Nassauische Allgemeine Zeitung.
.ZV' 8/0. Mittwoch öen 7. September Issa»
Die „Nassauisch- Allgemeine Zeitung" mit dem beUclristifchen Beiblatt „Der Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, täglich und beträgt der PränumcrationSpreiS für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulaiiv nunmehr auch Lr den ganzen Umfang deS El'imi* und TariS'schen Verwaltungsbezirks mit Inbegriff des PostausschlagS 2 fl., für die übrigen Länder deS deutsch.östSrre'ckischen Postvereins, wie für daS Ausland 2 ff. 24 fr. — Inserat- werden die einspaltig PeNNeile oder deren Raum mit 3 tr. berechnet. — Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgaffe 42, auswärts bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.
Amtlicher Theil.
Concession zur Vermittelung des Transports von Auswanderern.
Dem Postexpeditor S ch m i d t g e n zu Hadamar ist die Concession zur Beförderung von Auswanderern nach America Namens des I. A.Leroy zu Coblenz ertheilt worden.
Wiesbaden, den 2. September 1853.
Herzogliche Ministerialabtheilung des Innern.
Faber.
. vdt. Schmidt.
Nichtamtlicher Theil.
Die Zukunft der âreuzzeitung.
* An Stelle der Angust-Rundschau ist abermals ein Artikel: „Die Zukunft der Kreuzpeilung" in diesem Blatt erschienen. Der Verfasser zieht die unabsehbare Reihe von Aufgaben in Betrachtung, deren Lösung der Partei des eisernen Kreuzes obliegt. Diese dürfe und könne bei dem Herantreten an dieselben gar nicht daran denken ihr Tagewerk schon für gethan und ihr bewährtes Organ nun für entbehrlich zu erachten. Jetzt erst, nach dem principiellen Siege der Reaction über di« Revolution, nach der principiellen Anerkennung der wahren Fundamente des geschichtlichen und des ewigen Rechts sei der Tag angebrochen, wo sie mit Hoffnung auf Erfolg wirken könne. Wir nähern uns, sagt der Rundschauer, den Kammern von 1854. Und durch weite Kreise läuft die Stimmung: „Schon wieder?" und das Bedauern, daß unsere und der Regierung schon im vorigen Winter so höchstpopuläre Absicht diesen alljährlichen Zwang abzuthun damals noch nicht erreicht worden ist. Aber es mag sein Gutes haben, daß den Kriegern deS eisernen Kreuzes die Zeit verkürzt ist, die zum Einschlafen ciuladet.
Nach Entwickelung der von der Partei in Abzug auf die Gemeinde-, Kreis- und Provinzialverfassung und die Städteordnung zu vertretenden Ansichten spricht sich der Rundschauer über die Stellung der Ritterschaft in Bezug auf die Rechtsverhältnisse des bäuerlichen und ritterlichen Grundeigenthums, in folgendem aus: „Wir werden ferner die obrigkeitlichen Rechte unserer Ritterschaft als eine fundamentale Institution des Vaterlandes aufrecht halten. Aber wir werden auch dem alleintriftigen Angriff auf diese Rechte, daß sie jetzt von Jedem, auch von dem unwürdigen, für Geld oder, noch schlimmer, für Uebernahme von Hypothekenschulden erworben werden können, durch eine organische Reform zu begegnen haben, durch eine Reform, welche ins hellste Licht stellt, daß obrigkeitliche Rechte niemals Privat- Eigenthum sind und' sein können, daß es der Ritterschaft als solcher Beruf, eben so wohl als der Beruf des Be- amtenlhums, ist, dem Staate zu dienen, ja! daß alles Eigenthum, besonders aber das Grundeigenthum, und am meisten daS große Grund-Eigenthum mit der,unablöslichen und heiligen Pflicht belastet ist, den Staat regieren zu helfen. Diese Wahrheiten werden uns zu der hochwichtigen Frage führen, ob das ländliche Grund- Eigenthnm, das bäuerliche wie das ritterliche, i» den Rechts-Verhältnissen bleiben darf, in welche die frusin- nigen „großen Staatsmänner" von 1807 bis 1812 — „nach dem Muster benachbarter Staaten,, (Enphe- mismns für: König Jerome) — und die noch viel freisinnigeren lind größeren Staatsmänner von 1848 es herabgedlückt haben, nämlich, ob cö maaßlos unterworfen bleiben darf der Zerstückelung, der Verschuldung und dem Römischen Erbrechte, — ob es ferner behandelt werden soll wie ein Stück Geld, welches in raschem Ilmlaufe aus Hand in Hand geht aus das leichteste in Groschen aufgelöst wird, oder wie ein Stück Tuch, welches bestimmt ist, in Ellen zerschnitten zu werden, — endlich ob die harten revolutionären Dispositions-Beschränkungen, im Interesse der 48er Ideale, noch ferner auf der freien vaterländischen Erde lasten dürfen. DaS Deutsche Recht, welches Gemeinschaft und concrcte Freiheit athmet, in der Entfaltung, die dem neunzehnten Jahrhundert gemäß ist, wieder hcrzustcllcn aus dem Lande, statt des abstrakten, unbarmherzigen, separircndcn, romanisirenden und französirenden Lieberalismus, —das ist unsere nie aus den Augen zu verlierende Aufgabe. —- Als unentbehrliches Organ der angedeuteten Reformen erscheinen die ständischen Institutionen, das Zu- wortekommen aller Stände nach Maßgabe ihrer Selbst
ständigkeit und Bedeutung — und somit die Beseitigung des Vorurtheils, als stünden die wahren Interessen der Ritterschaft, Städte und Bauern sich feindlich gegenüber. — Ferner gedenkt der Rundschauer des Verhältnisses der alten Gliedmaßen Preußens zu seinen März- Metamorphosen : der Stände zu den Kammern. Die Regierung habe den endlichen Sieg über den 11. März 1850 und, was dasselbe ist, über die Revolution, erst dadurch gewonnen, daß sie 1851 mit fester und kühner Hand auf die Stände zurückgriff, obgleich die Stände cs waren, welche damals das Vaterland in den französischen Liberalismus hineingedrängt und sie selbst im April 1848, kühn gemacht durch die Angst, unisono mit Camphausen hinüber über alle ständischen Barrieren und hinein in den tiefen Sumpf der Kopfzahl sprangen. Nachdem die Stände sich und das Vaterland dem Kam- merlhum vor die Füße geworfen hatten, seien es die Kammern, die conservativen Mehrheiten in den Kammern gewesen, die 1849—1851 dem Ständethum wieder auf die Beine halfen. — Diese Erfahrungen, schließt der Rundschauer, lehren, daß wir uns — wenigstens gewiß jetzt noch, vielleicht noch auf lange Zeit hinaus — sorgfältig hüten müssen m.ser Ständethum und unser Kammerthum in einander zu mengen. In dem lebendig - beweglichen , dreisten, aber auch wüsteir und windigen Partei- und Tribünen-Wesen der Kammern würde das solide, reelle, am Hergebrachten Hangende aber auch steife, mehr defensive als aggressive Ständethum verkümmern. Und in den Ständen würde die freie Geistesbewegung der Partheien, — also auch die freie Geistesbewegung unserer, der jetzt siegreichen, Par- thei — kein Raum finden. Wir würden durch diese Vermengung nicht die Kammer ständisch , sondern die Stände pseudo- constitntioncll machen. Und so hätten wir dann, statt zweier starker Männer, Einen Krüppel, dessen schwache Constitution weder den lieberalen Luftzug von unten, noch den absolutistischen von oben würde qushalten können. (Schluß folgt.)
Zur orientalischen Frage.
Der „Lloyd" meint, daß Rußland seine Zustimmung zu den bei Annahme der Vermittlnngsvorschläge von Seite der hohen Pforte gemachten Modificationen geben wird. Er erwartet, daß hierauf bezügliche Nachrichten schon am 7. Sept. in Wien anlangen. Wohlweislich, fügt dieses Blatt bei, hat sich der Divan gehütet, irgend eine Bedingung wegen der Räumung der Donau- fürstenthümer an jene Vorschläge zu knüpfen. Die Sa- lisfaclion, welche Rußland suchte und zu erlangen entschlossen war, besteht eben darin, Bedingungen vorzuschreiben, und nicht sich solche verschreiben zu lassen. Nachdem der Ehrenpunkt salvirt ist, waltet kaum ein Zweifel darüber ob, daß der Zar ein eclatantes Beispiel der Ehrlichkeit seiner Politik geben wird. Die Donaufürstcnthümer werden, ohne daß ihrer eine Erwähnung geschehen, schneller geräumt werden als wenn die Räumung zu einer Friedensbedingung gemacht worden. Das Rechte zu thun ohne Zwang und ohne Säumen, das wird der moralische Triumph sein, den Rußland sich für das Ende dieser Angelegenheit aufgespart hat. Es dürfte wohl binnen wenigen Monaten ein russischer Gesandter wiederum in Constantinopel eintreffen, und cs ist wahrscheinlich, daß er einen alten Gegner Rußlands nicht mehr an seinem Posten antreffen wird. Lord Redcliffe'S Aufgabe ist vollendet. Die Politik, welche er so lange am Bosporus getrieben, die offene trotzige Opposition, oder richtiger gesagt Feindseligkeit gegen Rußland, hat eine zu harte Schlappe erlitten, als daß ihr Träger in Stambul noch an seinem Platze wäre. Zu stolz, seine Position zu wechseln, wird ihm keine andere Wahl bleiben, als sich von derselbe» zurückzuziehen. Der bevorstehende Rückzug dieses energischen und begabten Diplomaten wird bezeichnend sein für die neue Lage der Dinge in Constantinopel. Die westlichen Seemächte werden die Türkei fortan nicht mehr zum Widerstände gegen ihren nordischen 9iad)bnr reizen. Ihre Ausgabe wird für die Zukunft sein, alle Reibungen der Pforte mit jener Macht zu verhüten, sie zu beseitigen, wenn sie eintreten, mit freundlichen Worten und milden Rathschlägen jedes Mißverständniß und jeden Streit hintanzusetzen — so lange wie dieses möglich sein wird.
Die „Kasseler Zeitung" schließt einen Artikel über die orientalische Frage mit folgenden Worten: Nähme Rußland aus den von der Pforte gewünschten Modifi- calionen Veranlassung, den dargebotenen Vergleich abzulehnen, dann läge klar zu Tage, daß eS weit mehr
zu erstreben suche, als blos den Schutz der griechischen Kirche, (denn dieser ist ja durch die türkische Note in bündigster Weise gesichert); zu gleicher Zeit wäre aber auch dadurch der Beweis geliefert, wie klug und noth- w e n d i g es Seitens der Pforte gewesen, eben solche Modificationen der Note einzuschalten. Denn diese Modificationen berühren, wie eben bereits bemerkt, die griechischen Privilegien nicht; diese bleiben unabgeändert, wie die Wiener Note sie aufstellte; die Abänderungen beziehen sich blos auf solche Nebenstellen, welche möglicherweise im Sinne einer „ p a ns l a vi sti s che n" Deutung zu Mißbrauch hätten Anlaß geben können.
Das „Journal de Constantinople" bringt in seiner Nummer vom 24. August einen Artikel mit der Ueber- schrift: „Pourquoi le difierend lurco-russe n’est pas encore lerminé,“ welcher zwei und eine halbe Spalt« des Blattes füllt. Hiernach ward der Wiener Ausgleichungsvorschlag mit den bewußten Modificationen von dem großen Rathe am 18. August versehen und angenommen; am 19. noch von den nächsten Räthen der Krone, die sich bei dem Kriegsminister versammelt hatten, dnrchgeprüft, und die hierauf bezügliche Note der H. Pforte am 20. v. M. nach Wien abgeschickt. Tie entscheidende Rückantwort von Petersburg erwartet das Journal am 13.-T-15. September zu Constantino- pel. Bezüglich der an dem Vorschläge angebrachten Aenderungen bringt dieses halbamtliche Organ folgende Andeutungen. Es wäre, sagt es, unpassend, wenn ausgesprochen würde, die Czare hätten seit jeher ihre Sorgfalt (soHicilude) bezüglich der Aufrechthaltung der Privilegien und Immunitäten der griechischen Kirche dargelegt ; im Interesse hätten die Beherrscher Rußlands in dieser Hinsicht allerdings gezeigt und zeigen können, allein jene Aufrechthaltung selbst sei das Werk und Verdienst der Sultane und liege wesentlich in ihrem Berufskreise. Gelegenheitlich der Erwähnung der Verträge von Kutschuk Kaiuardschi und Abrianopel sei von der Pforte einfach zugesagt worden, denselben treu bleiben zu rvâ», man habe um jeder unzulässigen Auslegung zuvorzukommen, eine nähere Bezeichnung derselben vermieden. Endlich sagt das Blatt wörtlich: „Die hohe Pforte will die griechische Kirche an allen Vortheilen, welche durch Se. Maj. den Sultan den übrigen Culten zugesichert worden ist, Theil nehmen lassen; allein ihr Gedanke würde schlecht verstanden, wenn man etwa sagen möchte, diese Kirche solle an allen Concessionen, welche durch Verträge anderen Glaubensgenossenschaften zugcsichert wurden oder noch zugesichert werden dürften, Theil nehmen. Verträge bestehen bezüglich der Behandlung der Fremden, es kann keine solchen mit Bezug auf die Eingebornen Heben." Die Note, in welcher diese drei Modificationen niedergelegt wurden, bezeichnet das Journal als abgefaßt in einem ernsten, würdevollen, festen und von der reinsten Vaterlandsliebe erfüllten Tone.
Deutschland.
* Wiesbaden, 6. Septbr. (Assisenverhandlung gegen Martin Oswald von Rüdesheün, wegen Brandstiftung.) Der Angeklagte wurde von den Geschworne» für s ch u l d i g befunden und von dem Assisenhofe zu einer Zuchthausstrafe von acht Jahren, so wie in die UntersuchungSkosten im Betrage von 139 fl. 9 kr. ver« urtheilt.
Außer den bereits veröffentlichten Assisenfâllen für das laufende Quartal kommen noch nachträglich folgende Anklagen zur Verhandlung:
Am 7. und 8. Sept, gegen Mathias HelSper von Nendorf, vormaligen Amtsarmen-Cassirer, wegen Veruntreuung im Dienste und Unterschlagung.
Am 9. und 10. Sept, gegen Andreas Janz und Cons, von Winkel, wegen Verletzung des OffenbarungS- eides und Betruges.
Am 12. Sept, gegen Earl Reuter von Heddernheim, wegen ausgezeichneten Diebstahls.
Am 12. Sept, gegen Ludwig Schwarz von Cob- lenz, wegen qualificirten Betrugs.
Am 13. Sept, gegen den Gemeindcdiener Christoph Plaul von Kiedrich, wegen Fälschung.
Am 14- Sept, gegen die Ehefrau des Wilh. Gatti n g e r von »Wiesbaden, wegen Schriftfälschung.
(Die beiden letzten Fälle werden nur von dem As sisenhofe ohne Zuziehung der Geschwornen abgeurtheilt.)
* Wiesbaden, 7. Sept. (Assisenverhandlung gegen Mathias H c l s p e r aus Neudorf, wegen Veruntreuung im Dienste.) Mathias Helsper ist angeklag^ daß er als Amtsarmeneasster des Amts Eltville ihm anvertraute Gelder des Armenfonds zu Eltville, Erbach , Hattenheim, Niederwalluf, Rauenthal zusammen