daß die Seeleute der in der Besika-Bay liegenden britischen Flotte, welche an Fiebern erkrankt und zu ihrer Wiederherstellung nach Malta gekommen waren, fast alle vollkommen geheilt wieder nach der Besika-Bay abgegangen sind. — Man liest im „Memorial d'Amiens" vom 12. d.: „Eine diesen Abend eingetroffene telegraphische Depesche meldet, daß der Kaiser am 28. d. in Amiens anlangen und hier übernachten wird." — Man versichert, am St. Eugenientage (IG. d.) würden im „Moniteur" zahlreiche Begnadigungen verkündet werden, welche der Kaiser ans Bitte seiner Gemahlin aus Anlaß dieses Tages bewilligt hätte; es würden sich namentlich darunter mehrere Milderungen von Straf- urthcilen wegen Preßvergehen befinden.
Schweiz.
Tie radicalen Negierungen von Luzern, Frei bürg und Solothurn haben die österreichischen Handwerker ausgewiesen. Zu Stadt-Basel dagegen hat, — in Erwägung , daß die bekannte österreichische Verordnung dem Handwerksgesellen in der Schweiz keineswegs Nichlwiederaufnabme androht, sondern für die später Zurückkehrenden lediglich Weitläufigkeiten und Formalitäten in Aussicht stellt, — der kleine Rath beschlossen, den Betreffenden einfach von dieser Verfügung durch die Polizcidirection Kenntniß geben zu lassen und es in deren Ermessen zu stellen, fortzureisen oder nicht. Laut dem Verzeichnisse der Polizei befinden sich im Ganzen nicht mehr als 22 österreichische Handwerksgesellen im Canton, von welchen 11 Maurer oder Gypser aus Voralberg oder Tyrol, die von dem Verbote nicht betroffen werden.
Verschiedene Schweizer-Blätter tadeln den Beschluß des Bundesraths, wodurch die Italiener Clementi und Casso la aus der Schweiz gewiesen werden, sehr lebhaft, und das Solothurner-Blatt nennt ihn geradezu eine Cabinetsjustiz.
Dekgie»
Brüssel, 12. September. Der deutsche Historiker L. Rauke befindet sich jetzt hier, um in der k. Bibliothek über die Geschichte des Jansenismus Forschungen vorzunchmen.
Niederlande.
Gravenhaag, 9. September. In der Sitzung von vorgestern begann die Debatte des Cultus-Gesetzes in der Ersten Kammer. Man bemerkte mit Spannung den aus Italien zurückgekehrten Minister des katholischen Cultus Lightenveld am Ministertische. (So scheinen die Wünsche, die sich in der Commission so lebhaft ausgesprochen haben, doch einen Erfolg gehabt zu haben ) Adressen für und gegen das Gesetz werden vorgelegt. ,Darauf nimmt Lightenveld daS Wort. Er sagt unter Anderm: „Der Minister des Aeußern hat mit Recht bemerkt, ich sei nach Rom geschickt worden, damit der Papst keinen verkehrten Eindruck von diesem Gesetz erhalte. Er hätte mehr sagen können; aber die Vorsicht und die Politik verbot dies. Wer nur einigermaßen mit der Diplomatie bekannt ist, weiß, daß,es oft neben den öffentlichen und bekannt gemachten Instructionen noch andere gibt, die oft, wie die Nachschrift eines Briefes, die Hauptsache enthalten. Die Vorsicht verbot cs dem Minister, von diesen Instructionen zu reden. Auch ich werde sie nicht mittheilen ich frage nur: kann eine Regierung, ohne gerade unterhandeln zu wollen, nicht einer andern Regierung den Puls fühlen und zu erfahren suchen, was dieselbe in einem gegebenen Falle thun wolle, und ihr dagegen mittheilen, was sie selbst in diesem gegebenen Falle zu thun beabsichtigt? In diesem Sinne ist meine Sendung nach Rom zu erklären. Ich kann auf meine Ehre versichern, daß dieselbe nicht ohne Frucht gewesen ist, und dazu gedient hat, die Spannung zwischen den beiden Negierungen und damit auch die Spannung hier im Lande zu vermindern. Gewiß wird hier Niemand fragen: „Was hat Ihnen der König vor Ihrer Abreise gesagt und was hat der Papst geantwortet?" Ich könnte darauf nur antworten, daß ihre Worte von der selbstständigen Würde und von dem Wunsche der Annäherung bei beiden Souvcrainen Zeugniß ablegen. — Man hat gesagt, ich sei gegen das Gesetz und hätte darum als ehrlicher Mann ans dem Cabinet anstretèn müssen, statt mich zn entfernen. Ich habe von Anfang an sowohl den Grundsatz, die Beaufsichtigung der Con- fessionen durch ein Gesetz zn regeln, als' dieses Gesetz bekämpft. Die Minister und der König hielten eine außerordentliche Sendung nach Nom für nöthig; die Mission sagte mir nicht zu; meine Ernennung wurde am 18. Juli unterzeichnet und erst am 29. Juli bin ich abgereist; ich bin nicht gerne gegangen, aber ich habe dem ausdrücklichen Befehle des Königs gehorchen zn müssen geglaubt. Daß sich kein Katholik gefunden hat, der mein Portefeuille für die Dauer meiner Abwesenheit übernahm, ist nickt Meine, und der Minister- Schuld, so wenig, als daß in beiden Kammern kein Katholik zum Berichterstatter gewählt ist. Ich habe mich gefragt, ob es für mich rathsam ist, jetzt noch im Ca- mnet in bleiben, und ich glanbe, daß ich durch mein Bleiben den wahren Interessen des Königs, deS Vaterlandes und der Katholiken diene. Ich bin überzeugt, daß ich an diesem Orte mit mehr Kraft und Nachdruck Interessen vertheidige, als die, welche 11 bekämpfen. Ich bringe der guten Sache
ein Opfer, indem ich mein Portefeuille behalte. Ich wiederhole die Worte eines berühmten Pnblicisten: Der Staatsmann darf nicht auf eine einzelne Frage sehen, er muß weiter gehen und das allgemeine Interesse im Gesicht behalten. Ich werde mich bei dem Gesetz beruhigen, wenn eS von den Kammern angenommen wird; ich werde cs aber nicht vertheidigen, i) weil ich noch Bedenken dagegen habe, 2) weil das Gesetz von der Negierung als ein politisches Gesetz betrachtet wird, dessen Vertheidignirg 'Sache des Justizministers ist. Wird das Gesetz angenommen, so werde ich zur- Ausführung desselben in einem milden, toleranten Sinne mitwirken." (Das Gesetz ist, wie bekannt, auch in der ersten Kammer angenommen worden.)
Haag, 11. Sept. Bei dem von dem Könige prändirten militärischen Banket, zu dem die französischen Offiziere eingeladen waren, tvelche den Manövern im Lager von Zeist beigewohnt haben, erhob sich Se. Majestät und brachte in französischer Sprache einen Trinkspruch aus auf den Kaiser Napoleon HL, mit dem Hinzufügen, daß er in der Missiön, welche den französischen Offizieren von ihrem Souverain ertheilt worden, ein Unterfand von dessen freundschaftlichen Gesinnungen für die Niederlande erblickte. - ©ro^bn'tdimicn.
London, 12. Sept. Das Wochenblatt Sanday Times bringt jetzt endlich die Antwort Lord Claren- d o n ' ö auf das zweite Rundschreiben des Grafen Nesselrodc. Dieselbe ist vom 16. Juli datirt, an den britischen Gesandten am Hofe von St. Petersburg gerichtet und stimmt im Wesentlichen mit dem längst bekannten Rnndschreiben des Herrn Tronin de l'Huys überein. Die Hauptstelle in Bezug auf die Besetzung der Donau - Fürstenthümcr lautet: „Graf Nesselrodc behauptet in seinem Rundschreiben vom 2. Juli, daß die Gegenwart der englischen und der französischen Flotte in der Bai von Basica mehr als Alles zur Besetzung der Fürstenthümer herausgefordert und dieselbe vollständig gerechtfertigt habe p er gibt vor, diese Flotten befänden sich beinahe im Allgesicht der Hauptstadt, kaum 200 MilcS entfernt, und die Besetzung der türkischen Gewässer und Häfen durch diese Flotten könne nur durch eine militärische Besetzung von Seiten Rußlands ausgewogen werden. Aber Ihrer Majestät Regierung muß gegen jene Behauptung in den stärksten Ausdrücken protestiren; sie läugnet die Existenz der geringsten Aehnlichkeit zwischen der Stellung der vereinigten Flotten in der Besica-Bai und der russischen Heere in den Fürstenthümern. Die Flotten haben eben so viel Recht, in Besica, wie in jedem andern Hafen des Mit- telmeeres zu zn ankern. Dnrch ihre Gegenwart iir jenen Gewässern ist kein Vertrag überschritten, kein Gebiet verletzt, kein Princip des Völkerrechts mißachtet worden; die Unabhängigkeit des ottomanischen Reiches wird durch dieselbe nicht bedroht, und sie sollte sicherlich für Rußland kein Grund zum Aergerniß sein, • - im Gegentheil aber ist die Besetzung d e r F ü r- stenthümer durch Rußland eine Verletzung des Gebietes Sr. Maj. des Sultans und des besonderen, diesen Theil seines Gebietes betreffenden Vertrages; sie ist ein Bruch der Principien des Völkerrechts und ein Act directcr Feindseligkeit gegen den Sultan der das Recht hätte/ darauf durch eine Kriegs-Erklärung zu antworten und die verbündeten Geschwader aufzufordcrii, zn seinem Schutze nach Konstantinopel vorzurücken. Diese Besetzung, endlich, ist ein so gefährlicher Schritt, wenn man ihn als maßgebendes Beispiel betrachtet, und ein so gewalkthätiger Act von Seiten eines mächtigen Staates gegen einen andern, dem seine Schwäche selbst ein Schutz sein sollte, daß sie in ganz Europa Bestürzung verbreitet und eine verdammende Beurtheilung erfahren hat. Zuzugeben, daß zwischen der Stellung der Flotten außerhalb der Dardanellen und der russischen Armeen in den Fürstenthümern irgend eine Aehnlichkeit besteht oder nur die geringste Vergleichung sich anstel- len läßt — das ist offenbar unmöglich.
Nach dem „Freeman'sJournal" hat die Königin den Auftrag ertheilt, das Palais in Dublin ganz zu ihrer Aufnahme einzurichten, da sie ihren Besuch in 3» land zu erneuern Willens ist.
In London hat sich eine griechische Hetärie gebildet. Präsident derselben ist Maurokordato, ihre Filialvereine hat sie in Athen und, wie Einige sagen, sogar in Triest. Diese Hetärie besteht meistens aus Kaufleuten, und Zweck derselben ist die Herbeischaffung der nöthigen Fonds, um eine Conföderation von Bulgaren und Albanesen zu Stande zu bringen. Was man mit dieser Conföderation wolle, läßt sich leicht erwarten, auf den Bestand und die Wohlfahrt des osmanischen Reiches ist sie gewiß nicht gerichtet. Die Verbindung ist von einem Agenten der türkischen Polizei aufgespürt worden. Was man gegen diese und ähnliche Bestrebungen türkischer Seits unternehmen wird, ist noch in Frage »jedenfalls wird die Geschichte dem Divan neue Schwierigkeiten bereiten , indem die Verschwornen meistentheils Ausländer sind und unter dem Schutze der fremden Consnln sich befinden.
In mehreren Städten Englands sind neue „StrikeS" vorgekvmmen, um die Arbeitgeber zu höheren Löhnen zu zwingen, wobei namentlich die steigende» Brodpreise
als Grund angegeben werden. Besonders Zimmerleute und Maurer haben vielfach ihre Arbeit eingestellt. Die Kohlengräber iu Wigan haben seit Weihnachten d. I. dreimal eine Lohnerhöhung erlangt, jedesmal von 15 Procent, und jetzt fordern sie eine vierte, nochmals um 15 Procent» Der bedcuteudste der dortigen Gruben- cigenthümcr ist der Graf v. BalcarreS.
Italien.
Chambery, 11. Sept. Der Erlaß des k. sardinischen KriegsministeriumS, durch welches die Brüder der Christenlehre für militärdienstpflichtig erklärt worden, ist in unserer Stadt vor einigen Tagen in Ausführung gebracht worden. Der Bruder Monachon von St. Jeoire wurde nämlich vor den Revisionsrath beschieden, von diesem für tauglich zum Militärdienst erklärt und bei einem Regiment eingekleioet.
Zu Jntra, wo derzeit General Chan garnier weilt, wurde auf Antrag des Syndicus eine Escadron Kavallerie zur Ueberwachung deS Kornmarktes erwartet. In Nizza verweigerten am 6. d. Mts. zahlreiche Bäckergesellen die Arbeit, indem sie höheren Lohn begehrten ; zweihundert derselben zogen nach Varo fest auf ihrem Vorsätze beharrend. Der Avenir von Nizza versichert, daß die Bäcker hinreichend mit Vorräthen und Arbeitskräften versehen seien, um dem öffentlichen Bedarfe zu genügen.
Rußland.
Eine Correspondenz der „D. A. Z." aus TifliS vom 15. August meldet, daß ein mörderisches Gefecht stattgefunden hatte zwischen der ersten Brigade der vierten Division der KaukasuSarmee, welche ihren Opera- tionSmittelpnnkt zu Stawropol hat, und einem Corps Bergbewohner, welches ein Verwandter Schamil'S, der selbst die Offensive ergreifen zu wollen scheint, befehligt. Dem Vernehmen nach kamen auf beiden Seiten bedeutende Verluste vor.
Das „Journ. de St. Petersbourg" vom 20. Aug. (2. Scpt.) hat die Angabe der „Jndep. Belge", nach welcher die Räumung der Donaufürstenthümcr allgemein als ein bald bevorstehendes Factnm angesehen wird, ausgenommen.
Türkei.
Coufiantinvpel, 1. Sept. (Köln. Ztg.) Die Ankunft des russischen ersten Dragomans, Hrn. Argy- ropulo, vermittels einer russischen Dampsflotte von Odessa am 25. v. Mts. erregt hier Aufsehen. Nachdem derselbe noch am selben Tage mehreren türkischen Ministern Besuche abgestattct, sprengte er eiligst zu Pferde daher nach Bujukdere, wo der französische Gesandte, Hr. de la Cour, das Dampfboot L'Egyptus, welches schon um 5 Uhr abgehen sollte, bis 9 Uhr Abends aufhielt, um eilige Depeschen nach Frankreich zu bringen. Man will bemerkt haben, daß seitdem Vorbereitungen in der russ. Kanzlei und Post getroffen worden , welche das Zerreißen dieses letzten friedlichen Fadens anbeuten. Des folgenden Tages war großes Minister-Conseil bei der Pforte unter dem Vorsitze des Großvezirs. — In Adrianopel sind alle Oefen mit Backen von Zwieback für den Winter beschäftigt; denn die Lebensrnittel finden sich überall bis zum Beginn der strengen Jahreszeit in Ueberfluß.
Asiett
Dem Standart wird aus Täbris (auch Tebris oder Tauris genannt) unterm 6. August geschrieben: „Vor einigen Tagen hatte der Vizir Nizam (Gouverneur von Täbris) einem Ferman erlassen, durch welchen die Ausfuhr von Lebensmitteln nach der Türkei verboten wurde. Glücklicher Weise ist cs dem hiesigen britischen Consul gelungen, die Rückgängigmachung dieser Verfügung zu erwirken, und sehr bedeutende Vorräthe stehen gegenwärtig auf dem Punkte, ausgeführt zu werden. Hätte dcr englische Agent die Aufhebung des Fir- mans nicht erzielt, so würden die Folgen für die Türkei sehr unheilvoll gewesen sein. Die Pforte hat in der Umgebung von Erzerum ein Heer von mehr als 60,000 Mann angesammelt, und außerdem sind in den verschiedenen Forts,an der Grenze von Persien und Georgien noch 30’—40,000 Mann »ertheilt. Um den Bedürfnissen einer solchen Menschenmenge zu genügen, maß das Getreide aus großer Ferne hergeschafft werden, namentlich da jene Grcnzvölkkr nomadische Hirten- stämme sind und ihre Lebensmittel aus den christlichen Dörfern der Provinzen Van und Vumah beziehen. Per- sie» bat über sehr große Getreidc-Vorräthe zu verfügen und könnte, wenn es nicht an guten Wege» fehlte, eine dreimal so starke Armee ernähren, wie die oben er- wahnte."
America.
Netv-Uork, 30. August. Dem Vernehmen nach wäre Cobb von Virginien zum Gesandten der Vereinigten Staaten in Paris bestimmt. — In New- Orleans wüthete das gelbe Fieber immer noch. In der mit dem 21. August endigenden Lvoche waren überhaupt 1524 Personen gestorben, wovon 1365 am gelben Fieber. In den drei letzten Wochen waren dieser Krankheit nicht weniger als 3666 Individuen unterlegen. — Nach Briesen aus Montevideo vom 11. Juli befand sich U r q n i z a in einer verzweifelten^ Lage und man betrachtete ihn als schon verloren. Der Gouverneur von Buenos - Ayres, General Pinto, war in Montevideo gestorbcn.