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Nassauische Allgemeine Zeitung.

jV' SSL Donnerstag den 6. Octobek iS33.

Bestellungen auf das vierte Quartal der Nassauischen Allgemeinen Zeitung werden baldigst erbeten

Die,.Nassauische SHfltmtint Zeitung" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntag» ausgenommen, täglich und beträgt der PränumerationSpreiS für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulativ nunmehr arS für den ganzen Umfang deS Thurn- und TariS'schen Verwaltungsbezirks mit Jnbigriff des Postausschlag« 2 ft, für die übrigen Länder deS deutsch-österreichischen PostvereinS, wie für das Ausland 2 ff. 24 fr. Inserate werden die »ierspalti, Petitzeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, kanggasse 42, anSwärkS bei den nächstgelegenèn Postämtern, zu Machen.

Krieg oder Frieden?

DieHannoversche Zeitung" (Negierungsorgan) bringt nun auch die Nachricht von der Kriegserklärung der Pforte an Rußland und zwar in derselben Form, wie daSDresd. I.", jedoch mit dem weitern beruhi­genden Zusatz:Alle Hoffnung auf Erhal­tung des Friedens ist d e m u n g c a ch t e t noch nicht a n f g e g e b c n. Dagegen hatte man, wie aus den neuesten Berliner Abendblättern hervorgcht, am 4. d. Nachmittags und Abends in der preußischen Haupt­stadt noch keine Ahnung, geschweige denn Kenntniß von einer von Seiten der Pforte beschlossenen Kriegserklä­rung an Rußland. Während in Folge von dunkeln Gerüchten und unbestimmten Nachrichten die Frankfur­ter Börse von einem panischen Schrecken ergriffen war, so daß die Werthpapicre ansehnlich sanken, blieben an der Berliner Börse laut des offieiellen Schlußberichtes die Fonds ziemlich unverändert. Aber auch die neuesten Wiener Zeitungen, die Abendblätter vom 3. October, also von demselben Tag, dessen Datum obige Depeschen tragen, melden keineswegs mit solcher Bestimmtheit wie die telegraphischen Botschaften desDresdener Jour­nals" und derN. Münchn. Ztg.," daß die Kriegs­erklärung beschlossen sei. DerLloyd" (nad) derF. P. Z." diebcstunlerrich tetste" der Wiener Zei­tungen,) sagt unter Wien, 3 Oct. nichts weiter, als: Das Gerücht ist allgemein in der Stadt verbreitet, daß der Divan am 26. v. M. beschlossen hat, eine Kriegserklärung gegen Rußland zu erlassen." Die ganze Nachricht beruht daher auf einem bloßen Gerücht, das auch an der Börse verbreitet war, und dessen auch der amtliche Wiener Börsebericht vom 3. October in der Wiener Zeitung, jedoch in folgender beruhigenderen Weise erwähnt:Die Börse eröffnete in Folge von Ge­rüchten Ms dem Orient in flauer Stimmung. Es hieß bald, die Türkei habe an Rußland den Krieg erklärt, bald nur, die kriegerische Partei habe im Divan trium- phirt, ohne daß der Entschluß des Sultans und seiner Minister noch bekannt sei. Die Course der Fonds und Bankaktien wurden weniger davon berühr).

DieOcsterreichtsche Correspondenz" enthält nichts über das allarmireude Gerücht. Auch derWanderer" erwähnt desselben mit keiner Sylbe. DieNat.- Ztg." theilt dasGerücht" einer Kriegserklärung tele­graphisch aus Wien obne weitere Bemerkung Mit. Die N.Pr. Z." hat die Nachricht nicht. DieOstd. Post" meldet: Wien, 3. Oct.:Die günstigere Stimmung, welche vor der Börse der Friedenshoffnung erweckende Artikel derOesterr. Corrcsp." hervorgebracht hatte, schlug in Folge des verbreiteten Gerüchtes, es habe der Divan beschlossen, Rußland den Krieg zu erklären? in eine Panique um. Im Verlaufe der Börse erholten sich die Course auf die mehrseitige Versiche. ung hin, daß die Wirklichkeit der telegraphischen Depesche aus Buka­rest, welche die Kriegserklärung berichtete, sehr in Zwei­fel zu ziehen sei. 5pEt., welche auf 91'4 gesunken waren, stiegen auf 92'/,. Nordbahn erholten sich von dem Falle auf 218 bis 21. London bis 10. 51 ge­macht, blieb 10. 49. Ein hiesiges BanquierhauS, heißt es wiederholt, hat die Nachricht erhalten, der Di­van habe dem Sultan zum Kriege eiugcrathen. Diese Nachricht wurde übrigens mit verschiedenen Versionen erzählt. Mit Bestimmtheit wurde gesagt, daß der hier anwesende General Goyon nachträglich von seinem Gou­vernement die Weisung erhalten habe, sich nicht nach Warschau zu begeben." (Letztere Nachricht wird durch einen anderen Artikel desselben Blattes, worin es heißt, der Graf reise über Berlin nach Paris zurück bestätigt.)

Die A. A. Z. begleitet die teL Depesche des Lloyd mit folgenden Worten:In dieser vorsichtigen Fassung erhielt das Wiener Publicum die erste Kunde von dem vollendeten Bruch zwischen Rußland und der Pforte. Mittlerweile ist, soviel wir wissen, an die auswärtigen Regierungen die Meldung gekommen, die wir unsern Lesern bereits nach der telegraphischen Depesche der N. Münch. Zeitung mitgetheilt. Die Pforte hat am 26. an Rußland den Krieg erklärt, in demselben Augenblick in welchem Kaiser Nicolaus in Olmütz seine Zustimmung zu einer neuen Collectivnote zur Beschwichtigung der Besorgnisse der Pforte gegeben hatte. Wir verweisen auf den unten folgenden Münchener Brief." Derselbe tut» hält jedoch nur eine Version der tel. Dep. der Hannov. Ztg., die der Hoffnung auf Erhaltung des Friedens

Raum gibt. Er lautet: München, 3. Oct. So eben bringt uns der Telegraph aus Wien die über­raschende Nachricht, daß die Pforte unterm 26. v. M. an R ußla n d deu Kr! eg erklärt hät, nachdem Tags vorher sämmtliche Ler- g l ei ch u n g s v o r s ch l ä g ^ e i u st i m m i g verwor­fen worden waren. Ich nenne tu fe Nach­richt überraschend, und man muß es auch wohl, wenn man früher voraussctzen zu dürfen glaubte, daß die Pforte ihre Lage nickt durch einen Schritt des Wahnsinns vollends unverbesserlich machen werde. Indessen dieser Schritt ist nun dennoch geschehen, und wir haben die Dinge eben so zu beurtheilen, wie sie thatsächlich liegen. Die Frage liegt nahe: ist cs wahrscheinlich, daß in Folge der tür- kischen Kriegserklärung auch zwischen den übrigen euro­päischen Großmächten ernste Verwicklungen entstehen? Die Großmächte haben den Wiener Notenentwurf gut- geheißen und unterzeichnet. Folgerichtig können sie also wohl die Pforte in ihrem Widerstand gegen den In­halt der Note nicht unterstützen. Solche Eröffnungen dürften der Pforte durch die Gesandten der Großmächte in Coustantinopel auch unverhohlen gemacht worden sein. Noch mehr. Neben seiner unbedingten Zustimmung zu dem Wiener Notenentwurf hat Rußland neuerdings noch dadurch seinen Wunsch nach Ausgleichung an den Tag gelegt, daß cs auch einer Collectivnote der Groß Mächte an die Pforte zur Beseitigung der von derselben gegen den Wiener Notenentwurf erhobt neu Bedenken zugestimmt hat. Daß eine solche Collectivnote erfolgen und die volle Zustimmung Rußlands erhalten würde, war beim Erlaß der türkischen Kriegserklärung in Con- stautinopel wahrscheinlich noch unbekannt; allein das hindert wohl nicht, daß die Folgen dieser neuen Be­mühungen der Großmächte und Rußlands zur Erhal­tung des Friedens sich geltend machen müssen. Die Pforte hat um jeden Preis Krieg gewollt; sie mag nun zusehen, wie sie allein fertig wird.

DemFrankfurter Journal" wird aus Berlin vom 3. d. geschrieben: Was die gegenwärtige Lage der tür­kischen Frage selbst betrifft, so findet durch die heute aus Konstantinopel hier eiugegangenen Nachrichten das seit gestern umlaufende Börsengerücht von dem Anträge des Divans auf Kriegserklärung an Rußland seine Be- stätigung. Zugleich geht aber die für die Friedenshoff- nungen günstige Mittheilung ein, daß der Sultan in Erwartung des Ergebnisses der Olmütz er C o n f e r e n z v e r h a n d l u n g e n seine Entschei­dung über den Antrag noch verzögere. In hiesigen politischen Kreisen glaubt man mit aller Zuver­sicht an der Erwartung festhalten zu dürfen, daß die Pforte, Angesichts des neuen österreichischen Ausgleich­ungsvorschlages, wonach die vier vermittelnden Mächte die ausdrückliche Bürgschaft dafür übernehmen sollen, daß die Annahme des Wiener Notenentwurfs keine Be­einträchtigung weder der Unabhängigkeit der Türkei noch der Souverânetät des Sultans enthalte von ihren für die Zukunft des ottomauischen Reiches selbst etwas be­denklichen Kriegsgelüsten ablassen werde.

Alle Hoffnungen auf die Erhaltung des Friedens sind daher noch nicht ganz verschwunden.

Ventschland.

* Wiesbaden, 6. Oct. Ihre k. Hoheit die ver- wittwele Frau Herzogin Pauline hat in diesen Tagen in Begleitung I. Durchl. der Prinzessin Sophie die beabsichtigte Reise nach St. Petersburg angetreten. Die Zahl der bis zum 5. October hier eingetroffenen Kurgäste beträgt 25,772. Seit dem 1. Oct. sind neu hinzugckommcn 180.

A Von der Aar, 3. Oct. Nach einer Corresp. von der Lahn, den 14. Sept., in Nr. 219 derAllz. Nass. Zeitung" soll Bicar Hein zu Montabaur im Laufe einer seit Mitte August über ihn verhängten Untersuchung von Amt und Gehalt suSpendirt worden und darnach um Entlassung auS der unirten Kirche ein- gekommen sein. Diese Angabe ist nicht ganz genau. Hein war im August von einigen Gliedern der evange- lischen Gemeinde in Montabaur wegen einiger Aus­drücke .über den evangelischen LandeSkatcchismuS ver­klagt worden. Der Herzogliche Decan zu Diez nahm Ende August darüber ein Protokoll auf, in welchem sich Hein wesentlich zu dem bekannte, wessen er angeklagt war. Den SamStag darauf reichte Hein sein Ent- laffungsgesuch aus der Kirche bei der betreffenden Be­hörde ein und hielt den Sonntag darauf seine Ab-

schicdsprcdigt. Den folgenden Samstag nach dieser Ab­schiedspredigt wurde Hein bedeutet Durch das Decanat zu Diez), daß er seiner Ticn-stsunctiouen enthoben fei und morgen Sonntags her Herzogf. Decan {von Diez in Montabaur predigen würde. Darauf verließ Hern Montabaur, ist aber jetzt wieder -dorthin verwiesen, in­dem wegen seiner Abschiedspredigt vom 4. September eine Untersuchung gegen ihn eingeleitet worden ist. Dieß Alles ist jedoch insofern von weniger Bedeutung, da Hein schon im Sommer bei sich beschlossen hatte, sin Kurzem aus der Landeskirche anszutreteU

Stuttgart, 4. Oct. (S. M) Auf unserer E i s c N b a h » ist heute Vormittag ein Unfall begegnet. Zwu Züge stießen zwischen Kornwestheim und Zuffen­hausen bei sehr starren Nebel auf einander. Personen wurden n i ch t verletzt, dagegen ist der Schaden an den Wagen 2c. bedeutend. Finanzminister v. Knapp reiste sogleich an Ort und Stelle. Näheres wissen wir noch nicht.

Aschassenburg, 3. Oct. (Asch. 3 ) Morgen findet in dem benachbarten Kleinheubach die Taufe deS jüngst geborenen Sohnes Don Miguel's durch einen portugiesischen Bischof statt. Bereits sollen sich viele dem höchsten Adel angehörige Portugiesen zu die­sem Acte, der mit der größten Feierlichkeit vorgenommen werden soll, eingefunden haben.

München, 3. Oct. Aus zuverlässiger Quelle ist dieN. M. Z." zu der Erklärung ermächtigt, daß eine Reise dcs Königs nach Spanien nicht im Entferntesten beabsichtigt worden ist. Se. Maj. wird den Winter in München verweilen.

Bremen, 3. Oct. Der Senat hat in seiner heu­tigen Sitzung den ehemaligen Oberappellationsgerichts- rath Bremer, einst Mitglied der provisorischen Regier rung Schleswig-Holsteins, gegenwärtig Anwalt Braunschweig, zum Secretär des gemeinschaftlichen Obèr- appellationSgerichts der vier freien Städte Derttfchksnßs erwählt. Dem Vernehmen nach ist Hr. Bremer bereits Bürger von Bremen geworden. An der Spitze dc^ Bremer Haudelsblattcs" findet sich heute eine Er­klärung, der gemäß das Blatt sich fortan eines Urtheils über die Frage wegen des Anschlusses von Bremen an den Zollverein enthalten und damit begnügen wird, das Material zur Beurtheilung der Frage zusammenzutrageN.

Schwerin, 29. Septbr. (N. Pr. Ztg.) Herr v^ Vogelsang, der vor drei Jahren zur römisch-katho­lischen Kirche übergetreten , hat nach dem Beispiel des Kammerherrn V. d. Kettenburg den Entschluß gefaßt, sein Vaterland zu verlassen, und bietet seine Besitzun­gen zur Verpachtung aus.

Magdeburg, 3. Oct. Wie es heißt, wird bei König am 20. b. Mts. die feierliche Grundstein- legung des hiesigen Klosters Augustini vornehmen.

Berlin, 3. Oct. Der preußisch-belgische Vertrae läuft mit diesem Jahre ab und liegt kein Anzeichen jsei, ner Verlängerung vor. Im Interesse des Zollvereine liegt eS, meint dieNat.-Z.", ihn unter den alten füi Belgien einseitig vortheilhaften Bedingungen nicht zs verlängern und cs wäre nicht unmöglich, daß wir von Jahre 1854 ab ohne ein besonderes Vertragsvcrhâltnis mit Belgien basteben. Die lange ventilirte Frag wegen Organisation der Verwaltung in den Hohenzol lcrnscheu Landen dürfte nunmehr in der kürzesten Frif ihre endliche Erledigung finden. Von der Bildung zweier Landrathsämter ist Abstand genommen worden und cS wird die Verwaltung nach wie vor den bestehen den Obcräintern überlassen bleiben. 4

Die Zollcvnsercnz hält nach wie vor täglich, Mt Ausnahme des Dienstags und Freitags, ihre Sitzungen Ob sie aber bis zum Schlüsse dieses Monats über di zahlreichen auf die innere Einrichtung des Zollverein und die einzelnen Tarifsätze bezüglichen Anträge, beret int Ganzen wohl an hundert und fünfzig eingercick sind, wird Beschlüsse fassen können, ist bei der Schwierig keit der Berathungsformen , dem langsamen Eingehen der Instructionen für jeden einzelnen Bevollmächtigter dem Antagonismus den Interessen und der erforder lichen Unanimitat kaum anzunehmen. Was die Taris änderungen anlangt, so erinnern wir daran, daß de neue Zollvereinstarif vertragsmäßig acht Wochen vc seiner Einführung, also in den ersten Tagen des Nv vember in jedem Vereinöstaate publicirt werden mus Im Ganzen wird an den stipulirten Sätzen wenig ge ändert werden, nachdem die Anträge auf Eluführun des Tabacksmonopols und Besteuerung des inländische ,