Winister heute »ach Lyon abgereist, um das dort und in der Umgegend liegende Artillerie • CorpS jii inspicire». Gestern war derselbe im Lager von Sartory, wo glänzende Manöver im Feuer, deren Programm er selber entworfen hatte, unter seinen Befehlen ausgeführt wurden. — Die Mitglieder des StaatSralhes haben sich gestern für die Dauer ihrer zweimonatlichen Ferien zu St. Cloud beim Kaiser verabschiedet.' — Am 8. Aug. beginnt vor dem Zuchtpolizeigerichte von Nimcs ein politischer Prozeß. Die darin verwickelten Personen, 14 an der Zahl, sind einer Verschwörung gegen die Sicherheit des Staates angeklagt. — Der VergleichungSent» N'lirf, welchen die Botschafter in Coustantinopel aufgc- stellt hatten, wurde in den hiesigen gouvernementalen Kreisen, wie auch in London, mit einiger Ueberraschung ausgenommen; die Türkei sollte nach diesem Entwürfe Rußland so ziemlich Alles zugestehen, die Räumung der Douanfürstenthümer von Seiten der russischen Truppen so ziemlich in deren freies Belieben gestellt sein. Die Botschafter waren in ihren Concessionen allzu weit gegangen. In Wien ist nun ein neuer Vergleichsentwurf vorbereitet worden. Graf Buol legte am 24. Juli, nachdem der erstere beseitigt war, den britischen, französischen und preußischen Gesandten ein neues Arrangement vor, welches zwar, wie man versichert, sich auf das Ultimatum des Fürsten Meuczikoff gründet, aber doch die nöthigen Garantien für die Unabhängigkeit der Pforte bietet. Oesterreich machte sich zugleich anheischig, die erforderlichen Schritte zu thun, um die Zustimmung Rußlands und der Pforte zu erlangen. Der neue Ver- gleichsentwurs wurde von den in Wien in Konferenz versammelten Repräsentanten der Großmächte genehmigt und dann sofort nach Coustantinopel abgeschickt, wo er am 31. Juli oder 1. Aug. angelangt sein wird. An der Zustimmung der Türkei ist nicht zu zweifeln; und die von dem Divan gebilligte und unterzeichnete Note wird am 6. oder 7. d. in Wien zurück sein; Oesterreich wird hierauf das Arrangement (welches übrigens bereits in officiöser Weise in St. Petersburg mitgetheilt worden) an den Kaiser Nikolaus gelangen lassen, mit dem Bemerken, daß diese Note Alles gewähre, was er im Wesentlichen von der Pforte begehrte. — An der Börse circulirte das Gerücht, es werde morgen im Moniteur ein Manifest des Kaisers erscheinen. Es wurde daselbst auch erzählt, daß die Negierung beunruhigende Nachrichten aus Petersburg erhalten habe (??).
Am 25. Juli hat sich im Hafen von Cherbourg ein schreckliches Unglück zugetragen. Man ließ Mit- tags eine Mine sprengen, und sechszehn Arbeiter hatten sich in der Nähe aufgestellt, in der Meinung, dort sicher zu stehen, als plötzlich eine ungeheuere Erbmasse sich löste, und sie sämmtlich begrub. Nach mehrstündiger Arbeit gelang es, vier derselben noch lebend und ohne Verletzung herauszugrabcn, während die übrigen zwölf zerschmettert waren. Unter den Verunglückten befinden sich sieben Familienväter. Seit dreißig Jahren ist ein solcher Unfall dort nicht zu beklagen gewesen, und man meint, daß die Katastrophe nur durch unterirdische Spalte herbeigeführt worden, die wahrscheinlich durch das Re- genwetter entstanden wären.
Schweiz
Bern, 3. August. Der Bundesrath hat auf Antrag des eidgenössischen Commissärs in Tessin einen Credit von 15,000 Fr. eröffnet, um etwa 400 verdienstlose Seidenspinnerinnen im Bezirk Mendrisio anderweitig zu beschäftigen. Es soll ihnen Flachs und Hanf zum Spinnen ins HauS gegeben werden, so daß sie neben allfälliger Feldarbeit noch einen Nebenverdienst finden.
Belgien
Brüffel, 1. August. Die Prinzen sind von den Masern wiedcrhergestellt. — Der Baron von de Vicq de Cumptich, der verurtheilte Commandeur des Regi- menteS, dessen Marsch aus dem Lager von Beverloo so unglücklich war, hat den Kriegsminister gebeten, zu befehlen, daß seine Sache vor einem Militär-Gericht untersucht werde.
Niederlande.
Haag 1. Ang. Die Regierung hat heute ihre Antwort auf den Commissionsbericht der 2ten Kammer über den kirchlichen Gesetzentwurf an den Vorstand dieser Kammer eingeschickt. — Der Erzbischof von Mecheln ist vom Papste beauftragt worden, dem Erzbischöfe von Utrecht das Pallium zuzustellen.
Nünemark.
Kopenhagen, 1. August. Vom 29. bis 30. Juli erkrankten an der Cholera 237 und starben 115 Personen , vom 30. bis 31. Juli erkrankren 205 und starben 129 Personen, so daß die Zahl der Erkrankten auf 5496, der Gestorbenen auf 2900 gestiegen ist. — Dem Vernehmen nach wird sich der König heute auf dem Dampfschiffe „Aegir" nach Fühnen begeben.
Sroßbritannlen.
London, 3. August. Die Vorschläge der vier Großmächte, welche am Sonntag (31. Juli) von Wien nach St. Petersburg abgeschickt worden, sind nach der Versicherung, welche Lord John Rnssell gestern im Unterhaus gegeben, geeignet, von Rußland angenommen zu werden.
Von Cobden ist eine Broschüre über die Veran- laflung des Krieges mit den Birmanen erschienen. Daß
Cobden alle Schuld des blutigen Kampfes aus die indische Verwaltung wälzt, wird Niemanden überraschen. — Der dritte Band von Macaulay's Geschichte Englands seit der Revolution von 1088, an dessen Erscheinen man schon verzweifelt hatte, soll noch in diesem Jahre ansgegebcn werden.
Italien.
Ikon», 23. Juli. (K. Ztg.) Unter den kirchlichen Denkmälern mit historischen Eriimcrungen, deren Erinnerungen , deren Erhaltung und würdigerer baulicher Gestaltung der Papst schon seit länger die möglichste Sorge zuwcndct, nimmt die heilige Treppe (Sanela Sanclorum) im Lateran die oberste Stelle ein. Ihr mittler Aufgang wird bekanntlich von jenen 28 Mar- Morstufen gebildet, welche zur Vorhalle des PrätorUnns in Jerusalem hinanfführte» Und vom Heilande erstiegen wurden, als er vor PilaNiS erschien. Der Papst wies an6 seiner Privatcafse bedeutende Summen für eine großartige Erweiterung ihrer Umhegung an , unter An- derm für ein neues Kloster dort, dessen Geistlichkeit mit der Obhut betraut werden wird. Eine heute veröffcnb lichte Bulle nimmt zu dem Ende dem Herzog Lorenzo Cesari»)-Sforza (Peretti - Montalto) in dessen Familie dasselbe war, das Protektorat der heiligen Treppe und behält cS künftig beut obersten Hirten der katholischen Kirche selber vor. UebrigenS ist dieser Act nicht als ein Buß- oder Slrafact für den vom Duca Lorenzo Ccsa- rini im vorigen Jahre an einem seiner Bedienten aus Ungeschick begangenen Mord zu betrachten. Derselbe hatte schon am 16. Januar 1852, also vor der unglücklichen That, in einem Schreiben an den Papst sich zur Ueberlassung seines Patronatrechtes über die heilige Treppe, wie aller von seinen Vorfahren derselben gemachten Schenkungen bereit erklärt.
Das Generaldirectorium der Polizei wurde zu Anfang der Woche von Civitavecchia her amtlich benachrichtigt, daß eine ausfallende Menge junger Leute an'S Land gestiegen war, welche durch ihre Haltung und ihren Verkehr Verdacht erregten. Ihre Pässe seien allerdings in bester Ordnung, und zwar englische, sie selber Italiener mit italienischen Namen. Ihre Zahl belaufe sich aus etwa 30, alle angeblich Matrosen. Die meisten seien bereits einer nach dem andern nach Rom abgc- reist. Sogleich wurde der römische Sbirrenschwarm zum Spüren ausgesaudt, und bereits vorgestern hob man zwei der Verdächtigen in der Fußbadeanstalt der Ri- petta gegenüber auf, wo sie sich unter die jungen Leute gemischt hatten. Die in solchen Fällen gewöhnlich sehr vorsichtige römische Polizei hatte wohl noch andere thatsächliche Gründe zu diesem Schritt in Händen, sonst hätten sie ihre bekannten Rücksichten auf dem hiesigen englischen Consulat gewiß davon zurückgehalten. In der That verlautet, daß die Pässe der Verhafteten gefälscht seien. Sie selber sollen den Auftrag gehabt haben, als Emissäre für die Wiedervereinigung der Häupter der vielen in Italien jetzt innerhalb der politischen Geheimbünde bestehenden Spaltungen an Ort und Stelle durch die geeignetsten Mittel thätig zu sein.
Die Kongregation des St. Ufficio setzte heute mittelst solennen Decrets wieder vier Bücher auf den Index, worunter zwei von Ritter Dr. Brunsen, bem f. preuß. Gesandten in London. Der Verfasser des früher verbotenen Buchs: Istituzione di Dogmatica Teologica, trattato isagogico del Sacerdote Antonio Criscuoli hat widerrufen.
Aus Faenza wird gemeldet, daß die drei Chefs der obersten RegierungS- und Stadtbehörde», der Goveruatore, Goufaloniere und der Generalassessor der cxecuii- ven Polizei, meuchlings angefallen und schwer verwundet wurden. Alle drei dürsten bereits ein Opfer des Angriffs geworden sein. Strenge in der Amtsverwal- tung hatte ihnen Feindschaften unter den politischen Mißvergnügten zugezogen, und wiewohl man in Roni noch nicht erfuhr, ob die Thäter ermittelt wurden, so trägt doch der ganze Frevel seine ganze Herkunft allzudeutlich an der Stirn, als daß man noch irgendwie zweifelhalt fein könnte. Faenza soll in diesem Augenblick vom österreichischen Commandanten in Belagerungszustand erklärt sein.
Ausstand.
Sr. Maj. dem Kaiser ist von dem General-Adjutanten Fürsten Gortschakow Bericht Erstattet worden über das Einrücken der Avantgarde der demselben anvertrauten Truppen in Bukarest. Es wird unsere Leser gewiß iu- tereffiren, zu erfahren, mit welcher Geschwindigkeit und welcher Ordnung das Einrücken dieser Truppen jiu die Donau-Fürstenthümer stattfand Der Allerhöchste Befehl, den Pruth zu überschreiten, ging von Petersburg am 13. Juni ab, am 20. waren die Spitzen der Co- lonnen schon auf dem rechte» Ufer des Flusses, und am 3. Juli begrüßten die Bewohner von Bukarest freu- dkg die Erscheinung der russischen Fahnen in ihrer Mitte. DaS kräftige und muntere Aussehen der Leute und der ausgezeichnete Zustand der Pferde setzten alle Einwohner in Erstaunen; es ward ihnen schwer zu Malibeu, daß diese glänzende Reiterei 300 Werst in 13 Tagen zurück- gelegt hatte. Die Truppen des 4ten Infanterie-Corps concentriren sich in der Umgegend von Bukarest; der Gesundheitszustand derselben fährt fort bekriegend zu sein. Bei der Avantgarde find, ungeachtet der forcirten Märsche und der großen Hitze, vom Tage deS Ueber-
gangs über den PrutS bis zum 3. Juli von 5386 Mann im Ganzen 63 Mann erkrankt und nur einer gestorben.
Türkei.
Am 21. d. M. lief ein russisches Kauffahrteischiff in der Nähe von Andoli-Hissari im Bosporus auf den Sand und fing an zu sinken. Sogleich sendete der Commandant der Schlösser von Europa mehrere Boote an Ort und Stelle ab, welche die Ladung und Mannschaft retteten und nach Coustantinopel zur Ueberladung in ein anderes russisches Schiff brachten.
Briefe aus Persien melden, daß diè Russen sich mit allen Kräften bemühen, den Schah von Persien zur Kriegs^Erkläruug gegen die Türke Hub zu einem Ein» falle in das osmanische Gebiet zu bewegen. (?)
America.
Aus Jamaica nichts als die alten Klagen; jeden Montag und Dienstag kommt die Assembly zusammen; cs finden sich baun regelmäßig sieben Mitglieder derselbe» ein, gerade genug, um das Haus für nächsten Montag zu vertagen, aber nicht vollzählig genug, um Geschäfte zn verhandeln. Bei dieser politischen Misere wüthet das gelbe Fieber, trotzdem die Hitze nachgelassen hat.
Australien.
Die neuesten Nachrichten reichen bis zum 20. April. ES ist interessant, wie dieses Land nach einer so ungeheuren Einwanderung an5 allen Theilen der Welt noch immer Mangel an Arbeitern hat, ja daß trotz des täglich wachsenden Menschenstromes, der dort mündet, der Mangel an Menschen das Hauptübel ist, woran der Verkehr dort leidet. Der Sidney Heralb sagt: Das Mißvcrhältiiiß zwischen Nachfrage und Angebot für Waaren jeder Art hat auf unserem Markte den höchsten Grad erreicht. Artikel des Luxus und des unentbehrlichen Gebrauches, Speisen und Getränke, Kleidung und Hausrath sind auf dem Miuimunl des Vorrathes und dem Maximum des Preises. Der Zuschlag zum englischen Preise war als Regel für alle Waaren auf unserem Markte nie so enorm als jetzt. Nach den gestrigen Handelsberichten betrug er 100, 200, 300, 400, ja 2400 Procent. Was werden britische Kaufleute, gewöhnt an „geringen Gewinn und raschen Umsatz", dazu sagen, besonders wenn sie erfahren, baß biefe ungeheuren Profite mit der beliebten Raschheit des Umsatzes und der Bezahlung verbunden sind, da der Handel nicht auf Speculationswuth, sondern auf ruhiger Schätzung des Bedarfes und der täglichen Konsumtion beruht. Die außerordentliche Umwälzung, welche die hiesigen Marktverhältnisse seit zwölf bis fünfzehn Monaten «erfahren haben, wird in Europa noch nicht begriffen. Jede Berechnung der gegenwärtigen und zukünftigen Kon» sumtionsfähigkeit des Australischen Marktes, welche auf dem Durchschnitte früherer Jahre, vor unserer großen Entdeckung, bassirte, würbe grundfalsch sein, wenn man nur auf die Volksvermehrung Rücksicht nähme und nicht mindestens 100 Procent für die Steigerung der Verbrauchsfähigkeit hinzufügte. Die Wohlhabenheit, welche das Gold hier überall verbreitet hat, hat das frühere Verlangen nach Besitz und die frühere Geneigtheit zu kaufen, waS immer den Lebensgenuß erhöht, verdoppelt. Aber während unsere Volkszahl sich mit so reißender Geschwindigkeit vervielfältigte und unsere Raufmittel mit noch größerer Geschwindigkeit zunehmen, haben unsere Zufuhren sich kaum höher gestellt, als zu der Zeit, da unsere Zahl gering und unser Zustand ärmlich war. Nicht nur die Farmer leiden an Mangel von Arbeitern; durch alle Zweige des Verkehrs fühlt man denselben. Am meisten Mangel ist an mechanischen Arbeitern, namentlich an Zimmerleuten, Maurern, Pflästerern, Giob- schmieden, Kunsttischlern, kurzum allen Personen, welche zum Bau und zur Einrichtung menschlicher Wohnungen nöthig sind. ES ist kaum eine Uebertreibung, zu sagen, daß jede Zahl von Arbeitern der genannten Art, welche England binroegfenben kann, leicht und zu hohem Lohn Beschäftigung finden würde. Dem Moriiing Chronicle schreibt man als Beweis der hohen Preise, daß ein Paar starke Mannsstiefel 200 Procent mehr kosten, als in London, und daß tüchtige Schuhmacher 3 Liv. 10 Sh. bis 4 Liv. (23 Thlr. 10Sgr. bis 26 Thlr. 20 Sgr.) wöchentlich verdienen. Ein Goldsucher erndtet durchschnittlich eine Unze (3 Liv. 17 Sh. 10 P. nach englischem Münzprcise) per Woche; ein Schuhmacher befindet sich also eben so gut, ja wohl noch besser.
Berichtigung. In der gestrigen Mittheilung über die Mißhandlung deS Knaben des Spenglermeisters B. ist eine durch ein Versehen beim Corrigiren unterlaufene Unrichtigkeit dahin zu berichtigen, daß letzterer blos an den Garten der Wittwe Wolff kam, um sein Raupenfutter zu jucken und daß derselbe von dem Sohn der Wittwe in den Garten geschleppt wurde.
Verantwortlicher Reracteur: Dr A. Iocjtk.
Sheâr Anzeige.
Sonnabend, 6. August. Die Stumme van Nortici
Große Oper in 3 Acten. Musik von Auber.
Sonntag, 7. August. Lohengrm. Romantische Oper in 3 Acten von Richard Wagner. ,
Der Gert der Veslinge ist a 12 fr. in der Wilhelm Friedrich'schen Vnchdandlung, Langgasse 42, z» Haven.