Nassauische Allgemeine Zeitung.
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2V* S/Ä. Samstag »tu 10. September 1833.
Die,.Nassauische Allgemeine Zeitung" mit dem belletristischen Beiblatt „Der Wanderer" erscheint, 'SmintagS ausgenommen, täglich und beträgt der PiânumerationSpreis für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulaiiv nunmehr auch üt beh ganzen Umsang bei Tour»- und TariS'schcn Verwaltungsbezirks mit Inbegriff des Postausschlags 2 fl., für die übrigen Länder deS deutsch-österreichischen PostvereinS, wie für daS Ausland 2 fl. 24 kr. — Inserate werden die viersvaltig Petitzeile ober deren Raum mit 3 fr. berechnet. — Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgasse 42, auswärts bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.
Vie belgische Heirath und Gesierreicha Beziehungen zu Deutschland und dem LaUvereiu.
Das Pamphlet des anonymen „Belgiers" über die österreichische Heirath, welches der „Constitutionel" auf so ungeschickte Art berüchtigt gemacht, wird in Belgien gänzlich ignorirt. Man ereifert sich nicht, wenn ein scheel angesehener Nachbar einen unverständigen Streich macht, nur wenn ihm klugeS gelingt erzürnt man sich. Hätte es nicht schon der Enthusiasmus der Belgier selbst gethan, König Leopold wäre gerade durch die giftige Anfeindung der wohlgelitteueu Presse in Paris darüber belehrt worden, daß er das Rechte getroffen. Man schreibt den Familienverbindungen in neuerer Zeit keine politische Bedeutung zu, mit Berufung auf die Heirath des Kaisers Napoleon, die nicht die Schlacht bei Dresden und Leipzig, die Feldzüge von 1814 und 1815 und die Verbannung nach der einsamen Basaltinsel gehindert. ■ Aber es ist etwas anderes jedenfalls, wenn man einem Brautwerber die Prinzessin überläßt, weil man ihn nicht abweisen darf und einer von freien Stücken geschlossenen Verbindung. Oesterreich ist eine solche Verbindung mit einem Hof eingegangen, dessen Gebiet von den Franzosen gleichsam wie ihr Eigenthum betrachtet wird, und das belgische Volk hat diesen Familicnact seinerseits durch Acclamation ratificier. Offenbar hat in neuester Zeit die österreichische Politik ein anderer Gedanke belebt als zu den Tagen des Wiener CougresseS und den Zeiten die ihm folgten. Oesterreich strebte damals sicht» lich nach einer Abgränzung, die es nirgend in die unmittelbare Nachbarschaft mit dem Feind setzte, den das Haus Oesterreich seit der Heirath mit der burgundischen Erbtochter fortwährend bekämpfte. Man tauschte für die spanischen Erbstücke am Rhein, für die Kaiserkrone, die von neuem angetragen und wie etwas widerwärtiges fast mit Verdruß zurückgewiesen wurde, für die zcrspreirg- ten Herrschaften am Öberrhein, die verlockenden, aber unheilvollen Gebiete in Italien ein. Das deutsche Reich war so reich an Leiden gewesen, daß man gern Abschied nahm von den Gränzen , deren Behauptung so viel Blut gekostet. . Das Jahr 1848 hat die Fehler dieser Politik vollständig anfgedeckt. Oesterreich ist viel deutscher als man in Deutschland, ja in Oesterreich selbst geglaubt hatte. Wenn auch die deutsche Bevölkerung in dem Jahr des Wahns viel ungebührliches sich zu Schulden kommen ließ, sic allein und vielleicht noch die Südslaven blieben österreichisch, sie wurde nicht einmal deutsch im Sinn des Frankfurter Parlaments. Die Bewegung in Wien war zwar demokratisch, sie war aber nicht gegen die Dynastie, nicht gegen die Einheit des Staats gerichtet, sie suchte nicht abenteuerliche Reiche wie die Tschechen und Ungarn, sie schloß nicht Allianzen mit feindlichen Nachbarn wie die Lombarden. Was ist also einfacher als daß Oesterreich gerade im deutschen Wesen die Förderung der Staatseinheit findet, daß es im Jahr 1850 rüstete, um deutsche Angclegen- Heiten zu entscheiden, daß es die Gefahren eines Continentalkriegs weniger scheute, als daß das letzte staatsrechtliche Band mit Deutschland, die Bundesverfassung, zerreißen sollte? Mit gleicher Entschlossenheit warf cs die letzten Binnenschranken in seinem Reich nieder, und cs folgte hintendrein mit den größten Anstrengungen der Handelsvertrag vom Februar. Die belgische Heirath ist nur die Fortsetzung dieser Politik. Denn Belgien gehört zwar nicht politisch oder geographisch, wohl aber ökonomisch viel eher zu Deutschland als zu Frankreich. Ueber Belgien geht ein großer Theil der überseeischen Aus - und Einfuhren Deutschlands, und Antwerpen ist genau für den Westen Deutschlands, was Hamburg für alle Gebiete östlich der Elbe, was Havre für die Schweiz ist. Wollte sich Belgien durch einen Zollverein mit Frankreich uns entfremden, und wollte der Zollverein nach dem Beitritt der Hansestädte einen Zollkrieg mit Belgien beginnen, Belgien würde dann nicht bloß die Aus- und Einfuhr für Deutschland und mit ihr zugleich einen beträchtlichen Theil seines überseeischen Absatzes verlieren, sondern in Frankreich selbst keine neuen Märkte für überseeischen Handel gewinnen; denn alle Waaren die vom Ocean gehen, lenken bei Erreichung der festländischen Häfen immer nach der Richtung gegen Osten, nie gegen Westen ein. Alle Märkte in Frankreich liegen aber west- licher, alle Märkte Deutschlands östlicher als Belgien. Umgekehrt suchen fast alle Waaren aus dem Binnenland die Nordküste des Festlandes in der nordwestlichen Diagonale zu erreichen. Die Schweiz exportirt über Havre, Sachsen über Bremen, die Rheinland« über
Antwerpen- Sowie der Beitritt der Hansestädte oder nur Bremens zum Zollverein erfolgt, wird Belgien sich rühren müssen: es muß dann wählen nicht etwa zwischen einem deutschen . oder französischen Zollverein, wohl aber zwischen einem sehr weiten Handelsvertrag mit dem Westen oder Osten. In Geldfragen spielt nun freilich der Zug der Gemüther eine untergeordnete Rolle, aber doch nicht so untergeordnet als wie man vielleicht denkt. Jedermann in Oesterreich und Deutschland nimmt jetzt den Handelsvertrag vom Februar so hin, als hatte er gar nicht auSbleiben können, ja man darf schon jetzt verwundert fragen, weshalb es denn so ungeheurer Anstrengungen bedurfte, um das natürlichste aller Bündnisse zu schaffen? Nicht, in der Sache selbst haben die Schwierigkeiten gelegen, sondern lediglich in der Auffassung, in den Antipathien. Es kostete jenseits Selbstüberwindung, einen vortheilhaften Vertrag anzu- nehmen von einem Staat, dcu man eingebildeter Weise als seinen Feind ansah, während es bisher unerhört gewesen, daß Feindschaft sich im Bedürfniß der Annäherung geäußert hätte. So sind denn die Beziehungen zu Belgien, obgleich bis jetzt nur GcmütbSsache, von politischer Wirkung. Denn konnten die unsinnigen Antipathien, die wir in Deutschland zu überwinden hatten, den Handelsvertrag lange verzögern, den Zollverein sogar bedrohen, so wird man in Belgien mit Vorliebe jede Annäherung an Deutschland betrachten, und der gute Wille vermag unendlich viel selbst über innere Schwierigkeiten. (A. A. Z.)
Veutschland.
* Wiesbaden, 9. Septbr. (Assisenverhandlung gegen Andreas Janz von Winkel, Christoph Janz von da, Catharine Rosine Janz von da und Johann Baptist Janz von da, wegen Verletzung des Offenbar rungseides und Betruges, resp. Theilnahme an letzterem Verbrechen.) Sämmtliche Angeklagten wurden von den Geschwornen für nicht schuldig befunden und von dem Assisenhofe f r e i g e s p r o ch e n.
* Wiesbaden, 10. Sept. Die vorletzte Kurliste zählte 22,700, die neueste zählt 23,073 Fremde. In Ems waren bis zum 5. d. 5022, in Schwalbach bis zum 8. 2386, in Schlangenbad bis zu demselben Tag 1045 Badegäste eingetroffen.
Wiesbaden, 8. September. Heute ist Domänen- rath von Hemökerk als RegierungScommissär des Fi- nanzmiuisteriums nach RüdeSheim gereift, um die Ueber- gabe des Niederwalds, bisheriges Besitzthum des Grafen v. Bafscnheim, der bekanntlich für 120,000 fl. erkauft worden ist, an die herzogliche Domäne entgegenzunehmen. Derselbe besteht aus 910 Morgen Wald in Metermaß und aus 143 Morgen Ackerland in Localmaß.
Mainz, 8. Sept. Unsere Polizei ist einer Falsch, münzerbande, welche in letzter Zeit hier ihr Unwesen trieb, auf die Spur gekommen und hat gestern und heute eine Anzahl verdächtiger Individuen in Gewahrsam gebracht.
/ Frankfurt, 9. Sept. Nach der „Nationalztg." hat der von dem Bundestage gegen Herrn Jucho eingeleitete Prozeß in Betreff der Herausgabe der in seinen Händen befindlichen Originaldocumente der deutschen ReichSverfassung seit mehreren Wochen seine Endschaft erreicht. Dem Dr. Jucho, von welchem die Herausgabe der Reichsverfassungs - Urkunde vom 28. März 1849, vorzüglich merkwürdig durch die eigenhändige Unterschrift fast aller beim Abschlusse gegenwärtigen Mitglieder der constituirenden Nationalversammlung, oder die Angabe des Orts, wo sich dieselbe jetzt befinde, verlangt wurde, war in zweiter Instanz ein Eid dahin auferlegt worden, daß er die Urkunde weder selbst besitze, noch'wisse, wo sich solche dermalen befinde. Die bei dem Oberappellationsgericht zu Lübeck cinge- brachte Berufung ist als unstatthaft verworfen und ist bereits in der Weise mit der Execution gegen ihn vorgeschritten worden, daß er Seitens der hiesigen städtischen Behörde zur Ableistung des Eides vorgeladen wurde. Jucho hat der Ladung Folge geleistet, beschworen, daß er die VersassungSurkunbe nicht hinter sich habe, erklärt, daß er den zweiten Theil des Eides nicht ableisten könne, und aus demnächstiges Befragen angegeben, daß die Urkunde sich in den Händen deS ParticrilierS Wilhelm Benecke in London (früher in Hamburg wohnhaft) befindet, der sie zur Verwahrung angenommen hat.
* In Fuld a ist der Angeklagte v. L o ß b e r g deS Verbrechens deS Hochverrates nicht schuldig befunden worden und so reducirt sich sein Vergehen auf eine ein
fache Paßverfälschung. Das Endurtheil ist noch nicht bekannt.
Stuttgart, 6. Sept. (Beob.) Der ehemalige Abgeordnete Rau, welcher bekanntlich wegen seines Anfstandsversuches zu mehrjähriger Festungshaft auf dem Asperg verurtheilt und unter der Bedingung der Auswanderung nach America kürzlich begnadigt wurde, ist glücklich in New-Mork augekommen und hat dort das Hotel „zum^deutschen Casino" pachtweise übernommen.
Aschaffenburg, 9. Sept. Die hiesige Zeitung gibt wiederholt die Versicherung, daß auf bayerischer Seite die Eiscnbahnbautcn von hier nach Hanau, (sowohl die Bahn- wie Bahnhofs-Arbeiten) der Vollendung nahe sein.
München, 6. Septbr. Nach Beschluß des Magistrates ist nun die feierliche Einweihung der neuen Schrannenhalle auf Donnerstag den 15. d. cnd- giltig festgesetzt. Am Samstag den 17. d. wird dann die erste Schranne daselbst abgehalten. Die. Einweihung wird mit großer Feierlichkeit stattfinden. — Aus Franken melden ausführliche und authentische Berichte, daß die diesjährige Erndte im Ganzen eine Mittelcrndte ist.
Coburg, 6. Sept. Der erste Anfang der 11. Hauptversammlung des „Güstav-AdolphVèreins" wurde heute schon am Morgen durch eine vorbereitende Sitzung des Centralvorstands gemacht. Unter dem Präsidium des Domherrn Dr. Großmann, der bereits vorgestern hier eingetroffen ist, beriethen die anwesenden Mitglieder dieser leitenden Behörde des Vereins, (Dr. Zimmermann, Ditteuberger, Jonas, Schwarz, Großmann jun., Geffken, Lampe, Schulz), um namentlich über die Aufstellung der Tagesordnung für die öffentlichen Versammlungen, sowie über das Unterstützungs» werk, welche von ihr einer Gemeinde zngewcndet werden soll. Am Nachmittag war Gottesdienst, in welchem Dr. Karl Großmann predigte. Er wies in seinem Vor- trag u. A. darauf hin, daß Luther auf unserer Burg gewohnt und sein herrliches Lied „Eine feste Burg ist unser Gott" gedichtet habe. Auf denselben folgte die vorbereitende Sitzung der Abgeordneten. Es waren deren 61 anwesend, welche 40 Hauptvcreiue vertraten. Domherr Dr. Großmann wurde zum Präsidenten, Generalsuperintendent Genslcr von hier zum Licepräsiden- ten durch Acclamation erwählt, das Secretariataus den Prälaten Dr. Zimmermann, Pastor Howart und Pastot K. Großmann, sowie eine Commission zur Revision der Jahresrechnung gebildet. Am Abend brachten die Bürger Coburgs den Mitgliedern des Centralvorstandes und ihrem Vorsitzenden eine Fackelmusik. Ueberhaupt ist die Aufnahme der Gäste in Coburg die freundlichste. Die Herzogl. Equipagen nahmen an der Post die Mitglieder des Vorstandes aus Leipzig auf, um sie in die für sie eingerichteten Wohnungen im herzogl. Schloss« zu bringen. Aber auch alle Bewohner Coburgs üben ihre Gastfreundschaft auf die schönste Weise. Alle Abgeordnete haben freie Wohnungen angewiesen erhalten, und von den heute schon über 300 anwesenden Ver- einsmitgliedern wohnen die Meisten ebenfalls in Privathäusern. Morgen beginnen die öffentlichen Verhandlungen , und die Versammlung scheint im Anblick der Lutherburg eine der schönsten und zahlreichsten werden zu wollen.
Braunschweig, 6. September. Der Tag der Einweihung des Lessing-Denkmals ist jetzt endgültig aus den 29. d. M. bestimmt, so daß die in der Zeit vom 27. bis 29. behufs der hier stattfindcnden Versammlung der Realschulmänner anwesenden Fremden daran Theil nehmen können.
Emden, 4. Sept. (Z. f. N.) Die sogenannte Vollzugs. Commission ist gestern auch hier und in der Umgegend gewesen; dem Vernehmen nach haben ihre Local-Besichtigungen und Nachforschungen hauptsächlich auf die Frage wegen der freien Niederlagen Bezug gehabt.
Hamburg, 6. Sept. (Wes. Ztg.) Die Anker- kette von dem in Eckernförde eroberten Kriegsschiffe „Christian VIII." hat soeben Dänemark wieder an sich gekauft. Ans der Bremerhavener Auctiou war sie von dem hiesigen Hause „Strauß und Rosenberg" erstanden worden, und zwar nach Fadenberechnung, denn es war au Ort und Stelle keine Wage aufzutreibeu. Warum Dänemark in Bremerhaven sich nicht mitbeworben, läßt sich schwer jagen, Thatsache ist aber, daß ihm seitdem an dem Wicdcrbesitze jener deutschen Siegestrophäe viel lag. Zunächst sandte es zwu Sachverständige expreß von Kopenhagen hierher, welche die an hunderttausend Pfund schwere Orloggskette aufs Genaueste untersuchten, und alsdann beauftragte es ein Altonaer Haus, dieselbe