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Wegen- der Fahrhiiidernisse auf der unteren Donau hat die k. 's. Postdirection die Einleitung getroffen, daß die Korrespondenzen nach Cnstantinopel nicht mehr mit den Dampfhooten, sondern von morgen an wöchentlich zwei Mal an jedem Montag und Mittwoch Abends auf dem Landpostcourse von Wien nach Semlin, Orsowa, Bukarest, Rustschuk, Braila, Galaz und Constantinopcl abgesendet werden. Außerdem gehen die Landposten nach Braila und Galaz jeden Sonntag und Mittwoch Früh; und nach Galaz über Lemberg auch an jedem Mittwoche Abends. Wie dieCop. Ztg. Corresp." vernimmt, werden die Bestimmungen über österreichische Consnlar- Jurisdiction in der Levante einer Revision unterzogen und sollen bedeutende Modifikationen bean­tragt sein. Es werden wie in den österreichischen Staa­ten Tribunale zusammengesetzt, deren letzte Instanz in Triest sein wird, wodurch der Geschäftsgang erleichtert und die bisherige Verantwortlichkeit der Consularämter vermindert wurde.

Aus Brody, 8. Oct., schreibt man dem Wiener Lloyd":Die uns gestern aus Odessa zugckommcne Post ist von dort vor Ankunft des Postdampfsibiffcs aus Cvnstantinopel abgegangen, hat daher nichts Neues von Belaug mitgebracht. In Odessa trat nach einiger Stockung wieder mehr Leben ins Getreidegeschäft, indem Speculanten hoffen, daß selbst bei cintretenden offenen Feindseligkeiten zwischen Rußland und der Pforte der Export dcö Getreides nach England dadurch nicht lei­den werde; Hoffnungen, die eben nicht ungeteilt sein dürften. Schon vor mehreren Tagen empfingen hiesige Kaufleute mittelst Staffeten aus Odessa die Nachricht, daß die Pforte die Offensive ergreifen werde, ohne diese ihnen von ihren Korrespondenten gemachte Mittheilung weiter zu bringen, vermuthlich sie für sich benutzend."

Triest, 10. October. In unserem Hafen liegen gegenwärtig nicht weniger als 74 türkische Schiffe, und es sind im Laufe dieses JahrcS bereits mehr als 300, größtentheils aus den Häfen des schwarzen McereS und Albaniens angckommen.

Man meldet aus Nizza vom 6. d. M., daß ans der Meereshöhe ein Kriegögcschwader in südlicher Richtung segelnd, ohne daß man die Flagge unterschei­den konnte, erblickt ward.

ämlkreich.

Paris, 12. Oct. Der Kaiser und die Kaiserin sind heute um 2 Uhr nach Compiegne abgereist. 94 Pferde aus dem kaiserlichen Marstall sind dorthin ge­schickt, um bei den brillanten Jagdparthieen gebraucht zu werden, die im dortigen Forste abgehalten werden sollen. Das Pays wiederholt heute, daß man noch eine friedliche Lösurig der orientalischen Frage hoffen dürfe, und daß jedenfalls der Kampf zwischen Rußland und der Türkei keinen allgemeinen europäischen Krieg herbeiführeu werde, da England und Frankreich, im jetzigen Augenblicke einiger als je, Alles aufznbictcn entschlossen seien, um ein solches Unheil abzuwenden. General Carrelet, dem eine Mission in der Provinz vom Kaiser anverträut worden ist, wird überall von den Civil- und Militärbehörden und der Geistlichkeit in fei­erlicher Weise empfangen. Die Memoiren des Dr. Veron sind Hente erschienen. Sie sind eine Anccdotcn- Sammlung in welcher die meisten großen und kleinen Personen/die seit 1813 im Publicum besprochen wur­den, eine Rolle -spielen.

Außer dem zwischen dem Palast zu Compiegne und dem Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten zn Paris errichteten elektrischen Telegraphen, ist zwischen diesen beiden Punkten auch noch ein Staatsstaselten­dienst auf der Eisenbahn vorgesehen, um mit der größ­ten Beschleunigung die eingehenden Depeschen au den Kaiser zu befördern. Der Kriegsminister Marschall St. Arnaud, hat sich heute nach Compiegne begeben. Die Gräfin v. Persigny, Gemahlin des Ministers des Innern, ist, diesen Morgen von einem Mädchen entbun­den worden.

Paris, 13. Oct. Nach den gestern hier von al­len Seiten eingetroffenen kriegerischen Nachrichten hat man heute eine anzeigende oder erklärende Note der Regierung im Moniteur über die orientalischen Ange­legenheiten erwartet, die jetzt, nach der Kriegserklärung des Sultan auf dem Standpunkt der höchsten Krisis angelangt sind. Das officielle Blatt beharrt jedoch bei seinem Stillschweigen , was zu der Vermuthung führen muß, daß der Standpunkt, den die bei diesem Conflicte interessirten Mächte, einzunehmen gedenken, noch nicht genau bestimmt ist; was auch nicht eher der Fall sein kann, bis bekannt sein wird, wie der Kaiser von Ruß­land die Kriegserklärung der Türkei ausgenommen und was er darauf beschlossen hat. Man erwartet die Ant­wort des Petersburger Cabinets auf die letzte Note der französischen und englischen Regierung in wenig Tagen; die seit Kurzem zum Vorschein gekommenen Ereignisse haben ihr jedoch, wie sie auch lauten mag, den größten Theil ihrer Bedeutung benommen. Zwischen heute und morgen wird der Chaptal, dessen Ankunft in Marseille irrigerweise gemeldet wurde, daselbst erwartet, dersrische Nachrichten aus Konstantinopel vom 8. October brin­gen wird.

Zu den großen Jagdpartien in Compiegne ist auch Hr. v. Rothschild eingeladen. Die Kaiserin wird den Kaiser zu Pferd begleiten. Bei den Einladungen an

die Damen ist bemerkt, sich beritten zu machen, damit sie Ihrer Majestät folgen können. Man hat aus die­sem Umstand geschlossen, daß die Kaiserin sich gegen­wärtig wohl nicht in interessanten Umständen befinde. Ueber das Anlchen ist noch nichts entschieden. Wird eS zu Stande kommen oder nicht, werden cs die Bankiers übernehmen und mit wie viel Procent Provi­sion ? fragt man sich. Es begreift sich, welches Interesse für einen hohen Stand der Fonds die Bankiers und die Regierung haben.

Der Versuch, mit einem Seeschiffe bis an die Quais von Paris zu gelangen, hat sich wiederholt, und es ist ist gestern eine Goclette mit vollen Segeln bis zur Jn- validenkirche gekommen.^

Schweiz.

Aus der Schweiz, 12. Oct. Der BundeSrath hat den Gräuzkanlonen mitgelheilt, daß sich die fran­zösische Regierung über die häufige Zuschiebung von Vagabunden aus der Schweiz nach Frankreich beschwere. Es wird diesen Kantonen die Aufstellung eines angc. messenen modus vivendi vorgeschlagcn, um die bestehen­den Ucbelstände zu beseitigen.

Nach der Thurgauer Ztg. hat sich die eidgenösische Münzwerkstätte noch nicht sehr vortheilhaft bewährt, da die neuen Einrappenstücke, die geprägt und bisher aus- gcthcilt worden sind, den ursprünglich geprägten an Schönheit der Prägung bedeutend nachstchen.

Basel. Laut einem Privatbriefe, den das Baseler Jntelligenzblatt" mittheilt, ist die Angabe von einem bevorstehenden Verbot der Kartoffel-Ausfuhr aus Baden gänzlich unbegründet.

Bern. Die österreichische Regierung reclamirt gegen die kürzlich geschehene Entwaffnung von 5 oder 6 österreichischen Finanzwächtern durch 2 bündtncrische Landjäger und mehrere Einwohner des Pättigâus. Eine Untersuchung wird über den Fall ftattsinden.

In der Sitzung des großen Rathes von Bern vom 11. b. ist dem Professor Rettig ans Hessen-Darm­stadt und der Wittwe Fröbel, geb. Schnell dasKan- tonSbürgerrccht ertheilt worden.

Spanien

Madrid, 7 Oct. (K. Z.) Narvaez wird in diesen Tagen hier erwartet; doch wird er sich »ach Loja, seinem Geburtsorte, begeben, um dort ruhig zu leben, vielleicht in der Absicht, dort die Gelegenheit abzupassen. Ein solcher Entschluß ist sehr begreiflich; denn Narvaez ist ein Mann, welcher die politische Bühne nicht anders wieder betreten kann, als indem er die erste Rolle spielt. WaS die Königin Maria Christina betrifft, so nimmt man im Allgemeinen an, daß sie etwa am 20. d. M. hier eintreffen wird. Hr. Soul6 ist noch immer nicht hier. Die Nachricht von seiner Ankunft war falsch.

Madrid, 9. Octbr. Die Königin Isabella hat sämmtliche Maßnahmen, die ihr im Ministerrathe vom 7. d. vorgeschlagen wurden, genehmigt. Der Marine- minister Marquis von Molins hat den Bau dreier Schraubeudampffregatten in den Häfen von Ferrol und Corunna verfügt. Die Blattern find hier mit großer Heftigkeit ausgebrochen.

Großbritannien.

London, 8. Oct. So eben ziehen eine Masse Polen mit der rothen Confederatka auf dem Haupte nach dem City rood, um in dem Hause, wo die Mon tursstücke für die Polnische Legion angefertigt werden eine Versammlung abzuhalten. Sie können cs sich leicht vorstellen, welchen Fanatismus die Kriegs-Er­klärung der Pforte unter der Emigration, besonders unter den Polen und Ungarn hervorgerufen hat! Man unterrichtet mich auch, daß die (Polnische)Literarische Gesellschaft" 6000 Stück Gewehre zur Disposition hat und sich diese Waffen auf zwei Schiffen in Southamp­ton befinden, welche für den Transport der Polnischen und Ungarischen Legion bestimmt sind. Schon über­morgen, sagt man mir, sollen 900 Polen völlig armirt und unter dem Commando des Obersten O b o r S k i von Southampton abfegetu. In der literarischen Ge­sellschaft herrscht die größte- Thätigkeit, die halbe Duke Street ist von Polnischen Flüchtlingen bedeckt, die sich in das Haus derGesellschaft" drängen. Briefe aus Paris, bie heute Abend hier eingetroffen, melden, daß General Dembinski am 4. d. M. nach Coustanti- nopel abgereist ist. Die Pariser Emigration rüstet sich ebenfalls zum Aufbruche. So eben kommt mir ein Aufruf" des National-Comites zu, der jedoch zu lang ist, als daß ich Ihnen denselben heute vollständig mit­theilen konnte. Für heute daher nur einen kurzen Aus­zug :Polen, heißt es darin, der Krieg zwischen der Türkei und Rußland ist erklärt! Auf! Auf! wo noch ein Polenherz schlägt. Im Osten dämmert uns ein rosiger Hoffnungsschimmer für unser armes verrathenes Vaterland! Zu den Waffen, zu den Waffen! Die Lärmkanone hat gedonnert, Polen muß auf dem Kampf­plätze sein.

London, 10. Oct. (N. Pr. Z.) Ich enthielt mich in meinem vorgestrigen Schreiben, die zum Theil übertriebenen Gerüchte wiederzugeben, welche an jene Sitzung des Ministerraths geknüpft wurden, die den Nachmittag des Freitags ausfüllte. Es ist jetzt offen­kundig, daß sich der Ministerrath mit einem Ultimatum an die russische Regierung beschäftigt hat. Als den

Sinn desselben bezeichnet dieTimes" die Wiener Nr in derjenigen Auffassung, welche die Konferenz wirkli - hineingelegt hatte, und welche die Pforte in ihren A änderungen unzweideutiger zu machen versucht hätt « Ueber die Form aber jagt sie nichts weiter, als d< .- der russischen Regierung darin nicht gewillfahrt werd« l(S könne.Die von der Pforte verlangten Aenderung« £ sind substantiell von den Westmächten als Grunvlm ihrer Bedingungen angenommen worden, während bi ^ Wünschen des Kaisers NikotauS, die den Formpunkt b 3 treffen, nicht entsprochen worden ist." Das würde he ßcn, daß weder die Wiener Note nebst Declaration il $ res Sinnes, noch die von der Pforte abgeänderte Not IC sondern eine neue Note dem Ultimatum zu Grünt H liegen soll. Ein Leitartikel derTimes" heut vor ad * Tagen bemühte sich zu zeigen, daß die ursprünglich ^ Note, nebst einer authentischen Erklärung derselben buri 111 die Konferenz als Garantie gegen künftige Uebergrifs c" Rußlands nicht genügen könne, da Rußlands eigen H Erklärung dieser selben Note im andern Sinne nu n> schon einmal vorhanden sei, die dadurch nicht vernicht« 13 werde, daß es sich vorläufig und ohne die praktisch 1" Anwendung, eine andere Auslegung des Textes burt n andere Leute gefallen lasse. Die Ansicht der Ministe ^ von der Sache scheint also hiermit zu harmoniren. E '" wird übrigens ausdrücklich versichert, daß die Beschlüss 111 der Minister am Freitage vollkommen einstimmig gewesen seien. Da Sir W. Molesworth, wie in $ vorigen Briefe erwähnt, durch Zufall nicht zugegen war, können für ihn keine späteren Gefahren aus diese 11 trinmphirenden Einstimmigkeit erwachsen.

In den Wochenblättern ist beinahe von Nicht« als Russen und Türken die Rede. Welche Farbe in die C1 fern Zweig der Presse vorherrscht, haben wir oft genuj angedcutet. Die toryistischen Wochenblätter, wieJohi C: Bull" undBritannia", die seit 1848 die auswärtig« 1,1 Politik Palme rsto n's auf das Strengste zu beur- theilen pflegten, haben natürlich dieselbe Schwenkung wieHerald" undStandard" gemacht und folgen blind- lingö dem jünger« und lebhafter» Vertreter des Torvis- u- mus in derWochcn-Jonrualistik:The Preß". Die neueste Nummer dieses Blattes wimmelt wieder von 1° boshaften Epigrammen, die man allgemein Disraeli selbst zuschreibt. Von den vier Mächten, die sich an " der orientalischen Frage bethciligt haben, heißt es:Der r Bär brummt, der Adler steigt, der jHahn kräht, der 11 Löwe schnarcht," Und in einer dramatisirten Pa- rodie des letzten Cabinets - Conseils spielen alle Mini- 1 ster, mit Ausnahme Palmerston's, die possenhafteste 1 Rolle. Hier eine Probe aus dem Blatt zur Charakte- , ristik der augenblicklichen Partei-Stimmungen, $ so wie der Zustände im Allgemeinen. Am schlimmsten » kommt Lord Aberdeen weg, der, so oft er das Wort 7 nehmen will undIch hab' einen Plaaan" ruft, 11 einstimmig zur Ordnung gerufen wird. Lord Claren- . don schlägt vor,die Concentriruiig der Ideen, welche zur Befestigung des Friedens die Gestalt von Unter- Handlung angenommen haben, durch die 'Richtung aus f.1 die Harmonie aller Mächte in einer so befriedigenden 11 Weise zu bewerkstelligen, daß eine diplomatische Mit- " theilung im Sinne der Verträge und im Interesse ab ler Bethciligtcn auf eine Rückwirkung zu Gunsten der Symmetrie in, den Beziehungen Europa's berechnet zu " sein scheinen dürfte rc." So ungefähr würde auf Deutsch der Unsinn klingen, mit dessen Ergründung sich die an- der» Minister unter dem Pelotonfeuer Palmerstonffcher " Späße beschäftigen, bis endlich Lord Palmerston U| auf die Aufforderung, auch einmal ein ernstes Wort zu reden, entgegnet:Reden? Wozu? Geschwatzt, denk' ich, habt Ihr genug. Wir haben g'rad 5 Minuten Frist. Telegraphirt augenblicklich an Dundas, in's Schwarze Meer zu brechen und rechts und links d'rauf ' los zu feuern. jEs ist keine Minute zu verlieren." Alle:Ah! Also für Kossuth und Mazzini!" Pal- m erston, achselzuckend:Meinetwegen laßt's bleiben. 5 Was gcht's mich an? Ich habe nichts d'rein zu reden, -natürlich. Aber, ich sage Euch, Ihr seid so" in die Dinte gerathen , daß Ihr nicht mehr wählig sein dürft. . Dankt dem Himmel für jeden Extra-Zoll Stahl, der ' auf Eurer Seite gezogen wird. Sonst ist kommendes v Jahr die Landkarte Europa's Maculatur geworden. ' Allgemeine Bestürzung. Lord Aberdeen: Ich hab' einen Plaan. Alle: Bah , bah! und das Conseil stürmt unverrichteter Dinge auseinander.

Der Spectator fürchtet, die Regierung kenne die L ' Meinung des Publicums so wenig, wie dieses die Be­schlüße oder Bestrebungen der Regierung. Die diplo- matische Geheimthuerei möge in einem Lande, wo das L Volk ganz willenlos sei, wie in Rußland, die Macht der Executive stärken; in England aber, wo zuletzt doch bie öffentliche Meinung den Ausschlag gebe, sei die Geheim- nißkrämerei eine gefährliche Halbheit, und großentheils 1 die Ursache der schmählichen Niederlagen Englands auf jg dem diplomatischen Felde. America zeige, daß volle Oeffentlichkeit die Leitung auswärtiger Angelegenheiten )d| in einem rcpräsentantivcn Staate am besten fördere. (Ansichten Urquharts, welchen die Wochenpreffe bisher als einen Sonderling verspottete.) Der Examiner feuert eine Breitseite von sieben Artikeln gegen Ruß­land, Oesterreich, die Times und die Friedensgesell­schaft ab. Dem Präsidenten der letzter« wird eine sa