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Nassauische Allgemeine Z

M 949.

Samstag de« 22. ©stöber

1833.

Die,,Nassauische Allgemeine Zeitung" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntag- ausgenommen, täglich und betrogt de» PrânumergtionSpreiS für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulativ nmmebr auch für den ganzen Umfang des Thurn- und TariS'schen Verwaltungsbezirks mit Inbegriff deS PostanffchlagS 2 ff., für die übrigen Länder deS deutsch-österreichischen PostvereinS, wie für das Ausland 2 ff. 24 fr. Inserate werden die vierfpaltix Netitieile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W, Friedrich, Langgaffe 42, auSwärtS bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

Amtlicher Theil.

Dienstnachricht

Lehrgehülfe Meis zu Sossenheim ist zum zweiten Lehrer daselbst ernannt worden.

Nichtamtlicher Theil.

Das Danau that.

(Schluß.)

Turtakai oder Tourtakan mit dem gegenüber lie­genden walachischen Flecken Olle nie za bietet einen Uebcrgangspnnkt, dessen sich die Russen in früheren Arie gen wiederholt bemächtigt haben und wo sic auch jetzt eine bedeutendejHeercsabtheilung postirt haben. Turtakai hat 3000Ein wohner und ist wie fast alle kleinen türki­schen Städte mit Mauern umgeben. Es ist einer der wichtigsten militärischen Punkte, das Terrain bietet dort nicht die mindesten Schwierigkeiten zum Brückenschlägen und die Stadt selbst ist der Schlüssel zu der Straße nach Rasgrad und Schumla. Aus diesem Grunde hat auch Omer Pascha sein besonderes Augenmerk auf diesen Platz gerichtet und für dessen sorgfältigste Befestigung durch die in der türkischen Armee jetzt so zahlreichen europäischen Ingenieure Sorge getragen.

Sil i st r i a zählt man ebenfalls zu den stärksten und bestgelegenen Festungen an der Donau. Ungeachtet der jetzt zum Theil beseitigten Unzulänglichkeiten Derg Be- festigungswerke hatten die Russen im Jahr 1829 Mühe, sich dieses Platzes zu bemächtigen und Diebitsch wagte nicht vor Einnahme desselben seine Diversion gegen Adrianopel auszuführen. Durch die Donaufestungen gelang es damals den Türken, die Russen länger als ein Jahr im Schach zu halten.

Festungen sind zwar sonst nicht geeignet, den Ueber- gang über einen Fluß zu hindern. Am Rhein sind Fe­stungen , gegen welche die türkischen Donaufestungen keinen Vergleich aushalten, und doch wurde der Fluß stets, wenn cs Noth that, überschritten. Auch wurden den Tuffen in den letzten Kriegen bei dem Uebergang über die Donau wenig Hindernisse in den Weg gelegt. Indessen war es in einem Lande, wo alles bewaffnet ist, nicht gerathen , in's Innere des Landes zu dringen und einer Armee gegenüber die Festungen im Rücken liegen zu lassen. Dies zwang die Russen im Jahr 1828 drei feste Plätze zu belagern und einzunehmen, ehe an ein VorwärtSdriiigen gedacht wurde.

Bei S.ilistria wird die Donau breiter und nimmt ihre Schnelligkeit ab; sie beträgt jedoch noch immer eine Meile auf die Stunde. Dort ändert der Strom plötz­lich seine bisherige Richtung von Westen nach Osten und fließt nach Norden bis nach Galatz, er sich wieder gegen Osten wendet und in daS schwarze Meer ergießt. Jener Theil des Landes, der zwischen der Donau und dem schwarzen Meer liegt, heißt die Do- brutscha und gehört zum Paschalik von Silistria. In der Richtung nach Norden liegt zuerst der Flecken Nas- sova, wo durch die Sümpfe am linken Ufer, die durch die Einmündung der Bcrtscha in die Donau entstehen, jeder Uebergang einer Armee unmöglich ist. Hier ist die Donau nur 12 Meilen vom Meer und von dem Hafen und festen Platz Knstendsche entfernt. Diese Landenge war einst gegen die Einfälle der Dacier durch den Trajauswall geschützt, einen Erdaufwurf mit einem davor befindlichen Graben von ungewöhnlicher Tiefe, der noch bis jetzt stellenweise nicht ganz ausgefüllt ist. Es scheint jetzt erwiesen, daß die Donau sich früher in die Rhede von Knstendsche ergoß, und daß Versandn»- gen dem Strom seine jetzige Richtung aufzwangen.

Weiter unten finden wir die kleine Festung Hir- fova, unter deren Kanonen sich zur Friedenszeit eine Schiffbrücke befindet. Don da an bis an die Mündung der Donau erblickt man eine weite sumpfige Niederung, die von Seen durchschnitten wird, von denen der größte der Rassem (bei den alten Halmyris); schlecht unter­haltene Straßen verbinden die einzelnen Dörfer und Städtchen, übrigens ist das Land fruchtbar.

Die Plätze Matschiu, Jsa ktsch i und Tultscha sind eigentlich blpö Observationspunkle und keine Fe­stungen; sie dienen nur dazu, die türkischen Flötisten zu beschützen und die russischen mit Kanomenschnffen zu beunruhigen. Zur eigentlichen Vertheidigung des Lan­des dienen die Festungen Ismail und Brailof, welche beide die Türkei im Frieden zu Adrianopel verlor. In allen früheren Kriegen waren sie die mächtigsten Hindernisse und wurde» mit der größten Hartnäckigkeit

vertheidigt. Suwaroff verlor im Jahr 1790 bei der Belagerung von Ismail 15,000 Mann und bei der Einnahme mußte die ganze Einwohnerschaft über die Klinge springen. Die Festung Braila wurde von ihm durch drei volle Monate belagert, ohne daß nur ein einziges Hauptwerk durch die Artillerie zerstört werden konnte. Als man einen anderen festen Platz mittels Minen sprengen wollte, flogen die dicken Mauern, statt sich in den Wallgraben zu senken, in die Luft und er­schlugen zum größten Theile die stürmenden Russen, da­runter auch den General Wolf. Die Breche war kaum so groß, daß fünf bis sechs Mann eindringen konnte», und fast alle Stürmenden fanden in der Festung den Tod. Gegen 10,000 Russen wurden daselbst ein­gescharrt.

Unterhalb Tultscha bildet die Do an, wie beinahe alle großen Flüsse, bei ihrem Ausfluß ein Delta und ergießt sich in drei Haupt-Armen (Avitia, Sulina und St. Georgscanal) ins Meer. Die Sulinamündung gilt bis jetzt für die allein schiffbare und gehört Ruß­land, welches somit eine der größten Wasserstraßen und den Verkehr darauf in seiner Gewalt hat. In neuester Zeit will man jedoch entdeckt haben, daß die Fluth den Georgscanal geteuft und wenigstens für kleinere Schiffe fahrbar gemacht habe was von ungeheurer Wichtigkeit wäre, da der Georgscanal auf türkischem Gebiete liegt.

Wir haben nun den Schauplatz beschrieben, aus welchem die Feindseligkeiten zunächst beginnen müßte». Es fragt sich jedoch, ob dieß bei der bereits so weit vorgerückten Jahreszeit noch möglich ist. Im Winter und auch bei regnerischem Herbstwetter ist das Land an der Donau ganz unwegbar. Es ist größtcntheils angeschwemmtcs lockeres Erdreich, das sehr bald durch­weicht ist und jeden Verkehr um so mehr die Bewegung einer Armee mit Fußvolk, schwerer Artillerie und der Unzahl von Bagagenwägen gänzlich unmöglich macht. Nur die leichte Reiterei allein kann das Feld halte». In den früheren Kriegen zogen sich die Russen im Winter stets in ihre Eantonements in die Walachei zu­rück, unterbrachen sogar begonnene Belagerungen und ließen auf dem linken Ufer nur einzelne Detachements von Kosaken und Besatzungen an ihren Brückenköpfen und in den eroberten Plätzen zurück. Ter Winter in der dortigen Gegend, obgleich diese unter demselben Breitegrade wie die Provence und ToScana liegt, ist sehr hart, indem dieselbe gegen den Nordwind nicht ge­schützt ist. Bei Ismail, insbesondere wo daS Flußbect durch viele Inseln unterbrochen ist, friert die Donau unter sechs Wintern etwa fünfmal zu, indessen vermehrt eintreten« des Thauwctter die Terrainschwicrigkciten. BiS zu dem nächsten Frühjahr wird also der Krieg allem An­schein nach ein nomineller bleiben. Omer Pascha hat ' die Weisung, die Feiiidscligkeitcn zu eröffnen, er wird sie aber nicht beginnen, am allerwenigsten die Donau überschreiten. Die Kapitulation der unweit Rustschuck auf daS linke Stromufcr'gekommenen türkischen Armee, am 20. December 18t 1, dürfte ihm ein warnendes Beispiel sein. Rußland will keine Eroberungen und wird daher auch nicht die Donau überschreiten. Im Jahr 1828 konnten die Russen den Krieg nicht vor Mitte Mâi'S eröffnen. Bis dahin (cs sind noch fünf Monate und in dieser Zeit kann sich vieles ändern) werden wohl nur kleine Neckereien und nicht das Ge­tümmel eines großen Krieges die Stille deS Donau- thales stören.

Zur Äoszta-ZUtiele^enheLt

DieHamb. Nachr." enthalten folgenden Notenwech­sel zwischen der K. K. Juternuntiatur und der norbame- ricanischen Gcsandtschajl in Konstantinopel in'Betreff der KoSzta-Ahge legen Heit:

I.Der österreichische K. K. Snternuntiuë bei der hohen Pforte Baron von Bruck an den Minister - Resiventen der Vereinigten Staaten Herrn Marsh zu Constan­tin o p e l :

In feiern Schreiben vom 4. August, wo ich die Ehre hatte, Ihre Note vom 30. Juli in der KoSzta-An- gelegcnheit zu beantworten, benachrichtige ich Sie Herr Minister, daß ich mich verpflichtet fühlte, erst die Wei­sungen der kaiserl. Regierung abzuwarten, um mich über die in Ihrer Note enthaltenen Propositionen aussprechen zu können.

In der Zwischenzeit sind über die Ereignisse, welche nach ber Haftnahme des genannten Individuums zu Smyrna vor sich gegangen , directe Verhandlungen, zwischen unse­ren zwei Regierungen eingeleitet worden, die noch nicht abgeschlossen sind.

Demungeachtet ist die kaiserliche Regierung nicht ge­neigt, die Person mit der Sache zu verwechseln, und ich bin daher bevollmächtigt, » ich mit Ihnen Herr Minister über die Freilassung und die Ucberfahrt des Martin Koszta nach America zu verständigen uno die Einleitung hierzu nach jener mir von Ihnen angezeigtcn Weise zu treffen.

In dieser Beziehung wird Martin Koszta unter der Beaufsichtigung unserer respeetiven Consularbchörden erst in jenem Moment auf ein amerikanisches Kriegs- oder Handelsschiff geleitet, wenn dieses unter Segel geht und zur Abfahrt nach America bereit ist. Ein solches Schiff darf jedoch keinen Zwischenhafen berühren, ausgenommen in den Fällen einer bedenklichen Havarie oder eines andern Seeunfalles.

KoSzta muß mit einem amcricanischen Passe verse­hen werden, welcher ihm ausdrücklich verbietet, die Reise abzuändern oder daS Schiff vor der Ankunft in America zu verlassen.

Die kaiserliche Regierung behält sich jedoch vor, ge­gen besagtes Individuum ganz nach ihren Rechten zu verfahren, wenn dasselbe sich noch einmal auf türkischen Boden wagt.

Indem diese Anordnung Ihren dicßfâlligen Anträgen entspricht, so erwarte ich von Ihrer Gefälligkeit Herr Mi­nister, daß Sie die hierzu nöthigen Verfügungen nach Smyrna bekannt machen und mich davon in Kentniß setzen, damit ich in demselben Sinn den General-Consul Oesterreichs hiervon unterrichten sann.«

Empfangen u. f. w.

II. Der Minister - Resident der Vereinigten Staaten zu Constantinopel. Mr. Marsh, an Seine Erc. den Herrn Jnternuntius Sr. K. K. apostolischen Majestät, Baron von Bruck.

Dherapia, 15. Sept. 1853.

Ich habe die Ehre, den Empfang der gestrigen Note Eurer Erc., welche die Annahme meines Vorschlages in Bezug auf die Freilassung deS Martin Koszta und sei in Rückkehr nach den Vereinigten Staaten enthält, zu be­stätigen, und dieselbe mit der Versicherung zu rnviedern daß die in Eurer Erc. Note aufgeführten Bedingunger von den 'Autoritäten der Vereinigten Staaten getreulid werden beobachtet werden.

Ich war in einem Irrthum befangen, als ich dachb der iranzösische Dampfer würde schon Freitags von Smyrn abgehen. Erst heute, den 15., ist der Tag seiner Ak fahrt, und da die Zeit nicht mehr dazu hinreichr, ut noch an diesem Morgen für unsere betreffenden Konsuln die nothwendigen Instructionen vorzubereiten, so schla; ich vor, nämsten Montag durch das österreichische von Hi abgehende Dampfschiff einen Special-Courier nach Smyn abzusenven, und spreche die Hoffnung aus, daß es Eu rer Erc. genehm sein dürfte, innerhalb dieser Zeit die f das dortige österreichische Konsulat für nothwendig crac teten Instructionen vorzÜbereiten. Schließlich darf ich meiner Freude He Ueberzeugung auSsprechen, daß mei Regierung in der Bereitwilligkeit, mit der Sc. Mäj. i Kaiser von Oesterreich dem vorgeschlagenen Arragenn seine Zustimmung ertheilt hat, und, wieIich so frei b hinzuzufügen, in der versöhnlichen Richtung, wie E. E in dieser unglücklichen Angelegenheit verfolgt haben, eir erfreulichen Beweis der freundlichen Gesinnung und Mäßigung der österreichischen Regierung 'und ihrer Deh den erblicken wird; und so hoffe ich, daß auch die j noch zwischen den beiden Regierungen obschwebenden 5 ferenzpunkre auf einem mit der Würde Und Ehre bei vertraglichen Wege werden beigclegt werden.

Ich bitte Eure Epc. die erneuerten Versicherungen n ner Hochachtung entgegen zu nehmen. jo. k.

VeirtlMsnd

* Wiesbaden, 21. Oct. Die fest dem von Jahre i»S Leben getretene S p a r g e s e l l f ch a f t dem Vernehme» nach in Diesem Jahre sehr an A Dehnung angenommen und dürfte der bei dem bei stehenden Schluffe der Sparperiode pro 1853 zu wartende Jahresbericht des Vorstandes die erfreu] sten Resultate Nachweisen. Der Vorstand Der Spat sellschast beabsichtigt jetzt ein schon im vorigen Je angeregtes Projecl, die Errichtung einer Brodcaffe treffend , auSzuführen, um, insofern ' er die nothi Mittel hiezu aufbringt, Den an der Spitze einer milie siebenden, hier ansässigen Mitgliedern der Ss gesellschaft für Die Zeiten Der Dcrmgligen Theuer daS Brod zu einem niedrigern , als Dem laufen Preise zu sichern und dies zwar: zur Anfmnnter und in Anerkennung des an Den Tag gelegten gi Willens, durch Fleiß und Sparsamkeit in Der gi Jahreszeit die nöthigen Mittel zur Bestreitung