Brünn nach Prag begeben, wohin der Kaiser Ferdinand seiner Gemahlin (am 10.) cntgegenkommt. Tags darauf kehren Ihre Majestäten nach ihrer Sommerresidenz Reichstädt zurück. Die Erzherzogin Marie Dorothea und ihre Tochter, Erzherzogin Elisabeth v. Este, haben vor ihrer Abreise von Wien dem Grafen und der Gräfin von Chambord ebenfalls einen Besuch in Froschdorf abgestattet. — Hier behauptet man, die Vermählung Sr. Majestät des regierenden Kaisers dürfte schon im November d. I. stattfinden. — Den großen Manövern, die in den ersten Tagen des nächsten Monats bei Merseburg stattfiuden, wird Se. k. k. H. der Erzherzog Leopold, dann der F.-Z.M. Baron Heß, der General der Kavallerie Graf Wratislaw, der F.M.L. Fürst Thurn und Taxis und mehrere andere hohe k. k. Offiziere beiwohnen. Wie man vernimmt, werden am 4. September Se. M. der König von Preußen und au dem nämlichen Tag seine hohen Gäste der Erzher- zog Leopold, der Großherzog von Weimar, die Herzoge von Koburg, Meiningen und Braunschweig und der Prinz Karl von Bayern zu Merseburg eintresfcn. Den nächsten Tag, 5. September, große Parade bei Roßbach. Die Manöver werden am 10. September beendet sein. — Kurz nach dem Einrücken der kaiserlich russischen Truppen in die Douaufürstentbümer erhielten die dortigen k. k. österreichischen Konsulate die Weisung die Interessen des österreichischen Handels möglichst zu waren. Nach den bisherigen Berichten sind die besorgten Handelöstörnngen nur in ganz geringem Maße cingctrcten, und ohne Nachtheil für die österreichische Industrie vorübergegaugen.
Nach einer Corr. der „N. O. Z." von der österreichischen Gränze soll Dr. Schütte ans Furcht, man werde ihn seinen gegen Windischgrätz während der Wiener October-Nevolution gezeigten Uebermuth entgelten lassen, sich auf dem Transport Gift beigebracht haben und in Folge dessen gestorben sein. Nach der A. A. Z. war Dr. Schütte am 20. August bereits in Prag eingetrof- fen, und von da nach Wien weiter transportirt worden. Die Nachricht von dem Selbstmord desselben scheint daher ungegründet. — Der Prinz von Preußen wird, so viel bis jetzt verlautet, am 18. September in Olmütz eintreffen. — Seit Kurzem treffen hier Agenten der größeren italienischen Weinhändler ein, die nach Ungarn gehen, um dort Ankäufe größerer Mengen süßer Wein zu effectuiren. Sie versichern, daß in Folge der Traubcnkrankhcit, welche die italienischen Weingebirge heimgesucht hat, eine starke Ausfuhr süßer ungarischer Weine nach Italien zu erwarten stehe. — Alle Nachrichten über den Zustand des W e i n st » ck e s lauten höchst erfreulich. Die Weinwirthe in der Umgebung Wiens rechnen nicht nur auf eine sehr ergiebige, sondern auch qualitativ vorzügliche Weinlese.
Aus verläßlicher Quelle vernimmt die „N. Pr. Z.", daß die Räumung der D o n a u f ü r st e n t h ü in e r in St. Petersburg bereits beschlossen worden ist, vorausgesetzt, daß die Pforte den in Wien stipulirtcn Ausgleichungsentwurs annimmt. Der kaiserlich russische Gesandte, Baron v. Mayendorsf, hat wiederholt die dießfällige Erklärung dem hiesigen Cabiuctte abgegeben. Es wird sich nun zunächst zeigen müssen, welche Aenderungen an dem Wiener Vermittelungsvorschlage von der Pforte beliebt sind. Hiervon hängt das Weitere ab.
Wie die „Breslauer Zeitung" von wohlunterrichteter Seite wissen will, soll bei der Budgetfcststellnng für das Jahr 1854 entschieden auf eine umfassende Armccrcduc- tion Rücksicht genommen worden sein. Durch diese Maßregel und den weitern Umstand, daß die Staatseinnahmen auch im Jahr 1854 eine bedeutende Vermehrung versprechen, hofft der Finanzminister in überraschend kurzer Zeit das Gleichgewicht im Staatshaushalt herzustellen.
Frankreich.
Paris, 29. Aug. Nach dem M. d. L. hat die Regierung eine Lotterie von 300,000 Loosen â 1 Fr. genehmigt, deren Ertrag die Kosten decken soll, welche die feierliche Enthüllung der Bildsäule von Johanna d'Arc zu Or- leans verursachen wird. — Zwei der drei vor etwa einem Monate zu Lille wegen politischer Umtriebe verhafteten Personen, so wie der aus gleichem Grunde seit 18 Tagen in Mazaö sitzende Ex - Professor Morin sind wieder freigelasscu worden. — Im letzten, am 31. Juli abgelaufenen Betriebsjahre wurden in Frankreich 74,806,420 Kilogramm Rübenzucker fabricirt; die Zunahme der Fabrication im Vergleiche mit dem vorher- gegangenen Betriebsjahre betrug 7% Million Kilogr. — Der seit längerer Zeit in Paris lebende Schriftsteller Dr. Ed. Oettinger aus Leipzig soll wegen seines Romans „Prinz Jerome" von Paris anögewiesc» sein und sich nach Brüssel begeben haben. — Für die neuen Ei s eu b a h n c o n c e s s io u en, welche die Pa - ris-Straßburger Gesellschaft an sich gebracht hat, wird ein Capital von etwa 200 Millionen nöthig sein. Man wird für etwa 125 Millionen Actien zu 500 Frs. und den Rest in Obligationen umsetzen. Die Vereinigung der Basler Gesellschaft mit der Straßburger erfolgt mit Bestimmtheit. — Aus amtlichen Berichten der betreffenden Behörde geht hervor, daß in Paris ein Viertel der Bevölkerung (!) im Hospital oder im Verpflegungshause stirbt, daß jährlich 90,000 Kranke in den Spitälern
ärztlich behandelt und 18,500 alte Leute und Irren in die Verpflegungshäuser ausgenommen, 17- bis 18,000 Findlinge oder Waisen unterhalten und 78,000 notorisch Dürftige in ihren Wohnungen unterstützt werden. Die Gesammtkosten dieser milden Beistandsleistungen betrugen im Jahre 1852 13,345,629 Frcs. — Die neuesten Formen des hier herrschenden Schwindels sind die folgenden. Ein Speculant hat einen Theil der Cata- comben (!) gemiethet , um im nächsten Winter darin Bälle, Concerte und dramatische Vorstellungen zu geben. Man wird aus einer breiten Treppe von 200 Stufen in die Tiefe gelangen. Auch spricht man von der Errichtung eines „photographischen Museums" durch eine Gesellschaft, deren Grundstock auf zwei Millionen Franken angegeben wird. Es sollen darin Ansichten von al- len Städten rc. Frankreichs im größten Maßstabe auf. gestellt werden. — Briefe aus R o m bringen merkwürdige Entbüllungen über die neulich daselbst vorgenom- mcnen Verhaftungen. Die von Mazzini angeschürte Verschwörung, welche die Ermordung sämmtlicher in Rom wohnhafter Franzosen bezweckte, soll durch Agenten Mazzini's, welche mit der französischen Polizei in Verbindung gestanden haben, verrathen worden sein. DaS Gefühl, daß sein Credit im Sinken sei und der Auffrischung bedürfe, soll Mazzini zu dieser neuen Infamie bewogen haben. — Man schreibt aus Dieppe, 28. August. Der Erzbischof von Rouen, Herr Blanquart de Bailleul war eigens hierher gekommen, um in der Kirche St. Remy das Hochamt zu halten, welchem die Majestäten beiwohnten. Vor dem Gottesdienste hielt der ehrwürdige Prälat eine Anrede an das Kaiser-Paar, worin er besonders hervorhob, wie fruchtbringend das Beispiel sei, welches die Fürsten gäben, wenn sie die Kirchen besuchten. Um halb zwei wurden die Behörden vorgelassen; zuletzt der Präfect an der Spitze des General-Raths. Dieser erhielt aus dem Munde des Kaisers die Versicherung, 500,000 Francs würden im nächsten Budget für die Ausbesserung des Hafens ausgeworfen werden. Abends war Diner und Concert.
Dem berühmten französischen Maler Lesucur wird in dem sogenannten Karthäuser-Garten, welcher zum Luxemburg gehört, eine Statue errichtet.
Schweiz.
Bern, 27. Aug. Die von den Gegnern der Behörden in Tessin veranstaltete Demonstration ist wirklich als vollständig mißlungen zu betrachten. Es wurde zwar eine Versammlung der Mißvergnügten in verschiedenen Theilen des Cantons ausgeschrieben, allein sie wurde so wenig zahlreich besucht, baß die Urheber es nicht wagten eine öffentliche Demonstration zu machen.
Bern, 28. August. Die Ernteberichte aus den verschiedenen Theilen der Schweiz lauten ziemlich günstig. Die Kornernte ist quantitativ durchschnittlich eine mittelmäßige, die Qualität, der günstigen Einheimsung wegen, bedeutend nahrhafter als voriges Jahr. Die größere Quantität Obst gegenüber 1852 wirkt Vortheilhaft auf die Vorräthe und Preise der Lebensmittel überhaupt. Futter ist in so genügender Menge vorhanden, daß das Vieh sehr gesucht bleiben und einen hohen Werth behalten wird. Die Reben sind bereits weiter vorgerückt als vor einem Jahr, versprechen auch, wenn das herrliche Sommerwetter noch einige Zeit anhätt Und der Himmel so günstig bleibt, wie bis dahin, eine sehr erfreuliche Qualität. Die Kartoffelkrankheit zeigt sich hie und da, aber nicht allgemein. Auch die Obsternte läßt Gutes hoffen. — Es stehen Conferenzeii zwischen Bevollmächtigten der großh. badischen Regierung, der Eidgenossenschaft und des hiesigen Cantons in Aussicht, um eine Ucbereinkunst, betreffend die Einführung der badischen Zollabfertigung, definitiv festzustellen. Die Sache ist für die wechselseitige Vcrkchrs- erleichterung von großer Bedeutung.
Delgie»
Brüssel, 25. August. Der Präsident der Reprä- sttantenkammer, Delfosse, wohnte am 22. dem Hof. Diner nicht bei, weil ihm der beanspruchte Vorsitz vor dem Kardinal Erzbischof nicht zugestanden wurde. — Am 23. Abends haben mit den von 9 bis 11 Uhr ab* gegangenen Extrazügeu 17,000 Fremde und fast eben so viel am Abend vorher Brüssel verlassen. Uiiglückö- fälle von Bedeutung sind während der Festtage nicht vorgekommen.
Brüssel, 29. Aug. Der heutige Moniteur bringt ein königliches Decret, durch welches die freie Korneinfuhr in das ganze Land gestattet wird.
Dänemark.
Kopenhagen, 25. Aug. „Flyveposten" schreibt: „Eine russische Escadre, mit dem Großfürsten Constantin an Bord, ist, einem Privatschreiben aus Petersburg zu- olge, nach Bornholm abgegangen."
Großbritannien.
London, 27. August. J. Maj. die Königin ist heute früh mit dem Prinzen Albert, dem Prinzen von Wales und Prinz Arthur in Southampton gelandet, und ist sogleich per Extrazug nach Holyhead weiter gereist. Der Hof hat ein großes Gefolge mit; unter den Kam- mcrdamen befindet sich die Herzogin von Wellington. — Die erlauchten Mitglieder der Familie Orleans, die eben in England sind, versammelten sich gestern Vormittag in der katholischen Capelle von Weybridge, wo eine Todtenmesse für den verblichenen König 'Ludwig
Philipp gelesen wurde. Verschiedene französische Ver^ bannte wohnten außerdem dem Gottesdienst bei. — Lady Stratford v. Rcdcliffe, die alle Vorbereitungen getroffen hatte, sich mit ihren Töchtern zu ihrem Gemahl nach Constantinopel zu begeben, ist noch immer in London und ihre Reise einstweilen aufgeschoben.
Es heißt: Prinz Albert wolle dem Bankier Child seinen prächtigen Landsitz zwischen St. John's und Highgate, im Westen der Stadt London, abkaufen, und zu einem gelegentlichen Aufenthalt, einer „Nursery", für die königl. Kinder einrichten lassen. Das Landhaus liegt in einem prächtigen Wald - und Wiesenlaud, auf einer Höhe Mit weiter Aussicht über die schöne Landschaft und die Hauptstadt.
In politischen Kreisen trägt man sich mit dem Gerücht, daß das Cabinet beim Znsammcittritt des Parlaments um zwei Mitglieder bereichert werden soll: Viscount Canning und Hrn. Cardwell. Die Abwesenheit des letzter« (eines der intelligentesten Freiheitsmänner) vom geheimen StaatSrath ist noch immer eben» so Gegenstand des Erstaunens wie die Ernennung des 30jährigen Herzogs v. Argyle zum Lord Gcheimsiegel- bewahrer, ein Posten der eine bloße Sinecnre für invalide alte Mitglieder der eben herrschenden Partei ist.
Italien.
t Venedig, 27. Aug. Die Getreidepreise haben zwar wieder etwas ungezogen, aber die hier aufgespei- cherte» Vonäthe sind so groß, daß die Magazine nicht hinreichen, dieselben zu fassen.
f Livorno, 24. Aug. Namhafte Getreidezufuhren vom schwarzen Meere her, finden fortwährend statt.
Türkei.
Constantinopel, 16. Aug. Die Concentriruug der türkischen Armee ist nunmehr vollbracht. Sie zählt in diesem Augenblick, auf europäischem Boden, 144 Bataillone. Hiervon stehen in Stambul, in den Dardanellen, in Rumenieu und Albanien 44 Bataillone, verbleiben daher auf dem Kriegstheater 100. Von letzteren wiederum verlangen die Festungen am Balkan und an der Donau mindestens 30, wonach sich ein Rest von 70 Bataillonen als Gesammtmasse der Infanterie des eigentlichen Operationsheeres ergibt. Diese Bataillone sind ein jedes etwa 700 Mann stark, was auf eine Stärke von 50,000 Mann in der Hauptsumme schließen läßt. Rechnet man hierzu 9 Kavallerieregimenter und etwa 150 bespannte Geschütze, so hat man damit die auf dem Raume zwischen der Donau und dem Hämus verwendbare Streitmacht. Officiell ist dieselbe auf 104,000 Mann geschätzt. — Die Russen sind momentan in den Donaufürstcnthümern kaum der türk. Armee von Bulgarien gewachsen. Es stehen nämlich in der Walachei und Moldau die 3 Infanteriedivisionen des russischen 4. Jnfanteriecorps, von denen eine jede 16,000 Mann stark ist, die Gesammtmasse also nicht über 48,000 Mann zählt; hierzu kommen 6 Husarenregimenter (4000 Pferde) und 10 Regimenter Kosaken (6000 Pferde). Endlich 200 bespannte Kanonen, was in Summa ctwa 63—65,000 Mann ausmacheu kann.
Asien.
China. Die China Mail sagt: „Wir hören so eben, daß ein Heer der Anfständigeu in 3 Abtheilungen wirklich von Nanking gegen Peking aufgebrochen war; aber auf die Kunde, daß die Kaiserlichen in der Nähe der erster« Stadt eine große Streitmacht zusammenzogcu, wurden die Truppen der Insurgenten zurückgerufen. Die Mandarinen in Kanton waren in letzter Zeit beschäftigt, Verstärkungen an Mannschaft und Munition zur See zu entsenden ; ungefähr 600,000 Pikuls Schießpulver und 2000 ein geübte Soldaten, darunter 30, welche Kanonen gießen können, sollen bereits abgegangen sein. Aber ihre Bestimmung ist vielleicht Emoy. Am 4. Juli Morgens wurden in Kanton 62 Männer unter starker Bewachung hingerichtet; wir wissen aber nicht, waren cs im Feld gefangen genommene Insurgenten oder eine Horde Vagabunden, welche unlängst die Amtswohnung des Schatzmeisters der Provinz in Brand stecken wollte,' welches Complott aber einer der Betheiligten den Behörden entdeckte."
America.
New-Aork, 13. August. In Washington ist die Fischerei-Frage noch immer das Hauptthema der Politiker. Britische Kriegsschiffe halten strenge Wache, daß die americauischen Fischerboote die gezogenen Gränz- linic« nicht überschreiten. Die Ansprüche Lord Stir- ling's auf alle jene Fischereigründe erscheinen nun auch den Americauern als eine sehr zweifelhafte Speculation, nachdem sie schon früher einmal von den Rechtsgelehr- ten des englischen Oberhauses als unbegründet zurück- gewiesen worden waren. Die bedeutsamste politische Neuigkeit ist, daß die Depeschen, welche von der Koßta- Affaire in Smyrna handeln, am 10. dem Cabinetc vor- gelegt wurden und daß letzteres das Auftreten des Ca- pitäiiö Ingraham vollkommen billigt. Die Mitglieder des Kabinettes wurden aufgefordert (were desired, wie cS in der telegraphischen Depesche heißt),, die vom americauischen Capilän gethanen Schritte zu ratistciren und, wenn es nothwendig sein sollte, die vom verstorbenen Webster Hrn. v. Hülfemaiin brieflich mitgetheil- ten Ansichten Americas in einer neuen Ausgabe zu veröffentlichen. _____________________________________ .
Bcrannvorttlcher Redacteur: Dr. A. WtttS.