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Nassauische Allgemeine Zeitung.

^Vr 18/. DMilchig heu 4. August 1SS3.

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ZeitunZs chan

Der Protest der Pforte. Die Flüchtlingsfrage. Die 3 n hui ft der Türkei.

Die.Zeit" findet die Fassung der Verwahrung, welche die hohe Pforte mittelst einer an die Vertreter der europäischen Mächte gerichteten diplomatischen. Note gegen die russische Besetzung der Donaufürstenthümer eingelegt bat, so besonnen und gemäßigt, baß die Hoff» nungen auf die Erbaltung M Friedens durch dieselbe wesentlich verstärkt werden müssen. Zwar weigere sich die Pforte auch jetzt noch, in Bezug auf die Rechte und Freiheiten deS griechischen Cultus jene bindenden Ver- pflichtnngen einzugehen, von denen sie voraussetzt, daß dieselben in dem russischen Ultimatum zur Bedingung gemacht waren. DieZeit" glaubt aber, daß gerade darin das Miß"erständniß liegt, auS dem der ganze Streit hcrvorgegaugcn ist, daß man voraussetzt, Ruß­land bestehe darauf, von der Pforte die Ausstellung ei« ner Acte zu verlangen, welche die Kraft eines völker­rechtlichen Vertrages hätte, und die der Pforte Ruß­land gegenüber besonders bindende Verpflichlungen auf­legen würde, während eine solche Forderung zwar ur­sprünglich,. allerdings erhoben, aber schon in dem Laufe der Unterhandlungen wieder aufgegeben war, und zwar in dem Augenblicke, wo Rußland sich bereit erklärte, statt des anfangs verlangten Sened eine einfache diplo­matische Note anzunehmen, der, in welcher Form sie auch abgefaßt sein mochte, doch allem Herkommen ge­mäß nun und nimmermehr die Kraft eines völkerrecht­lichen Vertrages beigelegt werden konnte. DaS, wozu die Pforte gegenwärtig, nachdem ein Theil des osma­nischen Resches von russischen Truppen besetzt ist, sich freiwillig erbietet, sei bei weitem mehr, als Rußland selbst verlangt habe. Während Rußland nichts vertrugt habe, als die Ausstellung eines Schriftstückes, in wel­chem die Pforte ihre Absichten aussprechen sollte, die Rechte und Freiheiten deS griechischen Cultus im os- maNischcn Reiche ungckränkt und ungeschmälert aufrecht zu erhalten, erbiete die Pforte sich jetzt, eine außeror­dentliche Gesandtschaft nach St. Petersburg abzuschicken, und durch dieselbe Erklärungen abgcbcn zu lassen, welche der Natur der Sache nach unmöglich etwas Anderes enthalten können, als eben die Zusicherungen, welche in dem russischen Ultimatum gefordert waren. Man wisse zwar nicht, welche Aufnahme das Anerbie­ten der Pforte in St. Petersburg finden würde, könne aber nicht leugnen, daß in demselben eine viel größere Demüthigung liege, als diejenige gewesen wäre, der die Türkei sich möglicher Weise durch die einfache Annahme Und Unterzeichnung des Ultimatums ausgesetzt hätte, nachdem der wahre Sinn desselben in. authentischer Weise festgestellt war.

DerN. Pr. Ztg." wird and Wien geschrieben: Das kaiserlich österreichische Cabinet wird jetzt in man­chen deutschen Blättern mit dem Vorwurfe bedacht, daß eS der FlüchtliugS-Sache Angesichts der großen Entscheidungen, um die cs sich gegenwärtig handelt, eine zu hohe Wichtigkeit beilegt. Allein man scheint die Umstände entweder nicht zu kennen oder nicht kennen zu wollen. Oesterreich würde sich um diese Menschen gar nicht bekümmern, wenn sie sich nur nicht so stark um Oesterreich bekümmerten. Die Absicht der Flüchtlinge ist jedoch ganz unzweideutig darauf gerichtet, aus Con- fixi nHuopc I und allN Ländern deS türkischen Reiches überhaupt ein zweites Krakau zu bilden. Unter der nach früheren Anlecedentien nicht unmöglichen Palmcrston'fchen Begünstigung könnte dies auch mit dem großartigsten Erfolge gelingen. Diese Menschen strömen gegenwärtig nach der Türkei gewiß nicht aus Begeisterung für die Sache des Halbmondes. Ihr nâckster Zweck ist augenfällig dahingerichtet, Unterhalt zu finden, denn gleich wie Frau Struve ihrer Zeit er­klärte :Wir mußten ja nach Baden einfalle», mochte auch daraus werden was da wollte, denn wir hatten ja keine Batzen mehr", so suchen jetzt ebenfalls die Flüchtlinge Abbülfe für ihre wachsende Noth um jeden Preis. Ihr Absehen geht aber zuletzt immer darauf hin, zur Hand zu sein, um die Fackel der Empörung neu zu entzünden, sie (innen aus Verführung bei T>»p peil und Aufregung der Bevölkerungen, je nachdem der Zufall dies gerade am besten gestattet. Serbien ist besonders mit revolutionären Seudliugen völlig vollge­pfropft. Für den Augenblick ist zu besorgen, daß dort weniger für nützliche Reformen besonnen gewirkt, als daß Regierung und Volk zu gefahi liehen Schritten ver- 'Ulet werden. Es handelt sich um einen südslavi- feilen Bund der auch die Rumänen in den Do­

n a u f ü »st e n t h ü m e r n und in Siebenb ü rgcu, so wie die österreichischen Serben und Süd- Slaven in sein Netz verwickelt. (Wir verweisen auf den gestern erwähnten Artikel der Köln. Ztg., welche den Ungarn, Serben und Rumänen die bisherige Mis­sion Oesterreichs die abendländische Cultur nach Osten zu tragen, bereits zumeist.) Das ist in Deutschland wohl schwerlich schon genau bekannt. Die Sendung deS Generals v. Mayrhofer nach Serbien, die Auf­stellung eines Cordons an den Grenzen dieses Landes und Bosniens, wohin die Fäden reichen, sind die Wir­kungen der Einblicke, welche die kaiserl. Regierung in dieses Treiben erlangt hat. Ohne die dringendste Ver­anlassung werden die Grenzen gewiß nicht überschritten, wie bald aber die Nothwendigkeit dazu ciutrcten könnte, hängt von den Umständen, nicht von dem Willen der Regierung ab.

Es bedurfte schreibt man der A. A. Z. ans Con­sta« tinopel, wahrlich nicht der ausführlichen Deduc- tionen, die bad Journal de Constantinoplc bei nahe in jeder Nummer veröffentlicht, um den Beweis zu liefern, daß die Pforte bei ihrem Streit mit Rußland das for­melle Recht auf ihrer Seite hat. Indessen ist ja der Spruchsiimmum jus summa injuria auch in der Politik gültig, und es ist vielleicht in der That der Türkei größtes Unrecht, daß sie in der vorliegen­den Frage so wenig Anlaß zu gegründeten Beschwer­den gibt. Denn dadurch wird aus einer Verband- lung, deren völliger, auf einen concrcten Fall be­schränkter Charakter eine baldige und befriedigende Er­ledigung zuließe, ein Principicnkampf der keine Versöh­nung kennt, und, wenn durch Palliative für den Au­genblick beschwichtigt und in den Hintergrund,gedrängt, beim ersten Anlaß anf's neue und nur desto heftiger ent flammt. Daß cd sich aber gegenwärtig im Orient wirk­lich um einen solchen Rumpf handelt, darüber kann man sich keinen Täuschungen hiugcbcn; Christ und Musel­mann sind sich dessen mehr oder minder klar bewußt, und treffen darnach ihre Maßregeln. Die Vermittlung Europas wird dWm wenig ändern; sie kann und sott höchstens verhindern , daß der Zusammenstoß allzu rasch tun blutig erfolge , und bei Zeiten dafür sorgen, daß es cs den Glaubensgenossen im entscheidenden Augen­blick nicht an nachdrücklichem Schutz mangle.

Deittldtinub.

* Wiesbaden, 3. August, Im dritten Quartal 1853 kommen vorläufig nachfolgende Fälle bei den Assisen im diesseitigen Hofgericktsbezirk zur Verhandlung:

Am 22. Aug. gegen Christian Bastian von Nie­derems, wegen Schriftfälsckung.

Am 22. Aug gegen Phil. Jac. Greff von Hansen, wegen Diebstähle.

Am 23. Aug. gegen Moscö Levi von Nastätten, wegen Sckristfälsckuich.

Am 23. Aug. gegen Jacob Rumpf von Hassel­bach, wegen Mordversuchs. '

Am 24. Aug. gegen Gottfried Frotscher von Aumenau, wegen versuchter Nothzucht.

Am 25. Aug. gegen die W.itlwe des Wilh. Napp von Caub, wegen Meineids.

Am 26. und 27. Aug. gegen Valentin Jckstadt und neun Consorten, sämmtlich von Schueidhaiu, wegen Meineids und Verleitung zum Meineide.

Am 29. Aug. gegen Jacob Friedchen von Lau­se nselttu, wegen Diebstahls.

Am 29. Aug. gegen Peter Wollstädter 2t von Wicker und Cons., wegen Diebstahls.

Am 30. Aug. gegen Andreas Mohr von Münster, wegen Diebstahls.

Am 31. Aug. gegen Erasmus Hieronimus von Oberlikderbach,, wegen Tödtuug.

Am 1. September gegen den geweseneu Gemeinde- rechner steter M oos von Wieden, wegen Veruntrciiung im Dienste.

Am 2. und 3. Sept, gegen Christian Walz und Cons, von Winkel, wegen Diebstahls.

Am 5. Sept, gegen Johann S ei) m u es von Nie- derolm, Großh. Hess. Bezirksgerichts Mainz, wegen Brandstiftung.

Am 6. Sept, gegen Martin Oswald von Rüdes- heim, wegen Braudstiftniig.

0 Wiesvade», 3. August. Das Tagesgespräch bildet seit vorgestern ein Fall, der durch die an Tag gelegte Grausamkeit und Rohheit, deren man ein ju­gendliches Herz für unfähig gehalten hätte, schmerzliches Aufsehen erregt und zu ernsten Betrachtungen über Er­ziehung tc. auffordert Vorgestern Morgen R Uhr kam der

9 bis 10jährige Sohu des SpenglerMeisterS Bern­hard mit anderen Knaben in den der Wittwe des Bier­braue, S Wolf gehörigen Garten, angeblich um Pflanzen zum Futter für ^11^.1 .^i suchen; dort wurden sie von dem 18jährigen Sohn der Wittwe betroffen und deS ObsidiebstahlS beschuldigt. Die Knaben entflohen, nur der Sohn des SpenglermcisterS Bernhard wurde von dem jungen Wolf ergriffen und an den Garten geschleppt. Dort band letzterer dem Knaben die Hände, hängte ihn an einen Baum, so daß dessen Fußspitzen kaum die Erde berührten und begann ibn mit einem Stock auf brutale Weise zu schlagen. Der ersten Aufwallung wäre ein solches Benehmen allenfalls zu verzeihen, allein der junge Wolf soll diese Mchhaiidlungeu ungeachtet der Be- lheucrnngen deS Knaben, daß er unschuldig sei, von Zeit zu Zeit mit der größten Kaltblütigkeit wieder­holt haben, so daß der Kuahe in dem geschilderten guaf- vollen Zustande sich vier Stunden lang befand, bis sein Schreien und Jammern von Vorübergehenden gehört, er vom Baum loSgebunden und zu seinen Eltern ge­bracht wurde. Nach Aussage des Knaben sollte er biS Abends am Baum hängen. Glücklicherweise ist eine Gefahr für das Leben deS Knaben nicht zu besorgen, wiewohl dessen Körper die Spuren erlittener schwerer Mißhandlungen trägt. Der Vater des mißhandelten Knaben erhielt von der Wittwe Wolf sogleich ein Schmerzcngeld von 200 fl, welches er, unter der Vor­aussetzung, daß das Geiicht dennoch für die Bestrafung de's Falles sorgen werde, angenommen haben soll. Der junge Thäter fand cs dem Vernehmen nach für gera­then, sich auf flüchtigen Fuß zu setzen.

^ Schlangenbad, 3. Aug. General Chan» garnier, der bei Baron 9t01bid)iIb wohnt, fährt fast täglich- nach Eltville, dem Vernehmen nach gelten seine Besuche dem StaatSrarh Kl., der in der Nähe dieses Ortes eine Villa bewohnt und auch schon einige­mal seit 8 Tagen hier war. Die Nachricht, daß die Königin der Niederlande das hiesige Bad besuchen werde, scheint sich nicht zu bestätigen.

* Ottville, 1. August. Gestern versank in der Nähe von Bubenheim ein mit circa 3500 Ctur. Ruhr- kohlen beladeucS Fahrzeug. Dasselbe wurde mit noch mehreren Schiffen von einem Remorqueur geschleppt; daS Schlepptau zerriß und das Schiff trieb vor ein anderes ihm nachkommendcö. Die Mannschaft konnte sich noch retten.

0 Äömßftein, 3. August. Der Hochwürdigste Herr Bischof von Limburg ist mit dem Erfolge seiner Kur fehl zufrieden von hier abgereist. lWir haben dessen Eintreffen in Limburg bereits gemeldet.) Im nächsten Sommer haben wir diesen verehrten Gast wieder zu erwarten.

Mainz, 30. Juli. Herr Dr. Müller-MelckiorS hat bem StaatSprocurator am Bezirksgerichte einen Pro­test zugcstelit, weil diese Behörde ihn in die Gerichts­sitzung von gestern nicht verführen ließ, obgleich sie ihn dahin hatte laden lassen und weil in derselben Sitzung der gegen Herrn Müller-MelchiorS anhängige Prozeß gar nicht zur Aufrufe kam. Am 7. August wird die zweimonatliche Gefäuguißstrafe des Hrn. Müller Mel­chiors zu Silbe sein.

Frankfurt, 2. August. (Fr. I.) Gestern Abend zwischen 9 und 10 Uhr wurde Hr. Prof. Paffavaut, Dircctor unseres Sträbcl'schen KuustiustituteS, zwischen bem Bockenbeimer- und Eschenheimerthor von einem, demselben Geld abforderndcn Jndividiium plötzlich über­fallen uiid durch Säbelhiebe im Gesicht verwundet.

Die Vertagnng der BundeStagssitzuug steht nabe bevor. Vor dem Eintreten derselben beabsichtigt man noch mehre wichtigere Angelegenheiten, wenn auch nicht zu eilet-wen, so doch in formelle Behandlung zii nehmen. Zu diesen Angelegenheiten zählt diejenige der Prefie. Der neue Entwurf zu gleichen Preßnormen ist fertig und es dürfte über denselben die Jnstructionöeinhol- ung wohl noch beschloffen werden. Zu einer Revision der Geschäftsordnung der BuiideSversammlung dürfte eS nicht mehr kommen, jedoch zu einer Feststellung deS JahreSbudglts Der Gärtner Herrlich, welcher int Oktober 1851 im Stadtwalde nach dem Herrn Schöf­fen v. Heydkii schoß, denselben aber glücklicherweise nur leicht verwttudcte, ist durch letztiiistanzlicheS Erkenntniß zu zehnjähriger Zuchthausstrafe verurtheilt worden.

Frankeatkal, 1. August. (Pf. Ztg ) Die Ernte ist bei uns in vollem Gange und das erste Korn be­reits gedroschen. Ngch allgemeinem AnSspruche ist diese Fruchtgattung Heuer unstreitig am besten gerathen Der Morgen Feld zu 128 Ruthen ergab durchschnittlich 120 150 Garben oder 12 15 Haufen je 10 Garbe«