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ohne verhört gewesen zu sein, freigelaffen wurde. Die Ursache dieser Maßregel ist ihm unbekannt. Nach einem Berichte deS Gouverneurs von Senegal herrscht jetzt in dieser Kolonie die vollkommenste Ruhe. Der Reisende Augustin von Madden ist in Tripolis, in Syrien, gestorben.

Es verlautet, daß der Kaiser der Franzosen damit umgehen solle, dem englischen Hofe einen Besuch abzustatten, welchen die Königin von England erwiedern würde.

Der junge Prinz Lucian Murat hat sich in Africa die Epaulettes geholt; er wird als Unter-Lieute­nant in das Regiment der Guiden versetzt.

Straßburg, 16. Oct. (K Z.) Mit den Be­sorgnissen in Bezug auf das, was sich an die Ereignisse im Osten knüpft, gehen Gerüchte aller Art Hand in Hand. In Frankreich ist übrigens bis heute keine Maß­regel aiigeordnet, welche aus die Verstärkung des Heeres hindeutet. In den letzten Tagen sind sogar wieder zahl­reiche Beurlaubungen bewilligt worden. Die Ge- treidepreise setzten in der ersten Hälfte dieses Monats ihre steigende Bewegung fort und stehen jetzt bereits etwas höher, als in der entsprechenden Zeit des Jahres 1846. Der größte Theil dessen, was uns seit einigen Wochen aus Holland und vom Niederrhein zugcführt wurde, ging unmittelbar nach der Schweiz weiter. Viel­leicht nicht ohne Grund wird jetzt auch die Behauptung laut, Deutschland werde die Ausfuhr von Lebensmitteln verbieten. (Wird hoffentlich nicht stattfinden. Frank­reich jedoch, das selber bereits Ausfuhrverbote erlassen hat, hätte kein Recht, sich zu beschweren.) Trotz der Alishebung der Viehzölle ist der Zugang von deutschem Schlachtvieh bei uns sehr unbedeutend. Gestern ka­men die ersten Schiffe auf dem Rhein - Marne - Canal unmittelbar von Paris hier an. Sie brachten sehr be­deutende Ladungen von Rohstoffen, Colonialwaaren und americanischem Mehl. Die Saargruben liefern seit ei­niger Zeit beträchtliche Sendungen von Kohlen über Forbach nach dem Elsaß. Ein sehr ermäßigter Frach­tentarif ist denselben zugestanden.

Schweiz

Bern, 14. Oct. Die Konferenzen zwischen dem Dundesrathe und den tessinischen Abgeordneten sind zu Ende. Diejenigen, welche große Resultate davon ver­langten, werden sich getäuscht finden. Es wurden zahl­reiche Vorschläge von tessiuischer Seite gemacht, und wie man nun vernimmt, soll die Bevölkerung, welche ihr regelmäßiges Auskommen früher in der nahen Lombar­dei fand, scs sind nach demBunde" Kesselflicker, Ka- minfeger, Kastanienbrater und ähnliche Eidgenossen^ da ­durch zufrieden gestellt werden, daß mit Unterstützung des Bundes, größere Straßenbauten im Kanton Tessin unternommen werden. Ferner soll Lugano zu einem eid­genössischen Jnstructionsplatze bestimmt werden; auch durch Fortsetzung der Festungsbauten in Bellenz gedenkt man Vielen Arbeit zu verschaffen. Sogar so weit denkt der Bundesrath, daß er den tessinischen Grundbesitzern, welche ihr Grundeigenthum in der Lombardei nicht anbauen können, eine Entschädigung in Aussicht stellt. Unter­dessen dauern die bisherigen Unterstützungen von Seiten des Bundes fort.

Bei Langnau ist am 13. d. M. Abends die Pul- vermühle in die Luft geflogen. Es ist dabei Niemand umgekommen.

'Bekanntlich hat sich der k. belgische Generalconsul in der Schweiz, Herr v. Grenus, wegen der Ent­führung seines Sohnes an den Bundesrath gewendet. Dieser' hat denn auch den jetzigen Aufenthalt des Knaben ermittelt und dessen Vater davon in Kenntniß gesetzt.

Portugal.

Lissabon, 10. Oct. Ein k. Decret ist erschienen, das eine in Paris contrahirte Anleihe von 12,000,000 Frcs., ausgegeben zu 80 und 6pLt. tragend, ratificirt. Die Regierung will Capital und Interessen binnen 20 Jahren abzahlen.

Belgien

Brüssel, 18. Oct. Der französische Gesandte wird nächstens das prächtige Hotel beziehen, welches er in einem der schönsten Stadttheile gemiethet hat. Gene­ralmajor Trumper, Militärcommandant der Provinz Limburg ist in Folge ungenauer und unzuverlässiger Berichte, wie es heißt, von seinem Posten abberufen. Derselbe ist in die Reserve versetzt und ist ihm vom Kriegsminister einstweilen Antwerpen zum Wohnsitz an­gewiesen worden. Der Platzcommandant in Hasselt ist provisorisch zu seinem Nachfolger ernannt.

Dänemark.

Kopenhagen, 13. Oct. (H. N.) Die erste Be­handlung der Grundgesetz-Vorlage wurde schneller ge­schlossen,' als man erwartet hatte, aber unter sehr dro­henden Auspicien. Die Redner des Folkething wollen von Aufopferung des Grundgesetzes nichts wissen, so lange als die Gesammt-Verfa'ssung nicht vorliegt, und das Ministerium ist seinerseits entschlossen, keine sonstige Vorlage zu machen. Vorgestern berief man sich auf Blume's frühere Versprechungen; er verblieb stumm, und das Ministerium erschien überhaupt sehr wortknapp. Wie die Sachen jetzt liegen, scheint keine Annäherung zwischen der Regierung und dem Reichstage möglich. Das Ministerium ist entschlossen, nicht zu weichen.

Großbritannien.

London, 15. Oct. Hier ist das Gerücht verbrei­tet, daß ehestens von Preußen eine diplomatische Mis­sion, wie 1829 nach Constantinopel gehen werde, um einen Frieden zu vermitteln. Vorausgesetzt, daß die Nachricht sich bestätigt und daß die Pforte geneigt ist, die Vermittelung anzunehmen, wäre sehr zu wünschen, daß der betreffende Diplomat größere Sorge auf den Ausdruck verwendet, als der General v. Müffling. Dem Vertrage von Adrianopel verdankt Europa die Sperrung der Donau.

Der Verdacht gegen die angekündigte Reformbill, schlägt heute inDaily News" in helle Flammen aus. Ein Artikel der neuesten Nummer der (wigghistischen) Edinburg Review" und ein paar in ministeriellen Ta- gcsbiältern ausgestreckte Fühler verrathen auch in der That ganz deutlich die Absicht, den kleinen Städten ihre Abgeordneten zu nehmen und dafür die Vertretung der Grafschaften zu vermehren, oder, wieDasty News"^ es ausdrückt, den Einfluß der Grundeigenthümer an' statt durch die Bestechung, die Geld kostet, durch die billigere Einschüchterung der Zeitpächter zu vermehren.

Lord Aberdeen hat den Fabricanten und Kauf­leuten von Sheffield, die eine Petition zu Gunsten ei­ner friedlichen Lösung der türkischen Frage an ihn rich­teten, für diesesZeichen ihres Vertrauens" schriftlich gedankt und die Versicherung gegeben, daß die Regie­rung Alles aufbieten wird, um trotz derernsten Schwie­rigkeiten" der Lage einen mit derEhre des Landes ver­einbaren Frieden" aufrecht zu erhalten.

In Ermangelung neuerer Nachrichten aus dem Orient, bearbeitet die TagcSpresse den Edinburger Frie- denscongreß. Nach der Ansicht aller Blätter hat die Demonstration Fiasco gemacht, da außer Cobden und Bright kein Redner von Bedeutung sprach, und Cobden selbst besser geschwiegen hätte. Auf Cobden folgte Bright und Bright machte Cobden Platz. Pcas and pork, perk and peas, ganz der Speisezettel der Seeleute wie ihn Seume beschreibt. Mit Ausnahme desPeace Herald", eines so obscuren Blattes, daß Hunderttausende jetzt zum erstenmal von seiner Existenz gehört haben, und mit Ausnahme einiger Quäker- und Pictisten- Organe, bricht die gesammte Presse in einstimmige groans gegen dieSophisten" aus, die, wie ein Blatt sagt,Frieden krächzen und Krieg stiften." Nicht ein­mal Daily News, welches sonst für die Radicalcn der Cobden'schen Richtung große Rücksichten hat, kann sich heute der Satire enthalten, und fordert den berühmten Redner auf, von Land zu Land zu eilen, und überall, in Peking, in Ava und vor allem in Konstantinopel zu predigen.

Italien.

Rom, 10. Octbr. (K. Z.) Man wunderte sich, daß die Familie des beim August-Complott schwer be- theiligten Drogueriehändlers Lepri auch noch lange nach der Verhaftung des letztern Tag und Nacht von Cara­binieri bewacht ward. Jetzt hat sich gezeigt, daß die Maßregel nicht überflüssig war; denn es wurden vor einigen Tagen nach und nach vier von außerhalb ge­kommene und an Lepri adressirte politische Sendlinge von dieser Thürwache festgenommen. Lepris Wohnung in dem großen Palaste Poli, wo er auch einer reichen englischen Familie einen Flügel, einen andern dem Car­dinal Fieschi vermiethet hat, diente seinen GesinnungS- genofjen. als Sammelsplatz. Vorgestern wurden aber­mals drei Individuen, welche, den Angaben der in» quirirten Gefangene» zufolge mit in das Augustcomplott verwickelt sind, zur Haft gebracht: ein Landvermesser und zwei Beamte. Es stellt sich nach den Ergebnissen der Criminaluntersuchung immer deutlicher heraus, daß das im August eingeleitete Attentat einem guten Theile nach auch die französische Garnison treffen sollte. Ge­neral Montreal ist deßhalb gefragt worden, ob er die freien darauf bezüglichen Geständnisse der Jnhaftirten dem französischen Kriegsgerichte zu weiterer Procedur übergeben haben wolle. Er hat jedoch das Anerbieten zurückgewiesen.

Türkei

Constantinopel, 6. Oct. Die hohe Pforte hat das hier erscheinende Blatt Le Courrier de Constan- tinople unterdrückt; dasselbe hatte sich herausgenommen, eine Extra-Beilage (wir haben den Inhalt derselben in Nr. 244 mitgetheilt) ohne Censur der Pforte zu drucken. Eine demselben gewährte Unterstützung von 30,000 Piastern hat die Pforte in eine Pension für den Be­sitzer des Blattes verwandelt, da dessen Vater zur Zeit des griechischen Freiheilskampfes die schwierige Rolle übernahm, in seinem damals neu begründeten Blatte die hohe Pforte gegenüber Europa zu rechtfertigen. Wo die Feindseligkeiten beginnen werden, ist bei der vorgerückten Jahreszeit sehr ungewiß; namentlich wird sehr in Frage gestellt, ob Omer Pascha es wagen werde, über die Donau zu gehen, in so fern sich Fürst Gort- schakoff nicht zu rühren Lust hat. Es richten sich deß­halb Aller Augen nach der kaukasischen Grenze, wohin große Vorräthe von Munition von hier aus gesandt worden sind. Ueber die dort zusammengezogenen Trup­pen sind die Angaben sehr schwankend; jedenfalls be­steht ein großer Theil derselben aus rohen, uuorgani- sirten Banden (Baschibazuks, Zeibekks, tributären Kur­den u. s. w.)

Dem Manifest des Sultans an seine Völker wir-, nach derOstd. Post", wahrscheinlich die feierliche Aus­pflanzung der Fahne des Propheten nachfolgen, welcher Act der nunmehr offlciellen Kriegserklärung das Siegel der Unwiderruflichkeit aufdrücken wird. Das Dampf­boot von Odessa brachte die Nachricht, daß 30,000 M. Nusfen elngcschifft und mit aller möglichen Eile nach Redout-Kale gesandt wurden. Binnen drei Tagen soll die ganze Einschiffung vollbracht worden sein. Die demokratischen und sonstigen türkenfeindlichen Blätter schlagen jetzt schon die Russen wie die Fliegen todt. Was nicht dervortrefflichen" im besten Zustand be­findlichen und auf die höchsten Höhen der'Kriegskunst gehobenen türkischen Armee als Opfer fallen wird, stirbt jetzt schon in den Spitälern. Die Verproviantirung der russischen Armee, schreibt man demWanderer", soll sehr schlecht von Statten gehen, bisweilen soll es an Brod und jeder andern Nahrung mangeln. In den Spitälern befinden sich stets 1012,000 Kranke, ein verhältnißmäßig hoher Kraukheitsstand, Fieber, Dy- fentrie und Typhus sollen große Verheerungen anrich­ten, Cholera hat sich noch keine gezeigt. Selbst die Generale, darunter Fürst Gortschakoff 'und Dannen­berg, sind krank, ersterer soll an einem gastrischen Fie- ber leiden. Es heißt, mehrere hochgestellte Offiziere hätten nach Petersburg geschrieben und dem Kaiser er­klärt, die Armee gehe ihrem Untergrng entgegen, wenn man sie länger der Nonchalance ' Fürst GortschakoffS überlasse (?), und den Vorstellungen der Generale Satler und Kotzebue zu Folge soll bei der schlechten Wirthschaft die Armee vor dem Anfang der Campagne noch ruinirt werden. Es ist dieß der erste Fall von Insubordination im russischen Occupationsheere, das einstimmig den Fürsten PaSkiewitsch zum Obercomman­danten verlangt. Die türkischen Truppen sollen weit besser verpflegt sein. Französische und piemontefische Offiziere, wie Magnan und Gavonne, sollen ihr Mög­lichstes thun, durch alle erdenklichen Mittel der Stra­tegie einen Donauübergang der Russen unmöglich zu machen. Omer Pascha hat sich selbst nur die Taktik vorbehalten , und alle strategischen Maßregeln diesen fremden Offizieren überlassen. Der Generalissimus der Garde, Ruschdi Pascha, wird nächstens nach Adrianopel abgehen; ihn begleiten die französischen Offiziere Man- ginat, Petit nnd Gaillard; auch wird ein höherer sar­dinischer Offizier mit dem nächsten genuesischen Dampf­boot erwartet. Eine hier gehaltene Gesandtenconferenz hat beschlossen, der Türkei die Verwendung dieser frem­den Offiziere zu gestatten. Man spricht hier viel von der baldigen Ankunft des Generals Lamoriciere und des sardinischen Generals Grafen Marmora. Wenn die Feindseligkeiten nicht vor dem Winter beginnen, wird der Eine die Armee von Anatolien, der Andere die von Rumelien commandiren.

Aus Bukarest wird dagegen derKronstädt. Z." vom 7. October geschrieben:Die russischen Truppen manövriren nach Herzenslust und die kriegerischen Schau­spiele sind herrlich anzusehen. Die Haltung der Trup­pen läßt nichts zu wünschen übrig. Cavallerie ist in ungeheuren Massen in der Walachei und die Pferde sind so schön, daß man prachtvollere Thiere in so gro­ßer Anzahl gewiß noch nicht gesehen hat. Der russ. Feldherr Fürst Gortschakoff wohnt den Waffenübungen täglich bei, und hat die Lager der Truppen schon meh­rere Male allarmiren lassen, um sich von der Wachsam­keit seiner Soldaten zu überzeugen. Mit unglaublicher Schnelligkeit ist die Infanterie, Artillerie und Kaval­lerie auf ihren Allarmplätzen erschienen. Andere Be­wegungen waren unter der russischen Armee nicht zu bemerken, obgleich auch in Bukarest eine schwüle poli­tische Stimmung vorherrschend ist, und täglich großen Ereignissen daselbst entgegengesehen wird."

Eine reifliche Prüfung der Sachlage, schreibt der $ Corr. des Lloyd, wird wohl die Gewerbswelt von dem panischen Schrecken, der sie im ersten Augenblick überkommen dürfte, zurückbringen. Wie schon erwähnt, wird und muß die Donau, wenigstens den Winter über, eine trennende Schranke zwischen den erklärten Feinden bleiben. Der eine Feind hat keinen Grund, der andere keine Macht die Donau zu überschreiten. Die An­wesenheit der Russen in den Donaufürstenthümern hat bis jetzt dem übrigen Europa keinen Casus bélli ge­liefert, um so weniger kann das jetzige Verharren dazu führen, nachdem es durch eine Kriegserklärung provocirt wikde. Ueberdies ist nach Allem, was durch officiöse Organe aus Europa hieher gelangt, die Pforte als isolirt erklärt. Kämpfe in Asien, die ebenfalls wegen der Jahreszeit keine Ausdehnung gewinnen können, werden höchstens dem Zeitungsleser in Europa mehr oder weniger wahre Geschichten für die Winterabende liefern, etwa wie die Kämpfe im Kaukasus. Was küm­mern fick die Börsen um Asien, so sehr es bereits aus feinere Fühlfäden Einfluß übt. Während der fünf Wintermonate wird sich also die Kriegslust der Türken abkühlcn; wenn das Geld knapper wird, wird man zur Ueberlegung gelangen, und wenn vollends durch ein allem Anschein nach unglückich ausfallendes Wagniß Omer Pascha's der diesseitigen Selbstüberschätzung aus die Finger geklopft wird, dann dürfte auch mit der Furcht vor den kriegerischen Ministern deren Macht ver­schwinden, und die diplomatische Verhandlung ungestört