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Nassauische Allgemeine Zeitung.

E TOK. Freitag de« 2. September 1833.

Die NiissamsLkklTßemtine Zeit»»«" mit bem belletriRisdxn BeiblattDer Waaderer" erscketNt,.Soa!staqS^ au»nen»mmen, tätlich und betrat der PränumerationSpreiS für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregnlaiiv»»»»lehr auch ür den aanzen umf««R des Lburn- und TariS'fchrn BerwattunqSbegikS mit 3»b<«nff des Poiraufschla«« 2 ff., für die übrigen Länder des dentsch-österreichischen Postnereips, wie für das Ausland 2 ft 2t fr. Inserate werden'die Vierspaltix Petitzeile oder deren Raum mit 3 tr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W, Friedrich, Langgaffc 42, auswärts bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

/ür Auswaudeuâ

Aus dem letzten Monatsbericht des Centralvereins für deutsche Auswanderung und Colonisation in Berlin entnehmen wir Folgendes:

Die Auswanderung, welche mehrere Monate laug nachgelassen hatte, beginnt in neuester Zeit wieder zu wachsen. Bei Weitem der größte Strom der Auswan­derer geht noch immer nach den nordamerikanischen Frei­staaten. Hier ist wegen vieler in Angriff genommener Eisenbahn- und Canal-Bauten zwar kein Mangel au Beschäftigung für die an grobe Handarbeit gewohnten Einwanderer gewesen, dagegen wird es bei der steigen­den Coucurrenz immer schwieriger, auf andere Weise sein Unterkommen zu'finden. Von den deutschen Ge­sellschaften zu New-Asrk und New-Orleans wird mehr als je über die schlechte Behandlung und Beköstigung der Passagiere auf den von Liverpool expedirtcn Schif­fen geklagt und hervorgehobeu, daß trotz des neuen in England publicirtcn Passagiergesetzes die Mißbräuche auf der liverpooler Linie nur zu- anstatt abgcnommen hätten. Dem Central^Berein ist gelungen, die Wirk­samkeit der brasilianischen Werbeagenten, welche die deutschen Auswanderer nach den Plantagen der brasi­lianischen Pflanzer oder nach der entlegenen Colonie Santa-Cruz zu verlocken gesucht haben, auf ^in Mini­mum zu reduciren. Es liegen sowohl Briefe als glaub­hafte Berichte vor, nach denen die Lage der nach den Plantagen der brasilianischen Pflanzer verlockten Deutschen keineswegs befriedigend ist. Die auf der Plantage Martin de Sa befindlichen- schil­dern ihre Lage als verzweifluugsvoll, klagen bitter, daß ihnen nichts von dem, was ihnen versprochen, gehalten werde, und sie auch bei Gericht nicht Recht bekommen könnten, und versichern, daß sie in der Heimath Alle ihr Brod gehabt hätten und nur durchgroße Verspie­gelung in öffentlichen Blättern" durch die bekannten WerbAlgenten Fröbel und Valentin (welche bekanntlich auch die mit derAmerica" nach Brasilien gesandten und in Rio de Janeiro auf öffentlichem Markte aus- gebotenen Auswanderer angeworben haben!) zu ihrem jetzt bitter bereuten Schritte verlockt worden seien. Im Allgemeinen ist keine große Hoffnung vorhanden, daß die Colonisatiousfrage in Brasilien auf eine vernünftige und für das Land selbst zweckmäßige Weise gelöst werde. Die zur Berathung wegen Ausführung deck Gesetzes vom 18. September 1850 niedergesetzte Commission hat bis jetzt noch kein genügendes Resultat gehabt; man spricht zwar in den neu zusammengetretenen Kammern viel von der Nothwendigkeit der Colonisation durch Europäer, allein immer noch wird von der Mehrzahl, und leider auch von der Negierung, die Sache nur so ailfgefaßt, daß an die Stelle der zu fehlen beginnen­den Sclaven europäische Arbeiter in'S Land gezogen werden sollen. Auch die Presse in Brasilien ist der Colonisations Angelegenheit nur sehr wenig förderlich. Aus Gua te m a l a (Mittel-America) ist dem Cen- tralvercin ein Bericht des königl. Gcneral-Consuls Hrn. Hesse durch das königl. Ministerium mitgetheilt worden, wonach die Colonie Santo Thomas als belgische Co­lonie aufgelöst werden sollte. Nach den jüngsten Nach­richten scheint indeß ein neues Arrangement eingetreten zu sein. Aus Nen-Granada hat der Centralverein durch das königl. Ministerium ein ausführliches, von dem dortigen Finanzminister an den Minister der auswärti­gen^ Angelegenheiten gerichtetes Schreiben vom 20. Juli 1852 zugefertigt erhalten, worin die Wichtigkeit und Ausführbarkeit europäischer Ansiedelung in jenem Staate besprochen wird. Bis jetzt ist indeß noch keine Veran­lassung vorhanden, specieller auf Neu-Granada als Ein- wanderungS-Land für deutsche Auswanderer einzugeheu. Von einem Herrn Allhusen in Kiel wird Venezuela für besonders geeignet erachtet , eine co mm u n isti sch e Colonie ä I a Cabet einzurichten, und derselbe hat dem Centralverein seine Absicht kundgegeben, unter dem NamenSüd-Jearien" eine solche Colonie zu gründen!

Sur orientalischen Frage.

* DieZeit" hält die Abänderungen, welche zu Constantinopel in dem von Wien aus dem Sultan zur Annahme übersandten Vermittlungsentwurfe vorgeschla- gen worden, obgleich sie zugibt, daß dieselben nicht so- h ^Wesentliche M Inhalts, als die Wortfassung oder die Redaction der Note betreffen und insofern als weniger wichtig betrachtet werden können, dennoch nicht K ^."^''"^blich, indem sie zum Zwecke haben, die der griechischen Kirche verliehenen ^Rechte mit größerer

Bestimmtheit als freiwillige Gaben der Pforte (octroyés) zu bezeichnen, um jede Möglichkeit einer Auslegung zu entfernen, welche sie als durch einen Vertrag mit Ruß- land erworbene (.cbnCnmés par Convention) erscheinen ließe. Ob Sc. Majestät der Kaiser von Rußland da­mit einverstanden sein wird, daß in dem von ihm be­reits vorläufig genehmigten Entwürfe nachträglich noch solche Abänderungen vorgenommeu werden, müsse daher immer dahingestellt bleiben; und jedenfalls sei die Möglichkeit gegeben, daß über diesen Punkt sich neue Unterhandlungen entspinnen, die sich so sehr in die Länge ziehen, daß bei der schon weit vorgerückten Jahreszeit die Räumung der Donaufürstenthümer im- türlichè Schwierigkeiten finden kann, welche dieselbe MS in das nächste Frühjahr verzögern. Nach der Elbers. Z." haben die Wiener Ausgleichungsvorschläge auch einen geheimen Theil aus dem Vorhanden­sein von geheimen Bedingungen, welche sich an die efft' ciellen Vorschläge knüpfen, ließen sich allerdings einiger­maßen die Aeußerungen erklären, welche von dem eng­lischen Cabinet dem Parlamente gegenüber gethan wur­den und auf so bestimmte Weise von der Räumung der Donaufürstenthümer sprachen, von welcher im offi- ciellen Theil nicht die Rede ist- Bestehen diese gehei­men Bedingungen, dann hat auch Rußland denselben seine Zustimmung gegeben, darauf scheinen die zuver­sichtlichen Behauptungen der Wiener Corr.derN. P. Z." daß diejNäumnug der Donaufürstcu thümer von Ruß­land beschlossen sei, binzudeuten. Ob diese geheimen Bedingungen nun bestehen oder nicht, die Pforte wird sich dennoch nicht der unbedingten Annahme der Wiener Vorschläge entziehen können, indem die fviet Mächte, von welchen dieselbe ausginge, auf dieser unbedingten Annahme bestehen werden, und cs wird bereits aus be­stimmter Fließe versichert, daß die Cabiuette von Paris und London nicht gesonnen sind, die Modificationen der Pforte zuzulasseo. Es wird, dem Vernehmen nach, eine Collectivnote der Cabinctle der Tuilerien und von St. James vorbereitet, in welcher man der Pforte notificirt, daß sie die Wiener Note anzunehmen habe, wie man sie ihr vorgelegt, ohne Modificationen, ohne Bedingun­gen, und daß man sie im entgegengesetzten Falle ihrem Schicksale ü b e r 1 a ss d n werde. Die Räumung der Douauprovinzen und die Zurückziehung der Flotten aus der Bcsika-Bai wird in der Collectivnote als selbstver­ständliche Folge der Annahme der Wiener Note von Seiten der Pforte hingestclit.

* Nach dem Journ. deS Deb. hat der die Grundlage des Wiener Vermittlungsvorschlages bildende Noten entwurf folgenden Inhalt:Die Pforte zieht die Vor­stellungen, die Fürst Meuczikoff an sic gerichtet, in Er­wägung, wie nicht minder die tiefe Theilnahme, welche .der Kaiser von Rußland für die Aufrechterhaltung der Privilegien und Freiheiten hegt, die in den Staaten des Sultans die Kirche genießt zu der er sich bekennt. Um dem Kaiser nun ein Zeichen der Freundschaft und béö unbegränzten Vertrauens zu geben, erklärt die Pforte cs für ihre Ehrenpflicht diese Rechte und Privilegien unversehrt für. alle Zeiten zu bewahren, daß sie ent­schlossen sei streng dem Buchstaben und dem Sinn nach die Verträge von Kainardschi und Adrianopel zu beob­achten und den Griechen dieselben Vortheile und die­selbe Gunst zu gewähren, die sie in Zukunft etwa den andern christlichen Gemeinden in ihrem Reich verleihen möchte. Endlich bestätigt das Aktenstück auf die feier­lichste Form die letzten beiden Firmane bezüglich der heiligen Stätten, und versichert, daß der daraus ent- spr'^igeue Statusqno auf ewig aufrecht erhalten bleibe, oder wenigstens keine Aenderung in Zukunft ohne vor­herige Zustimmung der Höfe von Rußland und Frank­reich vorgenommeu werde. Schließlich ertheilt die os­manische Regierung die nöthigen Befehle zum Bau der Kirche, des Klosters und des Hospitals für die Russen in Jerusalem, die unter russ. Schutz gestellt werden sollen."

Der9k. Pr. Z." wird aus Wien vom 28. Aug. geschrieben: Es bestätigt sich jetzt hier, das Rußland entschlossen ist, die Douau-Zürstcnthümer zu räumen; nur darf Inan nicht vergessen, daß die Annahme der Russischen Forderungen Seitens der Pforte als Bc- dingung des Rückmarsches der Russischen Truppen über den Pruth gilt. Man könnte jetzt, wo die Annahme des in Wien vereinbarten Ausgleichungs-Entwurfes eine ausgemachte Sache ist, auf den Gedanken kommen, die eben erwähnte Bedingung für erfüllt anzüschen, was aber noch nicht der Fall nicht, daher denn auch die Räumung der Donau-Fürstenthümer jetzt noch nicht ge­schehen wird. Dieselbe wird erst dann vor sich gehen, wenn alle einzelnen Punkte, welche die Streitfrage ge­

bildet haben, ihre Rußland vollkommen befriedigende Lösung gefunden haben werden. Es wäre somit der Pforte anzurathen, ihrem nach Petersburg bestimmten 'Gesandten sehr ausgedehnte Instructionen mitzugeben, damit die vollständige Erledigung keinen neuen Aufschub erfährt, der gewiß nicht im Jntereffe der Pforte liegen könnte. Denn so viel ist gewiß, der Befehl der Räu­mung der Donau Fürstentümer wird nur dann gege­ben werden, wenn die ursprünglich von Rußland auf­gestellten Forderungen ihre volle Berücksichtigung gefun­den haben.

Deutschland.

* Wiesbaden, 2. Scptemb. Gegenstand det heutigen Assifenverhandlung ist die Anklage gegen Chri­stian Walz, 54 Jahre alt, Schreiner, dessen Sohn Philipp Jacob August, 19 Jahre alt, Schreiner und Martin F a l k e n in e h e r, 20 Jahre alt aus Winkel wegen des bedeutenden im Januar l. J. an dem Bür­germeister Fischer in Winkel verübten Gelddiebstahls. Den ausführlichen Bericht werden wir morgen bringen.

Mannheim, 26. August. (M. I.) Es gibt Leute, welche Vergnügen daran haben, falsche Gerüchte zu ver- breiten. So wurde heute hier das Gerücht verbreitet, die Cholera sei in der hiesigen katholischen Volksschule ausgebrochen. Daß dem nicht so ist, werden' jene El­tern erfahren haben, welche mit Angst in das SchulhauS eilten, um ihre Kinder zu holen. Aber eine auffallende Erscheinung ist es, daß seit mehreren Wochen Kinder ans der hiesigen katholischen Volksschule, Mädchen von 1112 Jahren, deS Morgens in der Schule von einer Uebclkcit befallen werden, wobei sie oft zwei bis drei Stunden mit einigen Unterbrcchuugcn bewußtlos bleiben. Sobald die Kinder einen solchen Anfall bekoWtcn, fal­len sie besinnungslos um. Dabei bemerkt man Zuckun­gen in den Gliedern und in den Gesichtsmuskeln. Vor zehn Tagen wurde dies von der Schuliuspection dem Phystcat zur Anzeige gebracht, welches den Rath ertheilte, die betreffenden Kinder auf etwa acht Tage vom Schul­besuche zu dispensiren. Dieselben setzten nun neun Tage den Schulunterricht aus, und hatten, als sie heute zum ersten Male wieder zur Schule kamen, wie vorher dasselbe traurige Schicksal, ja in einem noch stärkeren Grade. Bis jetzt trifft dieses eilf Kinder. Auch eine Frau, welche mitleidsvoll einige dieser Kinder in die­ser traurigen Lage beobachtete, bekam einen ähnlichen Anfall.

Karlsr«he, 29. August. (Köln. Z.) Wenn ein öffentliches Blatt unlängst äußerte, daß unsere Staats­regierung bezüglich der Anforderungen des Erzbischofs eine entschieden ablehnende Antwort ertheilt habe, so ist dies nicht richtig. In dieser wichtigen Angelegenheit geht keine der zur oberrheinischen Kirchenprovinz gehö­rigen Regierungen allein, und wir haben Grund zu glauben, daß die Regierungen den auch bereits in der Denkschrift angedcuteten Weg versuchen werden, nämlich den, um die Dazwischenkunft deS Papstes sich zu be­mühen.

Nürnberg, 29. August. In der Rede, womit der erste Vorstand Staatsrath v/B e i s ler die Sitzung der deutschen Land- und Forstwirthe am 29. August eröffnete, begegnen wir einer beachtenSwerthen Aeußerung: Wir tagen dießmal in dem Augenblick, wo Nord und Süd sich zu vereinen streben, in 'der Mitte unseres schö­nen Vaterlandes; wir tagen in dem Augenblick, wo auch der Beruf der Landwirthschaft in den großen Fra­gen der Zeit die Stimme zu erheben nicht fürder ver­kannt werden darf. Wir werden weder Freihändler noch Schntzzöllner sein. Unser Standpunkt ist eilt höherer. Wir werden darznlcgen haben, daß die Existenz, die Macht, die Wohlfahrt deS Staats in ihren Grundlagen auf der Landwirthschaft beruhen; daß der Staat in diesen seinen Grundlagen von keinem Aus­land abhängig sein darf, und daß die verschiedenen Theile der Nationalökonomie nur Zweige des großen HauptstämmeS der Landwirthschaft sind, die je nach örtlichem Bedürfniß hier in den Schutzzoll, dort in den Freihandel auslaufen können. So fragt sich, ob das Getreide aus dem Mittel- und schwarzen Meer zollfrei in Triest zngclasscn werden dürfte; oder die Frage principiell gestellt: ob von diesem unentbehrli­chen Lebensmittel, bei welchem für Deutschland die Handelsflotte ver ganzen Welt einen Ausfall von etwa drei Wochen nicht zu beschaffen vermochte, die zollfreie Zufuhr auch dann gestattet werden dürfe, wenn das eingeführte Getreide einen so niede­ren Preis hat, daß es darum im Inland nicht mehr gebaut werden kann. So fragt sich, ob gerecht,