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Nassauische Allgemeine Zeitung.

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Freitag den 21. Oktober

1S53.

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Dte,,Naffauischc Allgemeine Zcilling" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntag« ausgenommen, täglich und beträgt der PränUMerationSpreis für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulaiiv nunmehr auch für den ganzen Umfang deS Thurn- und TariS'fchen Verwaltungsbezirks mit Inbegriff deS Postaufschlags 2 fl., für die übrigen Länder deS deutsch-österrtichischeü PostverkinS, wie für daS AuSlanh 2 ff. 24 kr. Inferaie werden dië d'ierfpaltig Petitzeileoder deren Raum mit 3 kr.berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgaffe 42, auswärts bei den nächstgelegentn Postämtern, zu mackèn.

Amtlicher Theil.

Verordnung

(Den Ankauf von Kartoffeln zur Fabrication von Stär­kemehl, Spiritus und Branntwein betreffend.)

Höchster Entschließung zufolge wird hiermit bis auf weitere Verfügung verordnet:

§. L

Der Ankauf von Kartoffeln zur Fabrication von Stär- kemchl, Spiritus und Branntwein ist verboten.

8 2.

Uebertretungen dieses Verbots werden neben Confis­cation der angekauften Kartoffeln mit einer Strafe von Einem Gulden für jeden Centner Kartoffeln oder ent- sprechender Arreststrafe belegt.

Wiesbaden, den 19. October 1853. Herzogliche Ministerialabtheilung des Innern.

Faber.

vdl. Schmidt.

Vienftnachrichte«

Seine Hoheit der Herzog haben den K. K. Oesterreichischen Kämmerer Freiherrn von Zedlitz zu Wien zu Höchstihrem Ministcrresidentci, an dem K. K. Oesterreichischen Hofe zu ernennen geruht.

Seine Hoheit der Herzog haben dem Berg, meistereiaccessisten Born zu Diez die nachgesuchte Dienst­entlassung zu ertheilen geruht.

Dem Pfarrer Cäsar zu Oberroth ist die Pfarrei Elkerhausen, dem bisherigen Pfarrverwalter Pfarrer Freudenberg zu Emmerichenhain, die Pfarrei Ober roth, dem Pfarrer C h e l i u s zu Elkerhausen die Pfarrei Emmerichenhain, dem Pfarrer Lex zu Dillenburg die Pfarrei Caub, dem Caplan Ilgen zu Biebrich die zweite Pfarrei Dillenburg, dem Pfarrer Spieß zu Schönbach die Pfarrei Wehen, sowie die provisorische Versehung des Decanats daselbst übertragen uud Jier Pfarrer Fischer zu Merzhausen in den Ruhestand versetzt worden.

Todesfall. Am 13. September ist der Benestciat Dillmann zu Camberg mit Tod abgegangen.

(Verordnungsblatt Nr. 29 vom 19. Oktober 1853.)

Nichtamtlicher Theil.

Vao v-naulhal.

Die an der unteren Donau gelegenen Länder waren von jeher der Schauplatz der Kriege zwischen Rußland und der Türkei. Bei dem nahen Ausbruch eines neuen Kriege-, der nach den bisherigen Rüstungen an Heftigkeit die bisher geführten übertreffen müßte, ist es von Interesse, diesen Schauplatz näher kennen zu lernen.

Das Donauthal ist für beide kriegführende Theile von der größten Wichtigkeit, theils wegen der vielen dort befindlichen festen Plätze, theils wegen des leichten Transportes, welchen die mächtige Wasserstraße bietet. Von Orsova bis in ans schwarze Meer beträgt der Lauf der Douau über 200 Meilen. Auf dem rechten Ufer erheben sich achtzehn Festungen und befestigte Plätze, Orsova, Berza, Palanka, Florentin, Widdin, Arzoul, Lam, Zibrou-Palanka, Rahova oder Ottawa, Nicopoli, Sistova, Rutschuk, Turtukai, Silistria, Rasiova, Hir- sova, Matschin , Jsaklschi und Tultscha. Die wichtig­sten sind Widdin, Rutschuk, Silistria, Matschinn, Jsakt- schi und Tultscha. Vor dem Friedensschluß von 1829 besaß die Türkei noch an der untern Donau und auf dem linken Ufer Ismail in Beßarabien und Brailof in der Walachei, zwei feste Plätze, die in den früheren Krie­gen Rußland viel zu schaffe» machten und deren Erobe­rung sie stets mit einem ungeheuren Verlust von Men­schenleben erkaufen mußte. Ferner besaß die Türkei auf dem linken Ufer noch den festen Platz Giurgewo, der der Festung Widdin gleichsam als Brückenkopf diente.

Die Aufgabe der Türken in dem bevorstehenden Kriege kamz, da sie auf dem linke» User keine feste Po­sition haben, nur sein, die Bewegungen des Feindes zu beobachten und den Uebergang über die Donau zu hin­dern. Rußland unterstützte bisher seine Bewegungen durch Flotillen von Kanonenbooten, die eigens in Se- bastopol gebaut wurden und Geschütz von großem Kali­ber tragen. Auch die Türken halten in den Donau- Häfen unter den Kanonen der Festungen große bewaff­nete Boote zum Transport, zur Verproviantirung und Abwehr. Eine genauere Beschreibung des Flußbettes

wird daher unerläßlich sein. Vor Orsova ist die Donau in ein Felsthal mit steil aufstcigcndeu Ufern eingeengt. Die Schnelligkeit ihres reißenden Laufes beträgt dort anderthalb Meilen in der Stunde, Segelschiffe können nur von Pferden gezogen, stromaufwärts gelangen, selbst Dampfschiffe müssen mit verdoppelter Kraft fahren. AuS dem Flußbeet ragen ungeheure Felsen und überall sind Wirbel und Schnellen sichtbar. Die Wege, die einer- seitö Serbien mit Bulgarien, andererseits Ungarn mit der Walachei verbinden, sind in Felsen gehauen. Der erstere ist treppenartig und rührt, wie eine auf dem Felsen noch ersichtliche Inschrift entnehmen läßt, von Kaiser Trajan her. Bei dem Ausgang aus diesem Engpaß wird der Fluß ruhiger und breiter und bildet eine Insel, auf der sich Orsova mit seinen Befesti- gungswerken erhebt, die im 17. Jahrhundert von dem General Tosca, einem in türkischen Diensten stehenden Venetianer errichtet wurden. Gegenüber von Orsova (Neu-Orsova) liegt die österr. Grenzstadt Alt-Orsova. 5 Meilen stromabwärts gegenüber von dem walachischen Marktflecken erblickt man die Ruinen der TrajanSbrücke. Von den 20 Bögen, welche sie nach Dio Cassius hatte, sind noch fünf übrig und setzen durch die Kühnheit und Solidität des Baues in Erstaune».

Weiter stromabwärts finden sich Schnellen und Wasser­stürze, welche die Schiffahrt zu Berg erschweren, ohne sie auf irgend einem Punct unmöglich zu machen. Die erste wichtige Festung, der wir nun begegnen, ist Vid- din mit einer Bevölkerung von 20,000 Einwohnern. Sic hat die Gestalt eines Halbkreises dessen Diameter die Donau. Die BefestigungSwerke bilden ein unregel­mäßiges in die Länge gezogenes Pentagon mit einer UmfangSmauer und fünf Bastionen. Viddin ist dis jetzt noch nie von den Russen eingenommen worden, die übrigens niemals große Sereilkräfte an diesem oberen Theil der Donau entwickelt haben.

Nicopoli, eine Handelsstadt, wurde im I. 1811 von den Russen zerstört und ihr Wohlstand zu Grunde grnchtrt. Sie zählte damals 20,000 Einwohner. Die Stadt hat sich seit der Zeit wieder etwas erholt und zählt nun 10 bis 12,000 Bewohner. Die Türken be­saßen früher auf dem walachischen Ufer die kleine Stadt Turna, am Einfluß der Aluta, mit einem Brückenkopf, einen äußerst wichtigen Punct, welchen die Türken sorg­fältig im Auge behalten müssen. Auchj die UmfangS- mauer von Nicopoli ist wieder hergestellt und Omer Pascha läßt dort neue Befestigungswerke aufführen. Vor Nicopoli halten die Türken zu einer Zeit atS sie noch nicht Herren von Constanttnopel waren unter Ba- jazer 1. (1396) einen großen Sieg gegen den ungari- schen König Sigismund, welchem beinahe die ganze Christenheit zu Hilfe geeilt war, erfochten.

Das rechte Ufer der Donau lst beinahe durchaus höher als das linke. Dieser Umstand bietet für die Posi­tion der Türken große Vortheile. Indessen gibt eS Zwischenräume, wo die steilen Ufcrwände zurücktreten, sich verflachen und Ebenen sich am Strome ausbrelten. An diesen Stellen bietet das Terrain dem Uebergang über den Fluß keine Hindernisse, allein in diesen Zwi­schenräumen erheben sich Festungen, die zwar meistens schlecht construirt, immerhin aber für die erste Abwehr genügen und zu Anhaltspunkten für ein ArmeecvrpS dienen, um den Uebergang zu hindern oder wenn dies erfolglos blieb, den Feind sodann im Rücken zu beun­ruhigen. In einer solchen Erweiterung des Strom- thalcö finden wir S i st o w a mit 10,000 Einwohnern und umgeben mit Mauern und Thürmen. Diese Stadt, die einst noch einmal so viele Einwohner zahlte, wurde ebensaUS von den-Russen im Jahr 184 dem Erd­boden gleichgemacht. Weiter unten Rustschuk, eine Stadt mit 30,000 Einwohnern, erlitt zu jener Zeit das gleiche Schicksal. Die Stadt wurde jedoch wieder auferbaut und die Besestigungen nach neueren Regeln angelegt, erweitert und mit mehreren nöthigen Werke» versehen. Rustschuk ist einer der festesten Plätze an der ganzen Donaulinie. Giurgewo, das ihn auf bem gegenüber liegenden Ufer deckte, ging zwar, wie oben bemerkt, verloren; eS wurde jedoch durch die Be­festigung einer im Strom befindlichen Insel ersetzt.

(Schluß folgt.)

Venttchland

E ^Wiesbaden, 20. Oct. Die in diesen Blät tern s. Z. angezeigte Nichtigkeitsbeschwerde des Conrad Braun und Anton Schneider aus Elz hat der Cassationshof in seiner gestrigen öffentlichen Sitzung unter Verfâlligung der Beschwerdeführer in die Kosten

verworfen.

* Wiesbaden, 19. Ottbr. Das Nassauische ad6 gemeine Jntelligeuzblatl bringt uns Nun in einer be­sonderen Anlage die Statuten derWiesbader-Eisenbahn- gesellschaft." Hiernach ist der Zweck derselben die Herstel­lung einer Eisenbahn von Wiesbaden zunächst bis N i e b erla h n st ei n. Das Domitil derselben ist zu Wiesbaden. Der Gesellschaftsfoud ist auf 24,000,000 fl. oder 2,000,000 Pfund Sterling festgesetzt in 100,000 Ae- tieii â 240 fl. Die erste Einzahlung ist auf 24 fl. per Actie festgesetzt. Die Actien lauten au porteur. Jede Actie gibt das Recht! 1) auf einen Verhältniß- mäßigen Antheil an den Erträgnissen des Unternehmens, 2) auf 5% jährliche Zinsen von den geleisteten Ein­zahlungen während des Baues der Babu zufolge des Vertrags mit den Herren Fox, Hendcrsohn und Comvagnie d. V. London den 20. December 1852. Bis zur Einzahlung der ersten Vr6 der Actien ist jeder Actionär gehalten, in Wiesbaden, London oder Paris Tomicil zu wählen. Die Gesellschaft wird durch einen Verwaltungsrath von 8 bis 16 Mitgliedern, wovon mindestens drei Angehörige des Herzogthums Nassau sein müssen, vertreten. Jedes Mitglied desselben soll Inhaber von 30 Aktien sein. Bis einschließlich fünf Jahre nach der Vollendung der ganzen Linie besteht der« selbe vorläufig aus nachstehenden Herren: Rickard Hart- leei, Präsident in London; Charles Stockes, Bice« Präsident in London; Joseph Christoph Ewart in Liver­pool; Aug. Hergenhahn in Wiesbaden; Earl Kalb in Wiesbaden; Jules Lejeune in Antwerpen; Theo­dor W. R a th b o n e in Liverpool und John S a d l ei r, Parlamentsmitglied in London. Um den Generalver» sammlungen, welche an dem Domitil der Gesellschaft abgehalten werden, beiwohnen zu dürfen, ist der Beifitz von 20 Actien erforderlich. Der reine Ertrag soll ver­wendet werben 1) zur Bildung eines Reservefonds nach dem Ermessen des Verwaltungrathes, 2) zur Zahlung einer Prioritäts-Dividende bis zu 5% für jedes Jahr auf alle Actien; 3) der weitere Ueberschuß a) zu */,ö für die Gründer der Gesellschaft oder deren Rechtsnach­folger für die ganze Dauer der Gesellschaft (dieses y^ wird repräsentirt durch 300 FondateurSactien), b) die übrigen ®/10 des Ueberschußes find alsdann gleichmäßig unter die ausgegebenen Actien zu »ertheilen.

Stuttgart, 19. Oktober. Die neuesten Nach­richten über das Befinden deS Hru. Grafen von Neip- perg lauten wieder günstiger, und eS ist Hoffnung vor« banden, ihu in acht Tagen hierher transvortiren zu kön­nen. Eine gewisse Aufregung, welche sich vor einigen Tagen eingestellt halte und welche durch zu frühes, wenn auch nur kurzes Verlassen des Bettes entstanden sein soll, hat sich wieder gelegt.

München, 18. Oktober. Heute Morgen kurz nach 10 Uhr ist der Kaiser Franz Joseph von hier nach Possenhofen abgereist. Se. Maj. der König begleitete den Kaiser bis zu dem 3 Stunden von hier entfernten Jâgerhänschen. Kurz vor der Abreise des Kaisers hat sich auch dessen erlauchte Braut mit ihren Eltern und Geschwistern wieder nach Possenhofen begeben, woselbst der Kaiser noch einige Tage verweilen wird. Der gest­rige Hosball wurde von Sr. Maj, dem Kaiser mit Jhret Maj. der Königin und von Sr, Maj. dem König mit J. k. Hoh. der Prinzessin Elisabeth eröffnet. Die Elite des hohen Adels, das diplomatische CorpS, die höher» Staatsbeamten, die Offiziercorps re. rc. hatten sich überaus zahlreich eingefunden.

Die Eisenbahn zwischen Bayreuth und Neuenburg wird in der Mitte des nächsten Monats dem öffentlichen Verkehr übergeben.

Flensburg, 15. October. Außer dem ,^amb. Corr." sind im Herzogthum Schleswig verboten: die Hamburger Nachrichten" ,Weser Zeitung",Kölnische Zeitung" ; dasItzehoer Wochenblatt", und die in Ko­penhagen fortcrjcheiukUden eiderdänischen Oppositions-' blätterFaedrelandet" undDagbladet."

Stettin, 17. October. Der ehemalige Redactellt des Zuschauers in der Neuen Preußischen Zeitung, Post- secretär a. D. Gödsche, welcher zu einer Festungsstrafe verurteilt war und hier seine Strafe verbüßen sollte, ist, wie die Rordd. Zeitung hört, vom König begnadigt worden.

Köttigsberg, 18. October. (R. Pr. Z.) An Stelle der hiesigen freien Gemeinde, die bekanntlich seit längerer Zeit auch durch ein Erkenntniß letzter Instanz geschlossen ist, hat sich in diesen Tagen hier eine neue freie Gemeinde constituirl und der Polizei-Behördè be* reits ihrGlaubens Bekenntniß" sowie das Mitglieder- Verzeichnis eingereicht. Dieser neue Verein besteht ari­dengebildeteren" Personen der früheren freien Ge«