Nassauische Allgemeine Zeitung.
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E FSS Donnerst»!, den 25. Augnst 1S33.
Wt i.NaffattM; Allgemeint Zeitung" mit dem belletristischen Beiblatt „Der Wanderer" erscheint, SonntagS ausgenommen^ täglich und beträgt der PränumerationSpreiS für Wiesbaden und, nach dem neuen Postregulativ nunmehr auch für den ganzen Umfang des Ekurii» und TariS'schen Verwaltungsbezirks mit Inb,griff des PostattfschlqgS 2 fl., für die übrigen känder des dkulfch.ijsterreichischen Postvereins, wie für das Ausland 2 fl. 24 fr. — Anserate werden »tr Niersdaltix Peiitzeilc oder deren Ramu mit 3 fr. berechnet. — Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgalsc 42/ auswärts bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.
Leitungsschau.
Gegensätze auf dem neutralen Boden eines Seebades. — Das Wesen der Getreivelieftrungsgeschäfte.
Die A. A. Z. schreibt: Die Umgebungen des Königs auf Putbus sind ein sprechendes Abbild des. Waffenstillstandes der Parteien, der die gegenwärtige Zwischenpause der preußischen Politik charakterisirt. In dem engeren Kreise, welcher dort das Gefolge des Königs bildet, stehen dieselben Elemente wieder zusammengrnp- pirt, die in der RegierungSspâre sich unablässig auszuscheiden und zu überwinden streben, und auch jetzt nur wieder durch den entschieden kundgegebenen Willen deS Königs um ihn vereinigt geblieben sind. Der Ministerpräsident v. Manteuffel auf der einen und der General- Adjutant v. Gerlach, der Geheimerath Niebuhr und der Polizeipräsident v. Hinckeldey auf der anderen Seite re* präsentiren in diesem Augenblick auch in Putbus diese künstlich gefesselte Gegeneinanderbcwegnng der politischen Einflüsse und Richtungen, in der seit einigen Jahren eine Art von Gleichgewicht deS ministeriellen Systems gesucht wird. Die Berichte aus Putbus heben die Auszeichnung hervor, welche der König bei verschiedenen Gelegenheiten für die Person des Hrn. v. Manteuffel an den Tag gelegt, während er vornehmlich mit dem General von Gerlach und dem Geheimerath Niebuhr in kirchlichen Angelegenheiten gearbeitet hat. Es hat sich auch jetzt wieder gezeigt, wie sehr es der persönlichen Sinnesweise des Königs widerstrebt, eine definitive Auseinandersetzung zwischen den in seinem Rath und seiner Gunst stehenden Persönlichkeiten nach ihren principiellen Gegensätzen vollzogen zu sehen. Da der König selbst nicht' zwischen ihnen entscheiden will, und sich über die Gränze bis zu welcher das ganze Programm der KreuzzeitungSpartei auf Ausführung rechnen kann, seine eigne individuelle Instanz vorbehalten hat, so darf man annehmen, daß daS diesen dialektischen Prozeß repräsentirende Coalitionscabinet unter der Leitung des Hrn. v. Manteuffel auch noch in der Nächsten Zeit seinen Fortbestand behaupten wird. Der König selbst scheint geneigt, für die Aufrechthaltung dieser Combination einige Opfer zu bringen, indem er der Ausführung einer seiner Lieblingsgedanken, nämlich der preußischen Pairie, für die nächste Zeit noch entsagen dürfte. Ein eigentlicher Entschluß ist zwar in dieser für die preußischen Verfassungsverhältnisse sehr folgenreichen Angelegenheit schwerlich schon gefaßt, obwohl die als Fühler hingeworsenen Plänkeleien, welche die hiesigen Zeitungen vor einigen Tagen darüber brachten, sich den Anschein gaben, alS wenn in dieser Sache bereits eine definitive Beschlußnahme vorläge. Sollte die Neu- bildung der ersten Kammer durch königlich ernannte PairS noch vertagt bleiben, so würde dieß nur in der Absicht geschehens damit zugleich die innere Partei- KrisiS zu verschieben, welche in dieser Organisation leicht ihren entscheidenden Moment finden dürfte. Der Kreuz- zeitungSpartei war zwar der bestehende Berfassungsparagraph angenehm gewesen, der ihr die organische Fähigkeit sicherte den großen Grundbesitz zur entscheiden den Mitwirkung in der Gesetzgebung zu bringen. Aber nach dem letzten Kammerbeschluß, welcher die Wahlen der ersten Kammer durch die königliche Ernennung ersetzte, ist die Constellation immer noch überwiegend günstig für jene Partei geblieben, die auch auf diesem Wege dahin wirkt den einen Factor der Gesetzgebung vorzugsweise ans den ihr angehörigen Elementen zu bilden. Der König hatte den Aufenthalt auf PutbuS schon vor einiger Zeit dazu bestimmt die kirchlichen Verhältnisse der Monarchie einer umfassenden Berathung zu unterwerfen, zu welchem Zweck auch die Bescheidung deS preußischen Gesandten in Rom, Hrn. V. Usedom, nach Putbus erfolgt war. Hr. v. Usedom ist als Ueber- bringen wichtiger Mittheilungen der päpstlichen Curie beim König n'ngctroffen. Die Natur dieser Eröffnungen ist theils zufriedenstellend, soweit sie eine Beilegung der jüngsten Differenzen hinsichtlich der gemischten Ehen in Deutschland und Preußen in Aussicht rücken, und jeden- falls sehr milde und versöhnliche Intentionen des Papstes selbst darüber zu erkennen geben; theils berühren sie aber, wie es scheint, als Aequivalent gegen diese Aussicht die vielberegle Frage über die Radicirung der Einkünfte der preußischen Bisthümer auf die Staats- waldungcn, wozu die preußische Regierung noch keineswegs unbedingt entschlossen ist. Hinsichtlich der Reorganisation der evangelischen Kirchenverhältnisse dürften zunächst die Ergebnisse deS in Berlin bevorstehenden Kirchentags abgewartet werden, auf welche der König
bei den kirchlichen Conferenzen, die im vorigen Monat unter seinem Vorsitz auf dem Schlosse Bellevue stattfanden, ein bedeutendes Gewicht zu legen schien.
** Die „Zeit" bringt auS Stettin folgende beach- tenöwerthe Privatcorrespondenz: „Die nach Zeitungs- Nachrichten von der Behörde in Wien gemachte Entdeckung einer Koalition Getreidehändler, welche anscheinend mittelst Verteuerung von Lebensmitteln politische Zwecke im Hintergründe verfolgte, erinnert allerdings daran, wie wir und gleich 1847 inmitten einer übertriebenen Spcculation befinden, welche bei längerer Dauer geeignet ist, dieselben traurigen Folgen der Jahre 1847/48 hervorzurufen. Die Erscheinung ist um so auffallender, als sie von Frankreich auSgeht und von dort besonders auf die rheinischen Plätze, namentlich Köln, stark verpflanzt ist und in den Ernte-Resultaten durchaus keine Begründung für die jetzigen Preise findet; denn Preise von über 90 Thlr. für Walzen und 62 Thlr. für Roggen pr. Mispel, was zuletzt in Köln bezahlt wurde, sind nur durch wirklichen Mangel und MißwachS gerechtfertigt, welche aber ebenso wenig am Rhein als in Frankreich vorliegen. Wenngleich wir nun glauben, daß die jetzige Treiberei spätestens im Frühjahr zusammenstürzen wird, so sind doch Anzeichen vorhanden, daß solche zum Nachtheil der großen Masse des Volkes noch länger Zeit und vielleicht gerade im Winter, also der drückendsten Zeit für die arbeitende Klasse, weitere Fortschritte machen wird. Nur wer mit dem Wesen der Lieferungsgeschäfte vertraut ist, begreift, daß in Zeiten solcher Aufregung es leicht ist, durch Ankauf großer Massen Getreide auf entferntere Termine, wozu kein Geld erforderlich ist, die Preise auf eine unnatürliche Höhe zu bringen und zu halten, wobei die Scheingeschäfte durch vereidete Mäkler — aber ohne deren Vorwissen — geschlossen und in den officiellen Börsencours gebracht, eine Rolle spielen, welche durch Berichte und Depeschen aller Art unterstützt werden. Wenn die Verwaltung 1844 den Lieferungshandel mit QuittungS- bogen untersagte, so hatte sie unseres Dafürhaltens in Rücksicht deS allgemeinen Wohles noch mehr Ursache, den Lieferungshandel mit Getreide, insofern derselbe Termine über einen Monat hinaus umfaßt, zu untersagen , wodurch, wie jeder ruhige Geschäftsmann beipflichten wird, daS Uebel beseitigt wäre, ohne daß das reelle Geschäft mit effectiver Waare darunter litte; auch könnte eine Ausnahme dem Landmann zum Lieferungs- verkauf seiner Ernte gestattet werden, wenn dies nöthig erscheinen sollte. Demnächst wäre die Aufhebung aller Zölle auf Getreide erforderlich und zwar ohne Verzug, bevor die Zufuhren Rußlands und Americas, wo große Vorrâthe lagern, nach anderen Ländern dirigirt werden und die Schiffahrt ihrem Ende naht.
Deiktschland
* Wiesbaden, 25. Aug. Die Herzog!. Mini« sterialabtheilung des Innern hat nun durch das „Allgemeine Jntelligenzblatt" eine Tabelle zur Vergleichung der in dem Herzogtum bisher üblichen Maße mit dem neuen Maße zur öffentlichen Kenntniß gebracht. Nach derselben sind 1000 Malter des bisher in dem Rheingau üblichen alten Mainzer Birnselmaßes gleich 1099 Malter des neuen MaßeS â 100 Liter; 1000 Malter Diezer Maß gleich 1994 Malter neues Maß ^ 1000 Malter Hachenburger Maß gleich 2716 Malter neues Maß; 1000 Malter Montabaurer Maß gleich 2212 Malter neues Maß; 1000 Malter altes Friedberger Achtelmaß (und zwar Wehrheimer und Usinger Speicherns) bei glatter Frucht gleich 1310, bei rauher Frucht gleich 1431 Malter neues Maß; 1000Maller Dillenburger Maß glatte Frucht gleich 2967, rauhe Frucht gleich 3600 Malter u. M.; 1000 Malter Herborner Maß glatte Frucht gleich 2967, rauhe Frucht gleich 3566 Malter neues Maß; 1000 Malter Idsteiner Maß gleich 1146 Malter n. M.; 1000 Malter Nassauer Maß glatte Frucht gleich 2249, rauhe Frucht (Hafer) gleich 3374, (Spelz) gleich 2811 Malter u. M.; 1000 Malter Hadamarer Maß gleich 1967 Malter n. M.; 1000 M. Weil burger Achtelmaß glatte Frucht gleich 1344, rauhe Frucht gleich 1568 Malter n. M.; 1000 Malter Fran kfurter Maß gleich 1147 Malter neues Maß.
O Wiesbaden, 24. August. In diesem Jahre wird nach dem Vorgänge in früheren Jahren eine land- wirtschaftliche Versammlung für Wein und Obstbau, und zwar diesmal in Carls ruhe stattfinden. Nach dem Programm, dessen Veröffentlichung in den ersten Tagein zu erwarten steht, sind dazu drei Tage, 29 und 30. Sept, und der 1. Octbr. bestimmt. Dieselbe wird
sich voraussichtlich eines zahlreichen Besuchs um so mehr zu erfreuen haben, als die zur Verhandlung in beiden Sektionen ausgestellten Fragen zu interessanten DiS- cussioneu Veranlassung bieten, und mit der Versammlung eine Ausstellung in einer Art und Ausdehnung verbunden werden soll, wie sie bis jetzt noch nicht in Deutschland vorgckommen ist. Es werden nämlich alle landwirtschaftliche Centralstellen deutscher Staaten ersucht, sich möglichst zu bemühen, daß aus jedem derselben eine systematisch geordnete Sammlung der ausgezeichnetsten einheimischen Obstsorten, welche' die Jahreszeit liefert, nach Karlsruhe zur Ausstellung eingesendet werden.
* Wiesbaden, 24. August. (Assisenverhandlung sieg?» Gottfried Frotscher von Aumenau, wegen versuchter Nothzucht.) Der Angeklagte wurde von den Geschwornen für schuldig befunden und von dem Assi- Hofe zu einer Zuchthausstrafe von 5 Jahren und 4 Monaten, geschärft durch Kostbeschränkung, verurteilt. Die Kosten wurden niedergeschlagen.
* Unter unseren heutigen Bekanntmachungen befindet sich die in öffentlichen Blättern vielfach erwähnte Verfügung des H. KreisamteS Wiesbaden, den Fruchthandel betr.
* Wiesbaden, 25. August. (Assisenverhandlung gegen die Witwe des Wilh. Napp von Caub wegen Meineides.) Wilhelmine Napp geb. Tresch, Witwe deS Wilhelm Napp zu Caub, 61'Jahre alt, ist angeklagt, in einem von Ernst Malm zu Niederwalluf gegen sie wegen Forderung geführten Rechtsstreit vor dem Justizamt zu St. Goarshausen am 22. Sept. 1852, neuen falschen Eid geschworen zu haben, daß ihr der Kläger nicht im Monat Aug. 1849 25 Bütten Kalk, die Bütte zu dem gegenseitig festgestellten Kaufpreise von 1 fl. 16 kr. verkauft und am 13. Aug. dess. Jahres überliefert hat. Die Angeklagte hat den erkauften Kalk, dessen Empfang sie nicht läugnet, an den Maurermeister I b e l zu Laub, weiter verkauft, hat sich aber für Bezahlung des Preises an den Kläger haftbar erklärt.
Die Verhandlung leitet Asfisenvicepräsident Forst, als Staatsanwalt fungirt Staatsanwalt-Substitut Fl ach, als Vertbcidigcr des Angeklagten, Procurator Lang.
t* Diez, 20. Aug. Die Anwesenheit der hohen Frau Herzogin von Brabant auf Schloß Schaumburg, der Besitzung ihres Bruders des Erzherzogs Stephan gab zu einer im Vergleich zu den rauschenden der erlauchten Braut harrenden Festlichkeiten wohl einfachen aber herzlichen Feier die Veranlassung. Am Vorabend der Abreise des hochverehrten Gastes bewegte sich ein aus etwa 100 Fackelträgern bestehender Zug der Schloßbauarbeiter, denen sich die Hofoffiziere und die übrigen Diener des Schlosses — etwa die Hälfte der Fackelträger zählend, mit bunten Lampen in den österreichischen HauSsarbcn anschlossen, von dem Thal- hofe her über den gegen Süden gelegenen Serpentinenweg nach dem Schloßhofe. In der Mitte des ZugeS befanden sich die Hornisten des in Diez liegenden naf» säuischen Bataillons, den Radetzky Marsch aufspielend. Während der Zug langsam sich zur Höhe wand, stiegen zu seinen Seiten viele Raketen auf. Der Schloßhof war mit tausenden von Lämpchen illuminirt. Hier angekommen, schloß der Zug einen Kreis, der abwechselnd durch Musik und Wort der Erzherzogin Marie Hen riftte seine Huldigung darbrachte. Zuerst sang die Schuljugend ein von dem Schloßlehrer eigens dazu verfaßtes Lied nach der Melodie der österreichischen Volkshymne, der sich der Diezer Bataillonögesaugverein und die Hornisten mit ihren schön gewählten Produktionen anscl'lossen. Der Bibliothekar des Erzherzogs gab dann den Gefühlen der Huldigenden Worte, er sagte: „Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft, sie sind die inhaltschwer- sten Worte im menschlichen Leben, sie sind eS auch, die heute uns hier versammeln ließen, um einer Fürstin unsere Hnldigung darzubringen, die aus der Vergangenheit von ihrem ersten Erscheinen her noch treu bei und in dankbarem Gedächtnis blieb — in der Gegenwart das Glück so recht milsühlen läßt, das sie unserem gnädigsten Herrn, ihrem durchlauchtigsten Bruder, durch ihr Hicrhcrkommen bereitet hat; für die Zukunft aber, die noch in Schleier gehüllt, in uns allen, die wir hier vereint, die innigsten Wünsche für das künftige Wohlergehen, das wahre Glück der hohen Frau erweckt, mit der Bitte, auch in späteren Jahren der kleinen Colonie in Schaumburg huldreichst eingedenk zu bleiben, die mit Begeisterung und treuer Liebe ein Lebehoch ausbringt, das in wenigen Tagen tausendstimmigen Widerhall bei einem braven Volke finden wird, daS sich glücklich schätzt, eine solche Fürstin sein nennen zu können." Das donnernde Hoch, das der Rede folgte, und in das