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Nassauische Allgemeine Zeitung.

TV' »4/. Donnerstag den 13. October 18 »4.

DieNassauische Allgemeine Zeitung" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, täglich und beträgt der PränumeraiionSpreiS für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregnlaiiv nunmehr auch für den ganzen Umfang deS Thurn- und TariS'schen LerwaNungsbezirls mit Inbegriff deS Postausschlags 2 fl., ,ür die übrigen Länder des deutsch-österreichischen PostvereinS, wie für das Ausland 2 fl. 24 tr. Jnftrate werden die vierspaNix Netitzeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgaffe 42, auSwärtS bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

Hrrs dem Orient.

Der Divan, der nur ein berathender Körper ist, hat seinen Beschluß über das unbeugsame Beharren bei den bekannten Modificationen natürlich nur in Form eines Gutachtens an den Sultan formulirt und dem Ministerrathe als Executive die Instandsetzung dieses Beschlusses und die Durchführung der Eonsequenzen anheimgestellt, jedoch unter Beifügung darauf bezüglicher Rathschläge. Die weiteren Maßnahmen sollen nach dem Lloyd dahin gehen, durch ein neues Manifest des Sul­tans dem In- und Auslande den festen Beschluß in Betreff der SRobificationeH und die Motivirung dieses Beschlusses kund zu thun unter Beifügung der Erklä­rung, daß Rußland die Donaufürstenthümcr, das in Besitz genommene Pfand, herauszugeben habe, indem die Besitznahme eine rechtlose gewesen, da sie sich auf eine unberechtigte Forderung gestützt habe. Zur that­sächlichen Herstellung des Status quo ante wird zugleich dein Omer Pascha, Commandirenden der osmanischen Streitkräfte, der Befehl ertheilt, dem Commandirenden der russischen Occupationsarmee in den Donaufürsten- thümern von dieser Sachlage Mittheilung zu machen und ihn aufzufordern, die Donauprovinzen mit seinen Truppen zu verlassen, widrigenfalls er die Räumung dieser Länder mit gewaffneter Hand zu bewerkstelligen habe. Am 29. v. M. war der Ministerrath mit der Abfassung der betreffenden Schriftstücke beschäftigt. Nach dcy vorhandenen Dispositionen ist indeß keinesfalls an­zunehmen , daß die bezeichneten Umrisse irgend eine wesentliche Aenderung erfahren dürften.

Die Truppensendungen nach der Donau und zur asiatischen Armee dauern nach einem Schreiben der Ind. Beige aus Constantinopel vom 29. fort Ins­besondere wird die asiatische Armee verstärkt, was zu dem Glauben Veranlassung gibt, daß der Angriff gegen Rußland von den asiatischen Grenzprovinzen aus cr> folgen werde, worauf auch in der A.AZ. Hingedcutct wurde. Zn einer Nachschrift berichtet der Correspondent der Ind. BAge, daß der Sultan am 29. Sept um 6 Uhr Abends, ungeachtet aller Vorstellungen, den Beschluß des Divans sanctionirt habe. Gleiches melden die Ostdeutsche Post" und derWanderer", ersterer mit dem Beisatz, daß Omer Pascha und der zu Erzerum befehligende Selim Pascha den Befehl erhalten haben, sich zum Kampfe in Bereitschaft zu halten, letzterer mit der weiteren Bemerkung, daß bereits An­stalten getroffen werden, die Canzlci, die russische Post und das Dragomanat von Constantinopel fortzubringen und alle russischen Unterthanen in Sicherheit zu bringen. Zum Glück sagt der Wanderer ziepen sich starke Hoff­nungen durch alle Berichte: Fortsetzung der Conferenzcu, Geneigtheit Rußlands zu unterhandeln und höchste Un­wahrscheinlichkeit des unmittelbaren Beginns der Feind­seligkeiten. * Allem Anscheine nach werden wir in den kommenden Wochen von dem eventuellen Kriegsschau­plätze nur von einzelnen Plänkeleien an den Donau­usern zu berichten haben, neben welchen die diplomati schen Verhandlungen noch immer den Vordergrund be­haupten werden. Der sonst gnt unterrichtete Bericht­erstatter deSNürnb. Corr." weiß nichts von der an­geblich am 29. erfolgten Sanctionirung des Kriegsbe­schlußes. In der Zusammenkunft des großen Rathes soll Reschid Pascha mit einer kriegerischen Rede den Ausschlag gegeben haben. Als Herr de la Cour er­klärte, daß Frankreich mit dem Krieg nicht ganz einver­standen sei und der Türkei keinen activen Beistand leisten könne, antwortete mau ihm, daß cs dem Kaiser Dia« Joleons IIL, dem Beherrscher einer großen Nation, frei- stehe, Rußland zu fürchten, daß aber die Türkei, trotz all' der Schwäche, welche man ihr nachsage, doch keinen Augenblick anstehe, wenn es sich um die Vertheidigung ihrer Rechte und der Rechte ihres Souveräns handle. Geld, meldet man dem Wanderer, sei für die Armee wenigstens in Ueberfluß vorhanden. Die Cassa der Kirchendomäne» sei noch nicht angegriffen worden; wenn es aber nothwendig ist, werde man auch diese ohne Wei- teres leeren, denn der Scheich ul Islam habe bereits die Bewilligung hierzu ertheilt. Der Scherif von Mekka habe der Pforte angezeigt, daß 30,000 berittene Ara- ber, die sich auf eigene Kosten equibirt und ausgerüstet haben, gegen Rußland geführt zu werden verlangen. Auch das (Kontingent von Tunis sei bereits angekom- men und Abe-el-Kadcr wolle noch einmal gegen die Ungläubigen kämpfen.

Der Sheik-ul-Zslam soll sich geäußert haben, daß, wenn binnen 14 Tagen kein Arrangement rücksichtlich der Differenz getroffen wird, die Fahne des Propheten

ausgesteckt werden müsse. Der Sultan möge sich weder unter den Schutz Frankreichs noch Englands stellen, sondern unter den Schutz des Propheten, der alle Sul­tane seit Jahrhunderten geschützt habe. Seitdem die Sultane vom Herrn und seinem Propheten gewichen, sei auch die Macht von ihnen gewichen. Diese Worte wirkten wie ein Blitz in den elektrischen Köpfen der Kriegsparleü, zu welcher sich setzt durch die Umstände gezwungen Reschid Pascha bekennt, trotzdem er erklärte, er sei mit seinem Gewissen darüber noch nickt im Kla­ren , ob der Prophet einen Krieg billigen könnte, der eben auch durch einen ehrenvollen Frieden vermieden werden könnte.

Nach demPays" hätte die Pfottenrcgiernng un­mittelbar nach dem am 26. September von dem gro­ßen ReichSrath nach langer Berathung fast einstimmig gefaßten Beschlusse, Rußland den Krieg zil erklären, den Kapudschi Baschi des Sultans mit einer Summe von 175 Millionen Piastern (etwas über 18 Millionen Gul­den) (in Kaimes?) zn dem Oberbefehlshaber der Donau­armee, Omer Pascha, geschickt, und diesem den Befehl zugehen lassen, den Fürsten Gortschakoff aufzusorderm, mit seinen Truppen die Walachei uni) Moldau sofort zu räumen. Sei dieses nach Verlauf von eiif Ta­gen nicht geschehen, so solle er die Fcindscligkeiteii be­ginnen. Die Ulemas hätten der Regierung die in den Moscheen befindlichen Schätze unter der Bedingung zur Verfügung gestellt, daß der Krieg gegen Rußland wirklich zur Ausführung komme.

Nach einem am 12. im Constitutionnel erschienenen Artikel hätte der Sultan die Kriegserklärung gebilligt und an Omer Pascha den Befehl geschickt, von dem Fürsten Gortschakoff die Räumung der Für- stenthümer zu verlangen. Falls derselbe erkläre, daß er vorher nach St. Petersburg berichten müsse, um Verhaltungsbefehle zu erhalten, sei ihm dazu die er­forderliche Frist zu bewilligen. Bei absoluter Weigerung seien dagegen die Feindseligkeiten zu beginnen, ohne die Donau zu überschreiten. (!) Der Divan habe teil Beistand der vereinigten Flotten gefordert, um die moralische und nöthigeufalls die materielle Unterstützung der westlichen Mächte zu haben.

Endlich meldet eine über Triest eingctrvffene telc- graphische Depesche der F. Bl.: Konstantinopel den 3. Oct. Das oberste Pfortenconseil beschloß, Omer Pascha solle die Räumung der Fürstenthümer begehren. Der Sultan sanctionirte diesen Beschluß. Ein Gerücht spricht von einer dreißigtägigen Frist. Die Donau und das schwarze Meer sollen für neutrale Flaggen offen bleiben. Die russische» Unterthanen treten unter frem­den Schutz. Der amerikanische Gesandte soll die Uebernahme Koßta'S verweigern.

Wir verweisen auf die unter Berlin gebrachte Mittheilung über die friedfertigen Gesinnungen des Kaisers von Rußland, vor allem aber auf die unter Wien gebrachte, der F. P. Z. entnommene Mittheilung, die beschlossene Reduktion der österr. Armee sofort ins Werk gesetzt werden soll.

Die Demokratie in London.

Die gesummte FlüchtligSschaft, besonders aber die Polen und Ungarn, sind, wie der N.Pr.Z. unterm 4. gemeldet wird, gegenwärtig dermaßen in Aufregung und von den wunderlichsten Gerüchten in Beziehung zu der orientalischen Frage dergestalt erhitzt, daß es wirklich schwer hält, ans den sich durchkreuzenden Nachrichten und on dils klug zu werden. Vorgestern Abend ver­breitete sich nämlich unter den polnischen Emigranten plötzlich die Nachricht, daß die türkische Gesandtschaft von Konstantinopel aus ermächtigt worden sei, fremde Offiziere für die bevorstehenden KriegScreignisie in Sold zu- nehmen und dieselben sofort nach Constantinopel zu senden. Am anderen Morgen wogte es nun bei dem türkischen Gesandlichaftshotel von revolutionären Offi­ziers-Aspiranten förmlich ans und ein, welche jedoch die etwas abkühlende Antwort erhielten, daß an der ganzen Geschichte kein wahres Wort sei. Man gab sich indessen nicht so leicht zufrieden und witterte nach demokratischer Anschauungsweise der Dinge so­fortVerrath". Es hieß nämlich, der türkische Ge­sandte sei mit denAristokraten", d. h. milder Czar­toryski 'schen Partei einverstanden, welche nur pol­nische Osfiziere, die zu Czartoryski stehen, placiren wolle. Es wurde über dieses Gerücht mit vieler Heftig­keit debattirt, wobei ein Theil der Flüchtlinge, die sich erklärten, für dieallgemeine Sache" auch unter der Aegide des Fürsten Czartoryöky dienen zu wollen, mit

Schimpfworten und Schmähungen ton den Ultra-Demv- krawn überhäuft wurde. Von Worten kam cs zuletzt zu Fausischlägen und endlich zu einer förmlichen Schlacht, wobei in Ermangelung derverhaßten MoScovè" die Gläfèr, Teller, Krüge und Stühle des neutralen Pnb- - lic House-JnhaberS anf'S Haupt geschlagn wurden l Zwei Flüchtlinge, Namens Mykn lowS ky und Czar- ii o w s t i, die man als Spione Cz a r t o r y s k i 'S in Verdacht batte, flogen etwas unsanft zur Thüre hinaus, nachdem man sie vorher mit den Fäusten tüchtig bear­beitet hatte. Ein Spaßvogel schrieb zuletzt ans den Wirths- hanStlsch mitten unter den Glaser- und Tellertrümmcrn: Finis Poloniae!"Indessen wird mir von einem sonst gut unterrichteten Manne dennoch versichert, daß die hie­sige türkische Gesandtschaft und jene in Paris von Con- fLwtinopd wirklich die Vollmacht erhalten habe, imFalle des Kriegsausbruches sofort fremde Offiziere in die Dienste der Pforte zu nehmen. Mein Gewährsmann behauptet auch, daß man dieses im Czartoryskt'schen Lager mit aller Lestmimtheit wisse, uiid er pflegt sonst über alle Vor- sallenheiten in dem letzteren ziemlich au fait zu sein. AuchHeld" Kossuth hat seine Magyaren zusammcn- getrommelt uub eine donnernde Rede gehalten, worin viel gegen dasmeineidige Hans Habsburg" geflucht und livch mehr von dernngarischen Republik" gefaselt wurde. Auch er - ließ er sich vernehmen sei ent­schlossen , den Türken für ihre Gastfreundschaft Hilfe angedeihen zil lasse» und an den Ufern des Bosporus den Kampf um Ungarns Freiheit von Dienern zu beginn neu. Heute sei meinteHeld" Kossuth ® Türkei die Christenheit und die Christenheit Türkei! Indes­sen wolle er noch etwas warten, bis der Verlauf der Dinge eine entscheidende Wendung genommen habe. Ueber die zur Errichtung einerungarischen Legion" nöthigen Vorbereitungen befragt, gab Kossuth zur Ant­wort:daß für Alles bereits gesorgt sei und mich von America über die Betheiligung und Ausrüstung der dortigen Flüchtlinge sehr günstige Berichte ehtgmnfen seien! Ueber die Abwesenheit des Sttrctaits der Literarischen Gesellschaft", Szulzewski, erfahre ich, daß derselbe wirklich in Sheffield gewesen sei, um dort Waffencinkäuse zu besorgen, die für das Contingenk ber hierorts zu errichtenden Legion bereit gehalten wer­den sollen. Einem Prinatbriefe aus Paris zufolge soll Graf Branicki, der für die Errichtung der Legion eine Million Fies, bergab, bereits nach Constantinopel abgereift sein

An den Ausrüstuiigsgegenständen der polnischen Legion wird nach späteren Berichten emsig fortgearbei­tet, und sollen dabei über 300 Arbeiter beschäftigt sein. Die Uniform besteht aus einem dunkelblauen Waffcnrocke amarantfarbenem Kragen, grauen PantalonS schwarzledernem Tornister und Riemenzeug und dunkel­blauer Czapka mit dem Polnischen Adler und der Ko­karde. Auch werden Schützen-Uniformen von grauer Farbe mit gelbem Kragen, statt des Tornisters eine Art Waidtasche und Czapka von dunkelgrüner Farbe an- gefertigt. Der Polnische Oberst Wierczicki leitet und beaufsichtigt im Auftrage desNational Comite" dieses Arbeiter-Depot. Derselbe Offizier cxcrcirt auch mit Beihülfe Anderer täglich eine Anzahl jüngerer Polni scher Flüchtlinge, welche größtentheils Trümmer der letzten Ungarisch-Poinischcn Legion sind und mit Kossuth und den andern Magyarischen Flüchtlingen ans der - Türkei gekommen sind. Diese Uebungen für den in Aussicht stehendenBefreiungskampf" finden im Hofe des Hauses statt, wo die Ausrüstuugsgrgcnstäude an­gefertigt werden, und man bedient sich vor der Hand zur Erlernung der Handgriffe den Gewähren ähnlich geformter hölzerner Stöcke. Kossnth hat am 6. d. Mts. wieder eine Brandrakete unter seineLeidensge- nossen im Exil" geschleudert und dieselben zu einer Eriunerungsfeicr" der am 6. Octobcr 1849 in Arad Hingerichteten Ungarischen Generäle aufgefordert. Schwarz« geränderkc Einladungsplacate mit dem Ungarischen Wappen o h n c Krone wurden unter die Flüchtlinge verteilt und dieselben darin zu einer Zusammenkunft auf den 6. Abends ausgefordert. Die Versamuiliing war von allen Magyarischen Flüchtlingen und auch von einigen Deutschen und Italienern besucht.

Ueber das demokratische Meeting in der Türken frage, berichtet man derN. Pr. Ztg.": Ich äußerte gestern, daß das City-Meeting in der orien­talischen Frage scharf ablaufen zu- wollen scheine. Es war scharf zum schartig werden. Ein solches Audito­rium und solch' eine eigenthümliche Auswahl von Red­nern haben wir in England seit langer Zeit nicht zn- sammengehabt, noch solchen Auftrag von Revolutions«