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Der M. He ra ld macht dabei, in Uuquhart'schem Sinne aufmerksam darauf, daß Lyons sich bisher nur in Diensten gegen die Türkei ausgezeichnet habe, so namentlich in der Schlacht bei Navarin. Auch war es Kapitän Lyons, der im Jahr 1828, als Befehlshaber der FregatteBlonde" die Türken aus ihrem letzten Bollwerk in Morea vertrieb. Hiernach sei ein Offizier derso nachdrücklich die Schlachten Rußlands und Griechenlands gegen die Türken gefochten" , was die Türken kaum vergessen haben werden, schwerlich gut ge­wählt zum Kommando einer brittischen Flotte vor Konstantinopel in der jetzigen Krisis.

Der Pariser Korrespondent des Chronicle schreibt: Man hat bemerkt, daß L. Napoleon seit Kurzem eine friedlichere Sprache führt. Bor einigen Tagen äußerte er sich dahin:Der Krieg zwischen Rußland und der Türkei ist ein Zweikampf: England und Frankreich sind die Secudanten und werden, sobald die Ehre der bei­den Duellanten Genugthuung erhalten hat, dem Blut­vergießen Einhalt thun."" DerConstitutionnel" bringt einen Artikel, der dieselbe Aeußerung enthält.

Morning»Post" berichtet, daß die englische und die französische Flotte sich am 13. d. noch in der Bestkä Bai befanden, daß sie jedoch in die Dardanellenstraße einlaufen würden und mehrere Einwohner Constantino- pelS sich bereits nach der Meerenge begeben hatten, um das großartige Schauspiel der Einfahrt der Flotten mitanzuschkn.

In diesen Tagen hat sich eine Kompagnie zur Errichtung neuer Docks auf dem rechten ThciNseufer gebildet. Sie sollen Wellington-Docks heißen und einen Flächenraum von 139 kn gl. Morgen einnehmen. DaS Unternehmungs-Capital besteht aus 1,000,000 8. in Aktien zu 25 L. das Stück. Troß der ungeheuren Docks, die London schon besitzt, ist daS Bedürfniß doch unabweisbar; im vergangenen Jahr konnten gegen 5000 fremde Schiffe keine Unterkunft finden. Abgesehen da^ von lagen 28,000 Küstenfahrer und Fischerbarken in der Themse, die auf dem Fluß selbst ansladen. Die Bank-Directoren haben zwar heute das DiSconto nicht erhöht, man erwartet aber eine solche Maßregel näch­stens^ da der Geldmarkt knapper wird. Auch der Glovc" (s. oben) erwähnt in seinem Leitartikel mit Bestimmtheit den Entschluß derBörsen.Mitglieder He­bräischen Glaubene, sich aller Operationen in österrei­chischen Staatsschuldscheineu zu enthalten."

3tu uit.

Turm, 19. Oct. Abends. Die Leute von wachen der gestrige Crawall zuerst arlsging, waren meist Eiscn- bahuarbeitcr, anfangs nur etwa hundert an der Zahl. Aber rasch schwoll die Masse, so daß ein paar tausend Menschen das Hotel Cavour, vor das sich die Menge wälzte, umgaben. Etwa dreißig Rädelsführer wurden verhaftet. Noch gestern Abends beeilten sich alle Mini­ster dem Grafen Cavour ihre Besuche zu machen. Die Aufregung der Menge dauert fort, was heute Graf Cavour empfindlich erfuhr, als er, vom Kriegsminister und einer Abtheilung Carabinieri begleitet, sich auf die Straßen wagte. Die öffentliche Sicherheitsbehörde und dicMnnicipalitäthaben beide ihre Proclamattonen erlassen: das erstere spricht von Verführten und Unruhestiftern, das andere von Feinden der konstitutionellen Jnstituliv- uen. Die ministerielle Presse schiebt der klerikalen Op­position die Sache in die Schuhe. Andere wittern fran­zösische Hände im Spiel. Wer hat Recht? Bei solchen Dingen reichen sich in der Regel die mißvergnügten Parteien die Hände! Man gibt dem Grafen Cavour offen Schuld, er mische sich persönlich in den Getreide- verkehr , und habe seine besonderen Interessen dabei. Diese Vorwürfe der OpositionSblätter finden natürlich bei den armen Arbeitern, die unter der Notb der Zei­ten leiden, offene Ohren und leichtgläubige Herzen ge­nug. Man fürchtet eine Erneuerung dieser Scenen. Alle Truppen sind in ihre (Klienten consignirt.

Turin, 21. Oct. Die Ruhe wird durch Patrouil­len der Nationalgarde und der Linientruppe ansrecht erhalten, und ist nicht weiter gestört worden. Dank- Adressen deS Municipalrathes, der Nationalgarde und der anwesenden Kammermitglieder sind dem Minister Cavour für die energischen Regierungsmaßregeln zum Wohle der Bevölkerung überreicht worden.

Einer telegr. Depesche ans Turin vom 22. Oct. zufolge ist der verantwortliche Herausgeber des Blattes Voce della Liberta wegen eines den Kaiser der Franzo­sen beleidigenden, von dem Deputaten Brofferio (Führcf der äußersten Linken) verfaßten Artikels zu Gefängniß und Geldbuße verurteilt worden.

Rom, 17. Oct. Die neuesten Enthüllnngcn über dns August- Komplott veranlaßten zu Ende voriger Woche die Polizei, bei fünfzehn Personen Haussuchung vorzunehmen. Mehrere derselben wurden verhaftet. Viel Aussehen erregt die Einziehung des Signor Massoni, der im Bankgeschäfte deS hiesigen englischen Konsuls Freeborn einen der ersten Posten bekleidet. Es sollen sich bei ihm Korrespondenzen schlimmer Art mit den italienischen Flüchtlingen vorgefunden haben.

Uußlaud.

Petersburg, 15. Oct. Heute Nachmittags ist eine Deputation von vier der ersten englischen Kaufleu­ten im Auftrage des Kaisers zum Finanz-Minister be­rufen worden, welcher derselben im Wesentlichen folgende

Mittheilung machte:Da Se. Kais. Majestät aus den englischen Zeitungen ersehen habe, daß für den Fall des Eintritts von Feindseligkeiten bedeutende Besorgniß ob­walte in Betreff der Sicherheit sowohl der Personen als des Eigenthums der Engländer in Rußland oder auf der Ostsee, so habe er den Minister beauftragt, den fremden Kaufleuten die Versicherung zu geben, daß, was auch geschehen möge, die Personen und das Eigenthum der Engländer sowohl zu Lande als zur See werden respectirt werden; daß zugleich jede Ursache vorhanden sei, zu hoffen, cs werde der Friede vollständig erhalten bleiben, daß insbesondere aber die starke Ueberzeugung vorherrsche, es werde, was auch im Orient geschehen möge, nicht zu einem Kriege zwischen Rußland und England kommen."

Von der russisch-polnischen Gränze, 22. October schreibt man der N.-Z.: Es soll sich bestätigen, daß Kaiser Nicolaus beiden Monarchen in Warschau formelle Versicherungen und Aufschlüsse gegeben habe, die trotz einer eventuellen Kriegserklärung eine friedliche Lösung des russisch-türkischen Streites hoffen lassen. Die Kabinette, welche im Geheimniß sind, befürchten den Ausbruch deS Krieges nicht. Dafür spräche die österreichische Armâeduction und die fortgesetzten Be­mühungen der Diplomatie, ein AnsgleichungSunttel anf- zufinden. Die kriegerischen Maßnahmen beider Ar­meen werden auch dann erst unterbrochen werden, wenn eine Verständigung erfolgt sein wird. Schließlich noch die wichtige Anzeige, daß die in Wien am 16. erwar­tete Depesche aus Petersburg am , 17. daselbst cinge- trofien ist. Der Czar hat danach die englisch-franzö­sischen Vorschläge nicht angenommen und betrachtet die Wiener Note als Schluß der Wiener Konferenz.

DliuaufurNcuthinncr.

Nach einem Schreiben auf Bukare st vom 15. d. ist die Errichtung von zehn neuen Milttärspitälern in den Donanfürstenthümern beantragt (17 bestehen be­reits). Der Generalientenant der Armee, General­major v. Sattler, hat veranlaßt, daß die Lieferung der erforderlichen Gegenstände im Offertwegc geschehe. Der regierende Fürst befindet sich mit der kaiserl. russischen Regierung im besten Einvernehmen. Sein Sohn, der­zeit Kommandant des 1. Regiments der malaeyischen Truppen, soll die Absicht haben, russische Militärdienste zu nehmen.

Mit den Depeschen eines Adjutanten Omer Pascha's an den Fürsten Gortschakoff war auch ein Firman des Sultans an unseren Hospodaren Stirbev augclaugt. Der Firman soll, wie verlautet, mit großer Feierlichkeit in der Metropolitau-Kirche dem Publicum, bekannt ge­macht werden, woran jedoch unter den obwaltenden Verhältnissen sehr zu zweifeln ist.

Einer verlässigen, demWanderer" zugcgangcnen Privatmitthcilung zufolge hat die orientalische Frage wirklich ihr Bronzell gefunden, und Europa erwartet, daß die hohe Diplomatie ihre Schuldigkeit thut.

Eine Abtheilung Muselmänner ist jüngst ans Widdin ausgefallen und hat eine Demonstration gegen Kalafat auf dem gegenüber liegenden Ufer der Donau gemacht. Der erste Kanonenschuß ist nicht abgefenert worden, dagegen haben herüber und hinüber einige Dutzend Flintenschüsse geknallt, die indeß bei der be- trächtlichen Entfernung und dem gänzlichen Mangel eines Schimmels keinerlei Schaden taten. Wichtiger und folgenreicher war am folgenden Tage das Zusam­mentreffen russischer und türkischer Streitkräfte oberhalb Widdin. Hussein-Pascha stieß nämlich ganz nuvermnthet auf eine starke Abtheilung von Kosaken. Das Schlimmste stand zu befürchten , schon glaubten Se. Excellenz den schrillen Kosaken Feldruf: kuli! kuli! zu vernehmen und bereits aus zu einem grimmigen: Allah il Allah! Da rissen die ritterlichen Krieger vom Don ihre Mützen von den beschoreucn Köpfen, nannten Se. türkische Excellenz schmeichelnd: baluschka und ließen sie unter jubelndem Hurrahrus davoureiteu. Wie man uns aufs Bestimmteste versichert, soll in Folge dieser ernsten Er­eignisse das kais. russ. Occupationscorps in ber kleinen Wallachci nicht verstärkt werden.

Wie ein Korrespondent derFr. Pstz." nach dircc- ten Briefen aus den Donansürsteulhümern meldet, er­klärte der Generalissimus der türkischen Armee dem Fürsten Gortschakoff mittelst Depesche vom 8. October, daß, wenn sich vom 20. au ein russisches Kriegsfahrzeug oberhalb des PrnthflnsseS blicken läßt, eS von den tür­kischen Batterien beschossen werde. Bei Braila ließ Omer Pascha eine kleine Donauinsel, die der Stadt gegenüber liegt, von seinen Truppen besetzen, und die­selbe Operation geschah von Seite der Türken in der Nacht vom 16. auf den 17. auch bei Widdin. Die Türken überschritten dort die Danau, nahmen von einer Angesichts der Festung gelegenen Insel Besitz und er­richteten Batterien darauf. Die Besitznahme dieser In­sel dürfte für die Festung Widdin von Wichtigkeit sein; nach der allgemeinen Ansicht in Kalafat betrachtet man diese Operation bereits als einen Act der Feindseligkeit, da diese Insel schon zur Walachei gehört. Aus der kleinen Walachei scheinen sich die Russen in den letzten Tagen zurückgezogen und ihre Hauptmacht zwischen Bu­karest, Giurgevo und Oltenitza concentrirt zu haben. Das Hauptquartier des rechten Flügels befand sich bis­her in Krajova, der Hauptstadt der kleinen Walachei.

Die Aufstellung desselben schien sich nicht jonverlich gün­stig gestaltet zu haben, die Operatlonslinie war unge­wöhnlich lang und hatte außerdem den Nachtheil, daß, je weiter sie vorgeschoben wird, das dieselbe einnehmende Armcecorps sich desto weiter von dem eigentlichen Un- terstützungspunkt, nämlich Bukarest, entfernt, daher zu- meist aus seine Kräfte allein angewiesen ist. Nachdem die Türken die Insel besetzt, verließ der größte Theil der Bewohner von Kalafat Haus und Hof und ergriff die Flucht. Am 22. war dieser Ort schon wie ausge­storben, kein Wagen, kein Stück Zugvieh mehr aufzu­treiben. Auch die Civil - und Militärbehörden hatten sich aus dem Staube gemacht. Eine Kosakenpatrouille war durch Kalafat gezogen, und nachdem der Comman­dant erfuhr, daß die Türken die Insel in Besitz genom­men , sprengte er mit seinem Häuflein in's Hauptquar­tier. Binnen 48 Stunden hoffte man, daß ein paar tausend Russen einrücken werden. Auch in Tuon Se­verin waren die wohlhabendsten Familien im Begriff, aus österreichisches Gebiet zu flüchten, weil sie die räu­berischen Ausfälle von den ottomanifchen Festungen Gla- dova und Neu-Orsova fürchteten. In Giurgevo wa­ren am 15. zwei russische Kavallerieregimenter angelangt. Die Russen fingen an, oberhalb der Stadt, bei dem Dorfe Slobozia, sowie auch unterhalb, bei Smurda, Schanzen und Batterien zu errichten. Auch ein Mehl- depot legen sie in Giurgevo an und täglich führen sie große Quantitäten zu. Allgemein war man jedoch dort der Ansicht, daß die Türken keinen Uebergang wagen, eben so wenig als die Russen vor Ankunft des aus Bessarabien erwarteten dritten Armeecorps ihre Opera­tionen beginnen werden. Ungeachtet dessen herrscht in Giurgevo doch viel Furcht vor einem Ueberfall der un- disciplinirten 2kHauten, und viele Familien hatten sich schon nach Bukarest geflüchtet.

Türkei.

Die Oesterreichische Korrespondenz vom 13. d. M. bringt folgenden Artikel aus Constnntinopel vom 12. Oct. Die letzt erschienene Nummer desJournal de Constantinople" vom 9. b. M. bringt das bekannte Kriegsmanifest der Pforte und eine Einleitung Dazu, worin es von seinem, freilich sehr einseitigen Stand­punkte , die Rechtmäßigkeit und sogar Zweckmäßigkeit des beabsichtigten Krieges zu erweisen versucht. Ein weiterer Artikel dieses Blattes in derselben Nummer ist überschrieben:Widerlegung der Motive, welche Rußland bekannt gegeben hat um seine Weigerung der Annahme der, von der h. Pforte an der Wiener Note angebrachten Modificationen zu rechtfertigen". Diese angebliche Widerlegung bezieht sich auf die bereits be­kannte und von dem Journal gleichfalls wörtlich abge- druckte Note deS Grafen v. Ncsselrode an den kaiserlich russischen Gesandten in Wien. Diese angebliche Wider­legung stützt sich vorzugsweise auf die Behauptung, jene Modificationen seien im Interesse der Souveräni­tät und Würde der b. Pforte um so unerläßlicher er. schienen, als diese Interessen durch die im Wesentlichen angeblich mit dem Sened des Fürsten von Menczikosi ganz übereinstimKenbe Wiener Note gefährdet worder wären. Ohne auf die gleichlautende Ansicht der viel Großmächte, daß die Wiener Note durchaus keiner Eingriff in das Souveränitätsrecht der Pforte enthielt Rücksicht zu nehmen, schließt der Artikel mit Ausfälle, auf die eigentlichen Absichten Rußlands und mit Be infnng auf einige der Sache der Pforte ergeben Zeitungsstimmen. Im Laufe der vorigen Woch waren mehrere Couriere aus und über Wien mit De pesten für die Repräsentanten der vier Großmächte welche sich in Folge dessen versammelten und nacheinar der mit Reschid P a s cha conferirten, angekommei Tesik Pascha, Mitglied des obersten Kriegsrathes i auf einem Staatsdampfboote nach Varna abgegaugri um sich von dort nach Sch um la zu verfügen. Er i| wie das halbamtliche Blatt meldet, der Ueberbring von Weisungen der Pforteuregierung an Omer Pasch womit diesem das, in Folge der Kriegserklärung gege' über den russischen OcenpationStruppen einzuhalten^ Benehmen vorgezeichnet wird. Auch Rifaat Pasch Präsident des militärischen Rathes der kais. Garde ui Huffan Pafcha standen auf dem Punkte, sich in's Lag nach Schuttila zu begeben.

Die Pforte hat einen Aufruf an die Truf pcn erlassen, die ermahnt werden, die Ehre und I Rechte der Nation zu schirmen. Diejenigen, denen b Muth versagt, werden aufgefordert, Dieß ohne Ansta zu bekennen, und sie werden dann in einiger Entferuu vom Kriegsschauplätze anderweitige Beschäftigung erhald Eine ähnliche Adresse soll an die Bevölkerung erlass werden, nicht jedoch, um sie zum Kampf, sondern i sie zur Ruhe und Unterstützung der in den Kan Ziehenden zu ermahnen.

ES verlautet, daß in Konstantinopel die V thcidiguug der Dardanellen neuerdings mit in Betra gezogen und zwei preußische JnstructeurS, welche Dirèctor und Lehrer an der Genieschule von Komb haue fungirten, dahin beordert wurden. Vor eins) Tagen wurde, wie dieA. A. Z." berichtet, an Abonnenten desJournal de Constantinople" ein l Reschid Pascha unterzeichnetes undManifeste de S. Porte" überschriebenes Actenstück als @$trab verteilt, das offenbar nicht ein Manifest an'S türki