Nassauische Allgemeine Zeitung.
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JP. SS«. /reitag den 7. October 1SS3.
Bestellungen auf das vierte Quartal der Nassauischen Allgemeinen Zeitung werden baldigst erbeten.
Die,,Raffauischc Allgemeine Zeitung" mit dem belletristischen Beiblatt „Der Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, täglich und beträgt der PränumerativnSpreiS für Wiesbaden und , nach dem Neuen Postregnlaiiv nunmehr auch für den ganzen Umfang des Tburne und TariS'schen Verwaltungsbezirks mit Jnblgriff des Postausschlags 2 fl-, für die übrigen tünbrr des deutsch.österreichischen Postvereinâ, wie für daâ Ausland 2 st. 24 kr. — Inserate werden die vierspaltig Petit, eile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. — Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgaffe 42, auâwätiS bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.
Jur orientalischen âge.
Die Kric gspartei, sagt die N.P.Z., hatte also danach gesiegt im Divan, wennschon die Bestätigung erst abzuwarten ist. Die Börsen sind darüber schon in fieberhafter Aufregung und „Europa ist krank, wenn die Börse fiebert." Indessen, ob im Divan der impotente Fanatismus der sogenannten Kriegspartei oder die Hoch- gepriesene Staatsklngheit RZchid Pascha's obsiegt, ist zunächst ziemlich gleichgültig; der Ausspruch des Divans bewirkt zur Zeit nur wenig mit oder ohne Sanction des Großherrn. Das Wahre an der Sache ist, daß die KriegSlust der Fanatiker einen mächtigen Bundesgenossen erhalten hat, daS ist die Jahreszeit, der Winter. Wir haben neulich an anderer Stelle aus- drücklich dargelegt, daß für die nächsten 6 bis 7 Monate ein eigentlicher Krieg unmöglich ist in jenen Landen, die Fanatiker hätten also Zeit zum Bramabarsiren, und Reschid kann sic ohne Gefahr gewähren lassen. Die Jahreszeit ist aber auf der andern Seite auch der Bundesgenosse der Europäischen Diplomatie; sie hat jetzt Zeit, die wohlanständigste Formel zu finden, in der sie die Forderungen Rußlands mit der „Ehre" der Pforte vereinigen kann. Rußland hat aber auch jetzt wiederholt die officielle Erklärung abgegeben, daß es durch sein Bestehen auf der unveränderten Wiener Note der Sultanischen Souveränität nicht zu nahe treten wolle, und hat den andern Mächten anheimgegeben, dies in Konstantinopel geltend zn machen. Thatsächlich und nachhaltig ist die Situation noch nicht geändert, und die äußerlichen Wandelungen berühren bisher nur die Börsen.
Der „Lloyd" schreibt: Unsere Vorbersagnug, daß sich leicht in Constantinopel etwas Entscheidendes zutragen könne, bevor Nachrichten von Olmütz jene Hauptstadt erreichen würden, scheint sich bewahrheiten zu wollen. Der Divan soll am 26. d. den Krieg gegen Rußland beschlossen haben. Die Hoffnung ist jedoch nicht ausgeschlossen, daß vor Ausführung dieses Beschlusses eine durch Nachrichten aus Wien begünstigte friedlichere Stimmung behaupten wird. Es hat vielleicht nie eine politische Frage gegeben, die in einer so kurzen Zeit so viele unangenehme Zwischenfälle erfahren und in so verschiedene Stadien getreten ist, wie die orientalische Frage vom Jahre 1853. Die Entfernung der europäischen Hauptstädte von einander, die Politik der Seemächte, welche in kurzer Zeit so viele Schwankungen und Schwenkungen erlitten hat, das im Anfänge des Zwistes mehr 'dictatorische als diplomatische Vorgehen Rußlands, welches durch das Mittel des Schreckens wirken wollte und sich mit einem Ultimatum in eine Sackgasse, mit einem Ultimatissimum in eine andere Sackgasse verrannte, endlich der in Folge der Rüstungen in der Türkei selbst bewirkte Umschwung, welcher das Heft der Regierung entzog und unverantwortlichen Massen mehr oder weniger in die Hände spielte, haben sämmtlich hierbei mitgewirkt. Gewisse Verhältnisse, welche in der Natur der -Sache liegen, mögen selbst im Falle der Kriegserklärung unverändert bleiben. Die Russen mögen sich noch immer scheuen, die Donau zu überschreiten, um in einem unwirtblichen Lande, dessen bodenlose Wege, große Armuth und schwierige Terrainverhältnisse so sehr wie eine Armee zu fürchten sind, einen Winterfeldzug zu beginnen. Die Türken werden nach der Kriegserklärung eben so wenig im Stande sein, die Offensive zu erfreu fen und die Russen aus den Fürstenthümern zu drängen, wie vordem. Die Seemächte dürften neutral bleiben , wie bisher, und vereint mit den andern Großmächten ihre Anstrengungen verdoppeln, um Europa den Frieden zu bewahren. Es ist also immerhin mög. lich, daß selbst, falls die Pforte so verblendet oder so unselbstständig gewesen, ein Kriegsmanifest gegen Rußland zu schleudern, nichts destoweniger der Friede der Welt wird erhalten bleiben. Man muß sich aber andererseits hüten, die Wichtigkeit einer solchen Kricgserklä- rung zu unterschätzen. Mit ihr erlöschen alle Tractate verschwindet der Rechtsboden , als wäre er nie dagewe- sen, wird das Schwert zum einzigen Argument, und die Macht zum alleinigen Recht. Alle Schwierigkeiten, welche Rußland bisher hatte, um sich gegen die staatsrechtlichen Einwürfe der verschiedenen Cabincte zu vertheidigen , schwinden mit Einem Schlage. Zur Abwehr und Nothwehr aufgefordert, ist eS durch ein türkisches Kriegsmanifest auf einmal einer Masse von Verlegenheiten entledigt worden. Was sein Unrecht einmal ge
wesen, ist nun plötzlich in ein Reckt verwandelt worden und Rußland beweist es Jedermann, durch das Manifest des Angreifers. Die Lage der Dinge würde sich so durchgreifend durch eine türkische Kriegserklärung verändert haben, die Zusagen und Versickerungen des Ezaren würden durch dieselbe so gründlich aufgehoben sein, daß Niemand mehr ein Recht hätte ans den uns von früher her bekannten Prämmisseu dieselben Schlüsse, wie noch vor einigen Tagen, zu ziehen.
Der anscheinend osficicllc t* Münchener Korrespondent der „A. A. Z." schreibt unterm 4. d. M. diesem Blatt: Nachdem die orientalische Frage die Wendung zum Krieg genommen hat, kann in das was die Pforte eigentlich gewollt, kaum etwas anderes bessere Einsicht gewähren als die zuletzt in Wien, resp. in Olmütz geführten Unterhandlungen zu einer friedlichen Beilegung der Sache. Auf den andauernden Widerstand der Pforte gegen den Wiener Noten - Entwurf suchte man nämlich in Wien ein neues Ausgleichungsmittel herzustellen und zwar ein solches, durch welches die Pforte ihre Bedenken gegen die Fassung des Wiener Noten- Entwurfs als durchaus widerlegt betrachten könne. Zu diesem Ende kam in Olmütz unter Mitwirkung des Lord Westmoreland und des Barons von Bourqurney eine in dem angebeuteten Sinn gehaltene Collectivnote der vier Großmächte an die Pforte zn Stand, welches Actcnstück seinem ganzen Inhalte nach von dem Kaiser von Rußland gebilligt wurde. Baron von Bourquency war zwar nicht persönlich in Olmütz anwesend, allein er hatte die Note entworfen, und zu einer solchen Mitwirkung bedarf es auch nicht gerade der persönlichen Anwesenheit, wenn auf einer so kurzen Strecke wie zwischen Olmütz und Wien der elektrische Telegraph zu Dienste steht. Diese abermalige Nachgiebigkeit muß Rußland auch in den Augen seiner bisherigen Gegner rechtfertigen. Es ist schon früher eines Vorschlages Erwähnung geschehen, daß der Sultan mit der voll' zöge neu Note ein Schreiben an den Kaiser von Nuß- land senden möge, in welchem er sage, daß er die Note besonders auch deßhalb angenommen habe, weil er in derselben nichts finde, was gegen seine Würde verstoße, worauf dann von dem russischen Kaiser ein in demselben Sinn gehaltenes, durchaus befriedigendes Antwortschreiben erfolgen sollte. Jetzt, nachdem die Sache einmal steht wie sie steht, ist es gut, daß die Welt erfahre, daß dieses befriedigende Antwortschreiben der Pforte förmlich g a r a u t i r t gewesen. Die Pforte hat also nickt einmal die Entschuldigung, daß ihr die zuletzt in Olmütz geführten Unterhandlungen unbekannt gewesen', denn wußte sie von denselben bei Erlaß der Kriegserklärung auch nichts, so war ihr daS Wesen derselben Garantie doch schon längst angcbo- ten gewesen. In Constantinopel aber wollte man keine Verständigung, man wollte den Krieg. Man hat nun den Krieg erklärt, mag man auch die Folgen tragen!
Der Pariser Constitutionnel bestätigt heute die Nachricht, daß die Türkei beschlossen habe, Rußland den Krieg zu erklären. Constitutionnel theilt folgende Einzeluheiteu über die Ereignisse mit, die dem Beschluß deS Divans, den Krieg zu erklären, vorhergegaiigeu sind: „Der Divan hat sich nach den wiederholt an die Türkei gerichteten Aufforderungen und auf wiederholtes Verlangen des Freiherrn v. Bruck, .versammelt, um von neuem über die Wiener Note zu berathen. Er beschloß einstimmig, daß die hohe Pforte bei der Auslegung, die daS Cabinet von St. Petersburg der Wiener Note gegeben, dieselbe weniger denn anuehmeu könne, ohne daß an dieser Note, vorher die von Reschid Pascha angegebene» Veränderungen vorgenommen seien. Dieser Beschluß soll den Gesandten der vier Mächte mitgetheilt werden. Der Divan hat ferner entschieden, daß den folgenden Tag (25. September) ein großer Rath versammelt werde, um die Lage zu prüfen. Diese Versammlung tagte am 26. September. Sie soll zuerkannt haben, daß die Unterhandlungen erschöpft seien, wonach sie alle Maßregeln für die letzten Vorbereitungen zum Kampf geordnet; endlich habe man sodann den Augen, blick für passend gehalten, um das auszuführen, was man in Konstantinopel die Kriegserklärung nennt." — Die Zeitung „Presse" enthält folgende Mittheilungen : Die Nachrichten des Constitutionnel sind richtig. Die Nolle Frankreichs und Englands beim Ausbruch des Krieges wird folgende sein: den Krieg in enge Grenzen tinzuschließen und die Verproviantirung der russischen
Armee auf dem Seewege zu verhindern. Im Fall einer Niederlage der Türken die Russen am Uebersteigen deS Balkans selbst mit Waffengewalt zu hinderst. Nach der Presse hätte Admiral Dundas dem Admiral Hamelin, der älter ist als er, den Oberbefehl über die Vereinigten Flotten abgetreten. Die englischen Journale sprechen sich über die Thatsachen viel deutlicher aus, und der „Globe" versichert positiv, daß der Sultan die Kriegserklärung, welche vorerst von dem Sheick« ü! Islam und von anderen religiösen Chefs genehmigt werden mußte, bereits unterzeichnet habe.
Die Wiener Blätter vom 4. d. äußern sich noch immer mit großer Zurückhaltung über die aus Constantinopel bot t eingetroffenen KriegSgerüchte. Die „Ostd. Post" berachtel: „Der Divan soll dem Sultan gerathen haben, Rußland den Krieg zu erklären. Die Nachricht wird mit solcher Bestimmtheit wiederholt, daß wir Ursacke haben, an ihre Wahrheit zu glauben. Dir „Ocsterr. Corresp." wenigstens hat nichts gethan, um der Nachricht zu widersprechen (auch die Nummer vom 4. d. enthält kein Wort darüber); sie läßt uns heute ganz ohne Lcitfaden, nachdem sie noch vorgestern uns friedliche Aussichten eröffnet hat." — Der „Wanderer" vom 3. meldet: „An der Börse war feilte das Gerücht verbreitet, es sei eine Negretungsdepesche ein getroffen, daß die Türkei an Rußland den Krieg erklärt habe. Ein uns über B u k a r e st von Constantinopel zugekommen es Schreiben vom 24. bringt keine Bestätigung des Gerüchtes, sagt aber, daß Reschid Pascha von der krie- ' gerischen Partei in dem am 23. gehaltenen Minister- rathe hart bedrängt wurde, ohne daß ein Entschluß gefaßt worden wäre. Die morgige Post wird wohl die Aufklärung dieses Gerüchtes nicht schuldig bleiben, das von anderer Seite mit der Version erzählt wird, der Divan habe am 26. dem Sultan den Kriegsantrag vorgelegt." — Ein Brief der am 5. d. M. in Wien eingetroffenen „Triester Zeitung" aus Constantino- pcl vom 26. Septbr. Hält den Ausbruch eines Krieges oder doch einer Kriegserklärung für wahrscheinlich. Ein Ferman sei nach dem Hauptquartier abge- gangen, doch erwarte man „locale Kampfesbeschränkung" (die Beschränkung des Kampfes auf türkisches Gebiet?).
Dvtttl'chtnttd.
f* Wiesbaden, 7. Oct. Auf die von Conrad Braun und Anton Schneider von, Elz in der Untersuchung gegen dieselben wegen Versuchs der Gewaltthätigkeit gegen das Erkenntniß des Assisenhofs in Dillenburg erhobenen RerutS, hat der Cassationshos zur öffentlichen Verhandlung der Sache Tagefahrt auf Mittwoch, den 19. O ct. d. I., Morgens 9 Uhr, im Sitzungszimmer des hiesigen Ober - Äppellations- gerichtS anberaumt
= Bad - Gms, 5. Oct. Die kaiserlich Leopol- dinische Academie der Naturforscher hat den Herrn Hofrath Dr. Spengler dahier zu ihrem Mitglieds ernannt und das Diplom übersendet.
Bei dem dahier in der Hauptstraße vorgenommcuen Canalbau sind bei den Erdarbeiten verschiedene römische Alterthümer gefunden worden, unter andern viele Aschenkrüge von verschiedener Form, zum Theil vollständig gut erhalten, zum Theil zertrümmert. Besonders ist der Fund eines Thränenglases von grünem Glas interessant; ein anderes Thränenglas von weiß- , lichem Glas mit weißen und blauen Verzierungen ist leider zerbrochen worden und werden bloS noch die Scherben ausbewahrt. Bekanntlich sind in Ems schon viele römische Alterthümer gefunden worden, da hier dicht am Pfahlgrabeu etue römische Militärcolonie war. —- Bei den diesjährigen Funden entstand die Frage über daS Eigenthum dieser Sacken, indem die Straße Staatseigenthum ist, und der Canal auch auf Staats- 2 kosten gebaut wird. Es ist allerdings sehr zu beklagen, daß diese Alterthümer in die verschiedensten Hände gerathen, und wie die früheren Sachen der Art durch i Fremde in alle Welt verschleudert werden.
© Limburg, 4. Oct. Bei der heute hier abge- = Haltenen Generalversammlung des Vereins Nassau- scher Aerzte hatten sich einige 20 Theilnehmer auS . allen Gegenden des HcrzogthumS eingcsunden. Nachdem Herr Hofrath Dr. Vogler von Diez als Vor- !• sitzender der Limburger Sectiou die Versammlung be- jg
grüßt, gab er über den Stand und die Verhältnisse des Vereins während des letzten Jahres Nachricht, und eS wurden sodann die nöthigen Verwaltuiigsangelegen-