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Nassauische Allgemeine Zeitung.

SS«. Mittwoch den 28. September 1833.

Bestellungen auf das vierte Quartal der Nassauischen Allgemeinen Zeitung werden baldigst erbeten.

DieNaffamsckk Allgemeine Zeitung" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, täglich und beträgt der PrânumeraiionSKreiS für Wiesbaden und , nach dem nenen Postregulmiv nunmehr auch für den ganzen Umfang des rdurn, und TariS'schen Verwaltungsbezirks mit Inbegriff des Postausschlags 2 st., für die übrigen Länder der deutsch.österreichischen PostvereinS, wie für das Ausland 2 st. 24 fr. Inserate werden die vierspallig Ketitjeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von SB. Friedrich, Langgafft 42, anSwärtS bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

Die Aufgabe der Westmächte.

* Die A. A. Z. bringt von der D o n a u 22. Sept, folgenden officiellen Artikel: Die engl. Presse beschäftigt sich viel mit der bevorstehenden Zusammenkunft der beiden Kaiser in Olmütz, und die Times, der beredte Mund der City, hält Sr. Maj. dem Kaiser Franz Jo­seph eine staatsweise Vorlesung, was der Monarch zu thun und zu lassen habe in den Konferenzen mit dem Czaren. Erkennt man nunmehr an der Themse die Größe und den Einfluß Oesterreichs, die Bedeutsamkeit seiner Entschließungen für welthistorische Geschicke, welche auch England nahe genug berühren, so wollen wir über die Politik der Vergangenheit weiter nicht rechten, son­dern einfach bemerken:Spät kommt Ihr, doch Ihr kommt." Nicht um das zu cvnstatiren finden wir uns veranlaßt jenen Artikel zu besprechen denn erst die Zukunft muß lehren, welche praktische Nutzanwendung England aus der spät gewonnenen Erfahrung zieht, sondern weil alle Argumente aus einer irrigen und fal­schen Voraussetzung beruhen. Soviel an uns ist, wol­len wir pflichtschuldig beitragen, die Nebel zu zerstreuen, welche den Blick in die große Frage des sTages trüben und schon so viele Verwirrung herbeigeführt haben. Die Times, und viele andere.öffentlich Organe mit ihr, sind von der Besorgniß gequält, Kaiser Nikolaus werde Oesterreich bewegen wollenseiner überlieferten Politik und seinen bleibenden Interessen untreu zu werden, theilzu- uehmen an den Anschlägen gegen die Unabhängigkeit jener Länder, Ersatz zu gewinnen für die gleichzeitige Ver­größerung Rußlands." Will man nicht durch Conjec- turen einer möglicherweise noch sehr fernen Zukunft die Chancen des nächsten Moments, die doch wahrlich be­drohlich genug aufsteigen, übersehen lassen, so stellt sich die ganze rührende Anrede mindestens als überflüssig dar. Wie cs vom Anfang der jetzigen orientalischen Verwicklung an mit unwandelbarer Festigkeit dem Worte des Kaisers Nicolaus die Integrität der Türkei unange­tastet zu lassen, Territorialvergrößerungen nicht zu be­absichtigen, das vollste Vertrauen gewährte, wie diese gerechte Voraussetzung allen Schritten des kais. öster­reichischen Cabincts zur Vermittlung und Schlichtung des russisch-türkischen Zerwürfnisses zn Grunde lag, so erkennt Oesterreick' auch zur Stunde in dem Verhalten Ruß­lands durchaus nicht die Absicht die Pforte zum Untergang zn bringen. Wir glauben vielmehr zuverläßig daß die beiden Monarchen, deren freundschaftliches Zusammentreffen in dem österreichischen Lager nahe bevorsteht, übereinstim­mend den Willen und die Absicht haben zur Ansrecht- Haltung des europäischen Friedens, zur Vermeidung von Conflicten der Interessen christlicher Mächte und Un­terthanen, aus Achtung vor den Territorialbestimmun- gen der Verträge, die Existenz des türkischen Reiches in Europa nicht nur zu erhalten, sondern auch der Pfor- tenregierung in allen billigen und gerechten Dingen ihre mächtige und wohlwollende Unterstützung zu leihen. Wir haben Ursache, zu vermuthen, daß der hohe Bun- deöfreund unseres ritterlichen Kaisers diese Rücksicht­nahme auch selbst so weit bethätigen wird, seinem Heere den Uebergang über die Donau auch für den unglück­seligen Fall nicht zu gebieten, wenn es der fanatischen Partei in Constantinopel gelingen sollte, die Anstrengun­gen der gesammten europäischen Diplomatie für die un­veränderte Annahme der Wiener Note zu nichte zu ma­chen. Sollte aber der muselmanische Fanatismus sich so weit steigern, Angriffe auf die russ. Positionen zu wagen, so ist in der That nicht anzunehmen, ein christlicher Fürst, wie Kaiser Franz Joseph, werde für diesen Fall seinem Freund und Bundesgenossen rathen, oder wohl gar ihn durch Drohungen nöthigen wollen, solche Verletzung der Ehre seiner Armee durch ein einfaches Zurückwerfendes Feindes für genüglich geahndet anzusehen. Diese Even- tualitât, und die Gefahren, die aus ihren Folgen für die Türkei eutsteheu könnten, liegen näher, als die Er- oberungsgelüste und die Theilungsprojecte, welche Ti­mes und unzählige andere Blätter in den Sinn und die Absicht des Kaisers von Rußland hinein argumen« tiren, und wurde auch noch in dieser folgenschweren Stunde die k. russische Regierung, wie von ihrer Loya­lität zu erwarten ist, die Versicherung erneuern, bei dem siegreichen Vorschreiten ihrer Heere Ländervergrößerun- gen nicht wollen, so vermöchte doch niemand die Ereig­nisse vorherzusehen, welche im Innern der europäischen Türkei aus dem Krieg und seinen Chancen sich ent­

wickeln könnten. Aber eben weil sie im Dunkel der Zu- kunft liegen, gehörte eine vorherige Verständigung darüber in das Gebiet der Conjectural-Politik. Wohl ist dagegen dem Eintreten der Gefahr selbst vorzubauen, und die beiden großen Westmäckte können ihre grciiutfcMt zur Türkei, ihr Interesse an ihrem Bestände nicht cinsickts- voller und kräftiger darlegen als indem sie alle Anton- tät ihres Einflusses und allen Nachdruck ihrer Mackt aufbieten sie vor dem Unheil zu bewahren, daS nur sie selbst sich bereiten könnte. England und Frankreich, fährt der Artikel fort, mögen ihr Machtwort einlegen den Fa natismus der Türken unschädlich zu machen. Nickt von Rußland droht der Türkei gegenwärtig die nächste und größte Gefahr, sondern von ihr selbst, aus ihrem In­nern. Nickl gegen außen, Schutz gegen das Obherr­schen des Fanatismus in ihrem eigenen Rathe bedarf die Pforte vor allen Dingen. Oesterreichs ernstes Wort und guter Rath wird ihr nicht fehlen, Frankreich und England aber haben jetzt vorzugsweise durch ihre Ener­gie die Zukunft der Pforte zu bewahren.

Deutschland

Wiesbaden, 28. Scplbr. Die Festerer von gestern Abend dürfte unter den zur Feier der Vermäh­lung Sr. Durchlaucht des Fürsten zu Waldeck mit Ihrer Durchlaucht der Prinzessin Helene augeordnc» ten Festlichkeiten einen der hervorragendsten Plätze fiii- nehmen. Se. Hoheit der Herzog hatte über sämmt­liche Räume des Theaters verfügt. Den erhaltenen Einladungen Folge leistend hatten sich sämmtliche Zu­schauer in Gala eingefuuden. Als nach 7% Uhr die Höchsten Herrschaften erschienen und in der Miltelloge Platz nahmen, wurde das hohe Brautpaar mit einem dreimaligen Hoch empfangen und wurde hierauf die Nationalhymne intonirt. Die Leistung der Sophie Cruvelli als Somnamvuia, ist, wie bekannt, ausge­zeichnet; nicht minder vortrefflich waren die Leistungen der mit den Hauptpartien betrauten Sänger (Hr. Pe­retti, Elvin; Hr. Minetti, Graf Rudolph). Die Tanzproductionen des Hru. Ballctmeisters Hof­mann, der Frau Hofmann, des Frl. Vogel und eines aus acht Figurantinnen bestehenden Theils des Balletcorps aus Darmstadt zeichneten sich durch An­muth und Präcision aus. Das Haus war glänzend beleuchtet und nach den Angaben des in dieser Bezieh­ung durch seinen Geschmack bekannten Hru. Directors Grabowsky decorirt. Besonders gelungen war die Decorazion der Herzoglichen Loge, an deren Brüstung in einem großen Kranz auS lebenden Blumen die aus Blumengewinden gebildeten Buchstaben G. H. (Georg und Helene) unter einer Krone auS Rosen angebracht waren. Die Vorderplätze der Herzoglichen Loge nah­men Ihre Durchlaucht die Frau Fürstin E m m a zu Waldeck, Ihre Durchl. die neuvermählte Frau Fürstin Helene zu Waldeck, I. K. Hoheit die Frau Herzogin Pauline und I. Hoheit die Frau Herzogin Adel­heid ein. Im ersten Range bemerkte man unter An­dern den englischen Gesandten aus Frankfurt, den preuß. Gesandten am Herzogl. Hofe Grafen Perponcher, österreichische und preußische Generale aus Mainz und Frankfurt.

< Biebrich, 28. Sept. Der Vcrmâhlungsfeicr Sr. Durchl. des regierenden Fürsten zu Waldeck mit I. Durchl. der Prinzessin Helene, haben nebst den Gliedern des herzogl. Hauses, I. Durchl die Frau Fürstin Emma, Prinz Wolrad zu Waldeck, Se. kais. Hoheit der Erzherzog Stephan, die am herzogl. Hof accreditirten Gesandten und viele hohe Militairs der in Mainz garnisonirenden österreichischen und preußischen Truppen beigewohnt. Nach beendiger Feier nahmen die hohen Vermählten im Familienkreise und die hohen Anwesenden im Castnosaale den Thee. Heute Nach­mittag 4 Uhr war große Tafel im herzogl. Schlosse, nach welcher die allerhöchsten Herrschaften sich nach Wies­baden begaben, um der Festvorstellungdie Nachtwand­lerin" beizuwohnen. Morgen Abend ist großer Fest« ball im herzogl. Palais zu Wiesbaden und übermorgen reisen die hohen Vermählten von hier ab nach Paris, um der dort weilenden Fürstin M a r i a von Neuwied einen Besuch abzustatten.

Mainz, 27. Septbr. Die hier im Verlag von Karl Hellermann erscheinendeMainzer Volkszeitung" wird in der nächsten Zeit ihren Titel definitiv in Main­zer Zeitung umändcru. Die Redaction erstatt heut«,

daß die hierzu erforderlichen Einleitungen bereits im Zuge sind.

Frankfurt, 23. Sept. Unter vorstehendem Da­tum wird demNürnb. Corr." geschrieben: Dem Vernehmen suach ist dem BundeSpräsidinm vorgestern eure Reclamation gegen die am 13. d. Mts. erfolgte Verkündigung des die staatsbürgerlichen Rechte der Israeliten und d^r Landbewohner betreffenden Gesetzes übergeben worden. Auf unserem Markte ist das Geld seit einigen Tagen wieder flüssiger geworden. Einige große Bankhäuser, welche in letzterer Zeit zu ückgehal- ten, haben Wechsel zu discontiren wieder angefangen.

Frankenthal, 24. Sept. (Pf. Z) Der aus einer großen Wncherunteisuckung bekannte Isaac Kuhn von Bissersheim, welcher vor mehreren Wochen unter der Anschuldigung der Verleitung zum falschen Zeug­nisse in Haft genommen wurde, ist heute aus derselben entlassen worden , weil die Untersuchung den Beweis M Verbrechens nickt geliefert hat.

Speyvr, 24. Sept. Die protestantische General- synode hat gestern -n der Be ke n utn i ß frag e den folgenden Beschluß gefaßt:Die Generalsynode erkennt an, daß in der Ausgabe der AugÄurgischen Confefsiou von 1540 (der sogenannten Variala) sich der Consen­sus barftede, welcher zwischen der Augsburgischen Con- fessivn von 1530, dem Heidelberger Katechismus und dem kleinen lutherischen Katechismus, als den Haupt« bekeuntnißichrifteu der evangelisch. Gcsammkkirche Deutschs lands, von der unsere vereinigte Kirche der Pfalz einen Theil bildet, statkfindet (?), in der ausdrücklichen Voraussetzung, daß durch diese Erklärung eine kirchen- polizeiliche, unfrei bindende Verpflichtung auf den Buchstaben der symbolischen Bücher nicht begründet werden solle."

Stuttgart, 25. Sept. Wie man sagt, will das bekanntebibliographssche Institut" von Hildburghausen hierher übersiedeln. Stuttgart ist bekanntlich Ahrech- nungs- und ZahlungSplatz für den süddeutschen, wie Leipzig für den norddeutschen und österr. Buchhandel.

Tübingen, 24. Sept. Heute geht die 30. Ver­sammlung deutscher Naturforscher und Aerzte, zu welcher sich im Ganzen 578 Theilnehmer ein gefunden haben, zu Ende, nnd manche unserer werthen Gäste haben bereits wieder den Heimweg ange'treten.

München, 24. Sept. Unter vorstehendem Datum geht der Allgemeinen Zeitung, wie es scheint aus be­vorzugter Quelle folgende Mittheilung zu: Zugleich mit der Meldung über das Eintrc wn der russischen Antwortnote in Wien wurde bemerkt, daß ein Memo» randum der russischen Regierung zu erwarten sei. Die­ses M e m o r a u d u m ist inzwischen a u s S t. Petersburg nach gefolgt. Der Inhalt dieses Actenstücks wird als ein durchaus friedlicher und der Eindruck, welchem dasselbe auf die europäischen Cabincte gemacht, als ein sehr günstiger bezeichnet. Es war dies übrigens um so mehr zu erwarten, als sowohl die russische Antwortnote selbst, wie auch die sonstigen inzwischen gepflogenen Verhandlungen sür die friedlichen Gesinnungen des russischen CabinetS das beste Zeugniß ablegeu. Diesem, sowie dem ganzen gegenwärtigen Standpunkt der orientalischen Frage gegenüber könnte es auffalleu, daß die Times sagt: sie sei ermächtigt, zu er­klären, es sei nicht wahr, daß die englische Regieruim De­peschen nach Constantinopel gesandt habe, worin âusM- nahme des unveränderten Wiener Notenentwurfs gedrungen werde; indeß weiß man, daß die Times in der orien­talischen Frage schon sehr vieles gesagt hat, mit dessen Begründung es in etwas eigenthümlicher Weise beschaff fcu war. Es kann als bestimmt versichert werden, daß der englische Gesunde in Constantinopel, Lord Strat­ford de Redcliffe, allerdings von seiner Regierung drin­gend angewiesen worden ist, den Sultan zur Annahme des unveränderten Wiener Notenentwurs's zu bewegen. Ueberhaupt muß jede Insinuation, als ob in dieser Be­ziehung irgend eine wesentliche Meinungsverschiedenheit zwischen den Cabineten der Großmächte obwalte, zurück- gewiesen werden.

Das zur Ausstellung der deutschen Jndustriegegen- stände für 1854 in München bestimmte Gebäude kommt in den dortigen botanischen Garten; außer dem AuS> stellungsraume wird dasselbe noch zwei Galerien enthal­ten, und da ein großer Andrang namentlich aus Sach­sen und vom Rheine her zu erwarten steht, so sind noch zwei weitere Hallen projcetirt. Der bayerische Judu-