, Albanien und Makedonien vorgeschobenen Regimenter gesunder; die Freiwilligen und die Land­wehr (Redifs) sind darunter die am schlechtesten geklei­deten und am wenigsten gut genährten, daher erkranken sie auch am häufigsten. An regelmäßig organisirten Spitälern fehlt es außer Varna, Schumla, Widdin und Rustschuk überall; aber auch hier mangeln Aerzte ent­weder ganz, oder dieselben sind eben nicht geeignet, den Anforderungen Rechnung zu tragen. Als ich Omer Pascha diesen, für den Fall des Krieges höchst bedenk­lichen Umstand Hervorbob, schwieg er; unbekannt ist es ihm nicht, aber er hat wichtigere Bedenken, so vor Al­lem eine bessere Unterbringung der Truppen in der wirk­lich heidnischen Kälte und Oede, so deren Bekleidung und Verpflegung. Die Cholera ist, glauben Sie ja keinem andern Gerüchte, noch nirgends im türkischen Lager aufgetreten."

Omer Pascha soll, der PariserPatrie" zufolge, ein Pontonniersregiment errichtet haben. Ueber die Stellung, die Persien zum russisch-türkischen Streit ein- nehmen wird, gehen bekanntlich die Ansichten weit aus­einander. DiePatrie" meldet eine Thatsache, die wenn sie begründet ist, darauf schließen läßt, daß die persische Regierung der Türkei gerade nickt sehr feind­lich gesinnt ist. Sie soll nämlich der türkischen Re­gierung die Ermächtigung zum Ankauf von 6000 Pfer­den in Persien ertheilt haben.

Ein Dampfer wartet im Hafen von Varna auf die Antwort deS Fürsten Gortschakoff auf Omer Pascha'S Aufforderung, die Donau - Fürstenthümer zu räumen. Wenn sie verneinend ausfällt, hat der Kapitän deS Dampfers die Weisung, nach Battum zu fahren und den Beginn der Feindseligkeiten anzuordnen. Sechs Fregatten werden ausgesandt, um den letzteren Hafen zu decken.

Constantinopel, 15. Oct. (K. Z.) Was wir als ein Gerücht meldeten, daß die Offiziere, welche auS Preußen hieher berufen worden, um die türkische Ge­nieschule zu leiten und dahin zu lehren, von hier zum activen Dienst abgehen, bestätigt sich; jedoch ist die Sache dahin zu berichtigen, daß keiner derselben zu den Dardanellen geht. Hr. Director Hauptmann Schmidt geht mit Hrn. Lieutenant Blume, demselben, welcher dem Major KurczowSki beigegeben war, um die Anla­gen der Donaubefestigungen anzuordnen, und sich als einen talentvollen und gewandten Mann ausgezeichnet, über Saloniki nach Sophia und Nyssa; in ihrer Be­gleitung befinden sich zahlreiche türkische Offiziere. Der einzige jetzt noch bei der Schule Zurückgebliebene ist der im schleswig-holsteinischen Heere dem Stabe zu^e- ordnete Hauptmann v. Grunewald. Derselbe soll aber jetzt täglich an sieben Stunden Unterricht zu geben oder zu leiten haben. Alle nur in etwa brauchbaren Eleven der Schulen sind zur Erlernung der Kriegskunst auf praktischem Wege der Armee zugesandt worden. Die Züge gehen jetzt stoßweise. An einzelne» Tagen kann man ganz Stambul durchreiten, ohne irgend einen au­ßerordentlichen Umstand zu bemerken, der auf Kriegs- rüstungen hindeutet. An andern Tagen wimmeln die Straßen von Rekruten, Redifs und Baschi-Bozuks (zu Deutsch: Wirrköpfen, was einen lreffendern Namen für fast alle Elemente der Freicorps im Gegensatze zum re- gulirten Heere abgibt).

Die Bemühungen der hiesigen Gesandten um den Frieden haben, wie der WienerPresse" berichtet wird, seit der Kriegserklärung in sehr verstärktem Maße zu- genommen. Der österreichische Gesandte, Hr. v. Bruck, hat fast täglich Zusammenkünfte mit den Vertretern der Westmâckte, und vorzüglich bemerkt man den überauS lebhaiten Verkehr, welcher zwischen der österreichischen und französischen Gesandtschaft herrscht, während Lord Redcliffe sich sehr viel mit dem preußischen Gesandten zu thun macht. Leider scheinen sich aber diese Bemüh­ungen der Gesandten um die Herstellung des Friedens von Seite eines Theils des Divans nicht jener Aner­kennung zu erfreue», welche diese Aufopferung der Di­plomatie in so schwieriger Zeit wohl verdienen sollte. Mit Ausnahme des Sultans selbst und Reschids scher- neu die andern Großwürdenträger mehr und mehr von Mißtrauen eingenommen zu werben, und die vermit­telnde Stellung der Gesandten ist dadurch eine schwie­rigere als seit lange geworden. Man würde jedoch ir­ren, wenn man glaubte, daß d'eseS verminderte Zu­trauen nur die christlichen Gesandten allein trifft. Die Alttürken geben sich alle Mühe, um die Macht Omer Pascha's zu untergraben. Ihrem Einfluß ist die Ab­sendung Tefik Pascha'S, dem Vicepräsidenten des Kriegs- Ministeriums, nach Schumla, zuzuschreiben, wo er al« Beirath, oder, wenn man will, zur Ueberwachrmg dem