als unbedeutend. Jetzt sind eS die Engländer und Franzosen, welche den dortigen Markt beherrschen. Die neuen Maßregeln, welche eben jetzt im Zuge sind, dürften aber auch Oesterreich daran Theil nehmen lassen.
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Paris, 31. Aug. Die orientalische Frage ist in den letzten Tagen fast ganz in den Hintergrund getreten. Man unterhält sich gegenwärtig nur noch von der Gc- treide-Frage, die jeden Tag ernster zu weiden droht. Wohl unterrichtete Personen versichern zwar, daß keine ernstlichen Besorgnisse vorliegen. Das Publicum glaubt aber nicht daran, da die Frachtpreise, die schon sehr hoch stehen, noch jeden Tag steigen. In den Departements scheint diese Frage sogar zu ernsten Verwickelungen Veranlassung geben zu wollen. Die Aufregung, die überall herrscht, hat sich sogar schon in Neunes in Zusammenrottungen Lust gemacht. Die Lage der Dinge scheint so bedenklich zu sein, daß die Regierung daran denkt, ernstliche Maßregeln zu ergreifen. Man versichert, daß der Kaiser heute von Dieppe nach Paris gekommen ist, um dem Ministerralhe zu präsidiren. Eine tele graphische Depesche hatte ihm die Zusammenrottuiigeu in Reuucs gemeldet. Die Börse war daher unter diesen Umständen sehr flau. Alle Course sielen, und man schloß beinahe zu den nämlichen Conisen wie am letzten Montage. — Der Gemcwdciath von Paras hat einen merkwürdigen Beschluß gefaßt. Er hat nämlich bestimmt, daß von morgen ab der Eingangszoll auf Holz verringert, der auf Steinkohlen aber verdoppelt wird. Durch diese Maßregel werden die großen pariser Fabrikanten bedeutenden Schaden erleiden. — Aus dem neuen Unternehmen deS Hrn. MirëS dem so genannten landwirlh- schaftlichen Credit von Marseille und Nevers, scheint nichts werden zu wollen. Dasselbe soll sich keineswegs der Gunst des Kaisers erfreuen. Schon jetzt hat man die Ankündigung desselben in den Annoncen verboten. — Man liest im Brester „Ocean" vom 29. August: Die Ocean-Flotte, welche heute in die See stechen sollte (nm sich nach Dieppe zu begeben), hatte am Samstag Gegenbefehl erhalten. Man versichert uns, daß ihr ein neuer Befehl zugckommcu ist, sich bereit zu halten, in die See zu gehen.
Herr Amedoe de Ccscna ist gestern verhaftet und und nach Clichy abgeführt worden. Man sagt, daß sein Gläubiger ein Belgier ist. der unerbittlich geworden, seit Hr. Cesena die Flugschrift gegen die Hcirath deS Herzogs von Brabant unter seine Flügel nahm.
Briefe auö Malta vom 25. August melden die Ankunft einer österreichischen Fregatte in diesem Hafen, welche zur Verstärkung der österreichischen Levantc-Sta- hMt bestimmt ist, die. gegenwärtig bereits aus 5 Kriegsschiffen besteht. Es hegibt sich jene Fregatte nach Smyrna.
Schweiz.
Mus der Schweiz, 31. Aug. DaS Bündner Tagblatt bringt folgende wohl noch der Bestätigung bedürfende Nachricht: Dieser Tage wechselte Mitter Torelli als Specialabgcorductcr Pienio ts mit den Regierungen Bündnis die urkundlichen Erklärungen, daß die Lukmauierkautone und Sardinien den Staatsveetrag von 1847 von Neuem bekräftigen, wobei Sardinien noch ausdrücklich und auf das feierlichste zusichert, daß alle seine Snbstdien, beschlossene und noch zu gewärtigende, ausschließlich nur einer Alpenbahn über den Lukina ui er und nie einer über thu Gotthardt gelten werden. Diese osficiclle Erklärung ist vom König Victor Emanuel eigenhändig unterzeichnet. Regierungsrath Curti von St. Gallen war ebenfalls in Chur, um diese neuen Actenstücke auszuwechselu. Ritter Torelli wird sich zu gleichem Zweck nach Tessin begeben. — Nach demselben Blatte ist die erste Section der Südostbahn (Eisenbahn von Rorschach nach R.chpcrSwyl bis Chur) als förmlich gesichert anzusehcn, Mb st wenn Tessin die Lukmanierconcession einstweilen noch nicht ertheilen wollte.
Apan-en.
Madrid, 29. Aug. Ein königliches Decret verbietet die Einbringung und Circulation der englischen Zeitung Times, in der ganzen Ausdehnung der spanischen Monarchie. (Der Anlaß dieses Verbotes dürfte Besprechung der zwischen Gen. Lersuudi und dem Lord Hoyden gepflogenen Unterhandlungen über die Errichtung eines protestantischen Begräbnißplatzes sein, die zu einer bedeutenden Verstimmung zwischen den beiden Cabineten geführt haben.)
Großbritannien.
London, 31. Aug. Com. Schröder vouderpreuß. Fregatte Gefion besuchte gestern den Neptun, daS Flag- geuschiff des Wirklichen Admirals Fanshaw. Er wurde durch das Aufziehen der preußischen Flagge und mit 9 Kanonenschüssen begrüßt, worauf die Amazone mit 11 Schüssen dankte.
Lord Palmerston hat in Melbourne (in Derbyshire), einer durch seine Frau ererbten Besitzung, in voriger Woche wieder ein Meisterstück von einer Rede bei der Gründung des kleinen Athenäums daselbst gehalten. Dieses Athenäum, wird eine Kleinkinder-Bewahr-Anstalt, ml Lesecabinet für die arbeitenden Klassen und eine Sparkasse in sich vereinigen, und der Lord wußte seinem Auditorium viel schöne Sachen von derlei Instituten zu erzählen. Alle Anspielungen auf die auswärtige Politik und seine eigene Stellung wußte er mit einigen Re
densarten geschickt zu umgehen, und gönnte sich und seinen Zuhörern bloß die selbstgefällige Bemerkung, daß unter seiner früheren Amtsführung England von aller Welt sehr gefürchtet und respectirt wurde. Er sprach schön von Eisenbahnen,elektrischen Telegraphen, Büchern, Kinder-Erziehung, Wissenschaften, alten und neuen Erfindungen, von der Buchdruckcrkunst, dem Schießpulver, den schönen Frauen von Derby u. s. w., daß des Beifalls kein Ende war.
Jta'uii.
Turin, 24. August. Der Kriegsminister hat ein Rundschreiben erlassen, durch welches die vor dem Jahre 1848 bezüglich der Militärpflichtigkeit zu Gunsten der „Brüder der christlichen Schule" (Fratclli della Scuola cristiana) bestandenen Normen aufgehoben und diese gleich allen andern rekrutirungspflichtig sind. Die „Armenia" und andere Blätter tadeln diese Verfügung um so mehr, als sie, obwohl von der Zweiten Kammer an- genommen, doch weder die Zustimmung des Senats, noch die Sanction dcs Königs bisher erhalten hat.
Russland.
In Odessa sind alle Magazine mit Waizen, Roggen, Gerste und Hafer augefüllt. Es werden Verladun- gen nach fast allen Ländern Westeuropa's vorgenoinmen. Die meisten Ankäufe sind für Rechnung der französischen Regierung geschehen. Am 19. August war der Mmel- preis eines Hecwliters (50 Maaß) Waizen 14 Fr. 28 Cent. (6 fl. 40 kr.) und der des Transports 9 Fr. (4 fl. 12 kr.) — Unlängst wurde dort ein ganz neues Magazin von der Wucht des aufgespeichcrtcn Getreides eingedrückt. Von vierzig Arbeitern, die in demselben mit Schaufeln des Walzens beschäftigt waren, retteten sich die meisten, indem sie durch die offenen Fenster aus die Straße sprangen; drei derselben wurden jedoch von den hcrabstürzendcn ungeheuern Lasten zerschmettert und konnten erst am folgenden Tage als Leichen her- vorgezogen werden.
Türkei.
AuS der Herzegowina, 12. August. (Lloyd.) Die Mifjid-er und die Grähovianer machen sich jetzt factisch unabhängig von den Türken. Die Häuser werden von den Geldern des Fürsten Danielo aufgebaut, die Felder bearbeitet u. s. w. Die Türken schrieben jüngst den Grahovianeru, sie sollten doch den Harac entrichten, worauf ihnen der jetzt in Grahovo befindliche Bruder des Fürsten der Cernagora, Mirko, zur Antwort gab, sie hätten da nichts zu befehlen, und wollten sie den Harac haben, dann möchten sie ihn holen, an einem entsprechenden Empfang würde man es nicht fehlen lassen. — Nichts würde sowohl von den Montenegrinern als den Grenzbewohnern der Cernagora so freudig begrüßt werden, als der'erste Kanonenschuß an der Donau; noch nie war die Stimmung gegen die Türken so gereizt wie jetzt.
Belgrad, 22. Aug. Man spricht davon, daß der ehemalige Minister Garaschanin in den ersten Tagen des nächsten Monats hier wieder eintreffen werde. — Heute macht folgender Vorfall hier großes Aufsehen. In Semendria wurde vor einigen Tagen ein Reisender ungehalten, bei welchem man viele aufreizende Schriften gegen den regierenden Fürsten Alexander und den Sultan fand. Diese Schriften waren in serbischer Sprache und ohne Angabe eines Drnckortes. Der Verhaftete, über dessen persönliche Verhältnisse bis jetzt noch volles Dunkel schwebt, wurde hierher gebracht und heute unter starker Escorte in das Lager nach Schumla zu Omer Pascha abgeführt.
Smyrna, 15. August. Die hiesige griechische Bevölkerung, wie die des ganzen Orients und auch die Griechenlands selbst, nimmt großen Theil an dem Ausgang der orientalischen Frage und hofft auf Befreiung von dem türkischen Joche. Zahlreiche auch hier verbreitete Fluchblätter in griechischer Sprache reden von dieser Hoffnung mit allerlei phantastischem Beiwerk. Diese Stimmung hat, wie der „N. Pr. Z." geschrieben wird, auch der berüchtigte Räuber Jani Katharchi (Johann, der Wegweiser) benutzt, her mit seinen 8 bis 10 Raubgesellen noch in diesem Augenblick die ganze Stadt von 150,000 Einwohnern so sehr in Schach hält, daß sich kein Bewohner ohne starke Begleitung 100 Schritt vor die Thore wagt. Um die Sympathien der griechischen Bevölkerung für sich zu gewinnen, hat der Räuber erklärt, daß er gekommen sei, um gegen die Türken und ihre Verbündeten zu fechten, und daß er jedem Engländer und Franzosen, der 4u seine Hände fällt, den Bauch aufschlitzen und ihn mit Taback ausstopfen werde!! — Die Griechen sehen in ihm einen ihrer Palikaren, und die halbe Bevölkerung steckt Mit ihm unter einer Decke, auch weil er das Geld eben so schnell ausgibt, wie er eS erwirbt. So bezahlte er vor einigen Tagen — denn er soll fast täglich hier in der Stadt sein — eine Tasse Kaffee mit einer Guinee. Eö ist ein höchst gemüthliches Schauspiel — mir wurde eS gestern Nachmittag zu Theil — die türkischen Kbawassen auf einem Streifzug gegen den Räuber auswandcru zu sehen. Ein Haufen von 16 abenteuerlich auösehenden Gesellen in den buntscheckigsten Trachten, Mohren, Türken, Araber, mit der mannichfachsten Bewaffnung und in einer Haltung, die an Shakespeare'S Figuren erinnert! — Der neue Pascha hat zwar sogleich erklärt, die strengsten Maßregeln gegen Jani ergreifen zn wol
len ; er rechnet aber vorläufig auf seine freiwillige Ge^ stellung, indem er dem Räuber das Versprechen gibt, ihn zum Anführer der Polizeisoldaten zu machen. — Nach der „A. A. Ztg." unterhandeln im Geheimen die reichen Griechen der Stadt für Mani Katerdschi, um ihn an die Spitze eines Palikarencorps zu stellen, welches die Griechen zu Hülfe rufen könnten, falls die fa- nakisirten Türken etwa die Scenen von 1823 zu erneuern die Miene machten. — Nach d. Bl. hat der ruff. Consul in« Smyrna Befehl erhalten, sich reisefertig zu machen. — Man sagt, daß die verbündete Flotte nach Smyrna abgehen werde, wenn aus der Einfahrt in die Dardanellen nichts wird. Außer dem Südwind, der sie beständig Gefahren aussetzt, wie sie den Friedland betroffen, werden ihre Mannschaften durch das tödtliche Klima hinweggerafft. Auf der englischen Flotte zählt man bereits 2 Capitäne und 4 Offiziere die unterlegen, während auf der französischen Flotte nur Matrosen Opfer der Krankheiten wurden. Es fehlt an Wasser, und das wenige, welches man findet, ist schlecht. Lebensmittel sind kaum zu bezahlen, und nur wenig frisch vorhanden. Mad’ften Sonnabend geht das österreichische Geschwader naw Syrien und Aegypten ab. — Die preußischen £ fasere, welche noch in der türkischen Armee dienen, haben es vorgezogen, sich nach den asiatischen Piovinzeu versetzen zu lassen, was natürlich von den Engländern und Franzosen sehr ausgebeutet wird. — Der Dampfer aus Beyrut hat traurige Nachrichten für die Pforte aus Syrien gebracht. Neue Unruhen und Aufstände sind dort an der Tagesordnung.
Das „Journal de Constantinople" bringt einen Bericht über das Bankett, welches Admiral Dundas den Gouverneuren der Dardanellen gab. Admiral Dunda- pries die Einigkeit zwischen den Regierungen von Frankreich und England, durch welche sich die Sicherheit des osmanischen Reiches und die Wohlfahrt der Unterthanen Sr. Maj. des Sultans befestigen werde. Die Rede des französischen Admirals Hamelin war ohne alle politische Anspielungen und enthielt nur den Dank für die Sorgfalt und Aufmerksamkeit, mit denen man — dem lecken „Friedland" begegnete.
Rmerica.
New-Uork, 20. Aug. Die Vorschläge der britischen Regierung zur Schlichtung der Fischerei-Dimeren- V» sind bekannt geworden und bestehen in folgenden: a) freie Schifffahrt auf dem Lorenzflusse; b) Schiffen, die in den Colonien gebaut wurden, ein Register zu gestatten, in der Weise, wie England es americanischen und anderen fremden Schiffen gestattet (soll vom Cabi- net abgelehnt worden sein, weil nur der Kongreß über diesen Punct entscheiden kann); c) das System der Prämien für britische Fischer abzuschaffen (abgelehnt, weil England sich in dieser Frage, als einer inneren, nicht einmijd^n soll); d) britische Schiffe sollen in den atlantischen Staaten frei nach Kalifornien verladen dürfen (abgelehnt, weil man in Bezug auf Küstenschifffahrt für Kalifornien dieselben Gesetze beibehalten muß, die in den übrigen Staaten der Union gelten); e) die Aufhebung des Eingangszolles auf Fische, die in Colonial- Schiffen eingeführt werden. Gegenseitig gleicher Der- kehr in gewissen Artikeln mit den Provinzen, z. B. in den speciellen Producten einer jeden einzelnen (dieser Punct winde als nicht allgemein genug zurückgewiesen). Die englischen Proposilionen, gegen deren Annahme man den americanischen Fischern die britischen Gewässer in Nord-America freigegeben hätte, sind somit verworfen, und cs ist jetzt die Reihe au dem Staats Secre» târ Marcy, seinerseits dem britischen Bevollmächtigten Vorschläge zu machen.
Karlsruhe, 1. September. Bei der heute hier stattgehabten 17 Gewinnziehung der großherzoglich badischen 50 fl. Loose vom Anlehen 1840 haben nachfolgende Nummern die dabei bemerkten Hauptgewinne erhalten: Nr. 41134 35,000 fl., Nr. 14081 10,000 fl., 77938 5000 fl , Nr. 86934 3000 fl., Nr. 25207, 60178 jede 1500 fl., Nr. 25276, 41107, 86928, 86938 jede 1000 fl
Mainz, 2. Sept. Marktbericht. Nach langer Aufregung nahm endlich diese Woche über daS Geschäft einen ruhigeren Charakter an. Veranlassung dazu waren die niedrigen Notirungen von Straßburg und des ganzen Oberrheins, wodurch Käufer sich nach und nach vom Platz entfernten und Preise dadurch um circa fl. 1 74 per Sack bei Waizen nachgeben mußten. Bei Korn war der Rückgang weniger bedeutend, da der Preis desselben auch nicht in dem Grade die Höhe erreichte, wie verbältnißmâ« ßig Waizen. Zu notiren ist bei schwachem Umsätze: Waizen eff. fl. 15% ä %, pr. Oct Nov. neuer fl. 15% , gut lieferbar fl. 15, pr. März neuer fl. 16, gut lieferbar fl 15%. Korn fl 11 â fl 11% pr. Oct. Nov. fl. 11 %, pr. März fL 11 % ä %. Gerste fl. 11 a fL 11%. Hafer fl. 4%. Rüböl in fester Tendenz, aber ohne starken Umsatz eff. Rthlr 41, pr. Oct. ReichSihlr. 41 ä %, pr. Mai Rthlr. 41% â Rthlr. 42. Kohlsamen fl. 16 â fl. 16%. Mohnsamen st. 18 , %. Mohnöl fl. 32 pr. 50 Kilogr. ohne Faß. Hülsenfrücht» noch ohne Geschäft. ________
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