ten Englands ist in Paris angelangt und sofort nach Constantinopel weiter gereist, nachdem er der französischen Regierung Mittheilung von dringlichen Instructionen gemacht, welche er dem englischen Gesandten in Constantinopel zu überbringen hat und die in einer eilig angeordneten Cabinetssitzung von den Ministern Aberdeen, Clarendon, Russell und Palmerston berathen und erlassen worden sind.
Nach einer Pariser Korrespondenz der „A. A. Z." erließen die vier mittelnden Mächte, um von neuem die Pforte zur Annahme der Confern,zuote zu bewegen, eine gemeinschaftliche Erklärung, worin sie der Pforte versichern , daß die von ihnen abgefaßte Note „weder in der Gegenwart noch in der Zukunft die Souveränetät und Integrität der Türkei" im mindesten beeinträchtigen könne.
Niederlande.
Haag, 15. Sebr. In Nro. 102 des „Staats- blads" ist das Gesetz vom 10. Septbr., „über die Regelung der Beaufsichtigung der verschiedenen Kirchenge- nossenschafteu" , p u b l i c i r t.
Italien.
Mailand, 14. Sept. Hr. Statthalter Burger ist hier eingetrofW.
In den letzten Tagen der vorigen Woche verweilten hier unter andern der Prinz Wilhelm V. Solms- Braunfels, der Fürst Michael von Obrenowitsch mit Gemahlin, geboruer Gräfin Hunyadi, der russische Botschafter beim heil. Stuhl, Graf Butenieff, Baron Salomon Rothschild re. Der französische General Chan- garnier hat aus der Schweiz einen Abstecher an die reizenden Ufer des Berbauo (Langensee) gemacht und sich einige Tage in Pallanze und Jutra aufgehalten. • - Jetzt da uns hauptsächlich zur Einbringung der sehr gesegneten Reiscrnte gute Witterung noth thäte, haben wir täglich starke Regengüsse bei spätherbstlicher Temperatur. Die Gegend um Busto-Arsizio, Gallarate, Soma bis in die Nähe von Scsto-Caleude wurde letzten Dienstag Abends 9 Uhr von einem furchtbaren Hagelwetter verwüstet, und momentan im wahren Sinn des Worts in ein hochnordisches Eisfeld verwandelt.
Turin, 10. Sept. Die Gazzetta Piemontese veröffentlicht ein königliches Decrct, durch welches bei dem apostolischen Generalökonomat ein permanenter Administrationsrath eingesetzt wird, der sein Gutachten über alle, das Gencralökonomat oder die Administration der kirchlichen Güter angehenden 'Angelegenheiten abzugeben hat. Ein zweites Decret bezieht sich aus die Regelung einer neuen Bertheilnug der Pfarrbezüge und soll ein erster Schritt zur künftigen Repartitiou des gesammten kirchlichen Einkommens sein, über welches selbstverständlich nur die Kirche als über ihr Eigenthum zu verfügen hat.
Parma, 2.. Sept. Der Staatsminister Baron Ward hat nun im Auftrage seines Souverains mit den Brüdern Gandell aus London einen Vertrag bezüglich der Führung zweier Eisenbahnen vom Po bis an die Grenze bei Sarzana und von Piacenza über Montecelli bis an den Po abgeschlossen. Sämmtliche Bahnstrecken müssen binnen 3'/^ Jahren fertig sein. Die Regierung garantirt keinerlei Verzinsung, giebt aber das ihr und den Gemeinden gehörige Terrain gratis und erleichtert die Expropriation bezüglich der Strecken,-die Privatgut sind. Nach Ablauf der oben erwähnten Frist haben die Unternehmer für jeden Monat Verspätung 15,000 Fr. Regueldo zu zhlen.
Florenz, 6. Sept. Die Arbeiten an der italienischen Centraleisenbahn haben bereits begonnen, und demnächst dürfte auch der Bau des Schienenweges von Florenz über Arezzo bis zur Grenze des Kirchenstaates in Angriff genommen werden. Die Bahnstrecke von Florenz bis Ponte a Sieve ist binnen 12 Monaten zu vollenden und binnen 42 Monaten die ganze Bahn bis zur römischen Grenze herzustellcn. Die Regierung verbürgt einen jährlichen Ertrag von 900,000 Lire.
Bologna, 13. Sept. In Semi und Narui im Kirchenstaate fielen VolkSauflänfe wegen der Brodthcuc- rung vor. Truppenverstärkungcn sichern jetzt dort die Ruhe.
Aus Rom vom 5. meldet man: Die americanische Damfyacht „North Star" kam durch ein sonderbares Zusammentreffen in Civitavecchia gerade in dem Augenblicke an, in welchem sie der Regierung wegen der Entdeckung des MaMui'schcn Complottcs sehr verdächtig werden mußte. Die Polizei, überrascht von der Größe des Schiffes und von der Menge der au Bord befindlichen Passagiere, hielt cs, in der Meinung, daß dasselbe zur Unterstützung des Coniplvttes angekommen sei, für angemessen, die Landung zu verweigern. Der „North Star" ging nach Neapel, wurde aber dort nicht besser empfangen und fuhr zuletzt nach Malta.
Nachrichten aus Neapel vom 9. Sept, zufolge ist im Königreiche beider Sicilien die Weinernte völlig miß- rathen, und die Weiuprcise sind zum Theil um das Dreifache, ja, Vierfache gestiegen. Die Olivenernte je' doch verspricht reichlich auszufaUen.
iiiUHiUiö.
Von der russisch-polnischen Gränze, 12. Sept, schreibt man der „Nat. Ztg." Es heißt darin: „Der Thronfolger ist nach Moskau abgereist. Man will wissen, Graf Nesselrode habe sich alle Mühe gege
ben, eine den Ansichten des Kaisers willfährige Stimmung im Rathe des Sultans zu erzielen; allein seit dem entschiedenen Auftreten des Fürsten Menczikoff, das nach Ansicht der Muselmänner den Padischah und die Pforte gedemüthigt, sei der russische Einfluß im Divan so viel wie Null. Daher mag eS denn auch kommen, daß bis zur Stunde keinen Augenblick mit Vorbereitungen zu demnächstigcn umfassenderen Operationen in Rußland eingekeilten wurde. Trotz aller Versicherungen börsenfreundlicher Berichte kann ich nur wiederholen, daß außer den beiden die Fürstenthümer occupirenden Armeecorps das moSkauische in Bewegung gesetzt worden ist. Die westlichen Militgrcolonien sind bereit und die daselbst stationirte schwere Reiterei harrt des Befehls zum Aufbruch. Wenn auch auf den Fall ernster Ereignisse sich der Krieg vielleicht erst im Frühjahr entwickelt, so müssen die desfallsigen Anordnungen doch jetzt schon in Rußland getroffen sein."
Nach den „Hamb. Nachr." modificitt (?) das Gerücht von der ablehnenden Antwort des. russischen Hofes- |id) dahin, daß neue Unterhandlungen angcknüpft lind und daß erst, wenn die russischerseits von der Pforte geforderten Erläuterungen dem Claren nicht genügen, die modificirte Note nicht acccpticl wird. — Bevor Rußland den letzten aller letzten Entschlüsse fasse, verlange es von der Pforte in kürzester Frist eine klare und bündige Erklärung, in der die Immunitäten und Freiheiten der Christen zu präcisiren und namentlich diejenigen genau zu bezeichnen sind, welche der griechisch- orthodoxen Kirche von der Pforte zugestchert bleiben sollen. Ferner will der russische Hof darüber unterrichtet sein, welcher coucreter Mittel sich die Pforte bedienen wolle, um ihre gegebenen Versprechungen in Wahrheit und thatsächlich zu erfüllen. — Die „Presse" will dagegen wissen, der Kaiser Nicolaus habe, gleichzeitig mit der Zurückweisung der Modificatiousanträge der Pforte, dem in Bessarabien stehenden Armeekorps den Befehl zugeschickt, jetzt in die Fürstenthümer einzu- rücken. — Nach der „A. A. Z." hat Fürst Gortschakoff den Befehl bekommen, sich für alle Eventualitäten bereit zu halten, um vorzurücken.
Vonanfürsiettthümer.
Belgrad, 4. Sept. Reschtd Pascha hat von dem serbischen Geschäftsträger eine definitive Antwort verlangt, welche Stellung Serbien im Falle eines Krieges anzunchmen gedenke. Die Antwort lautete dahin, daß die Serben gegen die Russen, ihre Glaubensgenossen, nicht kämpfen können; daß aber die serbische Regierung bereit ist, sich zu verpflichten, auch gegen die Pforte nichts zu unternehmen, Ueber die Herren Mayerhoffer und Fonton wurde dem 'türkischen Minister erwidert, der Ocsterrcicher hätte Serbien besucht, um die serbische Regierung mit Rußland, und der Russe, um dieselbe mit Oesterreich auszusöhnen.
^Die „Wiener Presse" vom 23. August spricht von einem Einzüge des Fürsten Alexander in Kragujevacz an der Spitze von 2000 Reitern. Diese ganze Cor- respondcuz aus Kragujevacz d. d. 8. August ist nach demselben Blalt eine Mystifikation, da Fürst Alexander ruhig zu Belgrad sich befindet und General Knicamn krank im Bette liegt, sich aber bereits besser befindet.
Bukarest, 6. Sept. AuS Galatz sind Briefe mit der Nachricht eingetroffen, daß mehrere Bojaren dort verhaftet wurden, bei welchen man compromittirende Schriften fand. Sie enthalten eine geheime Correspon- denz mit Omer Pascha, wodurch dieser über den Stand der russischen Armee in den Furstenthümern ans das genaueste in Kenntniß gesetzt wurde. In einem Schreiben Omer Pascha's werden die Bojaren aufgefordert, so viel Fremde wie möglich anzuwerben, denn er glaube sie bald offen vor aller Welt in ihren Plänen unterstützen zu können.
Ans Bukarest fchreibt man unterm 5. d. Mts.: Nach allen bis jetzt wahrgenommenen Anzeichen kann mit Bestimmtheit angenommen werden, daß die Russen für Winterquartiere Vorkehrungen treffen. Der Abmarsch der Russen ist vor Eintritt günstigerer Jahreszeit nicht zu erwarten. In Bulgarien, wo bekanntlich Herbst und Winter sehr früh eintreten, können die Türken jetzt nicht mehr im Freien lagern. In den Fürsten- thümern müssen die Lager in etwa 3 bis 4 Wochen gleichfalls aufgehoben und mit Kasernen verwechselt werden.
Die Bukarester Deutsche Zeitung berichtet unterm 3. September (23. August) aus Bukarest: „Gestern wurde der 27. Jahrestag der Krönung des Kaisers von Rußland hier mit großem Pomp gefeiert. Währen der Tafel brachte Fürst Stirbei unter einer Salve von 101 Kanonenschüssen den Toast auS: Sr. Maj. dem Kaiser von Rußland, Nikolaus 1., dem erhabenen Protektor der Donausürstcuthümer."
Türkei.
Constantinopel, 1. Sept. Die Kriegspartei hat, wie der „Ostd. Post" gemeldet wird, vorgestern den Sultan zu einem Besuch der türkischen Flotte veranlaßt. Es war der erste dießjährige Besuch, er sollte eine Demonstration bilden, gleichsam das Widerspiel der Flottenmusterung in Spuhead. Hier aber lagen alle die Kriegsschiffe unbeweglich an ihrem Anker, und die Revue bestand nur darin, daß der Sultan das Admiralschiff bestieg. Bei dieser Gelegenheit machten
sämmtliche türkische und ägyptische Kriegsschiffe, sowie die Küstenbatterien des Bosporus einen Höllenspektakel mit ihren Kanonen, indem jedes derselben, sowohl bei der Ankunft als bei der Rückfahrt des Sultans 21 Salutschüsse abfenerte. Für die Nervenschwachen und Kranken in Bujukdere und Therapia muß dieses gewaltige, von den nahen Höhen widerhallende Krachen wahrhaft fürchterlich gewesen sein. In politischer Beziehung ist der durchgesetzte Besuch des Sultans insofern von Bedeutung als der Fanatismus der türkischen Bevölkerung darin eine neue Anregung findet und mit einem späteren friedlichen Austrag um so weniger zufrieden sein wird, weil der große Haufen in seiner natürlichen Bornirthcit eine solche Kanonade als eine gewaltige Machtentwickelung und eine unfehlbare Bürgschaft betrachtet, daß man die „Russen bis Moskau treiben könnte wenn nur die Regierung ernstlich wollte."
Das „Journal de Constantinople" vom 29. v. M. versichert auf Grund von Briefen aus Wan, daß seine früheren Korrespondenzen aus Trebisonde über die Entente cordiale zwischen der Türkei und Persien sich vollkommen bestätigen. Der Kriegs-Minister des Schah war hiernach mit persischen Truppen auf dem Marsch nach der türkischen Gränze begriffen, um den Sultan im Falle eines Krieges mit Rußland zu unterstützen.
Nach den durch den Lloyddampfer Egitto nach Triest gebrachten Nachrichten aus Constantinopel, vom 5. Septbr., ist, wie die Triester Zeitung meldet, die russisch-türkische Frage noch um keinen Schritt weiter, als vor acht Tagen; außer daß der Fanatismus der Türken, fortwährend angefacht, in Helle Flammen aus- zubrcchcn drohe. In der vergangenen Woche waren in Constantinopel an allen Straßenecken Proklamationen in türkischer Sprache, wahrscheinlich von den Ulemas ausgegangen, an Abdul Medschid gerichtet, zu lesen, deren Inhalt mit wenigen Worten der ist: „Dein Volk ist gerüstet, seine Rechte mit den Waffen in der Hand zu vertheidigen; bist du deiner Väter und des Thrones würdig, so ergreife das Schwert und führe uns in den Krieg; wo nicht, so steige herunter vom Thron und mache einem Würdigeren Platz. — Der Großvezier Reschid Pascha und der Seraskicr haben im Divan offen erklärt, daß sie sich sogleich von ihren Posten zurückziehen werden, sobald man eine das türkische Ultimatum überschreitende Concession zu machen geneigt wäre. — Dieser Tage wurden drei Franzosen und eine Französin von türkischen Soldaten, mit denen sie in einem Kaffeehause in Streit geriethen, buchstäblich in Stücke gehauen. Genugthuung wird Frankreich erhalten; allein die Pforte hat den Journalen untersagt, diesen Vorfall zu erwähnen.
Salonèchi, 24. August. Der Gouverneur der Stadt hat allen Privatpersonen den Besitz und baS Tragen von Waffen verboten. — In der Umgegend von Brussa treiben mehrere Räuberbanden ihr Unwesen.
Aus Bagdad vom 5. v. M. wird der „Triest. Z." gemeldet, daß die Araberstämme in der Nähe von Bassora im Aufstande begriffen seien und die in der Nähe des Euphrat befindlichen Stämme Raubzüge unternommen haben. DieKaravane von 1420 Garneelen, welche im April von dort nach Aleppo abgegangen war, ist ohne Waaren wieder zurückgekehrt. Die Kameeltreiber haben sich nach allen Seiten hin zerstreut, aus Furcht, daß man ihre Kameele zum Truppentransport nach Erzerum requiriren werde.
^sien.
Eine neue Uebcrlandpost ist eingetroffen mit Nachrichten aus Calcutta vom 5. August, Hongkong vom 23. und Bombay vom 30. Juli. Im Birmanen-Lande herrschte Hungersnoth. Auf dem Rangun-Flusse ist der Moozuffur, eine der ostindischen Compagnie gehörige Dampf.Fregatte, zu Grunde gegangen. In den oberen Provinzen Indiens wüthete die Cholera. Die Jndigo- Aernte ist nicht gut. Der Markt für Baumwoll-Waa- ren hat sich gebessert. Cours 2 S. 1 D. fest. — In China behauptete die Armee der „Patrioten" ihre alten Positionen. Die Tataren hatten einen Versuch gemacht, Amoy wieder zu gewinnen, wurden jedoch zurückgeschlagen.
America.
New-Nork , 4. Seplber. Nicht allein der für Madrid bestimmte neue Gesandte der Vereinigten Staaten , Sonlè, sondern auch der für den Haag ernannte Belmont, ebenfalls ein geboruer Franzose und längere Zeit französischer Generalconsul in Nenorleans, hat kurz vor seiner Abreise von hier eine offene demokratische Demonstratio» dadurch gemacht, daß er dem hiesigen Co- mite, welches dem Kapitän Ingraham, wegen seines Verfahrens zu Smyrna, eine sogenannte Nationaldank- barkcitsbezeugung in einem werthvollcu Geschenke dar« bringen soll, 50 Dollare zn obigem Zwecke übergeben hat. — Americanische Blätter bringen ein endloses Aktenstück über die Koßta-Affaire, welches angeblich den Minister Cushing zum Verfasser hat und den Beweis führt daß Koßta nebst angemessener Entschädigung seinem Adop- tiv-Vaterlande zurückgegeben werden, müsse. Der Styl des Aufsatzes läßt an seinem officiellen Charakter zweifeln ; es mag ein Leit-Artikel aus der Feder eines Mi« nisters sein, aber cs ist schwerlich ein Manifest, das man mit officieller Unterschrift einem europäischen Cabinette zusenden wird^ ___________________________ .
Peranuvortlicher Revactrur: Ur. A. y»GCh.