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Nassauische Allgemeine Zeitung.

Ji SS» Montag den 24. ©stöber 1833.

DieNassauische Allgemeine Zeitung" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, täglich und beträgt der Pränumerationspreis für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulaiiv nnnmehtr auch fèr den ganzen Umfang deS Tdurn- und TariS'schen Verwaltungsbezirks mit Inbegriff des PostaufschlagS 2 fl für die übrigen Länder des deutfch-vstcrreichifchen PostvereinS, wie für daS Ausland 2 fL 24 kr. Anftrate werden die vierspaltig Petitzeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgasse 42, auSwärtS bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

Die antimistischen Meetings in England.

Die orientalische Frage, sagt dieOester- reichische Korrespondenz", ist in England im gegenwär­tigen Augenblicke Gegenstand der Verhandlung in öf­fentlichen Versammlungen geworden, die allerdings je- des officicllcn Charakters entbehren, aber in einem Lande, wo die resultirende öffentliche Meinung so viel­fach und gewaltig in das Triebrad der öffentlichen An­gelegenheiten eingreift, immerhin einer gewissen Be­deutung nicht entbehren. Wenn sich nun auch nicht in Abrede stellen läßt, daß manche dieser Stimmen extra­vagant und feindselig über die Maßen klingen, wie dies denn auch von manchen der dortigen Stimmführer nicht anders erwartet werden mag, so fehlt es doch anderer­seits auch nickt an erfreulichen Proben der Mäßigung, der Besonnenheit und einer Staatsweisheit, welche in jenem Lande seit Jahrhunderten so viel zu dem außer- ordentlichen Aufschwünge und der imposanten Weltstel­lung desselben beigetragen hat. Schlagend und treff­lich in jedem Betrachte erscheint uns diesfalls die Rede, welche der Kanzler der Schatzkammer Hr. Gladstone zu Manchester bei der Enthüllung des Standbildes des gefeierten Peel hielt, worin er unter Anderem auch der russisch-türkischen Differenz in einer Weise gedachte, welche eine eben so tiefe als umsichtige, eben so intel­ligente als praktische Auffassung des Gegenstandes be­kundet. Während der Redner sich offen über gewisse unläugbare Mängel des türkischen Staatslebens auS- spracb, und die Souveränität der Pforte nach den historisch zukömmlichen Begrenzungen feststcllte; während er dem Mitgefühle, welches das Schicksal der christlichen Bevölkerungen der Türkei von Seite aller zum Glau­ben des heiligen Kreuzes sich bekennenden Völker mit vollem Rechte in Anspruch nimmt, beredte Worte lieh; während er endlich das Axiom des politischen Gleichgewichtes insoweit mit Entschiedenheit geltend machte, als es das Interesse seines Vaterlandes bedingt: erklärte er unter Einem auch, cs habe die Regierung Englands, deren Reihen er angcbört, den Grundsatz angenommen, daß esihre Pflicht sei",- thigenfalls selbst aller Hoffnung entgegen oder über alle Hoffnung hinaus, jedenfalls aber so lange noch irgend ein Grund zur Hoffnung vorhanden sei, für die Auf­rechthaltung des Friedens zu wirken. Diese Versiche- rung aus dem Munde eines so vielfach ausgezeichneten Staatsmannes wird nicht ungehört verklingen. Es äu­ßert sich darin die Gewähr, daß der gute Vorsatz zu friedlicher Beilegung des schwebenden Zwistes, von dem geleitet der Redner das Cabinet in seiner Gesammtheit darstellt, fortdauern und fortwirken werde, selbst über neu hinzugetretene Schwierigkeiten der Lage hinaus mit der vollen Energie einer geläuterten und für alle Wech­selfälle feststehenden Ueberzeugung. Neben so gewichti­gen, beruhigenden Aeußerungen wird der Lärm jener revolutionären Meetings, welche den orientalischen Zwist im Interesse des' allgemeinen'Umsturzes und zur För­derung verbrecherischer, gegen die Sicherheit der Conti- ucntalstaaten gerichteten Plane ausbeuten möchte», wir­kungslos verhallen. Ter frevelhafte Wunsch dieser Par- tei/die abendländische Welt in zwei Hälften gespalten zu sehen, um Nutzen aus der allgemeinen Conflagration zu ziehen, wird zuversichtlich unerfüllt bleiben und das erhabene Princip der Ordnung und Autorität unver- scbrt hervorgehen aus der Krisis dieser Zeit. Dafür bürgt die Stellung, welche Oesterreich und Preußen neuestens angenommen, vor allem aber das tiefe, allsei­tig empfundene Bedürfniß des Friedens und der Ord­nung, welches von den Völkern wie von den Regierun­gen gleichmäßig gehegt wird, und den Agitationen der Anarchisten einen unzerstörbaren Damm entgegenstellt.

Ieutschland.

Tj. Wiesbaden, 22. Oct. Nachdem die Staats behörde dahier gegen das Verweisungserkenntniß des Criminalseuats, in der Untersuchungssache gegen Catha­rine Lefra ng aus Winden, Herzog!. Justizamts Nas­sau, die Nichtigkeitsbeschwerde erhoben, hat der Herzog!. Cassationshof Tagefahrt zur öffentlichen Verhandlung der Sache auf Freitag den 4. November, Vor - mittag 9 Uhr, anblraumt.

p Wiesbaden, 23. Octbr. In Folge des von dem hiesigen Gemeinderath, auf Antrag des H. W c y - ch a rd t gefaßten Beschlußes bei der Herzog!. Ministerial- abtheilung des Innern um die Enthebung von dem Beitrag zu den Unterhaltungkosten des hiesigen Real­gymnasiums nachzusuchen, da diese Anstalt einem städti­

schen Zwecke nicht entspreche, beabsichtigt der Gemeinde- rath von Usingen, eine Deputation an S. H den Herzog zu senden, um die Verlegung des Realgymnasiums von Wiesbaden nach Usingen zu erbitten.

* Wiesbaden, 24. Oct. Wir hatten gestern Gelegenheit uns von der Genialität und Kunstfertigkeit deö Herrn Professors H op f g a r t e n in Biebrick, welche dieser bei Ausführung des für die hiesige evangelische Kirche bestimmten Altars nebst Statuen an den Tag legt, zu überzeugen und zugleich die ungewöhnliche Freigebigkeit Sr. Hoheit des Herzogs zu bewun­dern, welche Höchstdieseiben, nachdem Sie bereits in Höchstihrem Schloß zu Wiesbaden eine interimistische Kirche auf eigene Kosten haben errichten lassen und der Stadt, resp, der evangelischen Kichengemeinde Wies­baden, noch den werthvollen Platz zu einer neuen Kirche unentgeltlich überlassen haben, abermals der Stadt Wiesbaden gegenüber bethätigen, abgesehen davon, daß Höchstdieselben in solcher Weise durch Hebung des Kunstsinnes und Kunstgcschmackcs dem Lande überhaupt, zunächst aber der Stadt Wiesbaden indirect unberechen­baren Vortheil verschaffen.

Allgemeinen Anklang hat daher die Nackricht ge­funden, daß der Gemeinderath im wohlverstandenen Interesse der Stadtgemeinde und nach dem ungetheil- ten Wunsche der Bewohner Wiesbadens beabsichtige, als geringen Beweis der Erkenntlichkeit, Sr. Hoheit dem Herzog die Jagd in der Gemarkung Wiesbaden unentgeldlich anzubieten und Höchstdieselben durch eine Deputation um Annahme bitten zu lassen.

< Biebrich, 21. Oct. Sicherem Vernehmen nach werden sich Sr. Hoheit der Herzog in Be­gleitung Ihrer Hoheit der Frau Herzogin in den ersten Tagen der kommenden Woche auf etwa 1014 Tage nach dem Badeort L ip psp ringe in die Nähe von Paderborn begeben, um einer dort abzuhaltenden Jagd beizuwohnen. Die regierenden Fürsten zu Wal­deck und zur Lippe werden ebenfalls dort eintreffen. In diesen Tagen der Abwesenheit der hohen Herrschaf­ten wird die Uebersiedlung des Herzoglichen Hofes nach der Winterrestdcnz Wiesbaden vollzogen werden und dürfte daher Biebrich schon Ende der nächsten Woche an für die Wintermonate ein stilles Ansehen gewinnen. Ausnahmsweise frühe erscheint daher in diesem Jahre die Verlegung der Residenz, und man glaubt deßhalb, daß im kommenden Frühjahr die Rückkehr hierher früher als gewöhnlich geschehen wird.

O Marienberg, 21. Oct. Heute wurde der penstonirte evangelische Pfarrer und frühere Sckulin- spector Ph. CH. Schmidt zur Erde bestattet. Er er­reichte das Alter von 78 Jahren und gebot bis zum letzten Augenblicke, der ein schmerzloser war, über seine vollen geistigen Kräfte. Dem Verblichenen hielt sein früherer Schüler und späterer Freund, Pfarrer Freuden­berg von Emmerichenhain am Grabe eine einfachwahre, ergreifende Trauerrede, die fast kein Auge [ber zahl­reich, dem Lcichcnzuge gefolgten Kirchspiels-Angehörigen undi der vielen Andern, denen der Verstorbene ein Ue­ber unvergeßlicher Freund warf, thränenleer ließ. Ein so langes anspruchsloses Leben, das im Wohlthun nie ermüdete, das mit aller Selbstverläugnung nur seinen Nebenmenschen gewidmet war, das bei hervorragenden geistigen Fähigkeiten und unverdrossenem Eifer zur Er­forschung alles Wahren und Guten, sich nie hervor­drängte , und keine höhere Anerkennung.forderte: ist eine so seltene, so erhabene Erscheinung, daß sic wohl in weiteren Kreisen gekannt zu werden verdient. Die vielen in unserm Lande zerstreuten Freunde des edlen Verstorbenen, denen er während ihres Aufenthaltes da­hier eine geistige Stützc war und jederzeit herzliche gastfreie Zufluchtsiätte bot, werden sich alle beim Lesen dieser Zeilen, dieses seltenen, tugendreichen Mannes mit Wehmuth erinnern.

Speyer, 19. Octbr. (Pf. Z.) Für das hiesige Bisthum wurde ein neuer Katechismus eingeführt.

Wie man der A. Z. aus Biberach meldet, ist die Strafe des Gutsbesitzers Conradi von Schwabing, welcher den Frhrn. von Köster in München im Zwei­kampf getödtet hat und deßhalb vom Oberamtsgerichte Biberach zu 2 Voriger Festungshaft verurtheilt worden war, im Wege der Gnade auf 8 Monate herabgesetzt worden. Die Begnadigung soll von der bayerischen Regierung selbst befürwortet worden sein. Conradi be­findet sich seit dem 1. August auf dem Hohenasperg.

Bayreuth, 20. October. Gestern schlossen unsere Sitzungen mit der Berathung über eine für unsere Zeit passende, geregelte und geordnete Kirchenzucht. Die Generalsynode machte sich nach dem von Decan Gade­

mann vorgetragenen Referate dahin schlüssig: 1) das kgl. Oberconsistorium zu bitten, daß den Kirchenvorstän- den und kommenden Diöccsansynoden als Haiiptalffgabs bezeichnet werde, zu berathen , in welcher Weise eine Kirchenzucht, resp, ehie geregelte und geordnete Hand­habung derselben wieder aufgerichtet undangebahntwer­den könne? 2) daß Behufs dieser Berathungen aus je- dem Kirchspiel genaue Nachrichten eingefordert werden, welche Ueberrestc früherer Kirchenzucht noch vorhanden seien? 3) Es möge an das k. Oberconsistorium die Bitte gerichtet werden, eine Instruction dabin zu erlassen, daß a) Lästerer und offenbare Verächter der Kirche von der Palbenschaft ausgeschlossen, b) gefallenen Brautpaaren die Auszeichnung und Ehre unbescholtener Brautpaare nicht zugestanden, c) bei Beerdigung von offenbaren Lästerern und Verächtern der Kirche der kirchliche Se­gen und die kirchlichen Ehren versagt werden. 4) Daß der Beichtanstalt bei den Diöcesanberathungen die rechte Aufmerksamkeit zugewendet werde, da sich in derselben nack und nach die verschiedensten Gebäuche geltend ge­macht haben. 5) Daß die Entschließung vom 18. Mai 1838, Anmeldung zur Kommunion und Wicdcrverehe» lichung Geschiedener betr., eine geeignete Berücksichtigung resp. Berichtigung erhalte. Diese Beschlüsse wurden sämmtlich einstimmig gefaßt, und es fügten sich hieran noch zwei mehr oder weniger einschlägige Beschlüsse: 1) Bitte an das k. Oberconsistorium um ein Formular oder allgemeine Norm für den Aufnahmsact von wieder zur Kirche zurückkehrenden Gliedern der freien Gemeinde, 2) vom k. Oberconsistorium möge durch einen eigenen Erlaß den protestantischen Pfarrämtern die Trauung gemischter Ehen, bei welchen alle Kinder in der katholi­schen Confession erzogen werden sollen, untersagt wer­den, wobei die Ausnabmöfälle der Entscheidung der hohen Kirchenh.Hörde Vorbehalten bleiben sollen.

München, 20. Oct (N. C.) Sc. Maj. der Kaiser von Oesterreich wird morgen früh 6 Uhr von Possenhofen abreisen, gegen 8 Uhr hier vor dem Send- lingcrthor eintreffen und nach erfolgtem Pferdcwcchsel sofort, ohne die Stadt nur zu betreten, die Reise nach Wien fortsetzen, woselbst Se. Maj. Freitag Nachmittag einzutreffen gedenkt. Die Personen, welche von Sr. Maj. unserm König abgcorbnet waren, den Kaiser an der Grenze zu empfangen , werden bei selben auch wie­der bis an die Grenze zurückgeleiten. Die Herren vom Gefolge des Kaisers haben von hier aus schon heute Mittag die Rückreise angetreten. Unter den zahlreichen Personen, welche der Kaiser mit Orden ausgezeichnet hat, sind sämmtliche Stabsoffiziere und die vier ältesten Hauptleute des Infanterieregiments, dessen Inhaber er ist. Se. Majestät der König hat heute Vormittag den schon erwähnten Ausflug in das Gebirge ange­treten ; für heute reist Se. Majestät bis Berg unV Possenhofen, um daselbst nochmals mit dem Kaiser zu- sammenzutreffen.

AuS Thüringen, 17. Oct. Auf unserer Eisen­bahn sind einige französische Dffziere höheren Ranges passirt, welche über Wien und Triest nach der türkischen Hauptstadt reiften.

Kassel, 22. Oct. (Kass. Z.) Seine Königliche Hoheit der Kurfürst und AUerhöchstderen Gemahlin sind heute mit Gefolge nach Frankfurt a. M. abgereist.

Vom Niederrhein, 21. Oct. DieKarlsr. Ztg." schreibt:Reisende, welche aus Belgien kommen, stellen die Thronentsagung des Königs Leopold zu Gunsten des Herzogs von Brabant, sowie ein gänzliches Umschlagen des dortigen Negierungssystems, daher auch einen Ministerwecksel, in nahe Aussicht. Eine Bürg­schaft für diese Gerüchte wollen wir indeß nicht über­nehmen."

Hannover, 19. Oct. (N. P. Z.) Der früher in Hannover als Archiv - Secretär aiigestelll gewesene Dr. Zimmer m a n n, welcher vor etwa einem halben Jahre als Professor nach der Universität Kiel berufen wurde, ist jetzt von dem Könige von Dänemark zum Etatsrath ernannt worden.

Hamburg, 19. Oct. Eine Anzahl hiesiger Kauf­leute bat, um auf den immer höher stcigcudcn Preis der Lebensmittel zu wirken, in Schweden eine ungeheure Masse von Kartoffeln angekauft, die sic das Spint zu 5 Schill, hier wieder zu verkaufen gedenkt.

NendSburg, 18. Oct. (Fl. Z.) Vor einigen Tagen haben vier der früheren schleswig-holstei­nischen Offiziere, die bis dahin noch ohne web lere Beschäftigung waren, Anstellung in Bayern erhal­ten. Dieselben sollen nämlid) auf dem dortigen Tele­graphenbureau verwandt werden. Außer diesen vier sol­len noch elf andere »»gestellt worden sein; eure uucr