Nassauische Allgemeine Zeitung.
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JV' S^V Freitag de» 14. Oltobtt 1833.
Die„Naffaulfche Allgemeine Zeitiing" mit dem belletristischen Beiblatt „Der Wanderer" erscheint, Sonntag- Ausgenommen, täglich und beträgt der PtänumerationsprelS für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulaiiv nunmehr auch für den ganzen Umfang des Tburn- und TariS'schen BerwallungSbezirkè mit Inbegriff deS PostaufschlagS 2 fl„ für die übrigen Länder des deutsch-österreichischen PostvereinS, wie für daS Ausland 2 fl. 24 kr. — Inserate werden die Lierspaltig Ketitzeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. — Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgaffe 42, auSwârtS bei den nächstgelegenen Postämtern, zu Machen.
Die Eheu zwischen den Herrscherhäusern Oesterreich und Sayern.
(A. 3) Unter allen europäischen Herrscherhäusern finden sich keine, die so häufig in ehliche Verbindnüg getreten sind , als die beiden Regenten - Familien Oesterreichs und Bayerns. Die Verbindungen sind seit 580 Jahren so zahlreich, die Verhältnisse so innig, daß man die vorübergehenden Zwiste, die zwischen diesen beiden Häusern statthatten beinahe wie ein Familiennnglück betrachten muß, worauf dann nur immer eine engere Verbindung erfolgte. Bei der nun bevorstehenden Vermählung des Kaisers von Oesterreich mit Prinzessin Elisabeth von Bayern ist ein Rückblick auf die früher ge- schlosseuen Ehen zwischen diesen beiden Herrscherhäusern wohl nicht ohne Interesse.
Bis jetzt sind einundzwanzig solcher Ehen cingegan- gen worden, und ein Orientalist würde gewiß darin eine günstige Vorbedeutung finden, daß nach dreimal sieben Ehen, der im Orient heiligen Zahl sieben, zum vicrtcnmal gerade mit der Heirath des Kaisers Franz Joseph beginnt.
Betrachten wir zuerst die Reihenfolge der österreichischen Prinzessinnen die nach Bayern gcheirathet haben ; es sind deren zehn.
Ihre Reihe beginnt schon unter Rudolph dem Habsburger, dem Gründer der Macht des Hauses Oesterreich.
1) Mechtilde, Tochter des Kaisers Rudolph, wurde vermählt mit Ludwig dem Strengen, Kurfürsten von der Pfalz, im Jahr 1273.
2) Katharina, eine andere Tochter Kaiser Rudolphs, wurde vermählt mit Herzog Otto von Bayern im Jahr 1278. Es ist derselbe Otto, der im Jahr 1305 von den Magyaren zum König von Ungarn gewählt wurde; Katharina aber hatte dieß nicht erlebt.
3) Margaretha, Tochter Herzog Albrechts IV. von Oesterreich, wurde 1412 die Gemahlin Herzog Heinrichs des Reichen von Bayern.
_ 4) Kunigunde, Tochter Kaiser Friedrichs IV., vermählte sich im Jahr 1487 mit Herzog Albrecht IV. von Bayern. Die Ehe wurde vermittelt durch den nachmaligen Kaiser Maximilian I., Friedrichs einzigen Sohn. Die Spannung, die damals zwischen dem Kaiser und dem Herzog von Bayern bestand, wurde durch Maximilians und Kunigundens vereinte Bemühungen ausgeglichen.
5) Maria Anna, Tochter Kaiser Ferdirands I., wurde 1546 mit Albrecht V. Herzog von Bayern vermählt.
6) Maria Anna Joseph, Tochter Ferdinands III., vermählt mit Johann Wilhelm, Herzog von Pfalz- Neuburg, 1678. Johann Wilhelm wurde nochmals Kurfürst. k
7) Maria Antonia, Tochter Kaiser Leopolds I. Ihr Gemahl war der ritterliche Kurfürst Max Emanuel, der Eroberer von Belgrad; die Vermählung fand 1685 statt.
Maria Antonia's Mutter war die spanische Prinzessin Margaretha Theresia. Der einzige Sohn Max Emanuels und Maria Antonia's hatte bei dem nahe bevorstehenden Erlöschen der spanischen Habsburger die Aussicht auf die größte Erbschaft der Welt, denn ihm hätten nach dem Erlöschen der spanischen Habsburger Spanien, Neapel, Sicilien, Mailand, die Niederlande und alle spanischen Besitzungen in America und Asien gehört, aber Gott rief den siebenjährigen Prinzen von der Welt ab, als der König von Spanien Karl noch lebte.
8) Maria Amalia, Tochter Kaiser Josephs 1. wurde vermählt mit dem Kurfürsten Karl Albrecht, nachherigem Kaiser Karl VII. 1722. Die pragmatische Sanction Karls VI. hatte festgesetzt, daß im Fall des Erlöschens seiner männlichen und weiblichen Nachkommenschaft das Erbe auf die Descendenten seiner beiden Nichten, der Kurfürstinnen von Bayern und Sachsen, überzu- gehen habe.
9) Maria Leopoldina , Tochter deS Erzherzogs Ferdinand von Este, heirathete den Kurfürsten Karl Theodor von Pfalz-Bayern-Sulzbach im Jahre 1795.
10) Auguste, Tochter Leopolds II., vermählt mit Prinz Luitpold, Sohn König Ludwigs von Bayern 1844.
Nach Oesterreich wurden bis ‘ jetzt elf bayerische Prinzessinnen vermählt und 'zwar:
1) Elisabeth, Tochter Herzogs Stephan von Bayern mit Otto dem Fröhlichen im Jahre 1334; aus dieser Ehe entsprossen zwei Söhne, die aber im jugendlichen Alter starben.
2) Johann, Tochter Albrechts 1. von Bayern mit Albrecht IV. Herzog von Oesterreich, 1396. Ihr Sohn war der nachherige Kaiser Albrecht II., unter dessen Herrschaft Böhmen zum zweitenmal, Ungarn zum erstenmal an das Haus Oesterreich kam.
Elisabeth, Tochter Kaiser Ruperts, vermählt mit Herzog Friedrich mit der leeren Tasche 1406. Die Chronik sagt von ihr: „eine schöne bleiche Frau/ Als Friedrich durch Kaiser Sigmund in die Acht erklärt wurde, hielt sie im Unglück standhaft bei ihm aus. In ihrem Sohn Sigmund erlosch die tirolische Lienie des Hauses Oesterreich. .
4) Maria, Tochter Albrecht V., Gemahl Erzherzogs Karl von Steiermark, Vermählung 1570. Karls Vater Ferdinand I. hatte die österreichischen Erblaude unter seine drei Söhne getheilt, so war Steiermark an Erzherzog Karl gekommen. Seine Gemahlin Maria war eine epen so geistreiche als fromme, eben so kluge als standhafte Frau. Sie ist die Stamm-Mutter aller nachfolgenden Habsburger. Wer ausführlich über das manuichfache Wirken dieser höchst merkwürdigen Fürstin unterrichtet sein will, findet in Hurters Geschichte Ferdinand II. alles was bis jetzt über dieselbe bekannt ist.
5) Maria Anna, Tochter Herzogs Wilhelm von Bauern, Gemghl Kaiser Ferdinands II., Vermählung 1600. Der Kaiser war der Sohn des Nr. 4 erwähnten Erzherzogs Karl und Marie von Bayern.
6) Eleonora Magdalena Theresia, Tochter des Herzogs Wilhelm von Pfalz-Neuburg, dritte Gemahlin des Kaiser Leopold I., vermählt 1676. Eine überaus fromme, christlich-demüthige Frau. Als sie erfuhr, daß ihr Beichtvater einen Aufsatz über ihre Tugenden geschrieben, ließ sie sich den Aufsatz geben und warf ihn ins Feuer. Wissentschaftlich sehr gebildet, schrieb sie. ein Andachtö- buch, welches gedruckt wurde; sie war nicht nur fromm, sondern auch politisch thätig ; da der Kaiser nichts französisches lesen wollte, verfaßte sie Auszüge aus französischen Staatsschriften, wenn sie glaubte, daß ihm die Kenntniß derselben nöthig sei. Sie überlebte den Kaiser und auch ihren erstgeborenen Sohn Kaiser Joseph!. Bei dem unvermuthetcn Tod des letzteren-übernahm sie die Zügel der Regierung, und führte sie unter verwickelten Verhältnissen mit Umsicht und Kraft bis zur Ankunft ihres zweiten Sohnes, Karl VI., der damals in Spanien war. Ihr gebührt der Ruhm die Rakoczi'« sche Rebellion durch den Szathmarer Frieden geschlossen zu haben. Ausführliches über sie ist in Mailaths Geschichte des österreichischen Kaiserstaats, vierter Band, nachzulesen.
7) Maria Josepha, Tochter Kaiser Karls VII, vermählt mit Kaiser Joseph II, 1765.
8) Maria Karolina Augusta, Tochter Maximilians!, Königs von Bavern, vermählt mit Franz I, Kaiser von Oesterreich, 1816.
9) Sophia, Tochter Maximilians!, Königs von Bayern, vermählt mit Erzherzog Franz Karl, 1824.
10) Adelgunde, Tochter König Ludwigs v. Bayern, vermählt mit Erzherzog Franz Ferdinand, Herzog von Modena, 1842.
11) Hildegarde, Tochter König Ludwigs von Bayern, vermählt mit Erzherzog Albrecht 1844.
Die nächstbevorstehende Verbindung des Kaisers Franz Joseph mit der Prinzessin Elisabeth wird, wie schon gesagt, die zweiundzwanzigste Ehe sein zwischen den Häusern Oesterreich und Wtttelsbach.
Nur der Vollständigkeit wegen erwähnen wir noch, daß auch zwischen den spanischen Habsburger!! und dem bayerischen Regentenhaus eine eheliche Verbindung statt- gehabt hat. Maria Anna, Tochter Herzogs Wilhelm von Pfalz-Neuburg, wurde mit Karl II., König von Spanien, im Jahr 1690 vermählt. Sie war die Schwester der Nr. 6 erwähnten Prinzessin Eleonora, Gemahlin Leopolds I. Die Ehe blieb kinderlos.
Es würde ein an häuslichen und gicßcntentußenten reiches Buch geben, wenn ein bayerischer oder österreichischer Geschichtsforscher die Biographien dieser Fürstinnen schreiben wollte.
Jur orientalischen Frage. '
Die Bedenken, welche über das Verhalten Frankreichs und Englands gegenüber den Olmützer Aus- gleichungsvorschlägen verlauteten , waren, schreibt der officiöse f* Münchner Korrespondent der A. A. Z., wie sich jetzt zeigt, nicht ohne Grund. Nach den neuesten Erklärungen der Höfe von London bestätigt eS sich, nämlich daß Frankreich und England die Olmützer Vor
schläge , unter den gegenwärtige» Verhältnissen, »ich mehr für annehmbar erachten. Eben so bestätigt cS sich, daß die vereinigten Flotten gegenwärtig die Dardanellen bereits passirt haben dürften. Die Verständigung ist übrigens mit dieser Wendung der Dinge keineswegs abgeschnitten. England und Frankreich sollen näm- I sich zugleich tiiit ihrer Erklärung zu erkennen gegeben ' haben, daß sie an der Möglichkeit fest halten durch neue i Unterhandlungen eine Ausgleichung herbcizufübrcu. Daß man auf dem vorgeschlagenen neuen Weg eine Ver- i ständigung wirklich hofft, das zeigt die für die Erhaltung des Friedens so zuversichtliche Sprache der »am- i Haftern französischen und englischen Blätter. ES ver- j lautet zwar noch nichts näheres darüber ob die W ; wünschten neuen' Unterhandlungen wirklich stattfinden werden, doch ist das wohl nicht zu bezweifeln.
Die Nachricht, daß Lord Stratford wahrscheinlich s in Folge des von der „Times" als so wichtig bezeichneten Eintreffens der durch den „Triton" überbrachten ji Depeschen, vom Sultan die Verschiebung jeder Ent- i scheidung bis zum 15. October erlangt habe, findet ihre Bestätigung in einem Wiener Schreiben der „A. A. Z." Dieses findet, daß die plötzlich geänderte Haltung der i westlichen Kabinette den Frieden weit mehr compromit- ; tirt, als sie ihn durch ihre bisherige Mitwirkung an ( dem Wiener Vcrmittelungsprojccte je zu fördern im i Stande waren. Wie stichhaltig übrigens der Vorwand t sei, diesen Wechsel in der Politik Frankreichs und Englands dadurch motiviren zu wollen, daß Rußland die i Wiener Note nach ihrer wirklichen und nicht bloß schein- - baren Bedeutung interpretirt, wurde bereits neulich aus- - etnanvexgesetzt. Rußland wird sich hier wohl trösten i müssen, Vorwürfe zu hören, die es im Grunde keines 1 andern Verbrechens auzuklagcn wissen, als daß es sich i von seinen westlichen „Alliirten" nicht hat düpixen las- t scii wollen. Die Sprache der englischen Blätter ver- : möge übrigens über die Sachlage in keiner Weise auf- : zukläreu, da der Portefeuillesstreit zwischen Tories und Whigs sich in die pomphaftesten Phrasen kleidet, und • aus dem ernsten russisch-türkischen Drama ein Jntri- : gueustück für Freihändler und Protectionisten macht.
Der Besuch des Kaisers von Rußland in Berlin wird allgemein als eine Stütze für die Hoffnung angesehen, daß der Ausgang der türk.-russ. Differenz ein friedlicher sein wird. Die durch einen Dampfer aus Konstantinopel vom 2. d. nach Marseille gebrachte Nachricht, daß die Pforte die Räumung der Donaufürstcn- thümcr verlange und sonst mit Feindseligkeiten drohe, kann diese Hoffiinng nicht beeinträchtigen. Ansführung und Erklärung sind hier durch eine Kluft getrennt, die mit der Bestimmung, welche ihr 40 Tage nach der Notification der Kriegserklärung, falls bis dahin die Douaufürsteuthümer nicht von den Russen geräumt sind, Kraft gibt, gleichsam bildlich dargestellt erscheint. In 40 Tagen werden die schon jetzt schwierigen Kriegsoperativnen vollends unmöglich geworden sein. Auch die Schwierigkeit, welche das Londoner Cabinet der in Olmütz versuchten Vermittelung entgegenstellt, schwindet in der Aussicht, das auf einer neuen Basis durch eine neue Konferenz, zu erzielende Resultat auf die jetzt gewonnene genaue Kenntniß der Situation und die dadurch ermöglichte unparteiische Berücksichtigung sowohl der türkischen als der russischen Interessen begründen zu können. Uebrigens weisen die Drohungen der englischen Presse auf einen Maßstab, der in Hinblick auf die Interessen deö englischen Welthandels jede Besorg- ' niß, daß dem Worte hier die That folgen könne, karikirt. Oesterreich beweist durch deu Abschluß der neuesten Anleihen wie durch die Reise des Kaisers znr verwandtschaftlichen Vereinigung in München, daß der dort an der Börse so fühlbar gewordene Schrecken sich bereits gelegt. Preußen, das durch seine neutrale Stellung in Folge des Besuchs des Czarcn, wie aus glaubwürdiger Quelle versichert werden kann, nicht um die Breite eines Haares geändert. Vielmehr waltet am Throne wie im Lande, int Ministerium wie in allen Kreisen die aufrichtige Absicht vor, jenes Werk des Friedens nach allen Kräften und mit allem Eifer zu vollenden. ,
Die „Zeit" kommt auf ihren neulichen Leitartikel zurück, in welchem sie der Neutralität Preußens in der । orientalischen Frage daö Wort geredet hatte. Heute, sagt sie, wenn Preußen neutral bleibe, so könne damit , , keineswegs gesagt sein, daß es sich selbst zum Nichtsthun bestimme. Preußens Aufgabe sei vielmehr eine „ycrmiltclnde" Neutralität. Je weniger eigenes Inte- ‘ ; resse cs zu dem Streitobjecte zeige, mit um so größerer ‘ j Unbefangenheit könne es seine vermittelnee Stimme er- ,
heben, und je mehr Aussicht sei vorhanden, daß man ,
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