Nassauische Allgemeine Zeitung.
^ sH Montag -en 17. October 1S53.
Du,»Nassauische Allgemeine Zeitung" mit dem belletristischen Beiblatt „Der Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, täglich und beträgt der PränumeraUonSpreiS für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulaiiv nunmehr auch für den ganzen Umfang des Thurn- und TariS'schen Verwaltungsbezirks Mit Inbegriff des PvstauffchlagS 2 fl., für die übrigen Länder des deutsch-österreichischen Postvereins, wie für das Ausland 2 ff. 24 kr. — Inserate werdes die Vierihaltix Vetitzeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. — Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgaffe 42, auSwärtS bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.
Amtlicher Theil.
Dienstnachrichtett
Lehrer Link zu Heistenbach ist an die Realschule zu Diez dirigirt, Lehrvicar Kolb zu Weiperfelden zum Lehrer in Heistenbach ernannt und mit Versetzung der Lehrvicarstelle zu Weiperfelden der SchulcandidatNohl von Reichelsheim beauftragt worden.
Der mit Versetzung der Lehrgehülfenschule zu Limburg seither beauftragt gewesene Schulcandidat Schirg ist zur Aushilfe an die dasige Realschule dirigirt und Schulcandidat H o r z aus Molsberg mit Versehung der
■ Lehrgehilfenschule zu Limburg beauftragt worden.
Nichtamtlicher Theil.
Siir orientalischen Frage.
Der Wortlaut der wichtigen Aeußerung der „Oest. Torr." über die orientalische Frage und Oesterreichs künftige Stellung ist folgender: In wenigen Tagen kann for. mell der Kriegszustand zwischen Rußland und der Türkei eingetreten sein. Die H. Pforte hat die Vorstellungen aller ■ europäischen Höfe unbeachtet gelassen und niemand wird ernstlich glauben, der Oberbefehlshaber der kaiserlich russischen Truppen in den Donau- fürstenthümern werde der Aufforderung Omer Pascha's Folge geben, auf Verlangen des türkischen Generals Befehl zur Räumung der Moldau und der Wallachei ertheilen. Bei den großen Entfernungen zwischen Con- stantinopel, St. Petersburg, London und Paris ist auch kaum zu erwarten, daß innerhalb der peremtorischcn Frist ein neuer Vermittlungsvorschlag allseitige Zustimmung finden wird. Das in Aussicht stehende Kriegsverhältniß ist so eigenthümlicher Art, daß die größere Menge des Publicums sich nur mit Mühe die dabei obwaltenden besonderen Umstände zu verdeutlichen vermag. Daher rühren auch die allseitig hervortretenden übergroßen Besorgnisse, welche zu beachten und aufzn- klâren, wir für Pflicht erachten, weil sie in dem gerech- ten und wohlbegründeten Wunsche aller Nationen auf Erhaltung des Weltfriedens und seiner Segnungen ihren Ursprung haben.
Der Kriegszustand zwischen der Türkei und Rußland wird, mindestens auf den europäischen Grenzen der beiden Reiche und der beiden Operationslinien, für längere Zeit ein blos nomineller bleiben müssen. In den unwegsamen Provinzen auf dem linken wie auf dem rechten Ufer der unteren Donau ist in gegenwärtiger Jahreszeit und bis zu den vorgerückteren Monaten des nächsten Frühjahres die Kriegführung im Großen durchaus unmöglich. Lähmt dieses zeitweilige Hinderniß alle Kriegsoperationen auf der europäischen Seite, ist es ferner ausgesprochene Absicht Rußlands, wie der Pforte, ihre Armeen die Donau vorerst nicht überschrei' ten zu lassen, so werden bei dem vorherrschenden guten Willen der vier Mächte, die nächsten Monate dazu verwendet werden, eine friedliche Lösung herbcizuführeu, da wir von der erprobten Einsicht der beiden Seemächte voraussetzen müssen, daß die Theilnahme, welche sie der Türkei bethätigen , ihre diplomatische und vermittelnde Stellung nicht beeinträchtigen wird. Benützen die Höfe von Paris und London, ihren durch die Folgen der neuesten Ereignisse verstärkten Einfluß zu Constantinopel für Herbeiführung des Friedens zwischen Rußland und . der Pforte, wie wir hoffen und vertrauen, und bleiben sie in der Lage an den dahin zielenden unausgesetzten Bemühungen des kaiserl. königl. Cobinettes, wie bisher, Theil zunehmen, so könnte bei den großherzigen Absichten, welche Seine Majestät der Kaiser Nikolaus an den Tag gelegt, und dem friedlichen Charakter des Sultans ein Abschluß in eben dem Momente, wo das Schwert aus der Scheide gezogen werden soll, leich- ter zu Stande kommen, als es den Anschein hat. — Man hat vielfach die Frage aufgeworfen, welche bei dieser Sachlage die Stellung sei, die Oesterreich annehme. Sic erscheint uns klar und einfach, eine strenge Folge und Confeguenz der unwandelbar eingehaltenen Linie unserer auswärtigen Politik. Durchaus von con- servativen Grundsätzen geleitet ist und bleibt die Erhal- tung des europäischen Friedens oder dessen Wiederherstellung, wenn er auf irgend einem Punkt gestört wird, die erste und heiligste Aufgabe der Regierung unseres kaiserlichen Herrn. Eine Veranlassung zur Theilnahme oder auch nur zum eventuellen späteren Eintritte Oesterreichs in den Krieg zwischen der Pforte und Rußland, ist dermalen nicht vorauszuseheu. Ist Oesterreich aller
dings dabei interessirt, daß der Territorialbestand an seinen Ostgrenzen keine Aenderung erleide, so gewährt uns für dessen Aufrechthaltung das Wort des erhabenen Bundesfreundes Sr. Maj. unseres Kaisers eine vollkommene Bürgschaft, die keiner Verstärkung durch Demonstrationen anderer Mächte für den gleichen Zweck bedarf. Daß 'andererseits, nicht Nur der territorial« besitz, sondern auch die Größe Rußlands ungefährdet und unverletzt aus dem Kriege der Pforte gegen das gewaltige Nordrcich hervorgehen wird, daß Rußland zur Vertheidigung seiner Machtstellung sich vollkommen genügt, das wäre in der That unnöthig erst des Längeren zu beweisen. Die neutrale Stellung Oesterreichs bei dem Kriege zwischen Rußland und der Pforte ist Jo augenfällig, daß von unserer Seite durchaus keine weitere militärische Vorkehr zu treffen für nöthig befunden wurde, ja sogar die beschlossene Reduction des Effec- tivstandeö der k. k. Armee demnächst zur Ausführung kommen wird. —• Hat die Pforte so eben einen- sehr ernsten Entschluß gefaßt, so möge sie sich mindestens hüten, in der Stellung, welche sie nunmehr eingenommen , die gefährliche Freundschaft jener, aus der Gemeinschaft des continentalen Europa's ausgeschlossenen Menschen zu pflegen, welche die religiöse Aufregung im Oriente für revolutionäre Zwecke gegen christliche Staaten auszubeuten trachten. Wir erwarten, daß im Rathe des Sultans die nöthige Besonnenheit und Einsicht herrscht, und mit aller Entschiedenheit im Ganzen wie im Einzelnen, eine Unterstützung zurückzuweisen, welche der Staat, der sie annähme, entehrte, und zugleich die ohnehin kritische Lage der Türkei durch weitere Com- plicationcn gefährden müßte.
Die bedeutende Reduction, welche in Folge allerhöchster Anordnung im Stande der österreichischen Armee vorgenommen wird, besteht in Folgendem: Bei dem 1., 2., 4., 10. und 11. Corps, bei den Divisionen Roßach, Fürst Hohenlohe, v. Castigione des 3. Corps, endlich bei den zu Kroatien und der Woj- wodina gehörige» Infanterieregimenten, wird der Loco- stand per Jnfanteriecompagnie auf 60, und der Jäger- I Compagnie auf 70 Gemeine redncirt. Ferner wird bei allen diesen Truppen die Mannschaft um die Hälfte der Chargen der Mitteldivisionen bei den 3. und 4. Bataillons beurlaubt. Bei den bereits mit Chargen und Mannschaft auf Urlaub gesetzten Grenzreservebataillons wird ferner noch die Hälfte der Compagnieoffiziere re- ducirt und cs werden auch die Grenzartillerieoffiziere in den vorgeschriebenen Compagnielocostand eingerechnet. Bei der Kavallerie sind die noch vorhandenen 2. Rittmeister zu reduciren. Bei den Genietruppen werden sämmtliche Geniecompagnicu auf 120 Gemeine herabgesetzt. Der Stand der Pioniercompagnien wird auf 148 angesetzt. Bei der Artillerie werden die Bespannungen der sechs Batterien der Geschützreserve der 1. Armee aufgelöst. Die Hälfte der Kanoniere dieser unbespannt bleibenden Batterien wird beurlaubt, die Hälfte den Batterien des 3. Armeecorps zugetheilt. Die 3. Reservecompagnie des RaketencorpS wird aufgelöst und die Reservecompagnien des 2. Artillerieregiments werden auf den Friedensstand gesetzt.
Die türkischen Gesandtschaften in Paris und London, dann die Consulate in Sardinien sind, wie die „C. Z.-C." meldet, von der Pforte ermächtigt worden, brauchbare Offiziere für den Dienst der Türkei anzuwerben und mit Reisegeld zu versehen.
Ein Privalschrciben aus Constantinopel von sehr unterrichteter Seite, in das die Redaction des „Wanderers" heute Einsicht erhalten, läßt cs außer allem Zweifel, daß die Türken, im Falle Rußland der Aufforderung zur Räumung der Fürstenthümcr, keine Folge gibt, zuerst in Asien die Initiative ergreifen werden.
Nach dem „Schw. Merkur" hätte aus Anlaß der vielfachen Deutung, welche die Zusammenkünfte der Herrscher von Preußen und Rußland zu Warschau und Sanssouci erfahren, die preußische Regierung an ihre Vertreter ein, zur Mittheilung an die betreffenden Höfe bestimmtes, Rundschreiben erlassen, wonach jene Zusammenkünfte aus rein persönlichen Beweggründen her- - vorgegangen seien und die bisherige Stellung Preußens zur orientalischen Angelegenheit in keiner Weise än- 'derten." (S. u. Wien.)
Vrntschlnnd.
<? Wiesbaden, 16. Oct. In dem Artikel 4* Eltville d. 10. Oct. (Nr. 239 d. Bl.) ist der am 7. Oct. dort verstorbene Graf Carlo mann Henricourt von Grün ne irrthümlich als der Bruder des
k. k. österreichischen Generaladjutanten Grafen v, Grünne bezeichnet. Der Verstorbene war der Oheim des Letz- tereu. Ferner starb Graf v. Grünne im 85. und nicht wie angegeben im 87. Lebensjahre, was indessen schon aus dem Artikel L Eltville, 11. Oct. (iu Nr. 240) hervorgeht, in welchem der Geburtstag des Verblichenen (20. Febr. 1769) angeführt ist.
$ Bad - Ems, 14. Octbr. Die Gesellschaft für wissenschaftliche Medicin in Berlin hat in der Sitzung vom 10. Octbr. den H. Hofrath Dr. Speng- ler zu Ems zum correspondiren d en M itgli ed e ernannt. Die Gesellschaft zählt im Ganzen nur etwa 10 correspondirende Mitglieder.
Karlsruhe, 14. Oct. (Karlsr. Z.) Der hiesigen Zeitung zufolge hat Se. k. H. der Regent die bisher im Besitz der Frau Gräfin Douglas befindliche Insel Mainau im Bodensee — bekanntlich einer der reizendsten Punkte des an Naturschönbeiten so reichen „schwäbischen Meeres" — käuflich an sich gebracht.
Berlin, 14. Octbr. Die „Spener'sche Zeitung" theilt unter Berlin mit, daß der hiesige türkische Gesandte gestern Nachmittag nach Wien abgereist sei. Die „N.P.Z." bemerkt hierzu: „1,) daß zur Zeit die Pforte am hiesigen Hofe einen Gesandten nicht hat, sondern nur einen Geschäftsträger; 2), daß der türkische Geschäftsträger am hiesigen Hofe nicht abgercist ist, und daß kein Umstand vorhanden ist, der auf eine demnäch- stige Abreise desselben schließen ließe. Zugleich wollen wir zu etwaiger Erklärung erwähnen, daß der frühere griechische Gesandte in Constantinopel Aristarchi, der sich seit ungefähr 2 Monaten hier befand, um seine Söhne die hiesige Universität besuchen zu lassen, gestern nach Wien abgercist ist."
Die „N. Pr. Z." schreibt:- „Es ist früher schon beabsichtigt gewesen, den Staatsrath zuvörderst nur in seinen einzelnen Abtheilungen einzuberufen. Jetzt hören wir, daß zunächst die Abtheilung einberufen werden dürfte, welcher die Berathung über das Jagdpolizeigesetz und die Jagdentschädigungsfrage zusteht."
Unter dem Bulletin, welches täglich in der Wohnung des Generals v. Ra d owitz aufliegt, (dessen Zustand sich gebessert), erblickt man jetzt jeden Tag auch Se. Maj. den König, die Staatsminister, so wie die hohe Generalität eiugezeichnet. Ihre Maj. die Königin übersendet dem Kranken jeden Tag Weintrauben zur Labung, da die Aerzte diese Frucht angeordnet haben. Die Theilnahme für den Schwererkrankten ist im All-' gemeinen hier eine sehr große.
Breslau, 13. Oct. Der Kardinal Fürst Schwarzenberg kommt Sonnabend, den 15. October, zur Äon* secration und Inthronisation des Fürstbischofs Förster hier an.
Wien, 12. Oct. In verflossener Nacht um 12 Uhr ist der türkische Cabinets-Courier Achmet Effendi mit Depeschen vom 5. an die türkische Gesandtschaft aus Constantinopel hier angekommen. Die Depeschen scheinen । von besonderer Wichtigkeit zu sein, da sie noch Nachts i expedirt und heute jeton beantwortet wurden. (Nach der „Cop. Ztgsc." hätten diese Depeschen die Notifi- : cation der erfolgten Kriegserklärung Seitens der Pforte enthalten.) Herr Acbniet Effendi hat mit der Wiener ; Depesche bereits die Rückreise angetreten. Auch Herr c Bourqueney und Lord Westmoreland haben heute De- i Peschen aus Constantinopel erhalten. — Nach einem 1 Schreiben aus Paris bat Herr v. Hübner am 6. d. i Mts. der französischen Regierung die bestimmteste Mit- i theilung gemacht, daß weder in Olmütz noch in Warschau ? eine Koalition der Nordmächte stattgefunden habe, und i daß Oesterreich im Falle des Krieges zwischen Rußland r und der Türkei nur eine neutrale Stellung einnehmen, i vorerst aber nichts außer Acht lassen werde, was zur ’ Erhaltung des Friedens zweckdienlich erscheint. i
Wien, 13. Oct. Die ^Mitglieder der Wiener ; diplomatischen Confcrenz zur Schlichtung der russisch- i türkischen Angelegenheit im Wege des Friedens haben r vorgestern und gestern Besprechungen gehalten. — Der i Lloyd stellt die Neutralität Oesterreichs als einen Freund i dcsdicnst für Rußland dar, da auf diese Weise dessen ( Flanke gedeckt werde. 1
Im Auftrage Sr. Majestät des Kaisers werden i Pläne und Beschreibungen der bei Olmütz stattge« c fundenen Manöver an gefertigt, von denen allen Osfi- c zieren , die als Gäste beiwohnten, Exemplare zugestellt werden sollen. 1
Das „F. di Verona" schreibt: Die Arbeiten an i der Eisenbahn zwischen Verona und Coccaglio sind so '< weit vorgeschritten, daß diese Bahnstrecke, wenn nicht j unerwartete Hindernisse dazwischen trete», im Laufe des e