Nassauische Allgemeine Zeitung.
TV»; Vox Samstag de« 3. September isss.
®k Naffaulsâie Allgemèitdc Mt«»a" mit dem belletristischen Beiblatt „Der Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, täglich und beträgt der PränumerativnSpre7s für Wiesbaden und , nach dem nenen Postregntai^r . :nmehr auch är den Namen Umfang des rvnrn- und TariS'fchen «erwaltungSbeztrkS mit Inbegriff des PostanfschlagS 2 fL, für die übrigen Länder des demsch-österreichifchen PostnereinS, wie für das Ausland 2 ff. 24 fr. — Inserate werden : r N erspalng ^etifjrile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. — Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung non â Friedrich, Langgaffd 42, auswärts bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.
Jur orientalischen Frage.
»Während die „N. Pr. Z." an bevorzugter Stelle die feste Ueberzeugung ausspricht, daß Rußland zur Räumung der Donaufürstenthümer entschlossen sei und die russischen Truppen in der Moldau und Walachei nicht überwintern werden, spricht die „Presse", vielleicht gestützt auf die vorgestern erwähnte Behauptung der „Zeit", die entgegengesetzte Ueberzeugung aus. Sie sagt in einem Schreiben auS Bukarest vom 22. Aug. Die Spannung über den AuSgang der türkisch-russischen Differenz hat in den letzten Tagen bei uns ihren Höhepunkt erreicht; und erst seit gestern, wo bestimmte Stativ richten aus Konstantinopel hier eingefallen sind, ist größere Beruhigung eingetreten. Die Pforte hat , wie - zu erwarten stand, nach kurzem Schwanken den in Wien vereinbarten Vcrmittclnngsvorschlag a n g e n o m m e n und nur einige unwesentliche stylistische Abänderungen verlangt. Es ist zu hoffen, daß diese Abänderungen von Seite des Kaisers Nikolaus und der Großmächte gebilligt werden dürften. Wie man hier wissen will, hat die Pforte die Unterzeichnung der Note von der Räumung der FürOe n lhü m er abhängig gemacht, eine Bedingung, welche noch vor Kurzem leicht alle Bemühungen der Diplomatie hätte scheitern machen können, welche aber jetzt, nuc, man hier allgemein annimmt, keineswegs mehr in diesem Lichte angesehen wird. Dadurch, daß man der Pforte Monate lang Zeit gelassen, ihre Rüstungen zu vervollständigen (sie hat bis jetzt 100,000 Mann an der Donau bereit stehen), befindet sich die Türkei gegenwärtig in der günstigeren Lage, ihre Forderungen in dieser Beziehung mildern zu können, ohne ihrem Ansehen etwas zu vergeben, Rußland aber kann die Donaufürsieutbü- mer jetzt kaum räumen und die Ungunst der herbstlichen Witterung in nächster Zeit dürfte den völligen Rückmarsch wirklich unmöglich machen. Die Pforte aber braucht jetzt zur Wahrung ihrer Unabhängigkeit die Unterzeichnung der Note keineswegs von einer Bedingung abhängig zu machen, deren Erfüllung in diesem Augenblick unmöglich ist. In der That versichert man hier in gut unterrichteten Kreisen, die Psorte verlange nicht die augenblickliche Räumung der Fürstenthümer, sondern nur ausreichendere Garantien, daß Rußland weiter keine Eroberungspläne im Schilde führe. Diese Garantien sollen darin bestehen, day der Czaar die Truppenzüge aus dem Innern- von Rußland nach den Donaufürstenthümern cin- stelle, die Russen vorläufig die Walachei räumen und Fürst Gortschakoff mit seinem Hauptquartier in Jassy überwintere. — Aehnlichcs schreibt Man der „A. A. Z." v o n' d c r polnischen Grenze. Wir ha- ben seiner Zeit über die Vorbereitungen der Russen zum Einmarsch in die Donaufürstenthümer berichtet, und glauben, daß gewisse Veranstaltungen namentlich in Po- doliett, wo das Standquartier jener Truppen war, geschehen müßten, wenn man auf baldige Rückkehr schließen dürfte. Allein von solchen -Anzeichen ist in der Nähe des Pruth und Dniester bis jetzt (Ende August) nichts zu sehen, und es werden jene Gegenden fortwährend von den nachgerückten Truppen des 3. und 5. Ju- fanteriecorps besetzt gehalten. Die mobil gemachten Reserven stehen noch immer auf dem Kriegsfuß, und von den zahlreichen Generalen und Offizieren, welche dem Fürsten Gortschakow zur Verfügung gestellt wurden, sind noch keine zurück. Es ist daher gewiß, daß die Räumung der Donaufürstenthümer nicht jo nahe bevorstehend ist, wie einige glauben.
Nach einer Korrespondenz der „A. A. Z." aus Du- jukdere ist cs namentlich Oesterreich, welches unter allen Umständen die Erhaltung des Friedens erstrebt und zur Erzielung des günstigen Resultates der vom 16. d. bis zum 19. gepflogenen Berathungen am meisten thätig war. Lauer erscheinen Frankreich und England in der Unterstützung der gemeinsamen Vorschläge. Preußen endlich steht der ganzen Angelegenheit ziemlich fern. Die Kriegspariei im Pfortcumi- nisterium hätte offenbar weniger Macht, und es wäre leicht, sie durch einen partiellen Cabiuetswechsel einflußlos zu machen, wenn sie nicht einen gewaltigen Nachhalt in den Massen besäße und Lust zeigte, sich unter Umständen desselben zu bedienen. Haupt dieser Partei ist Mehemed Ali Pascha, Großwessir zur Zeit des montenegrinischen Krieges, gegenwärtig Kriegsmi- usster. Mehemed Ruschdi Pascha, sein Vorgänger im jetzigen Amte und augenblicklich Commau- deur des Gardecorps, hält Hart an seiner Seite. Mehr zwischen den Extremen zu vermitteln sucht Achmed
Fethi Pascha, der Großmeister der Artillerie. lVon den drei Genannten ist Mehemed Ruschdi Pascha ohne Frage der begabteste. Insbesondere ist er ein Meister in der Intrigue. Fein, gemessen, von maßvollem Ehrgeize, und nicht ohne Popularität. Dagegen stützen sich die dem Frieden sich zuneigeude» Minister auf den auswärtigen Einfluß. Sie genießen dabei den Vortheil, daß der Sultan selber ihrer Ansicht ist, und vielfacher Bemühungen ungeachtet nicht zu der entgegengesetzten Ansicht umgestimmt werden konnte. Ungeachtet dieser Partei-Zerklüftung im Schoße des Ministeriums ist diesem Kabinette ein Gefühl gemeinsam: das nämlich des tiefen Un w il l ens gegen F rankrei ch und England, welche Mächte dem einstimmigen Urtheile nach kaum den Vorwurf einer zweideutigen Politik von sich werden abwehren können. Nicht zu rechtfertigen scheint es im Besonderen, daß man die Pforte zu einer Ueberspanuutig ihrer Kräfte anfgcrcizt, wie sie die Rüstungen unfehlbar mit sich bringen werden, ohne ihr im voraus die Grenze zu bezeichnen, bis zu welcher sie auf Beistand zu rechnen habe. Solche Umstände sind natürlich ganz geeignet, um dem ösierr eich is ch e u Einfluß ein weites Feld zu öffnen uni) in dieser Hinsicht ist Herr v. Druck zu bedeutungsvoller und glücklicher Stunde erschienen. Es ist bemerkcnswcrtb, wie er seine Ansgabe, den Frieden festzustellen, auffaßt. Nicht die Männer, welche dasselbe Princip vertreten, sondern diejenigen der Kricgspartci sind cö, mit'denen er zu dem Ende Berührungen sucht. Der Calcul, welcher diesem Verfahren zu Grunde liegt, ist offenbar richtig. Außerdem sind gerade die beiden kaiserlichen Schwager (Achmed Fethi und Mehemed Ali Pascha) und Me« Hemed Ruschdi Pascha, weil sie dem englischen und französischen Interesse abgeneigt sind, die geneigtesten Persönlichkeiten, bei denen die Sprache und Willensmeinung des Wiener Kabinettes Anklang finden möchte.
Briefe der „Tr. Ztg." melden, bei der Annahme der Wiener Ausgleichungsvorschläg habe zuletzt wesent lich und maßgebend der Wille des Sultans entschieden und ungeachtet einiger auf Verwerfung abzielcndcr Rathschläge seien die bewußten Modificationen von ihm selbst angcordiwt worden, die in Petersburg wohl keinen Anstoß erringen werden, da, wie ein Wiener Korrespondent der N. Pr. Ztg. behauptet, alle jene Forderungen, welche in dem ursprünglich von dem Fürsten Mcnczikoff übergebenen Ultimatissimum enthalten waren, zugestanden wurden, die Modificationen daher nur die Form berühren , übrigens aber auch nicht als ein Ultimatum anzusehen sind, indem die definitive Uebercinkunft erst in St. Petersburg getroffen werden wird, und zwar im Wege dircctcr V e rha n d luu gen zwischen dem Grafen von Nefselrode und deut Gesandten, welchen die Pforte zu diesem Ende mit sehr ausgedehnten In- strnctionen nach St. Petersburg zu senden bereit ist.
Unlängbar, fv schreibt man der „A. A. Z.", erleidet die schließliche Beilegung der türkisch - russischen Zerwürfnisse durch die in Konstantinopel erhobenen Einwände einen neuen Aufschub, und ein Berliner Blatt ,(dic Zeit) hat sicherlich nicht Unrecht, wenn cs die ganze Angelegenheit wieder in eine Lage gebracht sicht, in welcher die Entschließung Rußlands von Neuem vollständig offen sei. Sollte das Petersburger Eabinet die vom Sultan gemachten Abänderungsvorschläge nicht billigen, so ist man in politischen Kreisen Berlins der Meinung, daß alsdann die vier in Wien vereinigten Mächte in Konstantinopel ihren ganzen Einfluß aufbieten würden, um Seitens der Pforte die unveränderte Annahme des VermiMungSentwUrfs zu erwirken. Man glaubt dazu Grund in dem Umstand zu finden, daß die Natur jeder übernommenen Vermittlung auch den Wunsch in sich schließt, von beiden streitenden Theilen die zur Beilegung des Zwiespalts angegebenen Mittel genehmigt zu sehen, wozu im vorliegen-Fall noch das gewichtige Interesse kommt: eine Uebercinkunft herbe i- zuführen, deren einzelne Bestimmungen in ihrer Durchführung und Auslegung unter der Bürgschaft der zum Vermittlungswerk znsammengetrcteucn vier europäischen Großmächte stehen. Es ist dieß die Ansicht, die wir seit drei Tagen aussprechen.
* Wiesbaden, 2. Septbr. (Assiscuvcrhaudlung gegen Christian Walz, dessen Sohn, Philipp Jacob August und Martin Falkeumeyer quS Winkel, wegen ausgezeichneten Diebstahls.) Philipp Walz jun. und Martin Falkeumeye r sind angeklagt, am 2. Januar l. J. in das Haus des Bürgermeisters Fiscker in Winkel eingestiegen und aus einem in der Schlaf
stube desselben stehenden von ihnen gewaltsam geöffne- ten Schreibpult 20 preußische doppelte Fried-ichsd'or; 400 fl. Gold, darunter wenigstens 5 neue Dncatcn mit einem doppelten Adler, der Rest in Holländischen. Zehnguldcnstücken und doppelten Friedrichsd'or verschiedenen Gepräges , zusammen in einem Pappendcckelkäst- chen von rötlicher Farbe ; 30 fl. in Sechsbätznern, in ein -blaues Tabakspapicr gewickelt; 60 fl. in Kroutha- lern und Sechsbätznern in einer Düte von grauem Maculaturpapier; 40 fl. in Sechsbätznern und SechS- telthalerstücken; 420 bis 440 fl. in Kronthalcru, Gu'- denstücken, mehreren Rollen Sechsbätznern und in preuß. Thalern und nassauischen Guldcuscheinen; in einem runden geflochtenen 6"—7" im Durchmesser haltenden 4" hohen Körbchen 9 bis 10 fl. in kupfernen Kreuzern und in eine Düte gewickelt, 6 bis 7 fl. in silbernen Kreuzern ; 4 fl. in Groschen; 15 bis 20 fl. in silbernen Kreuzern ; 3 holländische 10 fl. Stücke; einige prcuß- Thaler und mehrere Guldenstücke; ein mit fünf rothen Siegeln versehener Brief mit der Adresse „Herrn Bürgermeister Fischer in Winkel" enthaltend: 555 fl. in Scheinen mit diesem Belage; einen auf Adam Kilran zu Winkel sprechenden Kaufbrief gestohlen zu Haben- Christian Walz ist beschuldigt, daß er wahrcnd dessen auf der Straße Wache gestanden habe. Chr. Walz steht in schlechtem Ruf; er wird als dem Trunk ergeben, als schlechter Haushälter geschildert, es wird ihm vor- geworfcn, daß er die Erziehung seiner Kinder vernachlässige und dieselben noch in ihrem schlechten Treiben bei ihren Diebstählen durch Verheimlichung derß entwendeten Sachen unterstütze. Er hat Gefängnißstrafe» wegen Theilnahme an Diebstahl und wegen Widersetzlichkeit gegen einen Landjägerwachtmeister überstanden; dessen Sohn Philipp August hat wegen Diebstahls eine Correctionshausstrafe von einem Jahr und sonst Ge- fäugnißstrafen überstanden; gegen Falkeumeyer ist bis jetzt nur eine Arrcststrafe wegen Schlägerei verhängt worden. Die Angeklagten längnen die Vcrübnuq des Diebstahls.
Die Verhandlung leitete Assiseuprâsident Trepka, als Staatsanwalt fiingirte StaatSprocurator - Substitut Flach, als Vertheidiger Procurator Cramer.
* Wiesbaden, 3. Sept. Nach dem „M. I." hat Sc. Maj. der König von Württemberg bei seiner 'letzten Anwesenheit dahier auch die katholische Kirche in ihrem Innern in Augenschein genommen; cs gefiel dieselbe Sr. Majestät so sehr, daß sich der König einen Kvstenübcrschlag über dieselbe unfertigen ließ. Die Kirche kostet bis jetzt circa 180,000 fl. Zum Ausbau her Thürme würden noch weiter circa 50,000—60,000 Gulden erforderlich sein.
Im Monat August 1853 wurden aus dcr TanunS- Eisenbahn, ausschließlich dcr MilitärtranSporle, 118,243 Personen befördert. Die Einnahmen betrugen während dieser Zeit 77,855 fl.
* Das hcrzogl. Kreisamt RüdeSheim hat in Bezug auf die Concessioni: nug der Fruchtbaudler und Frucht- mäcklcr eine ähnliche Verordnung wie das herzogliche KreiSamt Wiesbaden erlassen. In derselbcn wird darauf feingebeutet, daß sowohl in dem benachbarten Auslande, als in den anstoßenden herzoglichen Kreisämtern ähnliche Controlmaßrcgcltt angeorbnet sind.
□ Dillenburg, 29. Aug. (Assiseuverhandlung gegen Catharine Strommer ans Hirzenhain, Amts Dillenburg wegen ausgezeichneten Diebstahls.) Präsident: Hr. HofgerichtSrath.von Bierbrauer, Staatsanwalt : Substitut Schröder, Vertheidiger : Hr. Procurator Schenck. Catharine Strömmer circa 40 Jahre alt, ledigen Standes ist angeklagt mehrere Laib Brode und sonstige Lebensmittel mittelst Eiustcigeus in einem Nachbarh.mse entwendet zu haben. Die Au- klagte gesteht das ihr zur Last gelegte Verbrechen in allen Stücken ein, und erzählt die Art und Weise wie sie dasselbe vollführt, höchst ausführlich, woraus zu entnehmen ist, daß sie dabei eine besondere Kühnheit und Verwegenheit an Tag legte. Der Leumund der Angeklagten ist ein schlechter. Des Verbrechens schuldig erklärt, wird sic von Dem Gerichtshof zu einem Jahr CorrectionshauSstrafe und zum Ersatz der entstandenen Kosten verurkheilt.
□ Dillenburg, 30. Aug. (AMenverhandlung gegen Priester Anton Müller aus Mariarachdorf Amts SelterS, und Christian Schmidt aus Dernbach, Amts Montabaur, wegen Entweichumz aus dem Amtögcfängniß im Komplott.) Die Verhandlung leitet Hr. HofgerichtSrath von Bierbrauer, als Staatsanwalt fungirt Hr. Substitut Schröder, als Berthe'- biger Hr, Procurator Brau n. Von den Angeklagten