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Nassauische Allgemeine Zeitung.

71t 189. Samstaz bcn 13. August 1S53.

Sie,,9?affauifd>r AllgkMrine Zeitung" mit dem belktriflitoen BeiblattDer Wanderer" crscknn«, Sonntags ausgenommen, täglich und beträgt der Pränumeraiionspreis für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulariv nunmehr auch für den ganzen Umfang deS Dburn- und Taris'scken Verwaltungsbezirk« mit Inbegriff des Poffausschlag« 2 fl., für die übrigen Länder des deulsch-Ssterreisnschen Postvereins, w,e für das Ausland 2 ff. 24 kr. Inserate werden die vierspaltig Petitzeilroder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung oon W. Friedrich, Langgasse 42, aufwärts bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

Amtlicher Theil.

D i e n K n a ch r i ch e tt.

Die mit Verseilung der Lehrgehülfensckulen zu Lan­gendernbach und Waldernbach bisher beauftragt gewese­nen Schulcandidaten Karl Keßler und Peter Kopp find zu LehrgehiUfen daselbst ernannt worden.

Nichtamtlicher Theil.

Rückblicke und Aussichten.

(Schluß.)

So erscheint das regenerirte Oesterreich in den Au­gen John Bulls kaum in einem Zuge dem wirklichen ähnlich, das gerade jetzt für jeden unbefangenen Beo­bachter das interessanteste Schauspiel darbietet. Wie der Neubruch eines lange brach gelegenen Bodens, der, frisch gepflügt und bebaut, dreißigfältigeS Korn trägt, obgleich daS Unkraut noch lange nicht der frischen Cultur gc- wichen ist, regt und webt es in allen Regionen der Monarchie, die noch vor wenigen Jahren der gänzlichen Zerstörung anhcimg. geben sct k». An der Spitze dersel­ben der junge bewundernöwerthe Kaiser, dessen Regie­rung-talent im Augenblick bemerkt wo dem Erfolge Gefahr droht, der überall selbst sieht und immer Kreit ist schnell und durchgreifend zu verbessern wo cs noth thut, ohne die einmal unerschütterlich festgesteUte Einheit der Monarchie in Frage zu stellen! Bis zum Jahr 1854 wird in allen Sphären der Verwaltung die Organisation aus der tbeo- renschen DiScussion in daS Stadium der wirklichen An­wendung getreten sein. Niemand konnte die Dringlich­keit dieses Momentes verkennen, dennoch wurde er viel­fach mit mehr Ungeduld als billigem Ermessen herbei- gesehnt, die Klagen über Verzögerung des Provisoriums waren zahllos und gleichwohl ist eine solche Hercu­les Arbeit in verhältnißmäßig kürzester Zeit zu Ende geführt worden. In Ungarn findet vom heutigen Tag an die neue Praxis statt. Es wäre zu wün­schen gewesen, brauchbare ungarische Individuen hät­ten sich in größerer Anzahl zur Ausführung des neuen Verwaltungssystems finden lassen. DaS war indeß nicht der Fall. In Zukunft werden sie sich finden lassen. Gegenwärtig war Unlust und Unfähig­keit in gleichem Maße schuld, daß man nach anderen greifen mußte! Beides wird sich bald vermindern. Was ein Beamter ist und sein soll, weiß man in Ungarn nicht, bis jetzt hat dort jeder nur so viel im Dienste geleistet als ihm bequem «ar; hatte der Oberstuhlrich- ter sein Heu einzuführen, sozwar von keinem Dienst die Rede, und hatte der Landrichter oder Präsident seine Ernte zu besorgen oder seine Weinlese zu halten, oder traten die regelmäßigen Ferien und häufigenJuristi- tien" ein, so mußte der Dienst eben warten bis diese vorüber waren. Eine regelmäßige Gliederung, wo ein Glied am andern hängt, ein Zusammenwirken war nicht vorhanden und ein dürftiges Referat von einem oder zwei Bogen war alles waS ein hoher ComitatSbeamtcr zu der Generalcongregation vorzubereitcn für nöthig hielt. Da­mit reicht man nun freilich heute nicht aus und für ganze Bezahlung verlangt man auch ganzen Dienst. DaS wird in Ungarn von den Eingebornen noch nicht recht begriffen, aber es wird begriffen werden, und bei den großen Fähigkeiten, die in der Nation unlängbar vor­handen sind, bedarf es nur der Schule der eigenen An­schauung. Der Kaiser hat befohlen die talentvollsten, ausgezeichnetsten, vor allem die redliastcn jungen Leute aus der ganzen Monarchie zu diesem Ende in Ungarn anzustellen, um gleichsam Musterschulen brauchbarerBe- amten zu stiften, an denen sich die Söhne deS Landes heranbilden sollen, um sie demnächst ersetzen zu können. Der nothwendige Schritt, der in Ungarn der umge- wandelten Verwaltung vorausgehen muß, ist daß die an- gestellten Organe der Regierung sich als Staatsbeamte und nicht als nationale Localbeamte zu erkennen ver­mögen. Wer in Ungarn vormärzlich gelebt hat und die dortige Verwaltung aus Erfahrung kennt, wird sich nicht einbilden, daß man dort sogleich begreifen werde, wie es fernerhin nicht werde thuiilich sein, Gelb­remunerationen von Privaten anzunebmen, um ihnen gegenüber seine Amtspflicht zu erfüllen, und daß es hierin einen Ehrenpunkt gibt, von dem die frühere ein­heimische Verwaltung oft bis in die höchste Verzweigung leiten Notiz genommen hat. Zum Glück ist Erzherzog Albrecht nicht der Mann, der so etwas ungeahnt lassen ? t. ^^ ^11* Verständniß der Beamtcuebrc geht

der Bürgerehre gleichen Schritt. Ein Bürger­

thum aber hat eS in Ungarn bisher nicht gegeben. Seit der Reorganisation wird dieser zur Cultur jedes Landes unentbehrliche Factor von immer größerer Bedeutung; und zumal in Pesth , und in den größeren Communen seit sie von dem früheren Druck der Comilate befreit sind, entwickelt sich schon jetzt ein intelligenter, selbst­ständiger , seiner Stellung und seines Werthes sich be. mutier dritter Stand in freudigem Wachsthum. Mit Einem Worte, die Zukunft dieses Landes ist unermeß­lich, selbst wenn alles thäte, um sie nicht begreifen zu wollen.

Wenn in Ungarn, als dem der Ordnung bedürftig­sten Theile der Monarchie, zuerst Hand angelegt wurde, so ist man in der übrigen Monarchie doch nicht zurück­geblieben. Alles bewegt sich einer ruhigen Entwickelung zn. Wo unvorhergesehene, nicht in ihrer ganzen Schwere erkannte, oft die Interessen großer Bevölkerungen be­drohende neue Einrichtungen Reklamationen und Be­schwerden im gesetzlichen Wege Hervorrufen, tritt überall die eigene Entscheidung des Kaisers heilend und vor­sorgend ein. So ist z. B. das neuerlichst für die Re- gulirung und Ablösung der Fvrstservirute erlassene Ge­setz ein Meisterstück richtiger Auffassung, voll wohlwol­lender Absicht und billiger Berücksichtigung aller Par­teien. Ein großer Mangel bei allen Umgestaltungen dieser Art liegt einestheilö oft in der übelverstandeucu fiöcalen Ansicht der Behörden selbst, die bei der Ans- führung statt eines großen staalSwiithschaftlichen Grund­satzes die kleinen Interessen einer knackenden und doch in ihrem Ergebnisse unbedeutenden Plusmacherei inS Auge fassen, und anderntheils in dem Bestieben, statt der noihwendigen Einheit >M Princip eine alle LebenSbe- wegung hemmende Gleichförmigkeit der Modalitäten zur Geltung zn bringen. Nicht genug daß der Grundsatz des Gesetzes für alle gleich sei, wie er auch soll und muß, verlangt man aber auch, daß die Auwendung über­all auf die nämliche Weise statifindcn soll, selbst dort wo die Localver'hälluiffe diametral entgegengesetzt sind. So bilden zum Beispiel bei dem Forst-Äblösungsgesetz der Holzreichtum» oder die Holzarmuth der Gegend, der größere oder geringere, längere oder kürzere Ver­brauch, Umstände, die in armen Gebirgsgegenden, wo der Winter acht Monate dauert, die Leute zur Ver­zweiflung bringen und eine allgemeine künstliche Theuer­ung systematisch herbeiführcn, während sie oft von keinem oder von nur geringen Belang in milden Klimaten sind, wo der Winter nur drei Monate währt. So gestalten sich die Dinge anders in Gegenden des Ackerbaues, anders wo der ackerbare Grund fehlt und der Wald allein den täglichen Lebensunterhalt oft gedrängt be­völkerter Gcbirgöstriche gewähren muß. In dem be- melbetcn Patent ist schon dadurch ein ausreichendes Mittel gefunden worden, daß der Versuch durch gütli­chen Vergleich zum Zn eck zu gelangen als erstes Bestreben den Einfübinngsbeamken zur Pflicht gemacht w rd, und der Ermöglichung desselben voller Spielraum gelassen ist. Hierbei kommt nun freilich noch viel darauf an, daß die damit beauftragten Beamten auch die rechten Männer dazu seien, was auch, wo der Gegenstand, wie wir hören, bereits im Gang ist (z. B. im Ennsthal der Steiermark), allerdings der Fall sein soll. Eine ganz eigenthümliche und ausnahmsweise Stellung nehmen die Holzverhältnisse in den Salzkammergütern ein. Dort find sie eine Lebensfrage, von welchemSein" oder Nichtsein" der dortigen Einwohnerschaft abhängt.

Da ich Sie aus meinen Slielfereien durch die Mo­narchie biS in das Alpenland geführt habe, muß ich Sie vor allem ersuchen, sich nicht von den Lärmgerüch ten aus jenen Gegenden in allzugroße Besorgniß trei­ben zu lassen. Ihr Gegenstand ist eine Untersuchung einiger anrüchigen Individuen. Man hat gleich damit begonnen, den Ergebnissen derselben einen zum Glück durchaus nicht vorhandenen, böchstgefährlichen Charakter im Publicum und auch schon in der Presse zu unterle­gen. Die Kundgebung schlechter Gesinnung von einzel­nen ziemlich bedeutungslosen Individuen' dürste man nicht übersehen, auch wurden von ihnen in der That alle schlechten Parteimittel angcwendei, Unzufriedenheit zu verbleiten: communifiil'dK, socialistische, deutsch-katho­lische Doelüncn und Auswandcrungsbestrebungen wur­den neben einander von vier bis fünf von lange her übelberüchtigten Personen fleißig ins Feld geführt, um den einfachen, auch nicht allzu schwer wicgeudcu gesun­den Verstand dieser armen Gebirgsbewohner aus Rand und Band zu bringen. Man hat daher dieser Bumm- lerci ein schnelles Ende zu machen sich entschlossen, und um ihr keine Zeit zu lassen, es sich bequem zu ma­chen und einen ernsthaften Charakter anznnehmen, hat

Man die mebt oder minder gravirtcn Personen verbaf- tr und zur Untersuchung gezogen. Die Anzahl würde sich auf eine äußerst geringe beschränkt haben, wenn nicht zugleich eine arme, alle, abgelegen wohnende Frau we­nige Schritte von ihrer Hütte umgebrachr worden wäre. Da die Frau gar keine bekannte Verbindung hatte, ganz ohne persönliche Bedeutung war, nicht die geringste Kleinigkeit von ihrem Eigenthum geraubt wurde, so konnte man nicht umhin, nach irgendeiner Beziehung mit einer Partei zu suchen, der man derlei Thaten al­lerdings zutrauen konnte. Dieser Umstand hat die Zahl der zur Untersuchung Gezogenen wesentlich vermehrt, ohne daß bisher über das Factum die geringste Jnzicht erlangt werden konnte. Wie diese nichtswürdige Bnmw- lerei indeß vereinzelt dastcht, beweißt, daß von den meh­reren Tausend Bergleuten der Saline keiner betheiligt ist. Ich habe Gelegenheit gehabt, eine Eingabe von mehr als 700 Salzarbeitern von Hallstadt zu lesen (Hallstadt war besonders verdächtigt worden), die eine Bitte an ihre Behörde richteten: man möge zur Kennt­niß des Kaisers bringen, daß sie sich von den so reich- lieb in letzter Zeit empfangenen kaiserlichen Wohlthaten gedrückt fühlten, und sie nicht mit Freudigkeit des Her­zens genießen könnten, wenn man ihre Treue auch nur einen Augenblick im Verdacht haben sollte." Ein Vor­trag voll Energie, den der Salinendirector v. Plentzner der grsammlen Knappenschaft hielt, brachte den größten Enthusiasmus hervor, und wurde einstimmig mit der Drohung erwiedert, jeden Versuch ihre Loyalität zu er­schüttern an dem Versucher selbst zu strafen. Ich schreibe Ihnen diese Dinge umständlich, damit Sie wissen, wo­ran Sie sich zu halten haben, wenn Sie etwa in einer Kölner oder englischen oder amerikanischen Zeitung le- fen: Zn Ischl seien Höllenmaschinen ausgestellt, um daS Leben Franz Josephs zu bedrohen. Dieser aber wird hoffentlich lauge und gesegnet leben zum Heil Oester­reichs und zum Heil Europas.

Deutschland.

* Wiesbaden , 13. August. Dem Vernehmen nach wird Se. Maj. der König von Württemberg am 15. von Schlangenbad abreiscu. Der Hochwür­digste Herr Bischof von Würzburg hat Wiesbaden sehr zufrieden mit der Wirkung der hiesigen Bäder am An­fänge dieser Woche verlassen. Se. Eminenz der Herr Cardinal-Erzbischof von Köln wird erst in den nächsten Tagen von hier abreisen. Unser letzte Kurliste wei­set 16,862, die Emser Kurliste vom 11. d. 4423 Kurfremden nach. Die Zahl der bis zum 11. in Bad Schwalbach angekommenen Fremden beträgt 1941. Schlangenbad zählt bis zu demselben Tage 788. Die uns mitgetheilte Nachricht von dem Ableben des Pfarrers Dr. A. Köster (S. Nr. 182 d. Bl.) war irrig.

/Aus dem untern Rheingau, 9. Aug. All­gemein hört man die Erndte loben; besonders sind die Bauern über der Höhe seeleuvergnügt und schaffen mit Lust und ohne Rast an der Einheimsung ihrer wirklich sehr schönen Früchte. Ein guter Regen wäre wieder sehr zu wünschen, da die Kartoffeln, Bohnen, Gurken re. dessen noch sehr bedürfen. Die Frühkartoffeln scheinen nicht sehr reichlich ausznfallen, sind aber so gut als noch wenige Jahre und zeigen nichts von Krankheit. Die Verkäufer dürften jedoch bei dem kleiner gewordenen Maße im Preise fallen, denn 12 kr. ist immer noch zu viel Geld für ein Kümpfebeu. Ucberhanpl sind die Nahrungsmittel «ls Brod, Fleisch und Gemüse so theuer, daß cs einem armen Taglöbner mit dem besten Willen und dem sauersten Schweiße schwer fällt, ja unmöglich wird, eine Familie gebührend zu unterhalten und gehö­rig zu sättigen.

In Geisenheim hat sich kürzlich ein beklagens- werther Unglücksfall ereignet. Ein braver, schon be­tagter Winzer, Nauiens WeinMimer, wollte einen Karren Lehmen in einer durchaus nicht tiefen Grube holen, als sich beim Arbeiten ein Stück Harter und trockener Erde oben vom Felde ablöste und dem Un­glücklichen die Brust eindrückte.

Don der Lahn, 11. Aug. (M. I.) Aus bester Quelle kann ich Sie versichern, daß gegenwärtig preu- ßiiche Ingenieure damit beschäftigt sind, zwischen Frank­furt und Köln eine Eisenbahnlinie und zwar auf dem rechten Rheinufer zu ermitteln, resp, einen deßfallsiM Voranschlag aufzustellen. Ob der Staat die Bahn selbst übernehmen oder solche einer ActiengeseUfchaft überlassen wird, ist vorerst noch ungewiß; so viel aber ist bestimmt, daß für den Nothfall auch englisches Geld in Bereitschaft gehalten wird. Die neue Linie soll bei Gießen auf deut Main - Weserbahuhofe begiuueü und