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Nassauische Allgemeine Zeitung.

A\ »40.

Mittwoch im 12. October

1833.

Dit,,Naffauischr Allgemein? Zrilunk" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntag» ausgenommen, täglich und beträgt der PrânumerationSpreiS für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulaiiv nunmehr auch für den ganzen Umfang des Thurn, und TariS'schen Verwaltungsbezirks mit Inbegriff des Postausschlag« 2 fl., für die übrigen Länder deS deutsch-österreichischen PostvereinS, wie für daS Ausland 2 ff. 24 tr. Inserate werden die einspaltig Petitieile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgaffe 42, auswärts bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

Amtlicher Theil.

Concession zur Vermittelung des Transportes von AuS» Wanderern.

Dem Wilhelm Helmrich und Friedrich Rud­loff zu Wiesbaden, Inhaber der Tapetenfabrik Helm­rich und Rudloff zu Sonnenberg ist die Concession zur Vermittelung des Transportes von Auswanderern als Hauptagenten der regelmäßigen Paquetschifffahrt der Hamburg - Amerikanischen Paquetschifffahrt - Actiengesell- schaff ertheilt worden.

Wiesbaden, den 5. October 1853.

Herzogliche Ministerialabtheilung des Innern.

Faber.

vdt. Schmidt.

Nichtamtlicher Theil.

Jur orientalischen /rage.

Nach einem Schreiben der Presse aus Constan- tinopel vom 29. Sept. ist die befürchtete Kriegs­erklärung der Pforte, die wie gestern erwähnt, bis zum 30. noch nicht erschienen war, auch in den nächsten Tagen und keinesfalls vor dem Eintreffen der Nach­richten aus Olmütz zu erwarten: ein Resultat, welches den unausgesetzten Bemühungen des Freiherrn v. Bruck zngeschriebcn wird. Nach demselben Schreiben soll sich der Fürst von Serbien auffallend Reschid Pascha nähern. Nach Varna wird eine Abtheilung der Garde abgehen und der Kriegsminister soll sich in der nächsten Zeit zur Armee an der Donau begeben, um sämmtliche Heeresabtheilungen und die neuerrichteten Befestigungen, sowie dle bergestellten alten Festungen in der ganzen Linie zu besichtigen. Die abenteuerlichsten Gerüchte be­richtet der Corr. weiter, werden hier ausgesprengt und von nicht wenigen Türken auch geglaubt. So heißt eS ganz sicher, daß Persien mit einem ansehnlichen Ar­meecorps zur asiatischen Armee stoßen werde. Ebenso sollen die Hilfstruppen von Tunis bereits in den nächsten Tagen hier eintreffen und auch der Pascha von Aegypten neue Truppensendungen angezeigt haben. Alle diese Gerüchte heben ungemein den Muth und den Fanatis­mus des gemeinen Volks, und es läßt sich deßhalb nicht unschwer auf die Quelle dieser Nachrichten schlie- ßen. Man versichert heute, daß die vereinigte Flotte in den nächsten Tagen hier eintreffen werde. Indeß ist die Stimmung der Bevölkerung jener am Vorabend einer Revolution nicht unähnlich. Der größte Theil der Türken hat sich bereits bewaffnet, und diese Menschen treten jetzt mit einem Trotz, einer Keckheit, einem rohen herausfordernden Wesen auf, welches seltsam mit ihrer sonstigen Ruhe, ja sogar Höflichkeit gegen die Franken contrâstirt. Im Hinblick auf diese drohende Stimmung der Bevölkerung ist auch bereits für den äußersten Fall, als die Umstände eine Kriegserklärung unauSweichbar machen sollten, von den Ministern ein Manifest an die türkische Nation berathen worden, das im Entwürfe auch den Vertretern der Westmächte mitgetheilt und von diesen gutgeheißen wurde. (Daraus scheinen die in Marseille eingetroffenen Nachrichten sich zu beziehen.) Omer Pascha, hat in Vorsorge, daß vieUcicbt die russ. Armee einen Donauübergang versuchen sollte, den gemessenen Befehl erhalten, sich einem solchen Versuch zu wider­setzen und die Feindseligkeiten zu beginnen. Ein Armee­corps von 30,000 RedifS wurde unter dem Befehl des Obersten Magnan gegen die bosnische Grenze vorge­schoben, um auch zugleich Montenegro zu beobachten, wo der Fürst in der letzten Zeit wieder Rüstungen vor­genommen haben soll, welche man gegen die Pforte ge. richtet glaubt.

Der Grundgedanke der militärischen russischerscits in den Donaufürstenthümetn getroffenen Dispositionen ist nach einem Schreiben der A.A.Z. aus Bujukdere unverkennbar die Benützung der unteren Donau auf der ganzen Strecke zwischen dem eisernen Thor (Neu. Orsowa) und den Mündungen als Basis. Dem ent­sprechend sind schon jetzt die Truppen des Fürsten Gort- schakoff in drei Staffeln (échelons) ausgestellt, deren Spitzen den drei Strompunkten Kalesad, Kalarasch und Ismael zugewendet sind. Zunächst stellt dieses Arran­gement der Armee des Czaren anheim, die Donau gleichzeitig auf den erwähnten Stellen zu überschreiten; eS sichert ihr, nach Vollführuug deS UebergangeS, den sofortigen Besitz deS Stromes in der gedachten Aus­dehnung, schiebt trcnnende Keile zwischen die auf dem

rechte» Ufer gelegenen Festungen ein, und bedroht die Hauptpunkte der türkischen Basis am Balkan , Sophia (von Widdin aus), Schumla (von Silistria her) und Varna (über Tultscha und Basartschik) zu gleicher Zeit. Diese russischen Maßnahmen beruhen auf einer sehr ein­sichtsvollen Würdigung des Kriegsschauplatzes, und be­kunden eine Meisterschaft in der Beurtheilung der stra- tegischen Verhältnisse, die dem russische» Geueralstab nicht zu allen Zeiten und am mindesten im letzten tür­kischen Kriege (1828/29) eigen gewesen ist. Zugleich lassen sie nachträglichen Entschlichungen und Abänbe- müßen, wie sie im Laufe der Ereignisse nothwendig zu werden pflegen, den weitesten Spielraum, und ge­statten das Ueberlrage» deS strategischen Accents, je nachdem die Umstände es erheischen, vom linken Flü­gel auf den rechten und nach der Mitte und umgekehrt. Die türkische Kriegführung wird unter solchen Umstän­den vor die Fronte deS russischen Vergangcs und na­mentlich in seiner äußersten rechten Flanke Hingewicsen, wobei ich ihm voraus bemerken will, das der osmauische Heerführer übel berathen sein würhe wenn er den Ver- such machen wollte in die russischen Operationsliuicn Hincinzugehen, denn wie die Verhältnisse nun einmal gestaltet sind, würde es in solchem Fall, nach vorausge« gangeuer strategischer Einleitung, mittelst Zusammen­wirkens eines der russischen Flügel mit dem Centrum, dem russischen Oberfeldherrn nicht schwer fallen die türkische Armee tactisch in eine Klammer zu fassen und zu vernichten.

Ueber die orientalische Frage herrscht noch immer dasselbe Stillschweigen im Moniteur, und die übrigen Journale basiren ihre Beurtheilung der gegenwärtige Lage auf Nachrichten, die sie aus deutschen und eng- lischen Blättern schöpfen. DasPays", welches in den letzten Tagen, im Gegensatz vomKonstitutionell" ganz friedlich gestimmt war, ist jetzt über die immer zu­nehmenden Demonstrationen zu Gunsten der Türkei in England sehr beunruhigt, und tadelt sie in einem Ian gen Artikel seines neuesten Blattes mit großer Hestig- keit. Das Journal desDcbavs" trägt nicht mehr die Zuversicht zur Erhaltung deS Friedens zur Schau, wie sonst; sie sind der Meinung, daß, wenn der Krieg auch ausbrechen sollte, vor der Hand durch den von der Pforte gesetzten Termin zur Räumung der Fürsten- thümer, eine kostbare Frist für diplomatische Unterhand­lungen gewonnen sei. Sie stützen ihre Hoffnungen auf die Versicherungen eines belgischen Journals, welches zu wissen vorgibt, daß in dem vorgestern abgehaltencn Londoner Cabiuetsrath einstimmig beschlossen worden sei:Erst alle Resourccn der Unterhandlungen zu er­schöpfen, bevor man zu äußersten Maßregeln schreite." Indessen enthält kein englisches Journal eine ähnliche Behauptung; der in dem Ministerrathe gefaßte Beschluß ist so geheim geblieben, daß sich selbst dieTimes" über das sonderbare Stillschweigen beklagt.

DasFrankf. Journal" bringt eine teL Depesche aus London, welche auf kriegerische Maßregeln hin- deutet, indessen scheinen diese (sie beschränken sich auf den Befehl zur Bereithaltung von Einschiffungstruppen) mehr zur Beschwichtigung der sich skundgebenden öffent­lichen Meinung getroffen zu sein.

De«rtschland

< 7 Eltville, 11. Oct. Der gestern hier zur Erde bestattete Graf Joseph Mathias Karl Maria Henricourt von Grün ne war geboren zu Dresden am 20. Fe­bruar 1769 und der 2te Sohn des kaiserlichen Gene­rals Grafen von Grünne und einer Freiin v. Molstein. Er trat früh schon in östreichische Militärdienste und war im Jahr 1805 als Oberst-Lieutenant Gesandter in Kopenhagen. Im Jahre 1809 bei Ausbruche des Krie­ges ging er zur Armee zurück und wurde bei Aspern schwer verwundet. Darauf verließ er als General den Dienst. Später, im Jahr 1815, trat er als Ge­neral-Lieutenant in königlich Niederländische Dienste, wo er vom Jahre 18181841 Gesandter des Königs der Niederlande beim Bundestag zu Frankfurt und bei Sr. Hoheit dem Herzog von Nassau war. Zugleich war er k. k. österreichischer Kammerherr und Inhaber mehrerer Orden. Im Jahr 1812 trat er in den Ehestand. Mit Freiin Elisabethe von Sècus vermählt, hatte er 7 Kinder, wovon ihn 3, zwei Söhne und eine Tochter, überlebten. Nachdem er 1841 in den Ruhestand ge­treten, lebte er stille und zurückgezogen im Kreise seiner Familie abwechselnd in Brüssel und auf seiner Villa zu Eltville, wo er am 6. October 1853 sanft entschlief. Sein hoffnungsvoller liebenswürdiger Enkel, Graf Philipp von Roppiano starb nach einem Krankenlager

von nur wenigen Tagen, einen Tag vor feinem Groß­vater.

Nach einer derL.-Z." aus Frankfurt a./M. zugegangenen Mittheilung , ist die Angelegenheit wegen Erricbtnng eines Bunbessckutzcorps für Frankfurt wie ingewöhnlich gut unterrichteten Kreisen" versichert wird, wieder zur Erörterung gekommen, indem die für den Vollzug nothwendig gewesenen Unterhandlungen nunmehr ihrem Abschlusse nahe sein sollen.Mit den Kriegsgerüchten, zu welchen die orientalischen Wirren Veranlassung gegeben, steht, wie man derL.-Z." fer­ner schreibt, die Aufstellung jenes Corps, wenn sie er­folgt, in keinem Zusammenhang; es würde jetzt nur ge­schehen, was schon vor einem Jahre geschehen sollte Das Bundeöschutzcorps für Frankfurt, ans preußischen, bayri­schen , großh. hessischen, kurfürstl. hessischen, badischen und nassauischen Truppen bestehend, soll auf 20,000 Mann gebracht werden; es bat die Bestimmung, Frank­furt , den Sitz der Bundesceutralbchörde, in wirksamer Weise zu decken; seine einzelnen Abtheilungen würden in den Grenzstädten der betreffenden Nachbarstaaten dislocirt bleiben, der Oberbefehlshaber des Bundescorps, der schon längst zu diesem Kommando ernannte preu­ßische General von Schreckenstein, sein Hauptquar­tier in Frankfurt aufschlagen."

Stuttgart, 9. Oct. Zu Ende der Woche befand sich, wie derKarlsr. Z." geschrieben wird, der Bischof von Rottenburg hier und hatte bei Sr. Majestät dem König Audienz, die zu einem sehr befriedigenden Re­sultat geführt haben soll. Wenigstens erzählt man sich, daß die Kirchenfrage ihrer Erledigung entgegen gehe, und bringt damit einen in diesen Tagen gehaltenen Ministerrath in Verbindung. Die weitern aus Bre­genz eiugetroffeuen Nachrichten über den Zustand deS Grafen v. Neippcrg gehen dahin, daß derselbe den Kie­fer zweifach gebrochen hat und das eine Auge beschädigt ist; auch hat eine starke Brusterschütterung stattgefunden; denn der Fall, den der Patient gethan, geschah von bedeutender Höhe und wäre noch tiefer gegangen, wenn nicht ein Baum den weitern Sturz aufgehalten hätte, Bis jetzt soll das Gesicht des allzu kühnen Jägers noch so stark verschwollen sein, daß die Aerzte noch keinen Ausspruch in Betreff des verletzten Auges thun können; eben so wenig läßt sich schon bestimmen, ob und welche Folgen die innere Erschütterung haben wird. Die Gemse aber, welche das unglückliche Ereigniß Herbei- führte, ist sichtig durch den zuvor noch wohlgezielten Schuß des Grafen erlegt und beigebracht worden.

München, 8. Oct. Laut einer amtlichen Be­kanntmachung der Gencraldireclion der k. Verkebrsan- stalten wird die Bahnstrecke von Oberstaufen bis Lindau am 12. d. M. eröffnet; die Güterabfertigung von und nach Lindau beginnt mit dem 22. d. M. Damit ist dann die ganze Südnordbahn von Hof bis Lindau vol­lendet und in Betrieb gesetzt. Die Notiz, als dürfe die bayerische Nationalhymne in Zukunft bei öf­fentlichen Gelegenheiten nicht mehr mit verschiedenen Melodien und Variationen gespielt werden, entbehrt al­len Grundes.

München, 11. October. So eben, 3% Uhr Nachmittags, ist Seine Maj. der Kaiser von Oesterreich in unserer Stadt eingetroffen. Se. M. der König Max ist in österreichischer Oberstenuni, form Allerhöchstdemselben bis zur ersten Poststation von hier aus entgegengefahren.

* Weimar, 8. Oct. Steinacker aus Hannover wird hier die Leitung eines Mädchcn-Jnstituts über­nehmen.

Kassel, 10. Oct. Die hiesige Zeitung veröffent­licht heute ein Ausschreiben deS Ministeriums des In­nern, zur Sicherstellung des competenzmäßigen Natural- einkommenS der Landschullehrer. Die Mitglieder der auf heute einberufenen Stände-Versammlung find diesen Vormittag zum großen Theil schon eingetroffen. An sämmtliche Polizeibehörden des Landes ist die Weisung zu verschärfter politischer Wachsamkeit ergangen , da Anzeigen vorlägen , daß die nach England geflüchtete Umsturzpartei eine erneuerte ungemeine Thä­tigkeit entwickele.

* Köln, 4. Oct. Bekanntlich führt dieDeutsche Volkshalle" als Vignette den deutschen BundeSadler. Vor mehreren Tagen wurden, wie derWests. Mercur" berichtet, Drucker und Gerant auf die k. Polizeidirec- tion beschieden, wo man ihnen bedeutete, diesen Adler in Zukunft als Vignette der Volkshalle fortzulassen, da derselbe als ein in Preuße» unpassendes Parteizeichen angesehen werden könne. Der Verwaltungsrath der VolkShalle beschloß, der Polizeidirection erwidern zu las-