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Nassauische Allgemeine Zeitung.

JV-. SS^ Mittwoch den 5. October 1SS3.

Bestellungen auf das vierte Quartal der Nassauischen Allgemeinen Zeitung werden baldigst erbeten.

DieRaffauischr Allgemeine Zeitung" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntag» ausgenommen, täglich und beträgt der Präaumcraiionspieis für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulaiiv nunmehr ot$ fr den ganten Umfang deS Dlurn, und TariS' Tern'<ithnig?ee;trß mit Inbegriff deS PostansfSlagS 2 ff., für die übrigen bänder deS dentsch-Sstërreichischen PSstvereinS, wie für daS NnSland 2 fT. 21 fr. Inserate werben die dierspaNig Petttteile oder deren :)iaum mit 3 tr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung neu W. st rn e d r j ch , banggaffe 12, anSwârls bei den nâchstgelegcncn Pdstämtertl, zu machen.

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Zur urirutulischen Frage.

Die Nachrichten ans Constantinopel und überhaupt über den Stand der orientalischen F aste lauten heute sehr widersprechend. Während ein englisches Blatt die vor Constantinopel berufenen Kriegsschiffe der vercinig- ten Flotten in die Besicabai zurnckkehren läßt, schickt daS officivseJournal de (Empire" Artikel in die Welt, die auf das Einlaufen der ganzen verbündeten Flotten vorbereiten sollen. Ferner erfährt die Ocst. Corr. auf teL Wege ans Malta vom 26. Sept, daß alle große, ren Kriegsschiffe ans dem dortigen Hafen nach der Be­sicabai ausgelaufen sind. Die Zurückweisung der von der Pforte gewünschten Modificationen der Wiener Note ist der hohen Pforte durch einen am 20. v. M. in Constantinopcl eingctrvffcncn Courier aus Petersburg zur Kenntniß gekommen. Ein Ministerrath, der sofort Nachts zusammcutrat und bis zum Morgen währte und ein am 22. v. M. abgebaltenes Medschliß führten zu keinem Beschluß. DieOstd. Post" behauptet dagegen, daß trotz der erfolgten Zurückweisung der von der Pforte gemachten Vorschläge der in Constantinopel anwesende russische Canzleiverweser Argniropoli (erster Dolmetscher der russischen Gesandtschaft) die Vollmacht erhalten habe, über einige anstößige Punkte en famille mit den Mini­stern der Pforte (jebo$ mit Ausweichung aller Com- munication an die französischen und englischen Gesand­ten) in dieser Hinsicht zu disculiren und wo möglich die Ausgleichung zu Stande zu bringen. Die Bemü­hungen des Hrn. Argyropnlbs zu unterstützen, soll sogar von Seite Rußlands den Hospodaren der Moldau und Walachei die Erlaubniß gegeben haben, zu erklären, daß Ire den Tribut an die türkische StaatScasse ohne weitere Einrede abgehen lassen. Es wäre allerdings nicht das erste Mal, daß Rußland durch nurtergeordnete aber kluge Agenten, die im Stillen mit den Minister» verhandeln, Dinge von der höchsten Wichtigkeit dnrchgesetzt hat, wir wollen aber dennoch die Bestätigung dieser auffallenden Mittheilung abwarten. Uebrigens hätten diese Unter- Handlungen zu keinem Resultate geführt. Deun die, wie das Frankfurter Journal bezeugt, sonst so vorsich­tigePfälzer Zeitung" läßt sich von ihrem noch vor­sichtigeren Münchener Korrespondenten nachstehende tele­graphische Depesche mittheilen:München, 3. Oct.: Die Pforte hat am 25. Sept. alle Vergleichungs­vorschläge abgelchnt und am 26. an Rußland den Krieg erklärt." Abgesehen von der Richtigkeit dieser unglaubwürdigen Nachricht ist die nunmehr seit der erfolgten Zusammenkunft der Herrscher von Oester­reich, Preußen und Rußland in Warschau außer Zwei­fel stehende Erneuerung oder Wiederbethätigung der Allianz der östlichen Großmächte von um so größerer Bedeutung und ein um so erfreulicheres Ereigniß, als es den Anschein hat, daß die Wcstmächte ihre Stellung zur Weltlage und ihr eigenes Interesse in der letzten Zeit wieder arg verkannt haben, wie aus dem untenstehenden Artikel der A.A.Z. hcrvorgeht. Nach einer Mittheilung derAssemblee Nationale" vom 2., welche dieselbe (in ge­sperrter Schrift) an der Spitze ihres Blattes bringt und die in Paris große Sensation gemacht hat, da man weiß, daß dieses Blatt in vertraulichen Beziehungen zu der russ. Gesandtschaft steht, wäre das Einvernehmen sämmtlicher Großmächte wieder hergestellt. Es heißt da;Wir kön­nen nicht in Details eingehen über DaS, was sich bei der Zusammenkunft in Ölmütz zugetragen. Unsere Nach­richten hierüber sind noch nicht vollständig. Wir kön­nen aber jetzt schon mit Bestimmtheit ein großes Re­sultat ankünbigcn. Die Confcrcnz zwischen den vier Mächten in Wien ist wieder hergestellt. Der einen Augenblick unterbrochen gewesene Faden der Unterhand­lung ist wieder ausgenommen, und eine glücklichere und schnellere Lösung, wie man sie noch gestern und heute früh nicht erwarten konnte, ist wahrscheinlich. Alle Ge­rüchte von einer zwischen den drei nordischen Mächten abgeschlossenen Offensiv « und Defensiv Coalition sind durchaus falsch. Die imWanderer" mitgcthcilte ieL Depesche der K. Z. ans Paris vom 3. October, nach welcher dieAssemblee National" verwarnt wurde, weil sie behauptet, die Wiener Conferenz wäre nicht wieder ausgenommen , und die nordischen Mächte 'hätten eine Allianz geschlossen, scheint demnach unrichtig, da die obige Mittheilung der Assemblee Nationale gerade das Gegentheil jener Behauptungen enthält, die ihr das er­wähnte Avertissement zugezogen haben sollen. Dagegen behaupten die H. N., daß bei der Olmützer Zusammen­

kunft ein engeres Bündniß zwischen den drei nordischen Großmächten, sowohl gegen etwaige Umwälzungsvcrsnche im Innern, wie gegen irgend welches Unternehmen deS Westens geschlossen sei.

Das heute Morgen hier eingetroffeneDresdner Journal" bringt in einer telegraphischen Depesche ans Wien vom 3. Oktober eine mit der obigen Nachricht derPlätzer Zeitung" gleichlautende Mittheilung. Nach demDresdner Journal" ist in Wien aus Eonstanll- nopel die Nachricht eingetroffc», daß der Divan am 26. Sept, trotz nochmaliger dringender Vorstellung jder Gesandten einstimmig (mit 120 Stimmen) de n Krieg gegen Rußland beschlossen hat, die Maßregeln zur Ausführung dieses Beschlusses dem Sultan, und seinen Ministern überlassend. DieNene Münchener Ztg." bringt ebenfalls folgende telegraphische Depesche aus Wien, 3. Oct. Die Pforte hat am 26. Sevt. an Rußland den Krieg erklärt, nachdem Tags vorher alle BergleichungSvorschläge einstimmig von ihr verworfen worden waren. Sonderbarer- Weise haben die gestrigen telegr. Depcschen derFr. Bl.", datut Wien 3. Oct., welche die Abreise des Kaisers von Oesterreich nach Warschau meldeten, nichts von der erfolgten Kriegserklärung berichtet. Eine am 3. Oct. um 12 Uhr 45 Minuten von Wien an dieA. A. Ztg." mit der Nachricht von der Abreise des Kaisers abgegangene tel. Depesche erwähnt gleichfalls nichts von diesen K iegsgerüchten.

Daß ein kriegerischer AnSgang in der türkischen Haupt­stadt für möglich und wahrscheinlich gehalten wurde, geht aus dem nachstehenden Schreiben hervor, welches deinNürnb. Corr." aus Constantinopel vom 22. v. M. zugekommen ist. Dieses lautet:Ich bin überzeugt, daß schon manches Mal, wenn Sie die groß­mäuligen Friedensdepeschen und Sicherheitsphrasen über die große Frage des Tages in vielen europäischen Zei­tungen mit meinen Berichten zusammenhielten, gegen mich ein leiser Verdacht der Ungründlichkcit oder Un­glaubwürdigkeit in Ihnen mag anfgestiegen s.in; und demgemäß mag ein solcher Verdacht vielleicht schon man­chem Artikel aus meiner Feder die Spalten Ihres Blat­tes verschlossen haben. Aber ich bitte Sic, heute sich zu erinnern, wie trotz Wiener und andern Blättern, die eben schreiben, wie sie es gerne wahr sahen, die That fachen noch jedes Mal und unmittelbar meinen Mitthei­lungen auf dem Fuße gefolgt sind, und was ich vor 3 Monaten über Hiesiges Ihnen geschrieben, wird viel­leicht nur zu bald mit blutigem Siegel bestätigt wer­den. Am 18. langte in Bujukdere der österr. außeror­dentliche Courier an, welcher von Wien Nachricht über die Ausnahme brachte, welche die letzte türk. Antwort auf das Wiener Project von Seiten des Czaren gefunden. Vorgestern erfolgte die officielle Mittheilung durch Hrn. v. Bruck im Pfortenministcrium, und von da verbrei­tete sich die Nachricht sehr schnell in Stadt und Vor­städten. Der russische Kaiser hat nun auch seinerseits wieder einmal abgelehnt und soll nach übereinstimmenden Privatbliesen von Peterburg bei der Ankunft des österr. Couriers mit der abschlägigen Antwort der Pforte in große Aufregung gerathen sein. Ueber alles Das hat sich hier kein Mensch gewundert; ein Jeder, der die türkische Antwortsnote und die Nole explicalive am 29. v. Mts. gelesen, wußte, daß Kaiser Nicolaus auf ähnliche Propositioucn in Ewigkeit nicht eingehen würde. Inzwischen hat man allenthalben Aergerniß genommen an der Keckheit, mit der viele europäische Blätter dem Publicum in fingirten Mittheilungen aus der Levante und in falsch gemünzten telegraphischen Berichten die letzten 14 Tagen über ohne Unterlaß den Frieden vor­logen. In Folge der Wiener Nachrichten schloß die Börse gestern London 12021, Marseille 19193, Während derUnterhandlungen" hatte die Pforte die Kriegsrüstungeu keinen Augenblick ausgesetzt. Die letzte Woche wurden sämmtlich noch nicht zur Armee ver­wendeten Ingenieure auö Anatolien hieher berufen, um ihre Bestimmung nach irgend ei ein Armeecorps zu er­halten. Die Älttürkcu drängen den Sultan und seine Minister mit allen Mitteln einer wohlorganistrteu Agi­tation zum Kriege. Bei alle Dem gibt eS hier Viele, die noch an eine friedliche Lösung glauben auf wel- Giund hin, wissen sie freilich nicht anzugeben, und es ist spaßhaft, Diejenigen, welche im verflossenen Frühjahre als natürliche Politik der Russen eS bezeichneten, die Af­faire diplomatisch bis zu Winteranfang hinauSzuziehen, da ein Winterkrieg den Russen den größten Vortheil biete

diese nun zu hören, wenn sie demonstriren wollen' daß im Winter cs den Türken ihrererseitS nicht conveni- ren könne, mit den Russi n handgemein zu werden und daß in Folge der also notbwendigen Verzögerungen auf beiden Seiten, ein Stieg nicht leichtlich anSbrcchen könne! DaS ist sehr folgerichtig und nicht minder menschenfreundlich gegen ZihLu und Russen gedacht aber der Mensch denkt, und -^ die Armeen werden von ihren erhabenen' Kriegsherren commaüdirt! Eine Neuigkeit schlimme­rer Art ist die vor 8 Tagen hieher gckoMmcne Anzeige von dem Ausbruch und dem starken Fortschreiten der Cholera in Odessa nnd fast allen nördlichen Häfen deS schwarzen Meeres. Bor wenigen Tagen hat die Pforte davon offizielle Anzeige an die einzelnen Gesandtschaften geschickt, und von der Zeit an haben alle Schiffe, die aus bem schwarzen Meer kommen, selbst die von Su­lina her. im hiesige» Hafen eine fünftägige Quarantäne zu bestehen. Das fast sprüchwörtlich gewordene Bairamdan sonra (nach dem Bairam!) der Türken ist nun auch endlick a»gekommen; letzten Freitag endeten die Festlichkeiten deS Kurban Bairain (Opfer-Bairam,) an dem jeder Muselmann, der nicht selbst durch Armuth daran gehindert ist und sogar der Sultan, alljährlich zu Gun­sten der Armen eigenhändig ein Schaf schlachtet), wo- mit der Jubelmonat der Türken schließt. Bei den fest­lichen Auszügen des Sultans während der 3 Tage in Constantinopel will man ällgemein eine große Abnahme des Luxus in Juwelen und edlen Metallen gegen die Vorjahre bemerkt haben. Der Grund liegt wohl nicht ferne. Hier etwartet man nach Lage der Dinge eine Kriegserklärung von Seite der -^- Türken; es ist Dieß wohl natürlich, denn die Russen sitzen behaglich und warnt in denmateriellen Garantien" die daS Petersburger Cabinet in Consequeiiz der ersten Neffel- rod^scheu Note sich genommen, sie können und werden warten, bis man sie in den besetzten Provinzen beun­ruhigen wird.

Ve»rtschlatt-.

Aus dem Rheingau, 2. Oclbr. Die Kartof- felerudte fällt dahier sehr befriedigend aus. Die Oua' lität ist eine vorzügliche.

Frankfurt, 4. Oct. (F. Bl.) Gestern 8 Uhr traf mit einem Extrazuge der Tannuseisenbahn hier ein die Frau Gräfin von Neuillp (Königin Maria Amalia, Wittwe König Ludwig Philipps), begleitet von Herrn und Frau v. Arc (Prinz und Prinzessin von Joinville) und deren beiden Kindern, so wie von bem Herrn von Viuenil (Herzog von Aumale); ferner von der Frau Herzogin von Marinier, dem General Grafen Dumas, dem Abbe Guelle, Herrn Trognon, Fräulein von St. Aubin, dem Doctor de Mussy und Frau de Mussy, nebst zahlreicher Dienerschaft. Die Fra» Gräfin von Neuilly nahm ihr Absteigequartier im Hotel zum russi­schen Hof, verweilt heute hier und setzt morgen Mittag aus der Main - Neckar- und badischen Bahn ihre Reise über Basel und Turin nach Genua fort, wo sie sich nach Spanien einschiffen wird. Der ehemalige Reichs­minister General Jochmus hat gestern nach einem längeren Aufenthalte in unserer Stadt, eine Reise nach China antreten. Senator Fellner, unserer Be­vollmächtigter bei der Berliner Zollconferenz, ist heute von Berlin hier eingetroffen. DaS gestern Abend erwählte dritte Conclave zur Wahl von Mitgliedern für unsere ständige Bürgerrepräsentatiou hat ebenfalls Wahlen zu Stande gebracht. Nächste Woche erwartet man eine Fortsetzung der Wahlen zur Ergänzung jun- ; sercs Senats.

Karlsruhe, 3. Oct. Zum nächsten Versamm- . lungsorte der pomologischrn Vereine ist Wiesbaden erwählt.

München, 2. Oct. Heute Nachmittag begann das Octoberfest. II. MM. der König und die Koni- , gin, sowie der Prinz und die Prinzessin Lnitpold be­ehrten das Fest mit ihrer Gegenwart. Jur Königszelt, wo Ihre Majestäten Platz nahmen, war das diploma­tische Corps, die höheren Staatsbeamten 2c., der Ma­gistrat und das Generalcomite des landwirthschastlichen Vereins versammelt. Nach kurzem Verweilen ließen . sich Ihre Majestäten die von verschiedenen Landgemein­den hierher geschickten Deputationen in ihren originellen ; Landestrachten vorstellen und unterhielten sich mit den e Landleuten. Se. M. der König vertheilte dann die Preise an die Landwirthe, wobei diese ihre preisgekrön- )( teil Pferde, Zuchttiere rc., treffliche Exemplare, vor- -