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;e Englands eingedenk, voll Hoffnung eines Zusammenstehens sind, und gerne vergessen, ^-^ alte Eiuvcrständniß getrübt hat und die Po­litik der beiden Staaten verschiedene Wege gehen hieß.

Frankreich.

r Paris, 25. Septbr. Der heutigeMoniteur" meldet, daß der Kaiser in Lille mit großem Enthusias­mus empfangen wurde. Im Lager von Helfaut werden die Lords Lucau, Worcester, Brington, und Oberst Dupuis den Kaiser im Namen I. M. der Kö­nigin von England begrüßen. Das Wort des Kai- sers Louis Napoleon im Lager von Satory:Wir empfangen die fremden Officicre, so lange alö die Poli­tik sie nicht in Feinde verwandelt, als Freunde und Kameraden," hat die üble Laune unserer Regierung wegen der Zusammenkunft der Monarchen Oesterreichs und Rußlands in Olmütz und wegen der Weigerung des Wiener Kabinettes , über eine gewisse Grenze hin­aus gemeinschaftliche Sache mit den westlichen Machten zu machen, verrathen. Das konnte diese Letzteren aber nicht überraschen, denn ganz abgesehen von allgemeinen politischen Gründen hatte Oesterreich sich von vorneher- ein Vorbehalten gehabt, nach eigenem Ermessen zu ver­fahren, wenn die Bemühungen der Conferenz erfolglos bleiben sollten. Auch darf man den Motten des Kai­sers keine große Tragweite beilegen, sic werden eben so wenig wie die von derTimes" selber verspotteten Trompetenstöße des Lord John Russell in Greenock ver­hindern, daß die westlichen Mächte mit Nachdruck in die Türkei dringen, sich zu unterwerfen, oder daß diese ihrem Schicksale überlassen wird, wenn sie den Vorstellungen ihrer Verbündeten, die sich, wie Graf Nessclrode sehr fein bemerkt, so lief von dem, was die Ehre des Sul­tans erheischt, durchdrungen fühlen, Gehör verweigert. Daß Louis Napoleon so unfreundlich über den Frieden sprach, hat in sofern überrascht, als er selber erklärt hat, das Kaiserreich solle der Friede sein, und unter sei­ner Negierung mehr als je dem Geiste der industriellen Unternehmungen Schwung gegeben wird. Man scheint Hinwürfe dieser Art gefürchtet zu haben, denn das offi- ciöseJournal de l'Epire" stellt heute den Unterschied heraus zwischen dem Frieden von Bordeaux und dem Frieden, den der Kaiser im Lager von Satory gebrand- markt hat. Der Artikel sicht ans, wie eine dem Han­del und der Industrie gegebene Genugthuung, denn sein kurzer Sinn ist dieser: Der Friede befördert die Indu­strie, aber auch die Industrie Reiterei, die nützlichen Un­ternehmungen, aber auch die Börsen-Manövers, erstere zu fördern und ihnen den Frieden zu erhalten, das sei der Sinn der Rede von Bordeaux: gegen letztere sei der Ausfall ans dem Felde von Sartory gerichtet. Es sollte also dieser Ausfall durchaus keine kriegerischen Ab­sichten enthüllen, wie man im ersten Augenblicke ge­glaubt hatte.

Paris, 26. Sept. Die Journale sind mit lan­gen und sehr umständlichen Berichten über die Reise des Kaisers und jder Kaiserin anaefüllt. Gestern ist das kaiserliche Paar um 10 Uhr Morgens, nach Anhörung der Messe, welche der Erzbischof von Cambrai gelesen hat, von Lille nach St. Omer abgereist, wo sie mit dem lebhaftesten Enthusiasmus empfangen wurden. Sie be- gaben sich ohne Aufenthalt nach jdem Lager von Hel­saut, wo sie mehreren Manövern beiwohnten, die trotz des strömenden Regens mit der größten Präcision aus­geführt wurden. Die Truppen haben den Kaiser mit dem lebhaftesten Zurufen begrüßt. Die Königin Christine befindet sich noch immer in Paris und hat gestern in Meudon beim Prinzen Jerome gespeist. Die Schwester der Kaiserin, die Herzogin v. Alba ist mit ihrem Gemahl nach Spanien abgereist, und hat nach der heute augelangten Depesche bereits Bayonne pas- sirt. Der Sohn deâ Fürsten Corsini, Herzogs von Casigliauo, toscanischeu Ministers des Auswärtigen, wird, wie man versichert, eine Tochter der Königin Christine heirathcu. Die Vermählung wurde in Paris stattfinden.

Ein kais. Decret eröffnet dem Staatsminister einen Credit von 75,000 Fr. als Zuschuß zu den schon früher für das Angustfest bewilligten 300,000 Fr. Der tos- canischc Ministerpräsident 'und Minister des Answärti- gen , Cesarina Herzog von Cassigliano, ist hier einge­troffen. In den letzten Tagen haben der entschieden bonapartistische Courrier de Marseille und die legitimi- stische Gazette du Midi eine ernste Verwarnung em­pfangen. Die Assemblee Nationale wurde gestern we­gen Nichtunterzeichnung eines Artikels in contumaciam verurtheilt. Der kaiserliche Hof (Appellhof) hat die Strafe von zwei der sechs in Sachen der so genannten revolutionären Gemeinde Verurlheilten auf sechs und drei Monate gemildert, in Bezug auf die übrigen aber das Urtheil erster Instanz unverändert gelassen. Bcl- gifdje und andere ausländische Blätter brachten vor Kur­zem die Nachricht, daß Statuen des Kaisers und der Kaiserin in Paris und im Lager von Satory verstüm­melt worden wären. DerMoniteur de Loirct" nahm diese Ausstreuungen aus demEcho de Bruxelles" auf. Er hat deßhalb von dem Präfccten des Loirctdepartc- meutS eine zweite Verwarnung erhalten, worin jene Angaben als falsch und von Böswilligkeit erdichtet, be­zeichnet werden.

Die Ocean-Flotte ist auf der Höhe von Dünkirchen

angelangt, wo sie in Gegenwart des Kaisers und der Kaiserin mehrere Evolutionen ausführen soll.

Die höchste Hoffnung unserer Demagogen, so schreibt der Freiherr v. Eckstein derA. Z." ist | stets auf den Orient concentrirt, dann auf Italien; ein weiterer An­knüpfungspunkt ist in America gegeben. Was |fu von Frankreich zu erwarten haben, oder gar von Deutsch­land, wissen sie jetzt nicht mehr. Aber die Verzweigung patriotischer Gefühle mit jacobinischen Interessen und Systemen unter den Polen, Ungarn und Jtaliänern sind ihnen ein erwünschtes Factum, denn sie können sich da­durch einen Anschein des Anschlusses an Nationalgesin- uungen geben, welcher ihnen in Frankreichjund Deutsch­land rein abgeht. Da manche Polen, Ungarn und Jtaliäner das Christenthum abgeschworen haben, Mo­hammedaner geworden sind und sich der Hauptstellen in der Armee des Omer Pascha vergewissert haben, und alle unsere Jacobiuer sehr wohl von diesem ganzen Getriebe unterrichtet sind, so kann man sich ihre Verzweifelung denken, wenn nicht so schöne Saat im Russen- und Türken-Kriege zur Blüthe kommen sollte. Von nichts Anderem munkeln die Mazzinisten in Piemont, die Anhänger des Herrn Ledru- Rollin in England und die Clubbö der Caussidiüre und Ge­nossen in Frankreich. Nur hat man ihnen in Frank­reich eine Faust auf's Auge gesetzt so daß sie kaum zu leisem Athem kommen können; dagegen athmen sie freier in der Schweiz und in Piemont. Es scheint ihnen un­möglich zu sein, daß im Falle eines Friedensschlusses im Oriente nicht eine Revolution alsvbald im Türkenreiche gegen die Friedenspartei ausbreche. Das Hungerjahr mundet ihnen übrigens anf's Trefflichste; sie hoffen auf einen bösen Winter in Frankreich, aber sie finden in der Administration und den heutigen Regierungspriucipien ihre Widerpart, eine sehr alte Kunde aller Religions- Umtriebe, eine Kunde, welche die Restauration, sowie auch die Regierung Ludwig Philipps nicht in diesem Grade besessen. Wenn sie tapfer wühlen und in dunke­len Umschlichen noch immer die Massen tüchtig bearbei­ten , so stoßen sie in dem bonapartlschen Administrati- onsgeiste auf eine unerwartete Contremine; je tiefer sie zu graben versuchen, desto tiefer gräbt man ihnen nach und entgegen.

Nach den letzten Berichten aus Malta sind meh­rere Transportschiffe von dort nach Besica mit Lebens­mitteln für die englische Flotte expidirt worden, die sich für 3 Monate verproviantirt; dies kann zum Beweise dienen, daß der Entschluß, die englische Flotte im Bos- phorus überwintern zu lassen, schon seit längerer Zeit gefaßt worden war. Gleichzeitig hat ein Agent der Pforte in Malta Schiffe engagirt. welche so schnell als möglich die 12000 Mann Kerntruppcn, welche der Bai von Tunis dem Sultan zusenden sollte, nach Coustan­tinopel schaffen sollen.

Paris, 27. September. (T. B.) Der Moni­teur bestätigt heute, teigem Verlangen der Ge­sandten gemäß vier französische und eng­lische Fregatten zu C o n st a n t i u o p e l a n g e- laugt seien. (DieAssemble nationale", welche für ein vertrautes Organ der russischen Regierung ge­halten wird, legt dieser Maßregel der beiden Groß­mächte keine besondere Wichtigkeit bei.

övof)bvitaumm.

London, 23. Septbr. Lord John Russell ist in den Schottischen Norden abgereist, auf eine ergangene Einladung durch den Provost und die Räthe, d. h. durch Schultheiß und Schöffen der Stadt Gree­nock, der er, um eine Anerkennungs-Adresse entgegen zu nehmen, Folge leistete. In Greenock muß es der Honoratioren, welche den berühmten Staatsmann sehen und sprechen hören wollten, sehr viele geben, denn es scheint, daß der große Saal des Stadthauses sie nicht zu fassen vermochte, so daß man die geräumigste Kirche der Stadt für die Ceremonie vorzog. Lord I. Ruffel, dem die Rede ungewöhnlich geläufig und schwungvoll floß, sprach über alle mögliche und noch einige Dinge und kam erst ganz zuletzt auf die E tt r o p ä i s ch e Krisis. Da sagte er:Ich hoffe, daß Niemand von uns ver­gißt, daß unser Land eine wichtige Stellung unter den Nationen der Welt einnimmt, daß nicht einmal, son­dern mehrmal sich erhob, um Unterdrückung zurückzu­weisen und die Unabhängigkeit schwächerer Nationen zu beschützen, um der großen Familie der Völker die Frei­heit und die Macht, sich selbst zu regieren, zu bewahren, welche andre derselben rauben wollten (Ostindien, Ca­nada, Cap der guten Hoffnung, Jonische Inseln, Malta, Helolvgnd rc.). Ich hoffe, daß dieser Charakter nicht vergessen, nicht aufgegeben wird von Seiten eines Volkes, welches jetzt reicher' in Mitteln, zahlreicher und wohl­habender ist als je zuvor." Zu dergleichen sei die jetzige Zeit, werde man ihm zugeben, gewiß nicht die Zeit; Englands Pflichten gegenüber der Welt könnten jetzt nicht aufgegeben werden.Laßt uns fuhr der edle Lord fort dieselben wenn möglich auf dem Wege moralischen Einflusses erfüllen, laßt sie uns, deS wenn möglich, erfüllen, indem wir die Segnungen Friedens bewahren. Aber während wir den Frieden zu bewahren versuchen, würde ich gewiß der Letzte sein, zu vergessen, daß, wenn Friede nicht mit Ehren bewahrt werden kann, es kein Frieden länger ist. ES wird dann bloßer Waffenstillstand und nicht Friede, - ein un­

sicherer Waffenstillstand, den Andere brechen können^ wenn sie es für passend halten, wenn sie immer den Zeitpunkt gekommen glauben, an dem sie ihre unbilligen Forderungen von uns oder unsern Verbündeten mit den Waffen in der Hand erzwingen können." Es scheint, daß Lord John Russel in dieser allgemeinen und vor­sichtigen Form, von den großsprecherischen Phrasen ab­gesehen, den Fall wirklich hingestellt hat, wie er bei der Stimmung im Lande ist.

Die erwähnten, vomGlobe" und derTimes" gebrachten Desavouirungen des Gerüchts von dem wichtigen diplomatischen Charakter der Reise des Ge- hcimeraths-SccretärS Reeve nach Paris und Con- stantinopel haben auch nicht den geringsten Glauben ge­funden, und gegen dieTimes" insbesondere erlaubt sich ihr plcbehischcr und giftgeschwollener Angreifer, Inr Morning-Advertiser," die Andeutung, daß Mr. Reeve ihr nahe genug gestanden habe, so daß volles Bewußt­sein bei ihrer Unwahrheit sein müsse.

Italien.

Florenz, 15. Septbr. DerD. A. Z." wird von der in den Bädern von Lucca erfolgten Ver- I Haftung einer Dame ans einer englischen Familie ge­schrieben, bei welcher manaußerordentliche Vorräthe" italienischer Tractätcheu, deren Inhalt bestimmt ist, zum Protestantismus herüber zu ziehen, vorfand. Die Re­gierung hat die Dame in die fünf Stunden von den Bädern entfernten Gefängnisse der Stadt Lucca bringen lassen. Die Geschichte erinnert an die Madiai'sche An­gelegenheit.

Nnßland.

Von der polnischen Grenze, 23. September. (A. A. 3 ) Der Kaiser, welcher am 13. d. St. Pe­tersburg verlassen hat, ist mit den Großfürsten bekannt­lich über Moskau gegangen, und dann auf der neuer? bauten Straße die Festungen Bobruisk und Bresc-Li- tewöki berührend, nach Warschau gekommen. Dieser Umweg hatte die Juspicirung verschiedener in jenen Ge­genden zusammengezogenen Truppencorps zum Zweck. In Moskau musterte der Kaiser das sechste Infanterie- Corps des General-Lieutenants Tscherdajew, in Tula war die Reservedivision des vierten Infanterie-Corps, und bei verschiedenen Städten waren andere Truppen- theile zur Musterung aufgestellt. Alle diese Truppen sind vollständig ausgerüstet, und scheinen eintretenden Falls bestimmt den Marsch nach der türkischen Grenze anzntreten. Daß auch der Kaiser einen solchen Marsch nur für zu wahrscheinlich hält, beweisen eben die auf seinem weitern Umweg vorgenommenen Jnspicirungen der ausgerüsteten Truppen, jo wie auch die persönliche Ueberzeugung von dem sehr zahlreich angetansten Kriegs­material in den oben erwähnten Festungen.

Donaufürstenthümer.

Bucharest, 14. Sept. (Brcsl. Z.) Es scheint, daß Fürst Gortschakoff bis jetzt noch keinen Befehl er­halten hat, die Truppen für den Rückmarsch zu con- ceutriren. Die Wendung der Dinge in Constantinopel macht dies auch erklärlich, wiewohl es andererseits sicher ist daß die russische Streitmacht im Falle der Annahme der Wiener Vermittlungs - Vorschläge durch die Pforte die Donau -Fürstenthümer sofort geräumt hätte. Nun sind im Gegentheil vor einigen Tagen frische Truppen von Braila hier allgekommen , welche wieder in einigen Tagen nach Krajowa abmarschiren sollen. Es werden zugleich Dispositionen getroffen, welche kaum einen Zweir fei übrig lassen, daß die nordischen Gäste über den 28in« ter zu verweilen gedenken, was für sie um so beque­mer ist, als in Bessarabien alle Vorräthe aufgezehrt sein sollen. Kaiser Nicolaus kann bei dem Rückzüge auch ganz und gar nicht pressirt sein, denn jede Ver­zögerung der Lösung der orientalischen Differenz fällt nur zum Vortheile Rußlands aus. Durch die sich hi- uauSschiebenden Verhandlungen gewinnt eben letzteres Zeit, in den Fürstentbümern überwintern zu können, während sich die Pforte durch ihre fortgesetzten Rüstnu- gen anfreibt und selbst gefährliche revolutionäre Elemente über ihrem Haupte sammelt.

Einem Handelöbricfe aus Bukarest vom 10. Sept, entnimmt dieCop. Ztg. Corr.", daß sich im ganzen Lande der Verkehr sehr lebhaft gestalte. Die russischen Offiziere höheren Ranges machen viele Einkäufe, na­mentlich in Lnxusgcgcnständen. Diejenigen, welche ver- heirathet sind, haben ihre Familien kommen lassen. Man sieht im Winter einer sehr lebhaften Saison entgegen. Von einem Rückzüge der Russen vorHrühjahr kann jetzt keine Rede mehr sein. Die Nachricht, das Se. Maj. der Kaiser von Rußland die türkischen Modificationsau- träge verworfen habe, war in Bukarest schon am 8. d. bekannt, und hat unter den Militärs den freudigsten Jubel Hervorgcruien. Die russische Armee, welche in den Donausürstentbümern steht, wünscht nichts sehnlicher, als daß es zum Kriege mit den Türken komme; selbst die gemeinen Soldaten sprechen voll Begeisterung von dem Feldzuge.

Eriechenlnnd.

Athen, 16. Sept. (A. A. Z.) Das Ministerium wurde durch die Ernennung des Hrn. Piiikas (Advocat und Prof, der Rechte an der Universität von Alben) zum Justizminister ergänzt. Die widersprechenden Nach­richten über Krieg und Frieden halten die griechische Bevölkerung in fieberhafter Spannung.