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Nassauische Allgemeine Zeitung.

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M SSL Samstag de» 24. September 1833.

Bestellungen auf das vierte Quartal der Nassauischen Allgemeinen Zeitung werden baldigst erbeten.

Die,,Naffamfchr Allgemeine Zeitunft" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, täglich und beträgt der Pränumerationspreis für Wiesbaden und, nach dem neuen Postregulaiiv nunmehr auch für den ganzen Umfang des Hurn« und TariS'schen Verwaltungsbezirks mit Inbegriff des Postaufschlags 2 fl., für die übrigen bänder des deutsch-österreichischen PostocrcinS, wie für das Ausland 2 fl. 24 kr. Inserate werden dir Vierspalliz Petitjeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgaffe 42, auswärts bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

Amtlicher Theil.

D i e n st n a ch r i ch te n

Lehrer Lantz zu Hundstadt ist aus dem Schuldienst entlüften, Lehrer Reinhard von Husselburn zum Lehrer in Hundstadt ernannt, und der frühere Lehrer Schmidt zu Kirburg in provisorischer Eigenschaft auf die Schulstellc zu Hasselborn dirigirt worden.

Nichtamtlicher Theil.

Gestcrrcich und dir Cütkei.

^WaS will man eigentlich von Oesterreich? fragt die A. A. Z." Als eS vor ein paar Jahren am Zusam­mensinken war, klatschten in England und Deutschland dieselben Leute Beifall, die es heute auffordern, Nuß- land, das ihm damals geholfen, bei den Hörnern zu fassen, damit ihm die Lust nach dem goldenen Horn vergehe. Daß Deutschland die österreichische Monarchie unterstützen solle, falls man ihr im Süden Italien, im Osten Ungarn und Galizien entreißen wolle, das ward als ein burschcnschaftlichcr Einfall Heinrich v. Gagerns verschrieen; im Gegentheil demonstrirte man, Deutsch­land und Oesterreich gesunden nur, wenn man Gali­zien, Ungarn und Italien ganz davon losreißt. Und jetzt wird es als Oesterreichs europäische Pflicht, ja als Pflicht der Selbsterhaltung bezeichnet, für das türkische Reich in Asien und Europa zu sorgen eine Sorge, die also Deutschland mit übernehmen müßte, wenn in dem neuen Bund Deutschlands und Oesterreichs eine Wahrheit ist. Ueber Nacht waren wir somit dahin ge- kommen, nicht bloß Pesth, Temeswar und Peterwardein, sondern Schumla und die Dardanellenschlösser und Tra- pezunt als Punkte zu betrachten, die nöthigenfalls durch deutsche Waffen zu decken wären, während dieselben Waffen die Karpathengrenze und den Po und das adriatisch-illyrische Gestade zu wahren hätten. Denn diese im Besitz Oesterreichs und niemals aufzuge- ben, wenn nicht aller Halt gegen Rußland und Frank­reich aufgcgeben werden soll dürsten doch nicht preis­gegeben werden, um Junten am schwarzen und am thracischen Meer dem Padischah die wankenden Säulen seines Thrones zu stützen und dem Muslim den Dom von St. Sophia zu erhalten. Man sieht, es ist eine ungeheure Aufgabe, die man auf die Schultern des jungen Kaisers'legt, und die österreichische Armee, die man noch gestern verwünscht und verhöhnt hatte, kann sich geschmeichelt fühlen, daß man sie als einzigen wirk­samen Schutzwächter des europäischen Gleichgewichtes ausersteht. Wenn aber dann also über Nacht Frankreich Rußland die Hand reichte, und die Gelegen- heit erlauschte über Belgien, die Rheinlande und die lombardischen Ebenen seine Heere zu schicken, wie einst der Oheim, wäre man dann in Köln, Breslau, Berlin und Hamburg so bereit, die Gesammtkraft Deutschlands aufznbieten , um eine Kampflinie aufrecht zu erhalten, die von den Apenninen, den Ardennen und dem Schwarz­wald bis zum Balkan und zum Kaukasus reichte? Was würden die Kölnische und die Nationalzeitung und die Hamburger Nachrichten dazu sagen? Sie würden einen anfangs geräuschvollen, dann immer stillern Rückzug an­treten, wie sie cs bei dem Fall Schleswig-Holsteins ge­than, das zu retten Preußen und Deutschland drei volle Jahre gegeben waren, auf einem Kriegsschauplatz, dessen OpcrationSbasis kaum so viel Stunden betrug, als er bei jenem andern Kampf hunderte von Meilen betragen würde. Da man jetzt von Oesterreich verlangt, daß es mit England und Frankreich gemeinsame Sache gegen Rußland mache, erinnert dieA. A. Z." an die Hal­tung, welche England und Frankreich gegen Oesterreich und überhaupt in der orientalischen Frage beobachtet haben. DieA. A. Z." weiset nach, daß Oesterreich mit seinen Bemühungen, die Türkei zu unterstützen, sehr bald isolirt stehen würde, und daß es vielmehr von den freundlichen Gestiinnngeu der Westmächte zu fürchten habe. Das genannte Blatt erinnert, daß Fürst Met­ternich, als Diebitsch über den Balkan ging und mit uugeschwâchten Kräften Adrianopel besetzt hielt, vergeb­lich sich bemühte, England und Frankreich zum gemein­samen Auftreten zu bewegen, und daß die Vermittlung, die Preußen durch Müffling übernahm, damit endete, daß die Donaumündungen in Rußlands Hände über­

gingen, ohize daß der englische Gesandte Einspruch da­gegen erhoben hätte.

' In den jetzigen Parlamentshandlungen über die orienialiscbe Frage ritten, mit geringen Ausnahmen alle Redner, selbst die Minister das alte Päradepferd Her- ! gebrachter Redensarten über dentreuen Verbündeten ; Englands", denen die Geschichte der letzten fündig ! Jahre alle Wahrheit geraubt. Nur vier Redner mach­ten davon eine Ausnahme: im Oberhaus die Lords Malmesbury und Ellenborougb, im Unterhaus die HH. Layard und Cobden. Ueber die Mbtive, welche Eng- land leiten, war Graf Malmesbury aufrichtig genug. , Wenn, sagte er, Rußland sich in der Levante noch mehr ' ausbreitet, so entsteht uns im Mittelmeer eine rivale Macht, und den zwei oder drei großen Seemächten ge­sellt sich eine weitere bei, was wir auf jede Weise zu hindern suchen müssen. Wie dieß aber auf die Länge verhindert werden könne bei einer Macht, deren Gebiet bereits vier Meere bespülen, hat der Lord, der daS Portefeuille des Auswärtigen ungern in Graf Claren­dons Händen sieht, anzuführr» vergessen. Lord Men- borough seinerseits erklärte, die Herren nähmen einen Krieg mit Rußland zu leicht; ob sie wohl vorbereitet seien zu einem Kampf in Polen und am Kaukasus zu. mal? England habe keine Heere für die kaukasischen Berge oder die polnischen Ebenen. Dafür wußte Herr Layard Rath. Er, in orientalischen Dingen mehr als andere kundig, scheute sich nicht die Punkte zu berühren, welche die andern Redner scheu, als wär es heißes Eisen, vermieden. Die Moldau und die Walachei (be­merkte er mit Recht) gehorchen längst dem Wink Ruß­lands, seine Truppen mögen draußen oder drinnen stehen; die Räumung hat also keine wesentliche Be­deutung ; ziehen sich die Russen aber aus den Fürstcn- thümern zurück, wenn ein türkischer Botschafter des Sultans demüthige, Unterwerfung unter die Rußlands Verlangen zustimmenden Dictate der vier Großmächte nach Constantinopel gebracht, so hat Rußland, ohne einen Schuß zu thun, die Pforte moralisch und finanziell ruinirt, und sein Ansehen über das aller andern Mächte gestellt. Es herrscht dann factisch in Constantinopel, der Weg zur Besetzung von Byzanz ist ihm geebnet, wie nie zuvor. Gebietet es dort, so fällt ihm die Herrschaft über Indien zu. Um dieß zu verhüten, müs­sen wir von Mesopotamien, Assyrien und Egypten Le. sitz ergreifen. Die Hochstraße von Constantinopel nach Indien geht durch Assyrien. Rußland von Coustanti- nopel fern zu halten, gab es ein suutrügliches Mittel. Wir haben den rechten Moment dazu versäumt.' Wir ließen früher ein unverzeihlicher Fehler Bessara bien in die Hände des Moskowiters fallen, und benütz­ten vor ein paar Jahren jenen goldenen Augenblick nicht, in welchem Bessarabien, die Donaufürstenthümer und Ungarn hätt n vereinigt werden können.

Layard, der bekanntlich noch vor kurzer Zeit eng­lischer Gesandtschaftssecretär hei Lord Stratford de Rcdcliffe in Constantinopel war, hat sich also offen zur Bem - Kossuth'schen Doctrin bekannt, die ein dacisch- magyarisches Reich zwischen Oesterreich , Rußland und der Türkei ausrichten zu können gewähnt hatte. Das aber ist derselbe Gedanke, den Kossulh und jcnebckann- ten Stimmen flüchtiger Walachen und Polen in Lon­don, Paris und Constantinopel noch heute predigen, in demselben Moment, wo die ihnen zustimmenden engli scheu Blätter Oesterreich auffordern, ihnen gegen Ruß­land seine Waffen zu leihen. (Schluß folgt.)

Ieutichluud

< Biebrich, 23. Sept. Die Bundescommissäre, der k. preuß. Generallientenant v. Schack und der großherzogl. badische (Generalmajor v. Roggcnba ch haben heute und an beiden vorhergehenden Tage an hiesigem Hofe der Herzoglichen Tafel beigewohnt.

X Vo» der Lahn, im Sept. Am 26. d. M. findet in Westburg eine Preisvertheilung für die Lahu- Rinderrace Statt, da dieselbe von so trefflichen An­lagen ist, daß sie eine nachhaltige Entwicklung verdient. Mit dieser Prelövertheiiung soll eine Ausstellung von Obst^ Gemüse und andern landwirthschaftliche» Erzeug­nissen verbunden werden. Obgleich das laufende Jahr für die Entwicklung deö Obstes nicht günstig war, so haben sich doch in' manchen Lagen des reich geglieder­ten Lahngebirtes recht schöne Früchte entwickelt, so daß die Ausstellung eine stattliche werden wird, welche den Besuch auch aus weiter Ferne verdient. Diese land-

wirthschaftliche KreiSausstclluugen und PreiSvertheilun- gcii werden sich als sehr jegtnévoll erweisen.

8 Tbeilburg, Mitte September. Vom 18. Cc# tober d. J. an kommt auf dem Rathhause zu Weilburg die werlhvolle Bibliothek des verstorbenen OberfchulrathS nnd Professors I- Th. Krebs, welcher sich als Granit matiker und Bibliograph diesseits und jenseits deS Oceans einen guten Namen gemacht, zur öffentlichen Versteigerung. Der sorgfältig anSgearbeitcte Katalog kann in allen Buchhandlungen bezogen werden. Die überaus zahlreichen Schüler des verdienten Schulman­nes werden sich wohl noch des reichen Bücherschatzes desselben erinnern und manchen treibt vielleicht das Ge­fühl der Pietät, sich ein Andenken an den eifrigen Leh­rer zu erwerben. Zugleich mit der KrebS'sche» wird auch die an tüchtigen Werken reiche Bibliothek des zu früh verstorbenen Laudesbischofs Ammann versteigert, über welche derselbe Katalog Auskunft gibt.

Vorn Westerwalde, 16. Sept. Wie mir aus sicherer Quelle die Mittheilung wird, geht das Herzog!. Nass. Ober-Postamt mit der Absicht um, die zwischen Dillenburg und Wiesbaden coursirenden Wa­gen durch Couduetcure begleiten zu lassen. Wie zwecks mäßig und überhaupt nolbwendig eine solche Begleitung wäre, wird jeder der mit derselben näher besannt ist, wissen. Sehr häufig kommt cs unter andern« vor, daß namentlich auf der Strecke zwischen Limburg resp. Dienn er ob und Dillenburg der Wagen ganz leer, somit ohne alle Begleitung ist, unb daß dem Postillion der Wagen öfter mit nicht unbedeutenden Werthsendungen ganz allein überlassen wird. Wie leicht kann es vor­kommen, daß der Postillion erkrankt, oder daß der Wa­gen auf dieser keinenfalls ebenen Route, beschädigt wird, es bliebe in einer solchen Lage dem Postillion nicht anders übrige als Wagen und Pferde zu verlassen rmd von dem nächsten Orte Hilse herbeizuholen, da dieser Wcg im Winter des hohen Schnee's wegen nur selten von Fußgängern passirt wird. Auch in Hinsicht bei Sicherheit vor Beraubung wäre eine solche Begleitung nothwendig, da der Postillion ohne alle Vertheidigungs­mittel und allein, leicht zu überwältigen wäre. Zu ver< wundern ist cs, daß man seither noch so wenig von solchen Unglückssällen gehört hat. Durch Leigebung der-Couducteure würde ferner dem reisenden Publicum eine Garantie für Beobachtung der bestehenden Post- vorschriften gegeben und würden insbesondere die so lästigen Uebetftäube beseitigt werden, daß den bestehen­den Vorschriften entgegen Postillione unterwegs Rei­sende aufuehmcu. oder Personen, die nur Plätze für das Innere des Wagen genommen haben, bei Ueberfüllung desselben zur E'sparnng von Beichaisen und zur großen Belästigung der Reiseudeu im Coupe in dieses letztere gewiesen werden. Wir müssen daher diesem Projecl unsere volle Zustimmung geben und wünschen nur, daß cS diesem Plane nicht ergehe wie der schon so oft an» geregten Landpostboten-Einrichtung.

Karlsruhe, 19. Septbr. DemSchwb. Merk." wird geschrieben: Dem Vernehme» nach wird unser Re- gent in den ersten Tagen Zu seine Residenz zurückkehren. Man erwartet alsdann verschiedene wichtige RegierungS- cnlschcidungen, insbesondere in ber erzbischöflichen An­gelegenheit. (So viel wir wissen , fügt dasMainzer Journal bei, gehen die Richtungen in dieser Angelegen­heit bedentend auseinander., Das Ministerium wünscht in dem bekannten Sinne vorwärts zu gehen; der Ober- kirchenrath trägt schwere Bedenken sich den Maßregeln des Ministeriums anzuschließen und soll die ihm gemacht ten Znmnlhungen abgrhbut; 'Sc. f. Hoh. der Regent cndltch sind jedem Einschreiten gegen die katholische Kirche abgeneigt. Zur Orienlirung für unsere Leser möge diese kt^rze Notiz für einstweilen genügen.)

Tübingen, 21. Svpt. Am gestrigen Nachmittag wurden von den Mitgliedern der Natursorscherversamm- Imig die wissenschaftlichen - Institute der Univèrsität, die Sternwarte u. s. w. besucht. Die heutigen Vorträge in der allgemeinen Versammlung waren folgende: Prof. Dove aus Berlin über den gegenwärtigen Zustand der Meteorologie; Prof. Vierort von hier über graphische Darstellung des menschlichen Pulses; Dr. Fraas über die älteste Bevölkerung der schwäbischen Alp ; Bergrath Karnal aus Berlin über Gold, Salz und Kohle. Jetzt, sogleich nach dem Schluß der Versammlung, geht die Fahrt nach Siiedernau vor sich. Als Versammlungsort für das nächste Jahr wurde gegen eine von Herrn Dr. Schultz vorgetragene Einladung der Stadt Dürkheim in