Nassauische Allgemeine Zeitung
TVr 199
Dienstag den 2. August
1853
Dit, Nassauische Allgemeine Zeitung" mit bem beUmiftifdirn Beiblatt „Der Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, täglich und beträgt der Pränumerationspreis für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulaiiv nunmehr auch für den ganzen Ilinfang des rburn- und TariS'schen Verwaltungsbezirks mit Jnbigriff deS PostausschlagS 2 fl., für die übrigen käuder deS deutsch-österreichischen PostoereinS, wie für das Ausland 2 fl. 24 fr. — Inserate werden die einspaltig Jletitieile oder deren Raum mit 3 kr. berechuet. — Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgrsffe 42, auSwärtS bei den nâchstgelegencu Postämtern, zu machen.
Amtlicher Theil
Concession zur Vermittelung des
Transports von Auswanderern.
Dem Kaufmann I. G. Ruß zu Biebrich, als Hauptagent der Schiffsrheder C. D. v. Buttel u. Comp. ist die Erlaubniß zum gewerbsmäßigen Betrieb der Vermittelung des Transports von Auswanderern aus dem Herzogtum unter den in der Verordnung vom 31. Januar' 1849 enthaltenen näheren Bestimmungen ertheilt worden.
Wiesbaden, den 26. Juli 1853.
Herzogliche Ministerialabtheilung des Innern.
Faber. w
vdt. Horstman n.
V i e n st n a ch r i ch t e n.
Seine Hoheit der Herzog haben den Rech- nuugskammer-Revisor Horstmann zum Rcvisionsrath zu ernennen, den RechnungSkammer-Revisor Reifuer in den Quiescentcnstand zu versetzen und die Rechnungskammer - Probatoren Heuzeroth, Müller und Jung zu Revisoren gnädigst zu befördern geruht.
Der Justizamts • Accessist Schuman n zu Rüdes- heim ist an das Justizamt zu Königstein versetzt worden.
Nichtamtlicher Theil
Deutschland.
* Wiesbaden, 2. Aug. Se. Hoheit der Herzog sind heute Morgen um 8 Uhr in Begleitung Ihrer Hoheit der Frau Herzogin nach Norderney abgereist. Der Aufenthalt Sr. Hoheit wird dem Vernehmen nach vier Wochen währen.
Sr. Hoh. der Herzog von Sachsen-Meiningen ist vorgestern hier durchgereist. — Gestern gab Fräulein Sophie Cruvelli ein Concert im großen Saal deS Kurhauses.
Die Emser Kurliste vom 30. Juli zählt bereits 3828 Badegäste. Die Zahl der durchgercisten Fremden beträgt 661. — In Schwalbach sind bis zum 31. Juli 1607 Badegäste eingetroffen, 137 Fremde durchgereist. — Schlangenbad zählt 642, Bad Weilbach 111 Kurgäste.
Z' Schlangenbad, 31. Juli. Se. Majestät der König von Württemberg begab sich heute nach Biebrich, dem Vernehmen nach um mit Sr. k. H. dem Kronprinzen und I. kais. Hoh. der Frau Kronprinzessin zusammenzutreffen, die dort auf ihrer Reise nach Torquay in England Anfängen sollten. — I. k. Hoheit die Prinzessin Karl von Preußen hat heute eine Spazierfahrt an den Rhein (nach Niederwalluf und Eltville) gemacht.
Mannheim, 29. Juli. In einer hiesigen Buchhandlung wurden gestern gegen 150 Stück von Heiu- zen'S „politischen und unpolitischen Fahrten u. Abenteuern" polizeilich mit Beschlag belegt.
Stuttgart, 28. Juli. Die Ernte hat bereits in mehreren Theilen des Landes begonnen und verspricht überall, wo der Hagelschlag nicht schadete, einen sehr reichen Ertrag. Kartoffeln herrlich und doch noch alle Preise sehr hoch.
Nürnberg, 28. Juli. In diesen Tagen ist ein Rundschreiben deS Vorstands des germanischen Muse, ums an die Mitglieder der deutschen GeschichtS- und AlterthumSvereine versendet worden, welches dieselben bei-der auf den 13. bis 16. Sept. d. J. anberaumten Generalversammlung zu Nürnberg zu einer Vorversammlung auf den 10. biS 12.Sept. einlädt, wo die Angelegenheiten des germanischen Museums erörtert werden sollen. Frhr. von Aufseß wird den anwesenden Mitglie« der« Bericht erstatten über den allgemeinen Stand sowie über die sämmtlichen Zweige des Museums und dessen bisherige Thätigkeit, worauf die Wahl eines Verwaltungsausschusses und eines Ausschusses zur Prüfung , der Sammlungen und Arbeiten erfolgen soll. Zugleich ist ein Ausflug nach der Veste Coburg zur Einsichtnahme der vom Herzog von Sachsen Cobnrg Gotha angebote- nen Lokalitäten und Sammlungen in Aussicht gestellt. Wie wir vernehmen hat nun auch der Großherzog von Weimar dem germanischen Museum ein Asyl angeboten, intern er auf der Wartburg die geeigneten Räume für dasselbe zur Verfügung stellen will.
München, 30. Juli. Frhr. v. Perglas der mehrjährige Miuisterresidcnt Bayerns am k. griechischen Hofe, der kürzlich in Urlaub hier eintraf, ist durch aller
höchste Entschließung Sr. Maj. des Königs vom 25. d. M. abberufen, und an dessen Stelle der bisher in herzogl. Sachsen-Coburg Gotha'schen Diensten gestandene Regierungs- uud Justizrath Frhr. v. Thüngen aus Bayern zum k. Ministerresidenten in Athen ernannt worden.
König Ludwig hat dieser Tage Befehl gegeben, daß die auf seine Kosten erbaute neue Pinakothek, die ihrer Vollendung rasch entgegengeführt wurde, jedenfalls bis zum kommenden Octoberfeste dem Besuche des Publi- cums soll geöffnet werden können. — Laut telegraphischer Anzeige ist die heutige Nummer der „Augsburger Pztg." mit Beschlag belegt worden.
Wie man vernimmt, sind in den letzten Tagen auS Wien Berichte eingegangen, welche keinen Zweifel baiü' ber lassen, daß die österreichische Regierung gewillt ist, die für hier anberaumte Industrie - Ausstellung zu beschicken. In Folge dessen werden noch im Laufe des Monats August die Einladungen zur Beschickung an alle deutschen Regierungen 'ergehen. Als vorläufiger. Termin der Ausstellung ist der 15. Juli 1854 bezeichnet nach der Vereinbarung, welche zwischen der preußischen und der bayerischen Regierung getroffen ist.
Kassel, 30. Juli. In der auf heute Nachmittag 3 Uhr besonders anberaumten Sitzung der zweiten Ständekammer ist diese auf die Dauer von drei Monaten vertagt worden. — Se. königl. Hoheit der Kurfürst wird mit seiner Gemahlin, der Frau Fürstin von Hanau, während ich Ihnen schreibe, bereits in Wilhelmshöhe wieder angelangt sein. FranzenSbad soll der Erwartung der Fürstin nicht entsprochen haben, und deßhalb der Besuch eines Seebades (Ostende) bei Hofe beschlossen worden sein. Den Rest des Sommers würde der Kurfürst in Philippsruhe zubringen. Für den even- hießen Fall, daß Se. Maj. der König von Bayern auf seiner Rückreise von Berlin und Dresden auch unserm Hofe seinen Besuch zugedacht habe, werden in Wilhelmshöhe bereits die Anstalten zu seinem Empfange getroffen, welcher nicht weniger glänzend und herzlich sein dürste, als der neuliche Empfang des Königs von Preußen.
Durch höchste Verfügung ist die bei Friedr. Vieweg und Sohn zu Braunschweig erschienene Flugschrift: „Die angebliche Steuerverweigerung in Kur Hessen re." wegen ihrer die staatliche Ordnung gefährdenden Tendenz im Kurstaate verboten, dagegen das Verbot des Frankfurter J ii telligenzblattes einstweilen zurückgezogen worden.
In Braunschweig hat sich die im Jahr 1845 gegründete deutsch-katholische Gemeinde aufgelöst.
Ein Brief auS Lübeck vom 28. Juli im Altonaer Merkur widerspricht allen Gerüchten vom Ausbruch der Cholera daselbst und bittet um öffentliche Widerlegung derselben.
Beritt», 31. Juli. Der König ist gestern Morgen mit der Stettiner Eisenbahn zur Einweihung der Ostbahn abgegangen. Vorläufig ging die Reise nur bis Danzig, wo Se. Maj. übernachtete und heute in der herrlichen Marienkirche daselbst, eine der schönsten Bauten der reichen Bürgerschaft des schönen alterthümlichen Danzig, dem Gottesdienst beiwohnte. Die Einweihung der letzten Strecke der Ostbahn, abgesehen, von der durch die noch nicht vollendeten Brückenbauten über Weichsel und Nogat bedingten Lücke erfolgt auf Montag den 1. August. — Von der Zo l lc o n f e r e n z ist wenig zu erfahren, nur so viel weiß man, daß schon eine Menge Anträge erledigt, andere vertagt sind. Die Vorlage wegen Ermäßigung der UebergangSsteuer von Wein soll zurückgezogen, dagegen in Betreff deS badischen Antrags, wegen Erlaß der Nachsteuer für die während der Revolutionszeit unversteuert eingeführten Waaren beschlossen sein, darauf einzugehe».
Das Militärwochenblatt meldet die Ernennung Sr. königl. Hoh. des Großherzogs von Oldenburg zum General«Lieutenant und Chef deS 4. Kürassier- regimentes.
suMö Sachse«», 26. Juli. Die Getreideernte hat nun begonnen und wird von dem schönsten Wetter begünstigt. Ueber die Ergebnisse derselben läßt sich Folgendes mittheilen : Der Roggen hat sich zwar stark gelagert und ist sehr von Unkraut überzogen, da aber das Lagern erst erfolgte, nachdem die Körner vollkommen ausgebildet waren, so hat ihm das Darniederliegen weniger geschadet, als allgemein geglaubt wird, und eS gibt diese Frucht, wenn auch keinen sehr reichen, so doch einen mittelmäßigen Ertrag. Der Walzen stet, so schön, daß derselbe nichts zu wünschen übrig läßt, und er wird deßhalb einen sehr reichen Ertrag geben. Eben dasselbe gilt von dem Sommergetreide. Die Kar-
toffcln prangen im gesundesten Grün und versprechen bis jetzt ebenfalls einen sehr reichen Ertrag. Von einer Krankheit an denselben zeigt sich bis jetzt noch keine Spur. Daß bei diesen keineswegs ungünstigen Ernteaussichten die Getreide- und Brodpreise so ansehnlich in die Höhe gegangen sind, kann nur befremden, und jedenfalls hat diese Preissteigerung keinen reellen Grund. Die Zeit- und Scheinkäufe sind es hauptsächlich, welchen man das Jndiehöbetreiben der Getreidepreise zu verdanken hat.
In Leipzig wird in diesem Sommer so viel gebaut, daß eS an den nöthigen arbeitsamen Händen fehlt. Uc- berhaupt mangelt cs der arbeitsamen Classe gegenwärtig nicht an lohnendem Verdienste.
Prag, 25. Juli. Seit einigen Tagen ist hier die Erndte im Zuge, vom herrlichsten Wetter begünstigt, das auf Gedeihen und Reife der noch stehenden Früchte ans Wurzel-, Knollengewächse und Obst ebenfalls seinen Einfluß erstreckt. Bei dem noch günstigeren Stande der Früchte in den höheren Gegenden wird, bei anhaltend warmer Erndtezeit, Getreide im Durchschnitte einen höheren als Mittelertrag abgebcn, während der für unser Land so wichtige Kartoffel-, Kraut und Rübenbau nach dem bisherigen Stande ungewöhnlich reichen Ertrag verheißt.
Wien, 29. Juli. Se. Majestät der Kaiser wird im August nach Jscbl reisen und daselbst mehrere Wochen verweilen. — Seit dem 23. Juli haben II. MM. König Ludwig und Königen Therese mit Ihrer K. H. der Großherzogin Mathilde von Hessen ihren Aufenthalt im Schlosse Leopoldskron genommen, wo fast zu gleicher Zeit Se. K. H. der Großherzog von Hessen eingetroffen ist.
Das Ministerium hat die Räumung deS verschlamm« ten FranzenScanals angeordnet, und wird der Canal von Földvar bis Türkisch-Bekse verlängert werden. Die VerlängernngSarbeiten von Morastrossegg bis an daS Donauufer werden bereits thätigst betrieben.
Im Handelsministerium ist man mit Abfassung eines für den ganzen Umfang des Kaiscrstaates bestimmten Handelsrechtes thätigst beschäftigt. Die Irzielung eines mit Deutschland gemeinsamen Handels- und SeerechleS scheint vor der Hand, wie aus einem der Linzer Han« delSkammer ertheilten Ministerialbescheid hervorgeht, nicht so nahe gerückt, daß man die Befriedigung des einheimischen Bedürfnisses nach einer Verbesserung dieser Zweige der Gesetzgebung von einer Vereinbarung mit den deutschen Bundesstaaten abhängig machen könnte, obwohl selbst verständlich auf eine Uebereinstimmung der Gesetze schon jetzt hingearbeitet wird. •— Ein kürzlich zur Verhandlung gekommener Strafgerichtsfall stellt die eingreifende Wirksamkeit der k. k. GenSdarmerie in ein besonderes Helles Licht. Ein wiederholt bestrafter und eingebrachter Landstreicher hatte sich dießmal freiwillig gestellt, indem er angab, es sei nicht möglich, irgendwo zu verweilen, ohne von der GenSdarmerie wahr- genommen zu werden.
Die Notiz der „A. 3 " von der Ankunft des österreichischen Gencralcousuls von Smyrna in Athen am 15. d. Mts. entbehrt nach einem Briefe deS Hrn» v. Weckbccker, den er, wie der „Wanderer" angibt, am 20. Juli von Smyrna aus an einen hiesigen Freund gerichtet hat, jeder Begründung. Herr von Weckbecker hat seinen Posten keinen Augenblick verlassen.
In Betreff der Schiffbrücke, welche ein Petersburger Brief der Hamburger Nachrichten die Russen über die Donau schlagen läßt, bemerkt der Lloyd: „Eine bereits fertige Schiffbrücke über die Donau würde allerdings in Paris und London nicht geringe Verwunderung erregen; wir wollen aber dem kriegslustigen Berichte auS der russtichen Hauptstadt mit dem kleinen Zusatz unter die Arme greifen, daß sich die Donau oberhalb Tult« scha theilt; der südliche Arm bildet die türkische Grenze und führt zur Sulinamündung, der nördliche Arm, an welchem Ismail liegt strömt durch russisches Gebiet und führt zur Kiliamündung. Die durch diese Theilung entstehende Insel Leti oder Tschetal, wie sie in dem Briefe genannt wird, gehört zu Rußland, und es ist somit nicht chie Schiffbrücke über die Donau, sondern über einen Arm derselben geschlagen worden, welche die Verbindung von Ismail mit der Insel Leti herstellt. Man kann mithin einem Uebergang über diesen Donauarm insofern ruhig zusehen, als die türkische Grenze noch ziemlich weit ist."
Berichte aus Wien vom 29. Juli melden, daß der österreichische Vermittlungsvorschlag der Pforte die Räumung der Donaufürstenthümer von den Russen ga- rautire. Reschid-Pascha habe darauf hin die russischen