Einzelbild herunterladen
 

Nassauische Allgemeine Zeitung.

M 188. Freilag dm 12. August 1833.

©tr, Nassauische Allgemeine Zeitung" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, SonniaqS ausgenommen, täglich und beträgt der PränumeraiionSpreiS für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulaiiv nunmehr aud für den ganzen Umfang des Lburn- und TariS'schei, Verwaltungsbezirks mit Jnbzgriff deS PostaufschlagS 2 fi., für die übrigen Länder des deutsch-österreichischen PostvereinS, wie für daS Ausland 2 ff. 24 kr. Inserate werden die Sirrspaltif PetitZeile oder deren Naum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, i'anugasse 42, auSmärtS bei den nächstgelegeiien Postämtern, zu machen.

Hüdiblidie und Aussichten

Die AugSb. Allg. Zlg. bringt folgenden beachtenS- wertben, anscheinend officiöscn Artikel: Wien, 5. Aug. Die Hoffnung der bewegten Gemüther: der vergangene Monat werde für den Frieden der Welt entscheidend sein, ist eine trügerische gewesen. Die wirkliche Sach­lage bat sich wenig geändert. Die Dinge stehen, genau genommen, in dieser Beziehung wie sic gestanden sind; die Wahrscheinlichkeit eine gütliche Ausgleichung zu er­halten ist nicht schwächer geworden, aber nirgends liegt eine Thatsache vor, daß irgendeine Einigung schon er­reicht sei! Dabei sind von beiden Seiten die Streit­kräfte verstärkt worden, und sind einander näher gerückt ohne jedoch die Gefahr deö Bruchs zu vermehren. Die Flotten der westlichen Seemächte liegen in der Besch ika- Bay vor wie nach, ohne daß ihre Gegenwart merklich auf die Entschlüsse des russischen Kaisers influenzirte. Die Diplomatie ist indeß in voller Arbeit, und, wie wir zuversichtlich glauben, auch nicht vergeblich; nur scheinen diejenigen, die schnelle Resultate von ihren Be­mühungen für möglich halten, dreierlei nicht zu berück­sichtigen : 1) die ungeheuren Schwierigkeiten und die Complication die in dem Gegenstände selbst liegt; 2) die Entfernung der Puncte auf denen die Uuterhaub- lüngen geführt werden, und die Zeit, die nothwendig darüber verloren geht, wenn zu Constantinopel, zu Wien, St. Petersburg, Paris und London zugleich berathen wird, und jeder einzelne Schritt erst die Zustimiunng an jedem dieser Orte gewärtigen muß ; endlich 3) die zähe Indolenz der Türken, die sich selbst dort nicht ver- läugnet, wo ihnen das Wasser bis an den Hals geht! Während nun die Ausgleichungsvorschläge den Welt- theil von einem Ende zum andern in der Länge und Breite durchlaufen müssen, bat die Conjectural-Politik, die Parteilichkeit der Landesinteressen, die Lüge, die Verleumdung, die Conspiration, und alles was daran hängt, Zeit und Raum vollauf die tollsten wie die schändlichsten Behauptungen, je nach ihren eigenen Zwecken, in der Welt zu verbreiten um das Urtheil zu betäuben, und die Leidenschaften in höchster Friclion zu erhalten um sie nach Umständen loszulasten. Die englischen Journale sind hierin von besonderer Virtuosi­tät, und viele Deutsche stehen ihnen nur in der Ge­schicklichkeit der Ausführung, aber nicht in der Schlech­tigkeit der Absicht nach. Unter diesen Umständen wird jeder sonst wenig bedeutende Zwischenfall gefährlich, und kleine Anfälle gestalten sich zu bedeutenden Ereignissen. Ein solcher Zwischenfall war der Meuchelmord in Smyrna und der Conflict mit bin americamschen Behörden, welche die Mörder in Schutz nahmen, der, ein Beweis von der Verachtung alles Bölke »rechts, aller Sitten, eines gänzlichen Gefühl von Scham und jedes einfachen MoralbegriffS vor .Europa dargethan bat wie cs, zur Ebre der alten Welt sei es gesagt, nur in der neuen der Fall sein kann! Die Brutalität deS^ameri- canischcn Consuls sowie des Capiläns des americani- scheu Schiffes hat die laute Indignation jedes Gefühls hcrvorgrruien, das noch zwischen Recht und Unrecht zu unterscheiden vermag.

Man hat bei dieser Gelegenheit mit großer Pfiffig- keit zwei gänzlich von einander verschiedene Thatsachen in eine verschmolzen, während sie ihrer Natur nach völlig getrennt sind. Die eine läßt eine Discussion zu; man könnte, mit den Einzelnbeiten und ihren Bedin­gungen nur oberflächlich oder gar nicht bekannt, in der Esu scheid« »g schwanken; die zweite aber ist so selbst­redend, so laut wlkdcthallcud, daß sie auch an der srem- den Küste, wie an dem Ort wo sie staltfand, gleich schändlich erscheinen muß, wenn man noch irgend ein Gewicht darauf legt, wie man sich überhaupt vor den Augen der Welt und der Geschichte darfteUl! Ob der österreichische Konsul, wie wir behaupten, in Bezug auf den flüchtigen Verbrecher Koßta, es nur mit den tür­kischen Behörden zu thun gehabt, oder ob die amerrca- Nischen ein anerkanntes und erwiesenes Recht halten, sich hinein zu mischen , und Keßlas Ausliejerung mit Gewalt erzwingen zu wollen, gilt vor der Hand gleich! Es ist dieß eine internationale Frage, und ihre Ent­scheidung wird nur durch die Beweisführung der trac- tatenmäßigen Berechtigung klar gestellt werden können! Worüber aber kein Zweifel obwa.ât , und worüber die Meinungen nirgends getheilt sind, worüber man an ei­nem Pol wie am andern gleiche Verachtung empfinden muß, das ist der offene unverschämte Schutz und Unter» staub, den die americanische Flagge den Meuchelmörder» deS junge» österreichischen Offiziers gegeben. Diese That hat nicht das geringste gemein mit der Frage über

Koßtas Auslieferung. Durch diesen Act einer morali­schen Entwürdigung, für die unS der Name fehlt, ha­ben die Americaner die Schandthat zu der ihrigen ge­macht, und sich Alliirten angeschlossen, welche die ehe­maligen Rothhäute selbst mit Verachtung weggewiesen hätten! Zu der Tbat, wäre man berechtigt zu glauben, obwohl dieser Glaube schwer wird, die americanische»! Repräsentanten in dieser Angelegenheit gehörten zu den AuSnabmen, so müßte ein tiefes Bedauern Platz grei­sen über die Verkommniß jedes RechtSgesühls in einem Welttheile, von dem das alte Europa verjüngende Heilkräfte erwartet! Wir beneiden den Capttän deS Lewis ebensowenig um den Ruhm, den er sich auS Smyrna nach America heimbringt, als um die Reise­gesellschaften seiner Wahl, welche er sich zur Ueberfahrt beigejeUt hat! Wir sind überzeugt, daß diese Thatsachen in America bereits so entstellt ankommen und noch entstellter weiter ins Land verbreitet werden, daß es noth thut sie u II verweilt mit all cm Gewichte der Wahrheit zu constatiren. Dann mag sich die Verläumdung und der Parteihaß die Zähne daran ausbeißen. Das america­nische Schiff, daS, solange eS dem österreichischen klei­nen Fahrzeuge unbedingt überlegen zu sein glaubte, eine drohende Haltung angenommen hatte, setzte sich in Si­cherheit und verließ den Hafen als zwei österreichische Fregatten in Smyrna einliefen! Diese Besorgniß war unnütz; die österreichiichen Schiffe hätten sich ebensowe­nig durch ihre Uebermackt verleiten lassen Gewaltthä­tigkeiten gegen daS americanische zu begehen, als die schwache österreichische Brig sich einen Augenblick gescheut hat einen unglücklichen Kampf zu bestehen, da die ma­terielle Ucbermacht der armricauischen Korvette sie be­drohte. Es gibt Gesetze der Ehre, welche die öster- reichischen Soldaten zu Wasser und zu Land unter al­len Bedingungen aufrecht halten, obschon sie selten gleiche Gewissenhaftigkeit bei ihren Gegnern erfahren! Als der ermordete junge Hackelberg von der österreichischen Brig begraben wurde, hißten alle im Hafen zu Smyrna be­findlichen Schiffe die Trauerflagge auf, nur das ame­ricanische und daS englische entzog sich dieser hergebrach­ten Courtoisie. Von Amerikanern war kaum ein gesit­teteres Benehmcn zu erwarten, seit dieses Volk einen Accent darauf legt, jede Rücksicht zu beseitigen und nur der groben Gewalt Raum zu geben; daß aber ein eng­lischer Gentleman sich zu einer ähnliche Rohheit hat be­stimmen lassen, zeigt nur wie selten die Gentlemen be­reits in der englischen Nation geworden sind! Vom po­litischen Standpunct aus beweist sie aber ben fortdau­ernden üblen Willen Englands gegen Oesterreich. Ein solcher Anlaß läßt sich schwer zum Gegenstand einer Re­klamation machen, und er kann daher höchstens als Maßstab der Reciprocität für ähnliche Fälle gelten. Wir wissen nicht ob Baron Bruck deßhalb ein Wort verlo­ren, oder ob Lord Rcbcliffe cs allgemessen gefunden hat seinem Landsmann deßhalb einen Tabel zukommen zu lasten; wir finden cs aber mehr als je begründet ge- tobe jetzt davon Act zu nehmen, in einem Augenblick wo unsere aufrichtigsten Bemühungen dahin geben, ge­meinschaftlich an der Erhaltung des WelisliedènS zu ar­beiten, dem schwerlich jetzt hier eine Störung drohte, wenn nicht englische Intriguen sie seit Jahrcil emsig an anbmi Orten hervorzurufen bemüht gewesen wären. Wäh­rend die Verhältnisse mit Frankreich zu wechselseitiger Zufriedenheit gereichen , und in redlicher Weise geför­dert werden, auch die öffentlichen Blätter sich wenn auch nicht immer doch größtentheilS in gebührender Weise auSsprcchcn, haben die hiesigen Correspondenten engli- scher Journale mit großem Eifer dazu beigetragen, die öffentliche Meinung in England immer mehr irre zu führen, und eS hat der englischen Gewandhcil im Aus­lands keine Anstrengung gtkostet jeben ihrer Berichte mit der giftigsten Verleumdung und Entstellung auszuüaltcn und jcbrs Factum bis zur Unkenntlichkeit zu verunstalten.

Deutschland.

* Wiesbaden, 11. August. In jüngster Zeit brachte sowohl dieAugsburger Allgemeine Zeitung," wie dieKasseler Zeitnng" die Nach­richt, daß eine Anzahl in nicht Preußischen Ländern er» scheinender Blätter, darunter auch die Mittelrhei- Nische Zeitung für das Preußische Interesse ge­wonnen, und von Preußen aus mit Artikel« in diesem Sinne fournirt worden seien, daß jedoch sowohl die Richtung dieser Blätter an entscheibrnder Stelle in Preußen Mißfalle» erregt habe, weil dieselben den dort herrseyenden Juleutionen entgegen, die längst aufgegebene feindselige Stimmung gegen Oesterreich zu erhalten sich bestrebt, als auch die gewählten Organe, ihrer Autece- j

bentien wegen nicht für jenen Zweck ferner geeignet be­funden worden seien, wobei namentlich in letzterer Be­ziehung die Mittelrheinische Zeitung als das frühere Organ der rothen Demokratie in Ras. s a n ausdrücklich bezeichnet und weiter bemerkt wurde, daß in neuester Zeit ein preußischer Beamter nach Frank- fiirt und Wiesbaden zur Beseitignng dieser Mißstände abgesandt worden sei.

Wir theilten diese.Artikel in den letzten Nummern unseres Blattes n uv er ändert und unter Angabe der Quelle mit. Diese unsre Mittheilung gibt nun derMittelrh. Zeit." (in Nr. 187) Veranlassung zu ei­nem heftigen Aur>falle, nicht etwa gegen jene Blätter, sondern gegen unS! Wenn dieMittelrh. Zeit." glaubt, unS hierdurch zu einer Polemik zu reizen, so int sie eben so sehr, als wenn sie wähnen sollte, daß sie durch den Schmutz ihrer Verdächtigungen und persönlicher Verunglimpfun­gen das klare Wasser trüben und die Aufmerksamkeit des PnblicnmS von demjenigen Punkte, um den allein cS sich handelt ab - und auf Fragen lenken könnte, die mit der hier vorliegenden nicht den mindesten Zusam­menhang haben.

Die einzige Frage ist nackt und fract die: Ist die Behauptung der Augsburger Allgemeinen Zeitung und der K a ss e le r Z eit u n g : daß die Miltelrheinische Zeitung die Preußischen Interessen in Nassau zu vertreten übernommen habe; daß die Miltelrheinische Zeitung früher das Organ der ro­then Demokratie in Nassau gewesen sei; daß endlich die Mittelrheinische Zeitung in neuester Zeit eine Zurechtweisung von Seiten ihrer Prin­cipale aus Preußen bezogen habe wahr oder nicht wahr? Die Mittclrbciinsche Zeitung mag ihre Widerlegungsversuche gegen die genannten Zeitungen richten und ihren Zorn an diesen auslasten; uns aber in einen Federkrieg mit ihr zu verwickeln wird ihr auch durch noch größere Gemeinheiten nicht gelingen, weil wir zur Genüge überzeugt sind, daß wir dabei im glück­lichsten Falle Nichts gewinnen könnten. Nur daS glauben wir der Mittelrheinischen Zeitung zur Beher­zigung empfehlen zu müssen, daß sie auch durch eine Fortsetzung und Steigerung ihrerJnvectiven gegen unS nicht ein Jota zur Widerlegung jener Behauptungen des genannten Augsburger und KasselerBlat­tes", wohl aber durch ihre Berserker-Wuth allen Un­befangenen gegenüber, selbst den Beweis liefert, daß sie auf die wunde Stelle getroffen wor­den sei.

Frankfurt, 9. Aug. (K. 3) Die so vielfach besprochene gräflich v. Bentinck'fche Erbfolgeangelegenheit dürfte nun bald aus der Presse verschwinden. In der letzten Bunbestagssitzung wurde nämlich von dem Aus­schüsse ein bezüglicher Bericht vorgclcgt, welcher gewis­ser Maßen die Jncompctenz der BnndcSversammlung in dieser Sache ausspricht. Der Ausschuß geht von der Ansicht aus, nicht die Bundesversammlung könne rechtskräftig entscheiden, sondern nur der gerichtliche AnSfprnch, wer Eigenthümer der Herrschaften Knyphan- sen, ob cs der klagende Theil oder der jetzige facnsche Besitzer sei. Es erhob sich gegen diese Ansicht keine Stimme, sondern es wurde beschlossen, bie Rückäußc- rungen der Regierungen zur Ablehnung ein ubolen. Der durch die Anregung Dctmvld'S von dem Reichs- Ministerium zu Gunsten der klagenden Grafen v. Ben­tinck gefaßte EzecutionSbeschluß ist somit «ufgehoben.

Nach demFr. I." wird I. kais. Hoheit bie Erz­herzogin von Oesterreich , die Braut Sr. f. Hoh. deS Herzogs von Brabant, ans ihrer Reise nach der Haupt­stadt Belgicus Frauksurt nicht berühren, fonbeni sich von Gießen auS nach Schaumburg begeben, um ihre» daselbst wohnenden Bruder, Se. kais. Hoheit ben Erz­herzog Stephan von Oesterreich zu besuchen. DaS Ge­folge der Erzherzogin hingegen kommt am 18. d. MlS. nach Frankfurt und setzt seine Reise auf der Tauuusbahu am nächsten Tage fort. Unter den hier weilenden Fremden befinden sich General C Han garni er und der bekannte Lieutenant a. D. Ufeuer. Frhr. Karl V. Rothschild und dessen Sohn Frhr. Willy sind von ihrer Badereise wieder hier eingetroffen.

Stuttgart, 10. August. DerSt. A. f. W.^ bringt jeinerieits nun auch ein AuSschrciben deS katho­lischen Kirchen rath es, betr. diePrüfung der ka­tholischen Geistlichen am 4. Octob. für Anstellung auf Kirchendienste." Seit gestern findet man ist hiesigen Weinbergen auf der Südseite der Stadt gefärbte Trauben. -

München, 8. Aug. Die Stimmung in St. Pe­tersburg ist (so schreibt man von hier u. A. derAllg.