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Nassauische Allgemeine Zeitung.

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TVt SV« Freitag de« 26. Aagaß 1833.

Die,,Noss»uisck>e Allgemkine Zkitunst" mit brm belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Soiinlagâ Lu-gcnommen, täglich und beträgt der PrânnmeraiionSpreiS für Wiesbaden unb , nach dem neuen Postregulaiid nunmehr auch für teil ganzen Umfang des Ldurn-und TaliS'sche» Verwaltungsbezirks mit Jubtgriff des Postausschlag« 2 fl für die übrigen Länder des deutsch-österreichischen PostvereinS, wie für das Ausland 2 st. 24 fr. gnserate werden die einspaltig PeUtzeilc ot,er beren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedri <6, Langgaffk 12, auswärts bei den nächstgelegenen Postämtern, ju machen.

Amtlicher Theil.

V i e n K n a ch r i ch t.

Der mit Versehung der Lehrgehilfenstelle zu Ober- Höchstabt seither beauftragt gewesene Schulcandidat Joh. Gasser ist zum Lehrgehilfen daselbst ernannt worden.

: er Theil.

Zeituugs chau.

Die Stellung Oesterreichs ^u Serbien. Die Friedens- Hossnungen im Westen und im Osten. Die Sulina- Mündung. Die Ehe des Herzogs von Brabant.

** Ein Konstantinopler Korrespondent der Wiener Presse" gibt den Schritten Oesterreichs in Bezug auf Serbien folgende Deutung: Die Mittheilung deS österreichischen Konsuls stützt sich ge­wiß auf genaue Kunde der Zustande in Serbien. Wie wir vernehmen, träumt man in Serbien sehr stark von einem großen Serbenreiche, gerade wie die Griechen von dem Hellenenreiche, die Bosnier von einem südslavischen Reiche und vielleicht die Walachen von einem Rumä- uenrciche. Das allgemeine Gefühl der Bewohner deS osmanischen Staates, sich in einem Auflösungsprocesse zu befinden reizt die Phantasie aller dort befindlichen Nationalitäten zu allen möglichen Chimären. In Ser-' bien sind die Parteien in Betreff der Erweiterungs­wünsche einig, nur will die Partei Garaschanin's eine große serbische Republik, dagegen wünscht die andere Partei, die bis in's Ministerium reicht und zum Theile mit dermoskowitischen Partei" in Rußland Verbin­dungen hat, ein großes monarchisches Serbien, vielleicht ein Königreich Serbien. Daß Oesterreich als unmittel­barer Nachbar und in Rücksicht auf seine inneren Ver­hältnisse nicht blos berechtigt ist, sondern die offenkun­digste Verpflichtung hat, bei Zeiten darauf zu sehen, daraus den chaotischen Wirren.im osmanischen Reiche ihm keine Nachtheile und Gefahren erwachsen, müßte selbst der unbilligste Gegner einsehen und zugeben; ja Oesterreich kann nicht einmal warten, bis die bedrohte serbische Regierung oder die Psorte um Hilfe ruft. Des­senungeachtet brummt bereits dieTimes" in ihrem be­kannten groben Matrosentone; die Pforte, die am Mei- sten zu verlieren hätte, wenn sich serbische Träume er­füllten, drückt verdrießliches Erstaunen aus, und eine westliche Macht, die sich in unruhiger Hast gern in Alles ein- möcht, beeinflußt die serbische Regierung, durch Rüstun­gen ihre trotzige Selbstständigkeit zu zeigen. Sieht man aber diesen Vorgängen auf den Grund, so han­delt es sich nicht um das kleine Fürstenthum Serbien, sondern es steckt ganz einfach die für gewisse Mächte sehr unangenehme Entdeckung dahinter, daß Oesterreich seine Weltstellung zu fühlen begonnen und derselben mit heimlich bewunderter und gefürchteter Energie gerecht zu werden angefangen hat. Die Zeit ist vorüber, wo Oesterreich das Schaukelbrett bildete, an dessen beiden Enden der Osten und Westen sich behaglich balancir- teil! Diese Erscheinung ist viel bedeutender, als die sogenannte orientalische Frage, oder vielmehr sic gibt dieser Frage die eigentliche europäische Bedeutung.

»»DerA. A. Z." wird von der polnischen Grenze, 20. August, geschrieben: Es ist nachgerade auffallend, daß in eben dem Grade wie die Friedens­hoffnungen , den öffentlichen Mittheilungen zufolge, im Westen steigen, dieselben im Osten abnehmen, denn so wohl hier an der Grenze als auf russischem Gebiet selbst dürfte nicht leicht jemand gefunden werden, der die Erhaltung des Friedens auf die Dauer für möglich hielte, es sei denn, daß die Westmächte denselben um jeden Preis gewahrt wissen wollen. Der Handelsstaud in Warschau und überhaupt in Polen klagt laut, daß der schwankende Zustand, in dem die russische Regierung den übrigen Mächten gegenüber in Betreff des Orients sich befinde, lähmend auf die Geschäfte einwirke, wenn­gleich dies Schwanken offenbar nur ein scheinbares sei, da dieselbe jedenfalls im vollsten Bewußtsein ihres festen Willens handle. Das Petersburger Cabinet hat aller- dings gar keinen Grund den Krieg zu wollen, so lange es alles was es will auf friedlichem Weg erreicht; doch wird's nicht um ein Haarbreit nachgeben, und jeden Augen­blick bereit sein, nöthigenfalls daS Schwert zu ziehen. Es werden zu viele Vorkehrungen unter unsern Augen ge­troffen, als daß man unter allen Umständen an eine friedliche Lösung glauben könnte. Namentlich wird die russische Armee die Donaufürstenthümer schwerlich so bald räumen, da ungeheuere Vorräthe dorthin geschafft werden,

und bereits alle Maßnahmen zum Winteraufenthalt da­selbst getroffen sind. Das Petersburger Cabinet weiß sehr wohl, daß jeder Tag den die Armee an der Do­nau lagert, Konstantinopel dem Pruth näher bringt, und die offene Wunde der Pforte unheilbar macht. Von den Seemächten hat Rußland zunächst nichts mehr zu fürchten, denn der September ist vor der Thür ; nur eine Landarmee könnte die Fortschritte seiner Truppen hemmen, aber das türkische Heer dürfte wohl unfähig zum Widerstand sein, und Oesterreich und Preußen können, selbst wenn sie Rußlands Politik verdammten, schon ihrer slavischen Provinzen wegen (?) nicht bewaffnet gegen Ruß­land auftreten. Preußen wird sich mit diplomatischen No­ten begnügen, und Oesterreich allenfalls Serbien besetzen, was Rußland unbedenklich zulassen wird. Aus War­schau meldet man, daß die in der Umgegend der Haupt­stadt zusammengezogenen Heeresmassen an Stärke eher zu- als abnehmen, indem dieselben zwar durch stete Abzüge einzelner Corps nach dem Süden vermindert, durch frische Zuzüge aber eben so schnell wieder ergänzt, ja sogar noch verstärkt würden; daneben erfreut sich die Armee durchweg einer weit größern Sorgfalt als früher rücksichtlich des gemeinen Soldaten der Fall gewesen. Die russischen Offiziere nennen die Donaufürflenthümer nur den Kriegsschauplatz, und sprechen von dem Marsch nach Konstantinopel wie von einer Militärpromenade von Petersburg nach Zarskoje-Selo.

** Die Times bespricht einen wichtigen Gegenstand der mit der russisch-türkischen Frage im innigsten Zusammen­hang steht, den Zustand der Donaumündungen.Das Wasser des Sulinaarmes, sagt sie, steht nach neuesten Berichten nicht über 6'/, Fuß hoch; 160 Ladungen Korn stehen oberhalb der odiosen Schranke als Gefangene; viele Matrosen dieser Schiffe sind bereits durch die dort herrschenden Sumpsfieber hingerafft; 20 oder 30 Fahr­zeuge sind gestrandet; mehrere wurden zu Wracks und die Fracht ist von 10 Sh. auf; 12, 19 und 22 Sh. gestiegen. Die Flußsäuberungsmaschine steht mü­ßig und selbst die österreichischen Dampfer konnten nicht den Flnß hinabfahren. Nun haben England und Oe­sterreich deßhalb dem Petersburger Cabinet schon längst Vorstellungen gemacht. Die Stellung Rußlands am Sulina arm ist durchaus anomal; denn es hat kein Recht, sich dort festzusetzen. Man weiß sehr wohl, daß zur Fahrbarmachung des Flusses eben nichts als die fleißige Aufrüttelung des Schlamms erforderlich, was durch schwere, von allen Schiffen nachgeschleppte Rechen auch geschehen ist, als die türkischen Behörden dort die Auf­sicht hatten. Damals war die Höhe deS Wasserstandes regelmäßig 16 Fuß; Rußland dagegen hat eine Dampf­maschine aus England verschrieben, und nachdem sie 9- mal verwendet wurde, zerbrach sie und wurde als un­brauchbar nach Odessa geschickt. Die Politik Rußlands auf diesem Puncte bedarf keiner Erläuterung. Nun bber muß man bedenken, daß in den letzten Jahren durch­schnittlich 215 britische und 150 andere Fahrzeuge in die Donau einliefen, und daß man mit 5000 L. jähr^ lich ganz gut zwei kleine Dampfer zu Fahrbarmachung des Stromes unterhalten könnte. Das ist ein Gegen­stand, bei dem Oesterreich und ganz Deutschland leb­haft betheiligt sind, und auch Frankreich bezieht zur Zeit der Noth große Vorräthe aus jenen Gegenden. Die Erhaltung jener Canäle ist somit von allgemeinem eu­ropäischem Interesse, und es ist gerade unsinnig, sie der einzigen Macht, die ein Interesse an ihrer Ver­schlammung hat, anzuvertrauen. Die Mächte sollten entweder eine Commission zur Untersuchung der Donau- schiffahrt abschicken und deren Säuberung contractlich verpackten; denn es liegt kein Grund vor, worin man die Jurisdiction Rußlands über irgend eine der Donaumündungen (ausgenommen die sogenannte Kilia) ausschließlich anerkennen sollte. Oder man könnte noch einen andern Weg einschlagen: wir meinen die Anlegung eines Canals von der Donaukrümmung in das schwarze Meer u. s. w.

* * Die Karlsruher Zeitung macht auf einige ver­wandtschaftliche Verhältnisse aufmerksam, welche durch den Bund des Herzogs von Brabant mit der Erzher­zogin Marie Heuriette begründet wurden. Die durch­lauchtigste Mutter der hohen Braut, die Erzherzogin Marie Dorothea (bekanntlich die dritte Gemahlin deS am 13. Januar 1847 verstorbenen Erzherzogs Joseph, Palatinus von Ungarn, Bruders des Kaisers Franz) ist die Tochter des am 20. Sept. 1817 verstorbenen Herzogs Ludwig Friedrich Alexander und der in Kirch­heim unter Teck lebenden hochbctagten Herzogin Hen­riette von Württemberg; sie ist die Schwester J. Maj. der Königin Pauline von Württemberg und I Großh.

Hoh. der Frau Markgräfin Wilhelm von Baden. Da­durch knüpft sich ein nahes verwandtschaftliches Band zwischen den Herrscherfamilien von Belgien, Württem­berg und Baden. Andererseits tritt das österreichische Kaiserhaus in nähere verwandtschaftliche Verbindung mit dem Hause Kobnrg, welchem König Leopold, der Prinz Albert, Gemahl der König von England, und der Kö­nig Ferdinand von Portugal angehören; ebenso mit der Familie Orleans, indem die Mutter des Herzogs von Brabant, die am 11. Octbr. 1850 verstorbene Königin Louise Marie, die Tochter deS Königs Ludwig Philipp war.

Derrtschlmtd

* Wiesbaden, 25. August. (Assisenverhandlung gegen die Witwe des Wilh. Napp von Caub wegen Meineides.) Die Angeklagte wurde von den ®e< schwornen für schuldig befunden und von dem Assisen- Hofe zu einer Correetionshausstrafe von 2 Jahren, sowie in die 63 fl. 6 kr. betragenden Untersuchungskosten verurtheilt.

* Wiesbaden, 26. August. Gegenstand der heutigen Assisenverhandlung ist die Anklage ge­gen 1) Valentin Ick st ad t, 40 Jahre alt, Landmann; 2) Joseph Ickstadt, 28 Jahre alt, Wirth und Ge- meiudcrath; 3) Michael Jckstad t, 78 Jahre alt, ohne Geschäft; 4) Jacob Wetz, 37 Jahre alt, Tag­löhner ; 5) Anton Mühl, 27 Jahre alt, Taglöhner; 6) Adam Ehl, 33 Jahre alt, Taglöhner; 7) die Ehefrau des Adam Ehl, 37 Jahre alt; 8) Lorenz Schindling, A3 Jahre alt, Taglöhner; 9) Johann Trautmann, 39 Jahre alt, jBäcker, und 10) Jo- Hann Bender, 36 Jahre alt, Taglöhner, sämmtlich von Schneidhain, wegen Meineid und Verleitung zum Meineide.

Die Verhandlung leitet HofgerichtSrath Trepka, als Staatsanwalt fungirt Staatsprocurator - Substitut Flach, als Vertheidiger der Angeklagten Procurator v. Eck und Procurator Lang. Wir werden die Thatsachen, auf welche die Anklage sich gründet, morgen mittheilen.

T Aus dem Brexthal, 20. August. Welche wichtige Fortschritte die einzelnen Industriezweige in hiesiger Gegend machen, davon lieferte uns der bedeu­tende Fabrikort Höhr in neuester Zeit einen erfreuli­chen Beweis. Schreiber dieses hatte unlängst Gelegen­heit , dort die bisher im Kannenbäckerland noch nicht gekannte Fabrication der Drain röhren und feuer­festen Steine bei dem Fabricanten Jacob Thewalt zu sehen. In den letzten Jahren war man auf Hebung der Kannenbäckerindustrie bestens bedacht und ist hiebei des genannten jungen Mannes rühmend zu gedenken. Es wurden jedoch im Wesentlichen nur Verbesserungen im Fabricat ohne etwas in der Fabrication Neues zu Tage zu fördern, erzielt. Dem unermüdlichen Streben deS Fabricanten I. Thewalt ist dieß nun gelungen. Der Ofen zum Brennen der Drainröhren und feuerfesten Steine ist von Hrn. Thewalt selbst construirt und sehr zweckmäßig eingerichtet. Derselbe wird mit Steinkohlen geheizt, hat vier Sckürlöcher mit zwei Schornsteinen und besitzt den großen Vorzug, daß wenig Brennmate­rial zu den einzelnen Bränden erforderlich ist, was bei den hohen Preisen des Holzes und der Steinkohlen ge­wiß nicht gering anzuschlagen ist. Nicht mindere An­erkennung gebührt dem schon genannten Fabricanten bezüglich der Zubereitung des Stoffes, durch eine neue K u e t m a s ch i e n e eigener neuer Art. Der Thon, sonst mühsam durch Menschenkräfte, wird hier durch Pferdekraft zubereitet. Der landwirthschaftliche Verein wird gewiß den regen Betrieb dieser neuen Drainröh- renfabrication mit Freuden begrüßen, unterstützen und zu würdigen wissen.

Vom Taunus, 24. August. DasFrankfurter Journ." behauptet, daß nunmehr der Bau der Frank- furt-Hoin bürge r Eisenbahn keinem Zweifel weiter unterliege, da die Concessionen der betheiligten Regierungen ertheilt sind und die englischen Unterneh­mer, welche in Verbindung mit dem für diese Bahn concessionirten Banquier Raphael Erlanger in Frankfurt dieselbe auszuführen gedenken, bei einer in den letzten Tagen genommenen Einsicht an Ort und Stelle sich von der Trefflichkeit des Unternehmens vollkommeir überzeugt haben. Die Bahn würde von dem Main- Weser-Bahnhof in Frankfurt auslaufen, längs der Tau­nusbahn bis in die Gegend des Rebstocks herziehen und sich dann nach Rödelheim hinwenden, dann durch daS nassauische Gebiet bei Oberursel vorbeizichen und bei Homburg endigen; Zwischenstalioiien sollen bei Rö­delheim, zwischen Steinbach und Weißkirchen und bei