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Nassauische Allgemeine Zeitung.

Wr ^SL Samstag hm 20. August 1833.

DkxNassauischk MarmUne Zrilung" mit dem bkNeiristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntaq« ausgenommen, täglich und beträgt der PrännmerationSpreiâ für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregnlaiiv nunmehr auch für den ganzen Umfang des Tdurn- und TariS'schen BerwallungSbezirkS mit Inblgriff des PostanfschlagS 2 (1., für die übrige» Länder des deuifchedgerreichische» PoftvereinS, wie für daS Ausland 2 fl. 2t fr. Inserate werden die vierspaltig Pelltleilk oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen bellebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgalse »2, auâwärtS bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

* Wiesbaden, 19. August.

Die Mittelrheinische Zeitung, welche doch sonst in dem Abdrucken unserer Artikel sich so prompt zeigt, hat diesmal unseren Artikel (in Nr. 188,) in der darauf er­theilten Antwort nur zum Theil gebracht, sonst wurden die Leser derMittelrh. Ztg.", welche die Nass. Allg. Ztg. nicht lesen, daraus ersehen haben, daß unsere Voraussagungen sämmtlich eingctroffcn sind. Anstatt an dasAugsburger Blatt" worunter dieAugsburger Allgemeine Zeitung" zu verstehen ist und an das Kasseler Blatt" sich zu halten, kehrt sie sich gegen uns, ergeht sich in Lobpreisungen ihrer selbst und ihrer Ver­gangenheit, (!) in Verdrehungen unseres Artikels und in Verdächtigungen gegen uns, um nur die Sache, um die es sich handelt, nicht zn berühren. Ihr Bestreben geht jetzt dahin glauben zu machen, daß dieMittelrhcinische Zeitung" ein neues Blatt sei, jede Continuität mit der freien Zeitung zu läugneu, zu behaupten, daß sie nie daS Organ der rothen De­mokratie in Nassau gewesen sei, daß sic nie an dem Um­sturz alles Bestehenden gearbeitet, daß sie nicht die er- bitterste Feindin Preußens war, als dieses so energisch die Revolution bekämpfte, daß sie niemals Preußens König, den Prinzen von Preußen, die preußische Re­gierung, das preußische Kriegsherr auf die schmachvollste Weise mit Schimpfredeu übergossen habe.

Diese Behauptungen derMittelrheinischcu Zeitung" lauten etwas sonderbar, da sie doch bei Aenderung ihrrs NamenS selbst erklärte, daß siedarin nur demeisernen Drang der Verhältnisse" Raum geben , an ihrer Richtung aber nichts ändern werde. Ganz natür­lich! Damals, im December 1851, als noch jeder gute Demokrat die Worte,Es geht bald wieder loS" im Munde führte, lag ihr Alles daran, ihre Continuität oder vielmehr Identität mit derFreien Zeitung" trotz ihres Namenswechsels nachzuweisen; jetzt wo auch bei den gläubigsten Demokraten doch einige Zwei­fel an der Wahrheit dieser Prophezeiung aufgetaucht sein werden, möchte sie ihreFrcie-ZeituugS-Vergangenheit lieber jedem Anderen als sich zu kommen lassen und der Welt glauben machen, daß sie alsMittelrheinische Zeitung" eine ganz andere sei; und ebenso natürlich wird sie, wenn eS einstwieder losgehen sollte" auch wieder auf ihr Programm vom December 1851 ver­weisen, worin ja klärlich zu lesen, daß siedem eisernen Drang der Verhältnisse Raum gebend" nur ihren Namen gewechselt, ihre Richtung aber bcibehal- ten habe.

Mag dieMittelrheinische Zeitung" deren miver-- hülltes Streben in der Zollfrage nur dahin ging, eine Verständigung zwischen den deutschen Großmächten nach Kräften zu hintertreiben und die ebenso patrio­tischen wie zum Heile des Vaterlandes auf Herbeiführung einer solchen Verständigung gerichteten, mit dem glücklich­sten Erfolg gekrönten Bestrebungen einer Anzahl deutscher Regierungen, unter denen auch die von Nassau eine so ehrenvolle Stelle einnahm, alsparticularische, dynastische, dem Lande verderbliche Umtriebe" zu vereiteln jetzt mit dreister Stirn behaupten, daß sie in dieser Fragedie wahren Landes- und Volksinteressen verfochten habe" ; mag sie, die jede positive GlaubeuSrichtung gleich hef­tig bekämpfte, sich gleichwohl als die Vorkämpferin deS Protestantismus gebaren und uns, die wir allerdings der Ansicht sind, daß die Religion eS ist, die den Menschen erst zum Menschen macht, daher auch die ein­zig dauerhafte Grundlage staatlicher Gestaltungen ab gibt, die ohne positives C h r i st e n t h u m^aber uns undenkbar ist, als Ultramontane, Jesuiten, Pietisten rc. ic. prädiciren; mag sie, die in ihrer glorreichen Ver­gangenheit auf die Abschaffung des Landesherren thätigst hinwirkte, sich jetzt als eifrige Vertheidigerin seiner Rechte in der Differenz mit dem oberrheinischen EpiScopat aufdrängcn und uns, weil wir allerdings diese Differenz tief beklagen, alsklcrical-oppositionell" denunciren: sie wird durch alle diese Winkelzüge Niemanden, der nicht getäuscht sein will weder über ihre Pläne und Zwecke in der Vergangenheit, Gegen­wart und für die Zukunft, noch über die unseri­gen täuschen.

Für das monarchische Princip, die con- servativen Interessen und das positive Christenthum hat die Nassauische Allgemeine Zei­tung von ihrem ersten Erscheinen an bis auf den Heu. tigen Tag ihre Stimme erhoben; sie hat es gethan in.it schweren Opfern, in Zeiten und unter Um­ständen, in denen Mancher, der in Stellung und Pflicht eine Aufforderung hierzu hätte finden können, es für gerathen er hielt, zu schweigen. Ob sie es mit

einigem Erfolg gethan? dafür möge die Erbitte­rung ihrer Gegner insbesondere die derMittel- rheinischen Zeitung" selbst, welche ihr alsFreie Zei­tung" in völlig gleicher Weise wie in ihrer jetzigen Ver­puppung entgegen trat, Zeugniß ablegen. Dieß der Nassauischen Allgemeinen Zeitung Vergangenheit.

Dieser entsprechend wird auch ihre Zukunft sein. Sie wird auf der betretenen Bahn ihrem vorgesteckten Ziele zustrebcu unbeirrt durch Verleumdung und An­feindung, ohne Rücksicht auf Dank oder Undank und sie hat nur einen Wunsch, daß nämlich der Tag nie er­scheinen möge, an welchem alle diejenigen, welche sich in Zeiten der Gefahr unter ihre Fittige geflüchtet, sich aber dermalen aller gemachten Erfahrungen ungeachtet nicht entschließen können, auf den wohlfeilen Ruhm jener vermeintlichenFreisinnigkeit" undAuf­geklärtheit" zu verzichten, Ursache haben werden, ihre Verblendung z u spät zu beklagen.

Deulschlattd.

Wiesbaden, 18. August. Die letzte Fremdcu- liste zählt 18,383 Kurgäste. Angekommen vom 13. bis 16. August sind 892, also täglich 226. Die Emser Kurliste vom 18. August zählt 4489, die Schwal- bacher Kurliste vom 18. d. zählt 2101, die Schlangen­bader bis zu demselben Tage 881, die letzte Kurliste von Weilbach 124 Badegäste.

+ Limburg, 19. August. Die in der Nr. 193 d. Bl. gegebene Zusammenfassung des Artikels des Mürttcmbergischen Staatöanzeigers" ist nicht genau. Dieser officiösc Artikel gibt nämlich nur eine dahin lautende Aufklärung, 1) daß die Regierungen dem Papste eröffnet hätten, sie müßten ihre Hoheitsrechte wahren, wenn er die fraglichen Bestimmungen wegen der Errichtung von Tridentinischen Seminarien, freien Ver­kehrs mit Rom und freier Ausübung der bischöflichen Amtsgewalt in die zu erlassende Bulle aufnehmen und die entgegenstchenden Wünsche der Regierung nicht er­füllen zu sollen glaube (m Set erwähnte» Zusammen- fassung hieß eS, die Regierungen hätten hinsichtlich der Artikel V. und VI. erklärt, daß sie sich der Aufnahme derselben in die Bulle nicht widersetzen ohne jedoch ih­ren Inhalt anerkennen oder sich ihm unterwerfen zu wollen.)

Zweitens, daß der Pabst hierauf erklärt habe, er bediene sich der ihm gelassenen Freiheit, die be­treffenden Stipulationen aufzunehmen, da sie die Ho­heitsrechte der Regierungen weder berühren könntcw, noch sollten. Auch die bezügliche Stelle der Denk­schrift der Bischöfe ist ungenau wiedergegeben. Die Be­hauptung der Bischöfe lautet nicht, daß die Re­gierungen die Art. V. n. VI. der Bulle Ad Dominici gregis cuslodiam bei der Promulgation nach ihrem Gutdünken gedeutet hätte», sondern sie besagt, daß diese Bulle in einer Weise promulgirt worden sei, die dem­nächst dahin gedeutet worden (sc. von den Regierun­gen), daß gerade den vom apostolischen Stuhle durch­aus festgehaltenen Artikeln V. und VI. die landeögesctz- liche Bestätigung nicht ertheilt sei. *)

Auf den Artikel desSt. A. f. W." selbst einznge- hen, dazu finden wir keinen Anlaß, zumal bereits in andere» Blättern, die der obschwebenden Kirchenfrage ausführlicher gedenken als es für dieses Blatt angemes­sen erscheint, Entgegnungen veröffentlicht worden sind, welche ein Urtheil in der Sche selbst erleichtern dürsten.

* Mainz, 19. August. DasMainzer Journal" bringt einen umfassenden Artikel zur Würdigung der zwischen der k. preußischen und der Großherzoglich Hes­sischen Regierung entstandenen Differenzen. Nach dem­selben ist deren Veranlassung eine ganz andere, als die bisher vermuthete und von Preußen ausgegangen. ES soll nämlich der königl. preußische Gesandte in Darm­stadt, Herr v. Canitz, ein durchaus unbefugtes Ver­langen um Auskunft über g cw is se in die­sem Frühjahre zwischen dem Großh. Hess. Ministerprä­sidenten und dem Minister eines benachbarten befreun­deten Staates gepflogene Verhandlungen an Hrn. v. Dalwigk gestellt, Letzterer aber die begehrte Auskunft als unstatthaft und in der Form, wie begehrt,

*) Die angcdcutcten Stellen der Note der vereinigten Re­gierungen vom 4. Aug. 1826, der Note des Cardinal Staats- secrctârs della Somaglia vom 6. Jan. 1827 sind wie die be­zügliche Stelle der bischöflichen Denkschrift vom 18. Juni d. J. in dem efficiöscn Artikel desWürtt. StaatsanzeigerS" ganz richtig angegeben, dagegen sind im Schlußsatz dieses Aktenstücks nach welchem unsere Zusammenfassung gemacht ist, die als un» richtig bezeichneten Stellen wörtlich enthalten!

(Anm. d. Red.)

als der Würde der Gr. Regierung zuwider höflich, aber entschieden abgelehnt haben. Liegt es ja doch schon in der Natur der Sache, daß wen» der Freiherr von Dalwigk mit einem anderen Staatsmanne verhandelt, einem dritten völlig Unbctheiligteii keine Eröffnungen darüber gemacht werden dürfen, so lange der andere verhandelnde Theil von einer solchen Forderung nicht in Kenntniß gesetzt ist und seine Einwilligung zu solchen Eröffnungen an einen Dritten gegeben hat. Diese Weigerung, seinem Ansinnen zu entsprechen, soll den preußischen Diplomaten verletzt, und sodann im weiteren Verlaufe seine Abreise veranlaßt haben. Hr. v. Canitz hat nämlich wie man sich erzählt, diese ablehnende Ant- wort des Frecherm v. Dalwigk als einen Mangel von Vertrauen gegen ihn und die k. preußische Regierung gedeutet und für die letztere den Vorzug augesprochen, daß er auf jede Anfrage über jeden beliebigen Gegen­stand von der hessischen Regierung stets eine erschöpfende Antwort erwarten dürfe. (!) Der übrige Theil des Artikels enthält die Widerlegung einer verunglimpfenden Korrespondenz derWeser Ztg." Dort war als Grund des Verkehrsabbruches zwischen Preußen und dem Groß- hcrzogthum Hessen im Allgemeinen eines Theiles un# läugbar prcnßcnfeindliche, anderen Theiles antinationale Gesinnungen und Bestrebungen der Großherzoglich Hes­sischen Regierung angegeben. Im Besonderen aber der Gr. Regierung einVerharren in einer gewissen Coalitivnspolitik", sodann Annäherung au Frankreich (!) vorgeworfen, weiter eines überwiegenden Einflusse- Sr. Gr. H. des Prinzen Emil erwähnt; endlich der Gr. Regierung eine Mißstimmung zngcschrieben über die, bei Gelegenheit der Debatten in Betreff der Zoll- Vereinsfrage Seitens beider Kammern und 'bei­der Seiten des Hauses" hcrvorgctretenestarke Zunei­gung zu Preußen", welche Mißstimmung sich in der unerhörten Verfolgung einesbekannten Abgeordneten" Lust gemacht habe. Schließlich war noch als sccundä- ren Grunde der obschwebenden Differenz der Darmstäd­ter Bank Erwähnung gethan, deren Gründung der Cor- rcspoudeut des Bremer Blattes alsAusfluß der Hin­neigung zu Frankreich" bezeichnet und deren Stifter in den ehrenrührigsten Ausdrücken gedacht wird.

Frankfurt a M, 15. Äug. DerZeit" wird geschrieben : Während die Getreideernte in unserer Um» gegend notorisch mindestens gut mittelmäßig ausge­fallen ist, steigt der Brodpreis zum Verdruß der Con- snmentcn in bedenklicher Weise. Diese Erscheinung, welche von der Masse der Bevölkerung dem Einfluß wucherischer Specnlation zngeschricbc» wird, erklärt sich aus einem Komplex von veschiedeiien Gründen, über deren Zusammenhang und Umfang sich nicht Jedermann klare Rechenschaft abzulegen pflegt. Dor allen Dingen muß man sich daran erinnern, daß Europa überhaupt selbst in den besten Jahren keinen großen Uebcrflnß an Getreide producirt und daß die Magazinage in diesem Artikel nie umfangreich und außerdem mit bedeutendem Verlust verbunden ist. Von Vorrälhen kann deshalb keine Rede sein. Die diesjährige Mittelernke wird nun unter einer Reihe von begleitenden Erscheinungen ein# geheimset, welche auf die Preise steigernd einwirken. Die andauernde türkisch-russische Krisis, welche dem Ge- treidehandel im Orient fast ganz gelähmt hat; das fühl­bare Zulückweichen der Korncultur vor dem Kartoffel- ban, dem Rüben- und Tabakbau; die im Laufe der letzten Monate eingetretene Preissteigerung fast aller Waaren ohne Ausnahme; die Vorsorge einzelner Re­gierungen für kriegerische Eventualitäten durch starke Aufkäufe; die zunehmende Auswanderung und allmälige Lohttsteigerung; die immer breiter werdende Biercon- sumtion; die ungeheure Masse von europäischen Ex­porten nach übersecischen Ländern; alle diese Um­stände scheinen wesentlich geeignet zu fein, die Getreide- preise in die Höhe zu treiben. Und die Speculation thut bei dem großen, ihr gestatteten Spielraum mit großen flüssigen Capitalien in Händen das Ihrige. Glücklicherweise sind nicht alle angeführten Gründe dauernd und ein Hauptgrund, die russisch-türkische Diffe­renz, wahrscheinlich bald vorübergehend. Die Erntebe­richte aus America lauten sehr günstig und die Kar­toffel ist auf großen Strecken sehr gut gerathen. An ein eigentliches Hungerjahr kann deshalb Niemand ernst­lich glauben; vielmehr ist eS sehr wahrscheinlich, daß eine rückgängige Bewegung der Preise in nicht allzu­ferner Zeit eintreten werde.

Der Darmstädter Bank ist nach demDresd. I." in diesen Tagen das Anerbieten gestellt worden, eine mit 4 Millionen Dollars fundirte Zweigbank in New- Iork zu errichten. Dieser Gedanke soll n'cht auf un-