Einzelbild herunterladen
 

Nassauische Allgemeine Zeitung.

A\ SS? Samstag dm 8. October 1SS3.

Bestellungen auf das vierte Quartal der Nassauischen Allgemeinen Zeitung werden baldigst erbeten

Dir,»Nassauisch« Süßem tint Zeitung" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, täglich und beträgt der PränumerstionSbrei« für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregula-iv nunmehr auch für den ganzen Umfang des Tdurn- und TariS'schen Verwaltungsbezirk mit Inbegriff des Postaufschlag- 2 fl., für die übrigen Länder de« deutfch-Ssterreichischen PSstuereinS, wie für das Ausland 2 st. 24 fr. Inserate werden die »ttrspallig Pelitjeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Frievri ch, LäNggafft 42, auswärts bei den nächstgelegeuku Postämtern, zu nrgchen.

Jeitungsichau.

Zweite Ai flage des Madiaisturmes Die Huwanitâts- religion der Köln. Ztg. Friedensaussichten.

** Die Sprache, welche sich ein Blatt wie dieTimes" gegen den Beherrscher von. Toscana aus Anlaß der Ausweisung der jungen schottischen Presbyterianerin, Miß Margarethe Cunningham, aus dem Herzogthum Toscana wegen Proselytenmacherei erlaubt, findet der Lloyd in keiner Beziehung anständiger, als diejenige, welche man in den wüthenden revolutionären Journalen im Jahre 1848 gegen Fürsten im Allgemeinen zu lesen pflegte. Als eine der gelinden Proben von dem Style jenes Blattes mag es gelten, daß die Be- Hörde, welche Miß Cunningham verhaften ließ, von ihr als eine Canaille bezeichnet wird. Wenn das ver­traute ministerielle Organ solche Sprache führt, so läßt sich ein Schluß ziehen auf die Fluth der Scbimpf- peden, deren sich die radicalen Organc und die Wochen« blätter entleeren. Die Schleußen der unfläthigsten Ca­näle sind wie mit einem Schlage aufgezogen worden, ynd aus ihnen fließen Lästerungen und Schimpfworte, deren Existenz in der menschlichen Sprache und deren neue uud kühne Anwendung selbst sprachlichen For­schern vom Fach bisher ein Geheimniß gewesen sind. Etwas anders als diese pfeifen, spricht derChro- «icle". Wo eS gesetzlich verboten ist, sagt dieses Blatt, Tractate zn vertheilen, war es Miß Eunningham's Pflicht, es bleiben zu lassen. Wenn die junge Dame die Gräuel des Landes der Finsterniß hucht ansehen konnte, hätte sie von dort wegbleiben sollen. Aber Frl, Margaretha dachte wahrscheinlich, sie könne sich wohlfeil eine kalvinistische Seligsprechung verdienen. Die Sache kann nicht wohl ernstliche Folgen haben, und die Dame hat genug gethan, sich ans leichte Weise berühmt zu machen. Wir haben nicht viel Mitleid mit ihrwenn man um der Gerechtigkeit willen leidet, so ist das ein Ding, wenn aber Fremde die Gesetze eines Landes ver­achten, beffcn Gastfreundschaft sie genießen, so ist dies ein ganz anderes Ding. Wer lieber Kerker und Ban­den erträgt, als seinen Glauben verläugnet, der verdient eine Sympathie, die man Denjenigen nicht zuwenbcn sollte, welche ohne Beruf hingehen und den Glauben anderer Christen anfeindcii. Miß Cunningham wußte wohl, was sie that, denn ihre Freunde haben sie gewarnt; aber ihre Leidenschaft für Tractate und Controversen war unwiderstehlich. Nur in sehr fanatischen Kreisen wird das thörichte junge Frauenzimmer ein anderes Mitleid finden, als ein großer Act närrischer Eitelkeit gewöhnlich erregt.

** Die Gegen sätze, die unvereinbaren, tiefkluftigen Gegensätze bestehen nun einmal. Wozu so lâugncn ? Wozu die laue Halbheit, die aus Furcht und Senti­mentalität eine gewitterhafte Freundschaft zusammen- mischt ? Gestehen wir cs offen: in der Welt von heute gibt es nun einmal zwei Entwickelungen, zwei Anschau­ungen, zwei Arten des Glaubens, die nicht zusammen­komme» können, außer im Kampfe, im rücksichtslosesten Kampfe. Das Blatt von Köln führte uns, sagt die Neue Preußische Zeitung," als wir seinen Leitartikel: Der Civilisation in der Türkischen Frage" lasen, zu dieser Betrachtung. DieKöln. Ztg." unterstützt darin ganz offen im Interesse der Civilisation die Türkei ge­gen Rußland.Die Türken haben negative Vorzüge" sagt das rheinländische Blatt,sie haben im Mittelalter die christlichen Völker in Angst und Furcht gehalten, aber grade dadurch haben sie bewirkt, daß das Mittelalter sich nicht noch tiefer zu seinem Verderben in diplomatische Streitigkeiten einließ daßes sich nicht noch mehrzersplitterte."

Denselben Vorzug könnten die Engländer in Indien den Mahratten oder den bengalischen Tigern einräumen, indem sie auf ihreMahrattengräben" und ihre befestig- ten Wohnplätze blicken.Aber," fährt das Blatt von Köln fort,die Türken haben fauch positive Vorzüge, wenigstens den Russen gegenüber. Die Ruffen sind zu der abendländischen Civilisation mehr und mehr in ein feindseliges Verhältniß getreten. Die Durchbil­dung und die Durchdringung des ganzen Menschen mit den modernen Grundsätzen in Staat, Kirche und Wissenschaft sind ihnen ein Gräuel, ihr jetziger Verfall ist eine Folge dieser Versündigung am Geiste des Fortschritts und der Humanität." Das ist R u ß- land nach der Kölnischen Zeitung. Dagegen von der Türkei sagt sie:Der Sultan ist toleranter,

als der Koran es erlaubt. Er hat, um das alttür­kische Wesen abzustreifen, Reformen eingeführt. Aber

eine im Geiste der abendländischen Civilisation und Politik regenerirte Pforte paßt den Russen nicht." Selten schrieb die Kölnische Zeitung offner und schwächer. Offen gesteht sie hier, daß diese Türkei mit ihrer Ab­trünnigkeit !vom Koranglauben und mit ihrer Hingabe an den modernen Liberalismus, an die Flücht- lings-Projecte, an die Humanitäts-Religion ihr lieber ist als das Rußland, das den modernen Theorien feind- I lich gegenübersteht. DaS ist uns genug. Damit hat sie in aller Schärfe den Gegensatz bezeichnet, damit zu gleich ihren Glauben, der dem unsern unversöhnlich ist, dargestellt. Wir glauben, daß alle Entwickelung, alle Zukunft eines Staates und eines Volkes heut von der christlichen Grundlage abhängig ist. Wir kennen keinen Boden, der ertragsfähig ist, außer die­sem. Die Kölnische Zeitung glaubt an ihre Humani­täts-Religion, sie glaubt, daß ein gewisser Brei der Ideale, der Sentiments und der wissenschaftlichen Fortgeschrittenheit das Wunder - Elixir der Völker ist. Stürzt die Türkei in noch volleren Zügen, als es bis heute geschehen, dieses Mixtum herunter, so wird sie ge­rettet sein sagt das Recept der Kölnischen Zeitung und des zahlreichen Heeres ihrer Freunde. Werden wir uns klarer über diesen Gegensatz, der doch nun einmal da ist, und den man weder durch freundschaftliche Compromisse noch durch officiöse Artikel verwischen kann.

** Die französischen Blätter vom 5. bezeichnen die durch die letzten Kriegsgerüchte hervorgerufenen Besorg - nisse theils als ungegründet, theils die deu Nachrichten selbst beigemessene Tragweite als übertrieben. Nach den neuesten Nachrichten derPatrie" ist die Mit« theilung desGlobe", daß der Sultan die Kriegser­klärung bereits unterzeichnet habe, durch directe Mit- theilungen aus Constantinopel nicht bestätigt.

DerSiecle" bemüht sich, darzuthun, daß man den kriegerischen Nachrichten aus Constantinopel eine übertriebene Wichtigkeit beigelegt habe.Man weiß" sagt das erwähnte Blatt,daß der Divan in einer entscheidenden Sitzung erklärt hat, es gebe kein Mittel mehr, den Krieg zu vermeiden. Darin liegt aber doch keineswegs, wie man im Publicum so vor­eilig geglaubt hat, eine sofortige Erklärung der Feind­seligkeiten. Der Beschluß des Divans mußte vielmehr vor Allem der Prüfung und Genehmigung des Sultans unterbreitet werden, und selbst in dem Falle, daß Abdul Medjid dem Rathe seiner Minister seine Zustimmung gegeben haben sollte, war noch, dem überlieferten Ge­brauch der Pforte gemäß, eine andere Förmlichkeit zu beobachten, in so fern der von dem Sultan genehmigte Beschluß des Divans, um gültig zu werden, noch die Zustimmung des Scheik-ul.Jslam und der übrigen re- ligiösen Häupter der Nation erhalten müßte."

DasJournal des Debats" enthält nachstehenden Artikel:Es scheint, daß die Nachricht von einer Kriegs­erklärung von Seiten Der Türkei gegen Rußland nicht ganz authentisch ist, obwohl man einen solchen Schritt als nahe drohend und als unvermeidlich nach dem Be­schlusse betrachtet, welcher in dem von dem Sultan beru­fenen großen Rathe mit Stimmeneinhelligkeit gefaßt worden. ES muß übrigens bemerkt werden, daß eine solche Erklärung selbst nicht nothwendiger Weise unmit­telbare Feindseligkeiten nach sich ziehen würde. Die Türkei wird wohl erklären können, daß sie entschlossen sei, Gewalt mit Gewalt zurückzuweisen; nichts desto we­niger wird sie cs einige Zeit ruhig bei dieser ersten Demonstration bewenden lassen können. In Wirklich­keit, wenn man auch von der einen und der anderen Seite den Krieg noch nicht erklärt hat, so hat man doch schon mehrere Male den Frieden gebrochen. Die Invasion der Donaufürstenthümer ist, dem Rechte nach, ein Act der Feindseligkeit. Die Einfahrt der Kriegs­schiffe in des Bosporus ist ebenfalls ein solcher Act; und doch hat man nicht sagen können, daß der Krieg entbrannt sei. Der Sultan wird, so heißt es, sofort an den Kaiser von Rußland eine Aufforderung senden, die Donaufürstenthümer zu räumen; aber wenn auch diese Förmlichkeit stattgesunden haben wird, wird nicht desto weniger zwischen den beiden Heeren die Donau bleiben, über die zu setzen nicht leicht ist, besonders wenn ein Heer auf der andern Seite steht. Wir glauben also, daß man noch kein Schlachtbulletin zu erwarten hat, und wir nehmen keinen Grund wahr, warum man nicht fortfahren sollte, zu unterhandeln."

DieZeit" will daraus, daß derStaatsanzeiger" der bekannten, vomDresdner Journal" gebrachten telegr. Nachricht,der Divan habe die Kriegserklärung gegen Rußland einstimmig beschlossen", noch keiner Er­wähnung thue, schließen, daß jene Nachricht keine osfieielle sei. Dasselbe officiöse Blatt bringt heute einen bemerkenswcrthe» Leitartikel, in welchem es feine ganze Hoffnung für Erhaltung des Friedens auf den Entschluß des Sultans setzt, der vorerst abzuwarten sei. Früher werde sich noch nicht behaupten lassen, daß die russisch-türkische Frage bereits bis zu dem Wende­punkt gelangt sei, wo nur noch das Schwert entscheide. Die weitere Frage (fe^t dieZeit" hinzu): wie Preu­ßen sich zu einem etwaigen türkisch-russischen Kriege ver­halten würde, ist daher für jetzt noch eine müßig e. Am wenigsten begründet ist, nach unserer Ansicht, die Meinung, daß diese Frage jetzt in Warschau ihrer Ent­scheidung harre."

Die neueste Nummer der ministeriellen Neuen Münchener Zeitung " vom 5. d. M. kommt auf die von ihr gebrachte Nachricht der erfolgten türkischen Kriegserklärung in einem größeren Artikel zu­rück. Sie sagt u. A.:Es ist zu erwarten, daß das erste Bekanntwerden der türkischen Kriegserklärung manche Zweifel, manche Beunruhigung hervorrufen dürfte. Wir treten allen dergleichen Unterstellungen entschieden entgegen. Es stehen uns dabei neue Thatsachen zur Seite, die erst in den jüngsten Ta­gen, fast gleichzeitig mit Der türkischen Kriegserklärung, und derselben gewissermaßen die Spitze abbrechend, an einem andern Orte eingetreten sind, und die wir unten darlegen werden. Vor allen Dingen wollen die Groß­mächte den Frieden, und wenn man den Frieden will, so ist auch dessen Erhaltung gesichert. Haben früher in dieser Beziehung hie und da in der Presse Zweifel ge­herrscht, so find dieselben durch die Wiener Vereinba­rung schlagend genug widerlegt worden. Durch diese Vereinbarung ist die Stellung der Großmächte sowohl unter sich als auch der Pforte gegenüber eine durchaus veränderte geworden. Aus der gemeinsamen Billigung des Wiener Ausgleichungsvorschlags durch die Groß­mächte folgt einerseits, daß die letzteren Rußland nicht mehr zugestehen, als in dem Notenentwurfe enthalten ist, und aus dem unumwundenen Beitritte Rußlands zu dem Vorschläge folgt andererseits, daß man in Peters­burg auch nicht mehr verlangt."

Eine telegraphische Depesche der Frankfurter Blät­ter d. d. Paris, 7. Oct. (S. u.) besagt endlich, die Türkei werde sich blos defensiv verhalten.

Deutschland.

* Wiesbaden, 7. Oct. Vom 9. dieses Monats an findet im Theatergebäude dahier eine Obstausstellung statt. Sie enthält mehrere hundert Obsorten, Aepfel und Birnen, welche aus dem Herzogthum gesammelt sind, sammt einer'Anzahl auswärtiger, werthvoller Obst­sorten, welche von der Obstausstellung in Karlsruhe mit hierher gebracht wurden. Das Ansstellungslocal wird täglich bis zum 12. d. M. in den Stunden von 11 bis 5 Uhr dem Publicum geöffnet. Die Einnahme aus dem auf 6 kr. bestimmten Eintrittspreis wird der Kleinkinderbewahranstalt dahier überwiesen.

Darmstadt, 6. Oct. Ihre Königlichen Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin sind heute Nachmittag um 3 Uhr von Karlsruhe wieder dahier eingetroffen.

Aus der Pfalz, 1. Oct. (N. C.) Die Ge­nera lsyno de der Pfalz hat in ihrer Schlußsitzung einen Antrag, dahin gehend, das Kirchenregiment möge sich angelegentlichst dafür verwenden, daß ein passendes Gesetz über die Sonntagsfeier gegeben werde, einstim­mig angenommen.

Augsburg, 5 Oct. Laut telegraphischer Depe­sche ist die erste Probefahrt aus der Eisenbahn bis Lin- bau heute Morgen glücklich von Statten gegangen; die Abfahrt in Kempten erfolgte um 7 Uhr, und die Ankunft in Lindau um 10 Uhr.

München, 5. Oct. Gestern Abend erschien das Regierungsblatt Nr. 47 mit einer ministeriellen Be­kanntmachung ,die allgemeine Ausstellung deutscher Industrie- und Gewerbserzeugnisfe im Jahre 1854" betreffend. Diese Bekanntmachung enthält die sehr um­fassenden Bestimmungen, welche über diese Ausstellung vom König genehmigt wurden. Die Ausstellung beginnt am 15. Juli und dauert bis 15. October, Behufs der