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Nassauische Allgemeine Zeitung.

2V: SS«. Montag den 10. October 1833.

Bestellungen auf das vierte Quartal der Nassauischen Allgemeinen Zeitung werden baldigst erbeten

Die,,Nassauische Allgemeine Zeitung" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, täglich unk beträgt der Prannmeration-Preis für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulariv nunmehr auch fjT den ganzen Ityuanß deS ihum* und Taris^schen Berwaltungsbeztrks mit Inbrgrist des poitaufschlags 2 st., eur die üb,i gen V einte ryt^ deutsch-österreichischen Poüneveins, wie für das Ausland 2 st. 24 fr. Inserate werden die vierfpaltig Petitzertt oder deren Raum nur 3 kr. berechnet. -r- Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von ÜB. Friedrich, ^auggasse 42, aiiswärts bei den nächftgelegenen Postämtern, ;u machen.

Jur orientalischeu Fruge.

Die off i ei el leOesterr. Correspondenz" vom 7. d. bringt einen beruhigenden Artikel über den Stand der Unterhandlungen, über die Beschaffenheit der in Olmütz gefaßten Beschlüsse und die jetzt über ganz Europa verbreiteten Kriegsgerüchte aus der Türkei. Derselbe lautet: Der Stand der orientalischen Ange­legenheiten bewegt in diesem Augenblicke die Gemüther auf das Lebhafteste, und wir sind weit entfernt in Ab- rede zu stellen, daß sie ernste und bedenkliche Punkte darbietet. Dennoch seben wir auch in dem jetzigen Augenblicke keinen genüglichen Grund, das Vertrauen auf Erhaltung des allgemeinen europäischen Friedens a u f z u g e b e n. Un­serer Anschauungsweise liegen bestimmte thatsäch­liche Momente zum Grunde. Wenn auch zu un­serem aufrichtigen Bedauern der von Olmütz auöge- gangeue Borschlag von den Höfen zu Paris und Lon­don nicht annehmbar befunden worden wäre, weil neben der gegebenen, vollkommen beruhigenden Erläuterungen zu dem Wieuer-Conferenz-Entwurfe dieser selbst beibe, halten werden sollte, so bleibt doch durch die Olmützer Verhandlung materiell eine wesentliche Annähe­rung zwischen der russischen und der türkischen Auf- fvssung in Betreff des streitigen Gegenstandes hergestellt. Die Erklärungen, welche Rußland in hochherziger Be­thätigung seiner Friedensliebe dem k. k. Cabiuete gab, lassen die Ansinnen der h. Pforte in den von ihr ge­wünschten bekannten Modificationen im Wesentlichen und dem Principe nach zu, und es handelt sich somit im gegenwärtigen Stadium der Unterhandlungen in Wirk­lichkeit nur davon eine neue, ge e i g n e t e Form zu finden, um das zum Abschlusse zu bringen. Ms von den beiden Mächten, Rußland und Türkei verlangt wurde, und zugegeben ist. Die äußeren Au- spüeien unter denen diese Aufgabe zu lösen ist, scheinen allerdings nicht eben günstig, allein bei der erzielten An­näherung in der Sache selbst, und dem allseitigen Wunsche auf Erhaltung des Friedens dürften die momentanen Zwischenfälle nicht entmuthigen. Hat der Divan dem Großherrn angerathen, Rußland den Krieg zu erklären, so ist doch nach den bis heute eingelaufenen Nachrichten weder von dem Ministerrathe, noch von dem Sultane selbst über das Ansinnen des Divans ein Entschluß gefaßt, worden. Die von Wien in das Ausland telegraphirten Nachrichten, welche die Kriegserklärung als eine geschehene Thatsache hinstellen, sind somit ungegründet, jedefalls aber voreilig. Zur Zeit als der Divan das erwähnte Gutachten ab­gab, waren die Olmützer Nachrichten in Con- stantinopel noch nicht eingetroffen und wir dürfen an­nehmen, daß die inzwischen bei der H. Pforte eilige» laufenen Nachrichten über die erwähnte Annäherung an ihre Wünsche, bei dem Großherrn und bei seinen Mi­nistern einen Eindruck hervorgebracht haben dürften, welcher den Bemühungen zur Erhaltung des Friens förderlich sein kann.

Die A.A.Z. bringt folgende den übrigen Nachrichten widersprechende tel. Mittheilung : Wien, 7. Oct., 2 Uhr Nachmittags. Die förmliche Kriegserklärung der Pforte ist bei der hiesigen türkischen Gesandtschaft ein- gelangt, doch ist die Erklärung beigefügt: die Feind- stligkeiten seien erst dann zu eröffnen, wenn die Russen binnen einer gestellten Frist die Donausürstenthümer nicht geräumt haben würden. An unserer Börse pani­scher Schreck. Die neuerlich häufigen Beurlau­bungen sind bis auf Weiteres sofort eingestellt worden.

Ein Korrespondent derTr. Z." meldet, der Sul­tan habe seine Zustimmung zur Kriegserklärung bereits gegeben, der betreffende Ferman werde am folgenden Tage (27.) kundgemacht werden und sei bereits in's Hauptquartier abgegangen. Allein auch diesem Berichte zufolge dürfte die Pforce es mehr auf einen Scheinkrieg abgesehen haben, weil sie den Fanatismus nicht länger zügeln konnte, und von zwei Uebeln das kleinere wäh­len wollte. Die übrigen directen Nachrichten dieses Blattes enthalten nicht viel mehr, als was bereits auf telegraphischem Wege mitgetheilt wurde. Beigefügt wird noch, daß an einen Rückmarsch der rus­sischen Armee vor dem nächsten Frühling jedenfalls nicht mehr zu denken sei.

Ein Bericht aus C o nst a n ti n ope l vom 26. v. M. enthält, wie die ^C. Z.-C." wissen will, die Nach­

richt, daß der Sultan am 20. Septbr. dem Scheck nl- Jölam die binnen 10 Tagen zu beantwortende Frage vorgelegt habe, ob durch die Differenz mit Nuß land b e r G taube in Gefabr fei ober n i cb t. Aus Constanti n opel berichtet diePresse" sind über Belgrad Nachrichten eingetroffen, die bis zum 29. reichen, nach welchen sich im Stande der Dinge noch nichts für den Frieden ungünstiges ereignet hatte. Der Courier, welcher von Olmütz nach Coustantinopel expedirt wurde, kann sein Ziel vor dem 2. Oct. nicht erreicht haben. Noch hege die Diplomatie die Hoffnung, daß der Sultan bis dahin die Vorschläge des Divans nicht sanctionireii werde.

Nach demLloyd" hat die russiiche Armee bereits die Donaulinie in solcher Weise besetzt und befestigt, daß ein Angriff der Türken Wahnsinn genannt werden müßte. Die Russen sind Herren aller UebergaugSpunkle und gurtbeii.

Der Divan in Constantinopel zählt derzeit 121 Mitgliedcr, welche in der Versammlung, welche am 16. beschlossen hat, dem Sultan zur AuSsteckung der Pro- Phetenfahne für den Krieg gegen Rußland ciuzurathen, vollzählig versammelt war. Die Berathung war kurz und der Beschluß, der noch am selben Tage vorgelegt wurde, ist mit 120 gegen eine Stimme gefaßt worden. Zur Verständniß dürfte dienen: Der Divan ober die Staatskanzlei (Menazibi Divaniie) begreift diejenigen oberen und unteren Aemter , die unter dem Namen Qnalcmiie (der Feder) begriffen werden. Er zählt fünf Range Beamter, deren höchster im Range eines Ferits ist. Der Divan steht außerhalb deS Ministeriums und den besonderen Reichsconseils. Die Frage wird erst dann von Gewicht, wenn das Ministerium und die Reichsconseils (geheime Räth«, Beamte ersten Ranges, Muschir's), den Antrag des Divans zu ihrem Beschlusse erheben sollten.

DieOesterr. Eorresp." recapitnlirt die kriegerischen Nachrichten aus Frankreich, meint jedoch die Conjectu- ren der Pariser Presse übergehen zu können,indem nur officielle Kundgebungen von Seite der west­lichen Kabinette hierin Licht zu verbrei­ten und den Lauf der Ereignisse zu bestimmen geeig­net sind". DerMoniteur" stellt das (von der Presse" mitgetheilte) Gerücht, daß die vereinigten Flotten die Verproviantirung der russischen Armee verhindern würden, in Abrede.

Nach einem Berliner Bericht derWes.-Ztg." hat die telegraph. Nachricht, daß der Divan die KriegSer- klärung gegen Rußland beschlossen habe, ihren Ursprungs­ort im russischen Lager an der Donau und hiernach sei die Sicherheit der Mittheilung zu bemessen. (Daß die Nachricht von dem Kriegscrklärungsbeschluß ihren Weg durch die Donaufürstenthümer gefunden hat, er­wähnt auch dieSpen. Z.")

Deutschland.

£ Wiesbaden, 10.Oct. Die Obstaus sie llung im Theatergebäude zu Wiesbaden bleibt noch dis zum 16. dieses Monats dem Publicum geöffnet.

Frankfurt, 7. October. Die drei Portugiesen, Commandeur de Taveiro und die Chevaliers de Ma- theiro und de Castro, welche als Zeugen der Nieder­kunft der Gemahlin des Kronprätendenten Don Mi­guel von Braganza beiwohnten, waren gestern, auf der Rückreise von Schloß Heubach nach Lissabon begrif­fen , in unserer Stadt.

Stuttgart, 7. Octbr. Von dem Grafen von Neipperg, Schwiegersohn deS Königs, ist gestern eine betrübte Nachricht auS Feldkirch, in dessen Nähe er sich auf der Gemsjagd befand, eingelaufen. Derselbe ist von einem Felsen herabgestürtzt und hat sich die Kinn­lade zerfallen, auch den Arm luxirt. Der Leibarzt des Königs, Staatsrath Dr. v. Ludwig, ist daher sogleich abgereist, nachdem er durch den Telegraphen die Nach­richt erhalten hatte. Die heute eingetroffenen Nachrich­ten sollen indeß günstiger als die ersteren lauten und jedenfalls für daö Leben des Grafen nichts zu befürch­ten sein. Dr. Herm a n n Kurz, der Redacteur deSBeobachters", stand vorgestern, gestern und heute wegen eines Artikels in seinem Blatt, in welchem er aus Veranlassung einer Wahl in die Abgeordnetenkam­mer die Regierung beschuldigte, Wahlumtriebe zu ihren Gunsten gemacht zu haben, vor den Schranken des Schwurgerichts in Eßlingen. Der Sprpch der Geschwor­

nen lautete auf Nichtschuldig und der Präsident desGe- richlsbvs'S sprach den Angeklagten frei.

Bayreuth, 6. Octbr. Das hiesige Infanteriere­giment, dessen Inhaber bekanntlich der Kaiser Franz Joseph von Oesterreich ist, hat Befehl zur Marschbe­reitschaft erhalten. Wie es heißt, soll der Kaiser am 1 i. b. Mts. nach München kommen und am 12., als am Namensfeste Sr. Maj. des Königs, das hiesige Re­giment vor seinem hohen Inhaber feierlich parabireu. Die Beurlaubungen, die heute ei»treten sollten, können deßhalb nicht stattfinden.

Coblenz 7. Oct. Gestern hatte das Dampfboot Marianne" bei St. Goar am sogenannten Kamnu reck daö Unglück, daß ihm der Quadrant am Steuerruder zerbrach, wodurch das steuerlose Schiff auf einen Fels auffubs und sehr bedeutend beschädigt wurde.

Trier, 4. Oct. Das Zuchtpolizeigericht hat den Redacteur derNeuen Trierschcu Zeitung" zu drei Thaler Strafe, wegen Aufnahme eines Inserats von Stiebel jun. und Coinp. in Frankfurt a. M. in Betreff der Lotterie zum Anlehen deutscher Fürsten und Edel­leute, verurtbeilt. Das Gericht nahm an, daß die Lotterie von dem Aichehen getrennt sei und fremde Lot­terien in Preußen nicht erlaubt wären.

Luxemburg, 5. Octbr. Gestern ist unsere De- putirtenkainmer durch den Prinzen Heinrich Statthalter in Person eröffnet, und nachdem der Präsident und das Büreau gewählt worden , durch die Regierung im Auf­trage deS Königs und auf Grund der Constitution auf einen Monat vertagt worden. Aus der Thron­rede des Prinzen ist Folgendes hervorzuheben: DaS Einverständniß mit der niederländischen Regierung ist wieder hergestellt; der Schutz Hollands, welcher den Luxemburgern im Auslande seit September 1852 ent­zogen worden, ist ihnen wieder zugesichert; Hollands Reclamation soll geprüft werden; die Erneuerung des Anschlusses an den Zollverein steht in Aussicht; unsere Dundespflichten müssen streng erfüllt werden; die Fi­nanzlage des Landes wird fcstgestellt; zur Errichtung der Grund-Crebitaustalt sollen Gesetzesvorschläge über die Ausführung vorgelegt werden; die Unterhandlungen mit Rom werden im Sinne der früheren fortgesetzt; die Regierung soll starke Hand halten über die Befolgung aller Gesetze; die Municipal-, Rural- und Forstpolizei wird organisirt, die Beamten sollen der Regierung zu- gcthau sein; die Regierung wird die Eisenbahnsache nicht außer Acht lassen. Hr. Th. Pescatore ist zum Prä­sidenten, Herr N. Metz zum Vice-Präsidenten gewählt. Daö Büreau ist wie toi vorigen Jahre zusammengesetzt. Herr N. Metz hatte ausdrücklich auf den Vorsitz ver­zichtet.

Oldenburg, 6. Oct. Ueber die vor einigen Ta­gen an getretene Reise Sr. k. Hoh. des Groß Herzogs erfährt dieWeser-Z." Näheres. Die Reise geht über Bückeburg nach dem im Nassauischen gelegenen Schlosse Schaumburg zum Besuche bei dem dort weilenden Erzherzog Stephan, von da an den Hof zu Darm­stadt, hierauf über Frankfurt zum Besuch am Hofe in Karlsruhe, wo der Großherzog am 9. d. M. einzu- treffen gedenkt, um von da demnächst die Reise nach Stuttgart fortzusetzen. Der Großherzog wird gegen den 20. d. M. zurückerwartet.

Flensburg, 5. Oct. In der heutigen Sitzung der schleswigschenProvinzialständeversammlung" wurde die Wahl des Herrn v. Tillisch, weil derselbe nicht die im Gesetze erforderliche Qualificationen habe, die auf einem dreijährigen Besitz im Herzogthume beruht, für ungültig erkärt. Herr von Tillisch verließ sofort den Saal.

Itzehoe, 5. October. Heute ist die holsteinische Stände Versammlung hier eröffnet. Zum Präsi- deuten wurde Ober Appellationsrath Burchardi erwählt; zum Bicepräsidenten Bargum.

Berlin, 7. Oct. Alle Bevollmächtigten zurZolkr v e r e i nscon sere nz sind, wie man der ,,B. H." schreibt, in diesen Tagen mit der Schlußredactiou aller den Tarif betreffenden Feststellungen vollauf beschäftigt, weil natb dem Abschluß der Berathungen darüber im Schoße der Zvllconfcrenz die Ratification der verschie­denen Regierungen dazu eingeholt werden muß. Hier­nach kommt es in der Konferenz selbst erst zur defini­tiven und beschlußmäßigen Abstimmung, und doch soll alles dieses so gefördert werden, daß der neue Taris selbst mit dem 1. November öffentlich bekannt gemacht werden kann und zwar im Umfange des ganzen Zoll-