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Nassauische Allgemeine Zeitung

jV. SSS Dienstag den 4. ©stöber 1883.

Bestellungen auf das vierte Quartal der Nassauischen Allgemeinen Zeitung werden baldigst erbeten.

DieNassauische Allgemeine Zeitung^ mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, täglich und beträgt der PrânumerationSpreiâ für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulativ nunmehr auch für den ganzen Umfang deâ Hurn» und TariS'schen Verwaltungsbezirks Mit Inbegriff des Postausschlag« 2 fl., für die übrigen Länder des deutsch-österreichischen PostdereinS, wie für das Ausland 2 fl. 24 kr. Inserate werden die Vierspaltix Petitzeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgasse 42, auswärts bei den nächstzelegenen Postämtern, zu machen.

Zur orieukalischen Frage.

Nach einer telegraphischen Depesche derNeuen Münchener Zeitung" begibt sich Sc. Maj. der Kai­ser von Oe st erreich am 2. October zu einem Ge< genbesuch bei Se. Maj. den Kaiser von Rußland nach Warschau. Die dortigen Festlichkeiten werden bis zum 7. d. dauern. Die Abreise Sr. Maj. des Kö­nigs von Preußen nach W a r s ch a u haben wir bereits gemeldet.

Der bereits erwähnte Artikel derOesterr. Corr." über das Ergebniß der Olmützer Berathung lautet: Die öffentliche Aufmerksamkeit hat sich dem k. k. Heer­lager zu Olmütz nicht nur wegen des militärischen Glanzes zugewendet, sondern auch in der .natürlichen Voraussetzung, daß der Besuch des erhabenen Bundes- frcundes unseres Kaisers und Herrn in Begleitung seiner vertrautesten Räthe zur Verstärkung über die orienta­lische Frage Veranlassung bieten werde. Sind wir nun auch nicht in der Lage über das Ergebniß der Olmützer Conferenzen nähere Mittheilungen zu geben, so glauben wir doch versichern zu dürfen, daß die daselbst gepfloge­nen Verhandlungen den auch von Seiten des kaiserlich russischen Cabincts bethätigten Willen bekunden, nicht nur den europäischen Frieden aufrecht zu erhalten, sondern auch der hohen Pforte ein Mittel zu bieten, durch welches die obschwebenden Differenzen ausgeglichen werden könnens, ohne ihrer Würde und Selbstständigkeit zu na he.zu treten. Wir dürfen hinzufügen, daß der laut ge­wordenen Besorgniß späterer P r ä j u d i c i e n f ür d i e Türkei aus dem bisherigen V o r s ch r e i t e n Rußlands, sicherem Vernehmen nach, die möglichste Berücksichtigung zu Theil wurde, und daß das kaiserlich russische Cabinet auch in dieser schwierigen Lage eine Achtung und Rücksichtsnahme gegen die Wünsche und Ansichten der übrigen Mächte obwalten ließ, welche, wie wir hoffen, diejenige A n e r k e N n n u g und Erwiederung finden wird, die zur endlichen Beseitigung der noch immer andauernden und nach allen Seiten nachtheilig wirkenden Spannung der Ge­müther unerläßlich ist. Die hohe Pforrenrcgierung aber wird wohl bedenken, wie gefährlich es für sie selbst sein müßte, sich Impulsen hinzngeben, welche in Widerspruch mit aller S ta atS klugh e i t, wie mit den Gefühlen und Gesinnungen der gesammteu christlichen Welt stehen.

Aus Co n st an tin op el bringt der Triest-Wiener Telegraph Nachrichten bis zum 22. Sept., ohne daß derselbe des Einlaufens der Flotten erwähnte. Das bestätigt die auch durch andere Umstände gerechtfertigte Annahme, daß die aus der Beschika-Bai entsendeten 4 Fregatten nicht als Demonstration gegen Rußland, son­dern nur als Hülföleistung für den Sultan gegen das Andrängen der Kriegspartei zu betrachten waren. Und doch hatten die Drohartikel der englischen Blätter be­stimmt verkündigt: die ganze Flotte sei unterwegs nach den Dardanellen. Da übrigens die russische Ablehnung des türkischen Amendements sschon am 15. oder 16. in Constantinopel bekannt, und- bis zum 22. dort durch keine Kriegserklärung beantwortet war, so erkennt man, daß auch das türkische Cabinet, so gut wie das eng­lische, vor einem entscheidenden Schritt zurückschrcckte. Mittlerweile setzte Oesterreich seine Ausgleichungsver­suche fort, und sah sich, wie dieA. A. Z." schreibt, in Olmütz sowohl durch den Prinzen von Preußen als durch Lord Westmoreland, der weit versöhnlichen! Gei­stes ist, als Lord Redcliffe, unterstützt. Am 25. Sept, fand in Olmütz eine Conferenz statt, welcher nicht nur die anwesende» Minister von Rußland und Oesterreich, sondern auch die beiden Kaiser und der Prinz von Preußen beiwohnten. Auch an den folgenden Tagen sollen noch Berathungen stattgefunden, und zu Ergeb­nissen geführt haben, die den Freunden der Ausgleichung günstig erschienen. Es soll namentlich gelungen sein, das russische Cabinet, das heisst den Grafen Nesselrode zu einer Depesche zu veranlassen, zur Beschwich­tigung der Besorgnisse und Bedenken Frankreichs und Englands wegen der Er - l â n t er u n gs n ot e (der dépéche cxplicative, welche die einzelnen Punkte der türkischen Modificationsvor- schlâge durchging und den principiellen Widerspruch so schneidend Hervorbob.)

Die in französischen Blättern aufgetauchte Nachricht,

der zufolge die französische und englische Negierung den | beiden Befehlshabern der vereinigten Geschwader die ' Ordre zum Einlaufen in den Bosporus gegeben haben soll, gewinnt an Bestand durch einen Artikel des Paps vom 2. Oct., der bestimmt zu sein scheint, das Publi­kum auf diese Maßregel vorzubereiten und sie zu recht­fertigen. Das Regierungsblatt, welches bisher stets einem friedlichen Ausgang der orientalischen Wirren das Wort redete, scheint viel von seiner Zuversicht einer Ausgleichung verloren zu haben und gesteht ein, daß die Wahrscheinlichkeit eines Krieges stärker geworden ist. Diese Erklärung, abgegeben in einem Augenblick, wo die Negierung bereits von dem Resultat der Olmützer Conferenz unterrichtet sein muß, läßt darauf schließen, daß die in Paris verbreitete Nachricht:Der Kaiser von Rußland habe sich gegen' jede andere Auslegung der Collectivnote als die vom Nesseltode in seiner Note aufgenommenc erklärt" nicht ganz unbegründet ist.

Herr von Bourquenev soll nach einer Wiener Korrespondenz der Köln. Z." sich aus dem Grunde nicht in das Lager von Olmütz begeben haben, weil er nicht Militär ist und noch vor der Ankunft des Czaa- KH in Olmütz in Wien durch die russische Gesandtschaft sub rosa bekannt gemacht wurde, daß der Czaar wäh- rend seines Besuches mit diplomatischen Geschäften und Vorstellungen nicht^behelligt werden wolle, indem er bloß kommen werde, um den militärischen Uebungen beizn- wohnen. Der englische Gesandte Lord 28 estmore- lan b, der GeneraUieutenant ist, ließ sich dieses offi- ciöse Kommunique nicht anfechtcu; er wurde jedoch, wie bereits gemeldet, zu den Konferenzen, bie bloß zwi­schen den Grafen Buol und Ncffelrode und Hrn. von Meiendorf Statt fanden nicht zugezogen. Nach der K. Z. erhielt er nicht einmal eine besondere Audienz beim Kaiser von Rußland (die Presse meldete das Ge­gentheil), sondern mußte sich begnügen , in Pausch und Bogen mit der übrigen Generalität vorgestellt zu wer­den (!), wobei er vom Kaiser von Rußland aber sehr kühl angesehen und mit den kaiserlichen Worten: Je suis charmé , wieder entlassen wurde. Dem französi­schen General Grafen Gohon aber widerfuhr die be­sondere Ehre, mit einer längeren Ansprache vom Kaiser Nikolaus beglückt zu werden, in der die authentischen Worte:Ich bedaure Ihren Kaiser nicht persönlich zu sehen und nicht ganz Europa sagen zu können, wie sehr ich den Kaffer, Ihren Herrn, liebe und schätze, ich lade Sic ein, mir nach Warschau zu den Manövers meiner Truppen zu folgen. Graf Goyou meldete dies augen­blicklich telegraphisch nach Paris'und erhielt nach acht Stunden die Erlaubniß, dem Haarsfi nach Warschau zu folgen. Aus diesem allem will man folgern, daß es in der Absicht der russischen Politik liege, Frankreich an bie russisch - österreichische Allianz zu bin­den und England mit seinem Friedeus-Ministcrium und seiner freien Presse von den übrigen Continental-Mäch­ten ganz zu isoliren.

Dentschland

T Voit der Elb, den 2. Oct. Gestern Abend gegen 7 Uhr brach in Westerburg plötzlich in einer Scheune Feuer aus, welches bei dem nordwestlichen und starken Winde hätte gefährlich werden können. Durch rasche und umsichtige Hülfe wurde man jedoch dem Feuer Meister, indem man die brennende Scheune, welche vor etwa 4 Jahre neu erbaut wurde, zusammen riß, so daß die ganz nahe liegenden Wohn- und Ocko- nomiegebäude verschont blieben. Die Westerburger find sehr umsichtige und brauchbare Leute beim Brande und verdienen alle Anerkennung: dagegen schien mir, als wenn die Vorschriften der Feuerordnung in Westerburg nicht gehörig gehandhabt würden ; denn es war so lange Mangel an Feuer-Eimern, bis die naheliegenden Ort­schaften welche hinzubrachten. Besondere und öffentliche Belobung verdient die Spritzenmannschäft von dem s/4 Stunden von Westerburg gelegenen Ailertchen. In Ermangelung von Pferden haben diese ihre Spritze selbst gezogen und waren zuerst an der brennenden Stelle in Westerburg, und zwar noch um ein Bedeu­tendes früher, als die Spritze von dem '/i Stunde von Westerburg liegenden Wiümenrodè. Dem Vernehmen nach ist das Feuer durch Unvorsichtigkeit entstanden, und man kann den OrtSbehörden nicht genug anempfeh- len, bei dem Flachsschwängen strenge Aufsicht zu führen.

Frankfurt, 2. Oktober. Es schien, als wäre

der Verfassungsstreit durch die obrigkeitliche Publication desJndengesetzeS" beendigt wie man demMainzer Journal" versichert, ist dieß nicht der Fall. Es soll nämlich aus Veranlassung eines Protestes Seitens meh­rerer unabhängiger achtbarer Bürger unmittelbar nach dem Zusammentritte der Bundesversammlung von die­ser Instanz aus eine Veröffentlichung erfolgen, welche sehr viele bockfabrende Träume vernichten wird.Man trägt sich hier mit dem Gerüchte, daß das Haupt der Gothaer Partei, Herr Dr. S o u ch a y, nach England überzusiedeln beabsichtige. Soll wohl diese Ucbersiede« lung mit den, obbcmcldeteu traurigen Aussichten nicht in einigem Zusammenhänge stehen? (Nach der neuesten gr. P. Ztg." ist dieses Gerücht uugcgründet.)

Würzburg, 1. Octbr. Gestern fand die Fort­setzung der unter'm 20. Juni vertagten Generalversamm­lung der Actionäre der Main-Dampfschifffahrts-Gesell­schaft statt. Der Hauptgegeustaud der Berathung war eine Eingabe mehrerer Actionäre zu Marktbreit wegen Errichtung eines Vereins zur Befahrung des Mittel- mainS mit Dampfschiffen. Diese, davon ausgehend, daß ein regelmäßiger Dampfschifffahrts Dienst auf der Strecke Würzburg, Marktbreit H. Kitzingen unumgänglich noth­wendig, die Gesellschaft aber für jetzt nicht in der Lage ist, ein geeignetes Schiff dazu zu verwenden, sind be­reit, das nöthige Capital zur Erbauung geeigneter Boote znsamMnzuschwßen und für eigene Kosten den fraglichen Betrieb als Unterabtheilnng der bestehenden Main Dampf- schifffahrts-Gcsellschaft zu bethätigen. Vom Verwaltungs» rathe wurde der Antrag gestellt, daß die Generalver- ja nun hing ihn zu der bieg fälligen Unterhandlung und eventuell zum Abschlusse des erforderlichen Vertrages ermächtigen möge, was genehmigt wurde.

Vom Bodensee, 30. Sept. Nach der A. 2l. Z. beabsichtigt die k. bayerische Regiernng Unterhandlungen mit Oesterreich wegen Fortführung der Augsburg- Lindauer Eisenbahn nach Bregenz und Anschluß an die schweizerischen Eisenbahnen.

Vom Niederrhein, 29. Septbr. Nach hier eingetroffenen Privatbriefeir aus Rotterdam ist die Cho­lera daselbst mit Heftigkeit ausgebrochen. Die dortigen Zeitungen erwähnen, wahrscheinlich absichtlich, Nichts davon.

Braunschweig, 29. September. (K. Z.) Zum nächsten Versammlungsorte für die Realschulmäuner, welche sich Hinfort, um auch die Lehrer der höheren Töchterschulen cinzuschließen, überhaupt alsLehrer höherer Bürgerschulen" bezeichnen sollen, ist mit großer Majorität Eisenach gewählt.

Am 29. Septbr. fand, freilich vom 'Better nicht sehr begünstigt, aber doch unter zahlreicher Theilnahme die feierliche Enthüllung des Lessingvenk- malS in Braunschweig statt. Unter Musik, welcher zunächst die Gesangvereine mit ihren Fahnen folgten, begab sich der Festzug von der Egidienkirche aus auf den schön geschmückten Lessingplatz, woselbst unter ent­sprechenden Fcstgesäiigen die Hülle deS Standbildes fiel. Herr Geh. Hofrath Petri sprach die Worte der LLeihe. Der Nachmittag vereinte die Festtheiluebmer, welchen sich ein großer Theil der hier versammelten Realschul- männer angescklossen hatte, zu einem Mahle im ge- schmackvoll kecorirteu Saale desweißen Rosses." Am Abend ging im Herzoglichen Hoftheater nach einem von Jntendanturrath Köchy gedichteten PrologNathan der Weise" vor einem gedrängt vollen Hause über die Bühne. Eine schöne Beleuchtung des Denkmals schloß den Fest­tag. Im Sterbehanse LessingS hatte Herr Dr. Karl Schiller eine sehr interessante Ausstellung veranstaltet, welche theils von Lessing herrührendc, theils auf ihn bezügliche Sachen in großer Menge enthielt.

Lübeck, 28. Sept. (L. Z.) Nachdem am gestri-, gen Morgen die mit der -Inspection des hiesigen ^ B u u d cs co n ti n gen t s beauftragten Generale von Thümen und v. Hadeln in Begleitung des Majors Fligely und ihrer Adjutanten, Hauptmann v. Schwarz und Hauptmann v. Hadeln, hierselbst von Hamburg eingctrcffen waren und im Hotel du Nord Quartier genommen hatten, fand am heutigen Morgen um 8 Uhr auf der Dohmsten Koppel vor dem Burgthor die ; Inspektion des hiesigen Füsilierbataillons statt.

Berti», 1. Octbr. Bayern hat auf der Zollver- i einsconferenz eine Erweiterung deS Geschäftskreises deS : Centralbüreaus des Zollvereins in der Richtung vvrge- schlagen, daß ihm die Aufgabe zu Theil werde, den,