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Nassauische Allgemeine Zeitung.

2Vi SSS. Montag den 3. October 1S33.

Bestellungen auf das vierte Quartal der Nassauischen Allgemeinen Zeitung werden baldigst erbeten.

DieNaffauischk Allftemtmk Zkiliinft" mit dem bellelristischkn BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, täglich und beträgt der Pränumerationspreis für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulaiiv nunmehr auch für den ganzen Umfang des Ldiiin- und TariS'schen BerwattungSbezirks mit Inbegriff deS PoffanffchlagS 2 fl., für die übrigen Länder deS deutfch<österreichifchcn PoffvereinS, wie für das Ausland 2 ff. 24 kr. Inserate werden die vierspailig Petitjeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgaffe 42, auSwärtS bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

Amtlicher Theil.

DeKanntmachung

(Erleichterungen deS Verkehrs zwischen den Staaten deS Zollvereins und ve» Staaten des Steuervereins betreffend.)

Nachdem zwischen den Staaten des Zollvereins und den Staaten des Steuervereins bereits mit dem 5. April d. I. Berkehrserleichterungen eingetreten sind, (Ver­ordnungsblatt Nr. 15), ist nunmehr unter den Re- gierungen der Zollvereinsstaaten einerseits und den Steuer- vereinSstaaten andererseits wegen fernerer Erleichterungen des Verkehrs hinsichtlich verschiedener gegenseitiger Er­zeugnisse bei deren unmittelbarem Uebergauge aus dem einen in den anderen Verein folgende Vereinbarung ge­troffenworden, welche mit dem 24. d. MtS in Kraft tritt: A. Man wird gegenseitig zulassen:

a) zollfrei,

1. Bleiwciß (Kremserweiß), rein oder versetzt;

2. Chlorkalk;

3. Soda, gereinigte oder ungereinigte (bei dem Uebergange in den Zollverein gegen beglau­bigte Ursprungszeugnisse der Verfertiger);

4, Mennige, Schmälte, Kupfervitriol , gemischten Kupfer- und Eisenvitriol, weißen Vitriol, Was­serglas; Grünspan, rasfinirten,(destillirten, kry- stallisirtcn) od. gemahlenen;

5. Salzsäure und Schrvefelsäure;

6. a) gebleichtes,'desgleichen blos abgekochteS oder gebnktes (geäschertes) Leinengarn, sowie gefärbtes Leinengarn;

b) gebleichte und gefärbte Leinwand; diese Leinwand jedoch nur auf der Grenze zwischen dem Hannoverschen Landdrostei­bezirke Osnabrück und den angrenzenden Hömglich Preußischen Landestheilen (bei dem Uebergange in den Zollverein be- - schränkt ans die mit dem Stempel einer steuervereinsländischen Legge versehene Lein­wand) (

7. a) Talg und Stearin;

b) Lichte (Talg-, Wachs-, Wallrath- und Stearin-) ;

8. Butter, eingeschlagene;

9. Pferde, Maulesel, Maulthiere, Esel;

10. Rindvieh, und zwar: Dchsen und Zuchtstiere, Kühe, Jungvieh und Kälber;

b) zu einem Zollsätze von 2 Reichsthalern für den Centner: Meublcs, gepolsterte;

c) zu einem Zollsätze von 3 Reichsthalern für den Centner: Wachstafft;

d) zu einem Zollsätze von 4 Reichsthalern für den Centner: Papiertapeten.

B. Die Zollvereinsstaatcn werden von Erzeugnissen der SteuervereinSstaaten zu lassen:

a) zollfrei: Hopsen;

b) zu einem Zollsätze von 1 Reichsthaler für den Centner: Hohlglas, weißes, ungemustertes, wel­ches mit abgeschliffenen Stöpseln, Böden oder Rändern versehen, sonst aber nicht geschliffen ist, sofern es von Glashütten im Steuervereine mit beglaubigten Ursprungszeugnissen der Verfertiger versendet wird;

c) zu einem Zollsätze von 2% Reichsthaler für den Centner: Gold- und Silberpapier ; Papier mit Gold- und Silbermuster, durchgeschlagenes Pa­pier; ingleichen Streifen von diesen Papier- galtuugen;

d) zu einem Zollsätze von 3 Reichsthaler für den Centner: farbiges, bemaltes, oder vergoldetes Glas ohne Unterschied der Form; Glaswaaren in Verbindung mit unedlen Metallen und anderen nicht zu den Gcspinnstcn gehörigen Urstoffen des­gleichen Spiegel, deren ©ladtafeln nicht über 288 preuß. Quadratzoll das Stück messen, so­fern diese Waaren von Glashütten im Steuer- verein mit beglaubigten Ursprungszeugnissen der Verfertiger versendet werden.

Wiesbaden, den 22. September 1853. Herzoglich Nassauisches Staatsministerium, Wittgenstein.

vdt. Bismark.

(Verordnungsblatt Nr. 88 vom 86. September 1853.)

EH e II fl n o d) r t d) t | Dem Bergmeistern - Accessisten Born zu Diez ist j die nachgesuchte Dienstentlassung ertheilt worden.

Nichtamtlicher Theil.

Zur orientalische» /rage.

Der N. P. Z. schreibt man über tie Resultate der in Olmütz abgehaltenen Konferenzen ans Wien, daß die vollständigste Einstimmigkeit zwischen den drei nörd­lichen Großmächten herrscht, und daß man sich sowohl in Betreff der orientalischen Frage, als auch aller an. dern auswärtigen Angelegenheiten vollkommen geeinigte hat. An den Ocstcrreichischen Gesandten in Konstan­tinopel Freiherr« v. Bruck ist von Olmütz aus ein Courier mit Depesche» abgegange», der ibm neue In­structionen überbringt, welche aller Wahrscheinlichkeit nach den Fall betreffen, daß der Sultan die letzte Wie- ner Note nicht annehme. Der Türkische Gesandte in Wien Arif Effendi hatte am 28. eine Coufcreuz mit dem Oestcrreichischeu Minister des Aeußer». Man glaubt, daß dem Gesandte» vom Grafen Buol ausführliche Mittheilungcu über die Olmützer Conferenzen gemacht wurden. Arif Effendi soll sich neuerdings dahin aus­gesprochen haben, daß bei dem friedeliebendcn Charakter deS Sultans an einen Krieg kaum zu denken sei. J denfalls würde der Sultan eS vorziehen, den Fanatie- mus seiner Unterthanen selbst mit Hülfe der fremden Flotten zu dämpfen, als ihn gegen die Russen zu ge­brauchen.

Einem Wiener Berichte derNat.-Z." zufolge wäre in Olmütz von Seiten Englands erklärt worden, eswolle der Pforte zur Annahme der unveränderten Note zwar nicht zuratheu, aber auch nicht davon abrathen; im Falle sie Krieg erklären sollte, werde es sich beobachtend verhalten und ihr keinen Beistand leisten." Rußland hingegen, heißt es, erblicke in dem Einlaufen der Flot- ten-Diviston in die Dardanellenkeinen Bruch des Ver­trages vom Jahre 1841, vorausgesetzt, der Zweck die­ser Bewegung, die christliche Bevölkerung Constantinopels eventuel zu beschützen, werde nicht überschritten."

DieKöln. Ztg." schreibt:Daß Preußen nicht ganz unbeteiligt an der Olmützer Conferenz ist, geht aus dem Umstande hervor, daß der als BundeSinspectcur dort anwesende Prinz von Preußen ein Memoire über die orientalische Frage mit erhalten hat. Der Inhalt desselben ist freilich unbekannt; nach Einzelnem aber, was über die Stellung des Prinzen zu dieser Frage bekannt geworden, dürfte, so meint wohl wieder der Portier", zwischen den Ansichten desselben und denen des Kaisers von Rußland nichts weniger als Ueberein stimmung herrschen."

Die osficielleOesterr. Corresp." vom 1. Oct. be­zeichnet nun ebenfalls das Ergebniß der Olmützer Con­ferenzen als ein dem Frieden günstiges. Der Pforte sei ein neues A u s g l e i ch ung s m i t te l bargeboten worden. So meldet bis jetzt eine tclegr. Depesche der Frankfurter Blätter. Die heute Nachmittag hier eintteffenbe Nummer derOest. Corr." dürfte bestimm­tere Aufklärungen über die eigentliche Beschaffenheit des erwähnten Ausgleichungsmittels bringen. Es ist zu be­zweifeln, daß dieses Ausgleichungsmittel in der von Lord Westmoreland in Olmütz zur Berathuug vorge- legten Collectivnote gefunden wurde. Nach dem Nürnb. Corr." soll nämlich der bekanntlich von Eng­land ausgegangene Vorschlag, durch eine Collcctivnole die Pforte über die Zukunft zu beruhigen, russischerseits nicht mit Beifall ausgenommen worden sein, indem man die Ausdrücke, in welchen diesem Vorschläge gemäß die Note abgefaßt werden soll, als in Widerspruch mit den russischen Forderungen stehend betrachtet. Oesterreich hat auch bekanntlich schon erklärt, diesem Vorschläge nicht beitreten zu wollen.

Die in letzter Zeit stattgehabten Schwankungen der englischen Politik erklärt ein anscheinend officivscr Wie- ner Correspondent derA. A. Ztg." daraus, daß Eng­land sich vollständig in dem Charakter der österreichischen Politik irrte. Man erwartete von Oesterreich, daß cs eine feste Stellung durch die Allianz mit Rußland auf­geben , das heißt sich völlig isoliren würde, wenn es nicht mit eben den Staatsmännern fraternisiren wollte, welche in Italien mit Manin, Gioberti, Guerrazzi, Mazzini in vertraulichsten Beziehungen gestanden und

den flüchtigen Magyaren und Polen in der Türkei ein freundliches Asyl bereitet hatten. Statt dessen wurde in Wien eine Note vorgelegt, die später der Czar gut hieß und die höchstens die Form, nicht den Inhalt der streitigen Forderungen milderte. Die westlichen Mächte glaubten die Quadrupellianz schon fertig und Oesterreich überlistet, in Wahrheit aber konnte man es eine Qua- drnpelaUianz gegen die Türkei zur Annahme der im we­sentlichen gutgebeinenen russischen Forderungen nennen« In Gestalt von Modificationen erfolgte aus Constanti- »opel das Veto gegen den Wiener Couserenzbeschluß. Das österreichische Cabinet that nun das natürlichste von der Welt: es> hatte seine Dienste dem russischen Kaiser an geboten, der vermittelnde Vorschlag war von sem angenommen worden , jetzt verlangte die Würde ei­ner großen Macht auch der andern Partei dieFriedens- punctation mit Nachdruck zu empfehlen. In diesem Sinn ist Herr v. Bruck instruirt worden. In England erwartete man etwas ganz anderes. Die Wiener Con­ferenz sollte ihre Advocatendienste der Türkei anbieten, für die neuen von einer schlimmen Partei erzwungenen Entschlüsse des Sultans agitiren, den Cartellträger der türkischen Theologen gegenüber dem Kaiser Nicolaus spielen, das eigene Gutachten wieder umstoßen, sich selbst untreu, der einen der Streitparteien verdächtig, der andern in Constantinopel verächtlich werden. DaS vermuthete die englische Presse, während der natürliche Verlauf überrascht und mit dem Namendes österr. VerratHS" belegt wird. Oesterreich hätte in der orien­talischen Frage nur dann einen Verrath begangen, wenn es nach Graf Leiningens Rückkehr einen Ge­sandten geschickt hätte, welcher der Pforte heimlich zum Widerstand gerathen, bei dem Einrückeu in die Donau-Fürstenthümer die Achsel gezuckt, dann sehr dringend die Annahme der russischen Forderungen ver­langt, weil sie in einer andern Schüssel und andern Sauce fervirt worden , zuletzt aber weil die Pforte kei­ne« Appetit bezeigte, wieder für die Billigkeit des tür­kischen Veto's sich ereifert hätte. Diesen Verrath hätte Oesterreich allerdings begehen können, und wäre dafür wahrscheinlich bei den Türken wie bei den Russen mit hinlänglicher Verachtung belohnt worden. Oesterreich hat diesen Verrath nicht begangen, und deßhalb gibt es in Konstantinopel wenigstens noch Einen europäischen Staatsmann den man rcspectirt, nämlich Hrn. v. Bruck.

Deutschland.

* Wiesbaden, 2. Oct. Die Anzahl der bis zum 1. October hier eingetroffenen Kurgästen beträgt 25 592.

' / St. Goarshausen, 1. Oct. Gestern hat sich ein furchtbares Unglück auf dem Rheine ereignet. Die beiden Steuerleute Bögler und Bauer von St. Goar, welche Schiffe nach Caub gesteuert hatten, fuh­ren gestern von da zurück und nahmen in ihrem Nachen i noch neun Personen mit. An dem sogenannten Kam­mereck begegnete denselben ein Schleppschiff, und kam der Nachen so stark in dessen Wellenschlag, daß er um- ' schlug und 7 Leute ihr Leben verloren. Drei retteten i sich durch Schwimmen, der vierte, Steuermann Vogler, wurde vom Schleppschiff au» zwar gerettet, indessen ist ; er bald nachher gestorben , weil man ihn nach dem Volks-Mißbrauch auf den Kopf gestellt hat, damit das = Wasser ihm aus dem Munde laufen sollte. Die Er- : trunkenen sind: Steuermann Bauer aus St. Goar, $ Spengler Wappn e r a. St. Goarshausen, Conrad Deinet von da, Lehrer Neufert a. Lierscheid, N. Kaiser von da und Schuhmacher Hapelbach aus Nochern. ,

Bad-Ems, 2. Octbr. Mit unseren öffentlichen Bauten geht cS jetzt ziemlich voran; das neue Bade- hauS ist fertig; die neue Gitterbrücke über die Lahn wird fertig, sobald es ein Paar Tage nicht regnet; der - neue Canal ist angefangen, und an der neuen Schleuße unterhalb Ems sieht man schon bedeutende Fortschritte, so wie auch für den liegen Platz hinter dem Curhause die Steine schon gefahren werden. Es ist nur sehr zu bedauern, daß der so außerordentlich nöthige Canal nicht in seiner projectirtèn Länge, sondern nur theilweise ge- = macht wird. Es ist die Vollendung dieses Cauals eines 4 der dringendsten Bedürfnisse für Ems. Auch ein neuer Kirchhof auf dem Spürn muß angelegt werden, da auf dem alten an der Kirche nicht mehr begraben 1« werden kann.