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Nassauische Allgemeine Zeitung.

TV*: SS« Montag den 26. September tsss.

Bestellungen auf das vierte Quartal der Nassauischen Allgemeinen Zeitung werden baldigst erbeten.

Dir,,Nassauische Allgemeine Zeitung" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntag« »»«genommen, täglich und beträgt der Prân«merationS?reiâ für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulativ nunmehr auch für den ganzen Umfang de« Thurn- und T«riS'schen VrrwaltungSbeMkS mit Inbegriff des Psstaufschlag« 2 fl., für die übrigen Länder de« deuksch-österreichischen Postvtrèin«, wie für da« Ausland 2 st. 24 fr. Inserate werden die »ierspLllit Petitteile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgassè 42, au-wärtS bti den Nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

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Oesterreich und die Türkei

(Schluß.)

War Malmesbury zu aufrichtig für die englische Politik, Layard zu aufrichtig für die englische Diplo­matie , der er in orientalischen Dingen als Autorität gilt, so gefiel es Cobden einmal, dem Strom der Jour­nale entgegen?, von der Leber weg zu reden im Sinne des frtedverlangenden industriellen Englands, der regie­renden Mittelclassen , die zu keinen Meetings und kei­nen Adressen für den Sultan sich hatten bestimmen las­sen, und deren Hauptorga» die Times ist, mag sie heute, im Selbstgefühl ÄltcnglandS, die Segel groß­sprecherisch aufblasen, morgen, im Fricdebcdürfnisse her City, sie gelassen wieder einziehen. Cobden also riß her bequemen Phrase, daß die Integrität der Türkei ein Bedürfniß Europas sei, ihr lügenhaftes Gewand ab, die Türken seien Eindringlinge, in Europa gelagert wie eine Horde, mit einer Religion, die neben dem Christenthum auf dem alten Boden der Civilisation auf die Länge nicht bestehen könne, besonders nicht da, auf diesen Gebieten drei oder vier Christen auf einen Tür­ken kommen. Krieg .arfangen um den Bestand eines Reichs zu erhalten, das keine Industrie, nicht einmal Straßen habe, scheine ihm unsinnig, und ganz phan< tastisch der Gedanke, daß ein Reich von 20 bis 30 Millionen Einwohner durch äußere Stützen und Klam­mern zusammeügkhalten werden könne, zusammengehal- ten durch christliche Mächte, auf daß der Türke seine dreihundcrtjährige Bedrückung seiner christlichen Unter­thanen noch hundert Jahre in träger Brutalität fort» setzen könne. Alles was England vom Handel im schwarzen Meere habe, sei Rußlands Bcsitzcrgreifen an jenen Seegcstadku zu verdanken. Getreide, Flachs, Talk u. s. w. beziehe es dort von den Russen, nicht von den Türken. Man möge nach Petersburg , Mos­kau, Odessa gehen, und ihre Kaien , Waurenhäuser, Werften mit Constantinopel und andern türkischen See­städten vergleichen. Aber gegen England sei Rußland noch so weit zurück, daß von dort größere Gefahr für die wahren briltischen Interessen zu fürchten kindisch wäre. Die besten Interessen Englands forderten so ge­bieterisch Frieden, daß dieselben Schreier die jetzt um Krieg lärmten, sechs Wochen nach dem Ausbruch des Kampfes Entlassung der Minister und ein-Friedenscabi- 11 et fordern würden.

In diesen kurzen Sätzen der genannten vier oder fünf Redner ist alles zusammengefaßt was im englischen Par- lament von praktischer Bedeutsamkeit für die vorliegende Frage vorgebracht worden. Der Stellung Oesterreichs und Deutschlands gönnten die Redner kaum ein paar Seitenblicke; daß man aber jede selbständige Regung Oesterreichs eifersüchtig bewacht, bewiesen die bitteren Anklagen, welche die Leiningische Mission und ihre Er­folge im Parlament hcrvorriefcn. Hätte Oesterreich Ser­bien besetzt, wie eS einen Angenblick im Sinn gehabt zu haben scheint, so würde dieß sicher Niemand mehr genirt haben als Rußland, so wie das Auftreten Oe- stcrreichs für Montenegro in St. Petersburg für so be­denklich gehalten wurde, daß man dem Grafen Leinin- gen den Fürsten Menzikoff auf dem Fuße folgen ließ. Gewiß ist, daß eine Besetzung von Belgrad und Kra- gujewatz für die unabhängige Stellung des Sultans von geringstem Besang wäre, während das Erscheinen der englisch-französischen Flotte im Marmorameer ihn zum Vasallen der westlichen Mächte machte. Dennoch wird die Einfahrt der Flotten in die Dardanellen täglich ge­fordert, während die bloße Andeutung, Oesterreich könnte in Serbien der russischen Occupatio» der Donaufürsten­thümer ein Paroli biegen wollen, in England mit In­grimm und den bittersten Ausfällen ausgenommen wurde. Daß England sich den Besitz Candia'S sichern,. nöthi- genfalls auf Syrien, Mesopotamien und Aegypten die Hand legen müsse, das spricht ein englisches Blatt mit derselben Gemüthsruhe aus, als die Eiuverleibung ir­gendeines der von England schon verzehrten zwanzig indischen Königreiche oder Fürstenthümer berichtet wird; wenn aber Oesterreich sich frei zu machen sucht von den Dexationen auf der schmalen türkischen Landzunge, die eine halbe Stunde in sein dalmatinisches Gebiet hinein» greift, so protestirt man dagegen in London als gegen einen Angriff in die Integrität des türkischen Reiches. Für die geringste Verletzung eines Engländers oder Fran­zosen wird die eclatanteste Genugthuung gefordert, für die betrügliche Schulforderung Dom Pacifico,S ganz

Griechenland blotirt; aber Oesterreich soll es in schwei­gender Demuth hin nehmen wenn einer seiner Marschälle in den Straßen Lonkon'S an den Haaren herumgeschleift wird, gegen seine Soldaten in Mailand von London aus das Messer des Meuchelmord'ö geschickt, und von anderen Meuchelmördern, welche die ^Flagge der Ver­einigten Staaten deckt, seine Seeoffiziere uiedergestoßen werden, Omer Pascha aber seinen Generalstaab mit ungarischen und polnischen Renegaten besetzt, die auch in Kleinasien das große Wort führen. Solchen Freun­den gegenüber m u ß Oesterreich vorsichtig sein. Seine italienischen und galizischen Besitzungen erhielt rS einst nur weil es zwanzig Jahre lang mit England gegen die Wcltmonarchie Napolcon's in treuem BundcSkampfe ausgehalten; Ungarn war damals das einzige Stück des Festlandes, das kein feindlicher Fuß betrat. Zum Lohn hat die Palmerston'sche Politik alles gethan ,dem al­ten Alliirten" Ungarn, Galizien und Italien zu entrei­ßen, also den Staat, der allein Rußland in der Flanke fassen kann, bis in seine Eingeweide zu zerrütten. Das ist nicht die Hand, in die Oesterreich die seiuige mit Vertrauen legen kann. Es muß Rußland'S Vorgehen mit scharfem Auge verfolgen, und darf nie vergessen, daß Kaiser Nikolaus zu den Sterblichen gehört, und hinter ihm die bleibende Politik des Kolosses steht der schon bis zur Donaumündnng vorgedrungen ist. Aber es wird sich auch erinnern, daß Frankreich 1829 auf die Einladung des Fürsten Metternich, Rußland die Grenze im Orient vorzuztichnen., mit Rußland eine Combination gegen die Rheingrenze zu Stande zu brin« gen suchte, während das Wellington - Abcrdeen'schc Ministerium die Hände in Schooß legte, obgleich ge­rade 1827 und 1828 sein Gesandter in Constantinopel derselbe Mann war, der es jetzt wieder beim Sultan vertritt. Schließlich erinnert dieA. A. Ztg." daran, daß schon Fürst Metternich im I. 1828 auf die Noth­wendigkeit hin wies, im Falle eines neuen Krieges zwi­schen Rußland und der Türkei eine beobachtende Stcl- lung an der Grenze Serbiens einzunehmen und wie eifrig Herzog Wellington damals schon bemüht war, es zu keinem Bruch mit Rußland kommen zu lassen.

Deutschland.,

* Wiesbaden, 26. Sept. Die Vermählung

Sr. Durchl. des regierenden Fürsten zu Walbeck mit I. Durchl. der Priucessin sH e l e n e wird heute vollzogen. Die Trauung der Hohen Verlobten wird heute Abend um 6% Uhr in der Kapelle des Herzog!. Residenzschlosses in Biebrich stattfinden. Jii Begleitung Sr. Durchl. des Fürste» zu Waldeck ist Hockdessen Mutter J. Durchl. die Fürstin Emma eingehoffen. Heute Morgen um 8 Uhr brachte das Orchester des hiesigen Theaters der hohen Braut eine Aubade. Der Vermählungstag I. Durchl. der Priucessin Helene wurde èals ein feierlicher Anlaß von dem Ver» wgltuugsrath der concessionirten Wiesbaden (-Nieder- lahnsteiner) Eisenbahn gewählt, um mit den Erd- arbeiten zu dieser Bahn an der Armenruhmühle bei Mosbach zu beginnen. Heute Nachmittags 2% fUhr wird dort der erste Spatenstich gemacht und sollen hierauf die au der Feierlichkeit Theilnehmende» reichlich be­wirthet werden. Morgen Abend ist große Fcstoper: DieNachtwandlerin" mit der Cruvelli als Amina, dem Darmstädter Ballet und dem Mainzer Chorpersonal. Dem Vernehmen »ach soll auch ein Hofball statlfinden.

Die militärischen Bundcscommissäre sind gestern von hier abgereist um die Jnspicirnng der in Weilburg und Diez garnisonirenden Abtheilungen des Herzog!. nassaui­schen BundcscontingcntcS vorzuuehmen.

X Limburg, 24. Septbr. Kürzlich hatten wir Gelegenheit bei einer öffentlichen Prüfung uns von der segensreichen Lehrthätigkeit der Töchter des H. Vincen- lius an hiesigem Mädcheninstitute zu überzeugen. Die Leistungen in allen Lehrfächern fanden die größte An­erkennung bei dem in bedeutender Anzahl bei dieser Feierlichkeit versammelten und der Prüfung mit dem größten Interesse folgenden Publicum. Der Verlauf der Prüfung gab Allen die feste Ueberzeugung, daß solche opferwillige und mit ungetheiltem Herzen ihrem Berufe als Lehrerinnen zugethaue Charaktere, wie es diese Schulschwestern sind, das wissenschaftliche Streben der weiblichen Jugend am schnellsten zu erwecken und zu fördern, und daneben ihren kindlich frommen Sinn am reinsten zu erhalten im Stande sind. Die von den Schülerinnen während des Sommersemesters unter Lei­

tung der Schwestern gefertigten und bei dieser Gelegen­heit ausgestellten Handarbeiten, worunter die geschmack­vollen Stickereien besondere Erwähnung verdienen, bo­ten den Anwesenden einen höchst erfreulichen Anblick dar und berechtigten zu den schönsten Hoffnnngen in diesem für die weibliche Hauswirthschaft so überaus wichtigen Wissenszweige. Den Schluß der Prüfung bildete in würdiger Weise ein in französischen und deut­schen declamatsrischeu Vorträgen und verschiedenen Chor- und Sologesängen von den Schülerinnen beider Abtheilungen der Anstalt angeführter Actus, wobei na­mentlich das unbefangene Auftreten und der knndgege- bene ästhetische Sinn der Betbeiligteu häufige Acclama« tioncn hervor rief ul Allem Anscheine nach hat diese junge Anstalt sich mit nächstem Wintersemester wieder eines großen Zuwachses zu erfreuen.

Villingen (in Baden), 19. Sept. (D. VolkSbl.) Bekanntlich sind alle Correspondenzen der Kirchenbehör- den in der oberrheinischen Kirchenprovinz auch nach §. 12. und 25. des Postvereinsvertrages vom 6. April 1850 frei. Insbesondere wurden die Dcnkschrift deS oberrheinischen Episkopates vom Jahre 1851 und alle Hirtenbriefe unseres Hochwürdigsteii Kirchenfürsten alS Dieiistsacken portofrei versendet. Als hier die Denk­schrift der Bischöfe ter oberrheinischen Kirchenprovinz dem erhaltenen Auftrage gemäß an die Geistlichen un­seres Capitels auf der Post verschickt werden sollte, wurde daS betreffende Paguet von der hiesigen Postver- waltung gt öffnet, von dem Bezirksamte mit Beschlag belegt und sofort eine Untersuchung wegen Post­po r t o d c f r a u d a t i o u eingeleitet. Diese ist jetzt in der Schwebe.

In Württemberg hat sich zu den von dem Kirchenrathe ausgeschriebenen PfarrconcurS-ELamen Niemand gemeldet.

Augsburg, S3. Sept. Die Eifenbahnstrecke von hier nach 11 l m wird am 26. dieses Monats eröffnet werden.

Miinchezi, 21. Septbr. (A. P. Z.) Der k. Staatöminister v. KlessMrod (Justiz) und Graf von Reigersberg (Inneres) sind vom Urlaube zurückgekehrt und haben beide ihre Portefeuilles wieder übernommen.

Hof, 17. Sept. Aus ganz zuverlässiger Quelle- entnehmen wir, daß Wan auch hier, wie in Baircuth und Augsburg, eine mechanische Baumwollspinnerei er­richten wird.. (Ne quid nimis!)

* In Rinteln soll die Cholera auSgebrochen sein.

Luxemburg, 21. Sept. Gestern haben die neuen Regierungsmitglieder in die Hände des Prinzen Statt­halters den Eid abgelegt.

Berti», 22. Septbr. Es ist nunmehr ganz be­stimmt , daß der König das österreichische UebungSlager nicht besuchen wird. Se. Maj. hat dem Vernehmen nach seit gestern die schon mehrere Jahre zur Herbstzeit gebrauchte Brunucncur wieder angefangen. So we­nig die Entschlüsse des Kaisers Nicolaus im voraus be­kannt zu werden pflegen, so scheinen doch einzelne An­zeichen darauf hinzubeuteu, daß der Kaiser auf derRück- kehr von Olmütz einen Besuch in Berlin machen dürfte. Morgen, den 24. d. nimmt die in Magdeburg ver­sammelte Commission zur Regelung der Elbschifffahrt ihre vor etwa 14 Tagen ausgesetzten Berathungen wieder auf. Nachzuverlässigsten" hier eingcgangenen Nachrich- ten (schreibt das heutigeC.-B.") ist Seitens der Wie­ner Coiifercnz eine Collectiv-Note an die Pforte bis jetzt nickt abgegangeu, weil der engli­sche Gesandte in der Coufercuz eine abweichende Mei­nung geltend gemacht hat und so bis jetzt eine Ueber» einstimmuug, die zur Collectiv-Note erforderlich ist, noch mangelt. Nach einer neueren Version soll cs in der Wiener Coufercuz der Wunsch des britischen CabinetS gewesen sein, daß die beabsichtigte gemeinsame Erklärung (die Wiener Note enthalte keine Gefahren für dipSou-^ verânität der Pforte)in Form eines ProtocollS aus- gesprocken werde. (Also nicht in einer Note an die Pforte.-

Berlin, 23. Septbr. DerZeit" gehen von zu­verlässiger Seite folgende Notizen über die Angelegen­heit der P f u s ch m a k l e r zn : Die polizeiliche Unter­suchung ist nunmehr geschlossen und sind die Acten an die Gerichtsbehörde zur Einleitung der Untersuchung ab­gegeben worden. Es hat bereits vor mehreren Mona­ten eine ähnliche Untersuchung beim hiesige« Stadtge­richt geschwebt, in welcher drei Pfuschmakler zu 20 Thlr. Geldbuße oder vcrhältuißmäßiger Gefängnißstrafe verurtheilt worden sind und hat das Kammergericht da-