Einzelbild herunterladen
 

Nassauische Allgemeine Leitung.

jVr 138. Montag den 1. August 1SS3.

Dik,,Nassauisch» Allgemein» Zkitung" mit drm belltiristischen BeiblattDer Wanderer" erschemt, Sonntag» ausgenommen, täglich und beträgt der PrânumerationSprei» für'Wiesbaden und , nach dem neuen PoNregulaiiv nunmehr auch für den ganzen Uinfa»n des Ldurn- und TariS'schen Berwaltungsbetirk« mit Jnbigriff des Possausschlag« 2 fl., für die übrigen Länder deS dentfch.österrelchjschen Possvereins, mir für das Ausland 2 fl. 24 fr. Inserate werden die vxrsxalüx Petltieile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedri ch, Langgaffe 42, auswärts bei den nâchstgelegenen Postämtern, zu machen.

Amtlicher Theil.

Verordnung.

(Den Gewerbebetrieb der Schiffsmakler und anderer Per­sonen, welche sich mit der Vermittelung des Transports von Auswanderern auS dem Herzogthum befassen, betr.) Wir finden uns veranlaßt, zu der Verordnung der Herzoglichen Landesregierung vom 31. Januar 1849 noch folgende weitere Bestimmungen zu treffen:

1) den concessionirten Hauptagenten ist die Annahme von Unteragenten und Mäklern untersagt und der Geschäftsbetrieb zur Beförderung der Auswan­derer nur den von uns concessionirten Agenten selbst gestatte;, j

2) Jeder von den concessionirten Agenten abgeschlos­sene Ueberfahrtsvertrag , bedarf der Genehmigung des Herzoglichen KreisamteS, welches dieselbe nur dann zu ertheilen hat, wenn der Inhalt deS Vertrags den Bestimmungen der Verordnung vom 31. Januar 1849 entspricht und die Nachweise erbracht ist, daß der AuSwandernde den Vor­schriften über die öffentliche Bekanntmachung sei­ner- Auswanderung genügt hat, und mit gesetz­lichen Legitimationspapieren versehen ist.

Ueber die genehmigten -Ueberfahrtsverträge ist bei jedem KrejSgfflte ein Verzeichniß zu führen und hat die ohne eine solche Genehmigung ge. schehene Beförderung eines Auswanderers die Ent- O ziehung der Concession für den betreffenden Agen­ten zur Folge.

3) Die Entziehung der Concession haben auch die­jenigen Agenten zu gewärtigen , welche sich einer Anwerbung und Verleitung zur Auswanderung schuldig machen.

Außerdem können Agenten, welche den Bestim- mungcu dieser und der Verordnung vom 31. Januar 1849 zuwiderhandeln, in eine Strafe von einem Gulden bis fünfzehn Gulden verfällst werden.

4) Die Kreisämter haben bei dem Ansuchen um Ausfertigung von gewöhnlichen Reiselegitimationen nach fernen, namentlich überseeischen Ländern stets zu prüfen, ob hierdurch nicht die Bestimmungen über Auswanderung c umgangen werden sollen, und nach Befund dieselben ebenso zur Anwen­dung zu bringen, .als wenn um Erlaubniß zur Auswanderung ausdrücklich nachgesucht worden wäre, oder die Ausfertigung der Reiselegitimation zu verweigern.

Wiesbaden, den 8. Juli 1853.

Herzogliche Ministerialabthestung deS Innern. Faber.

vdt. Horstmann.

Vekanntmachung

(Den Salzverkauf im Herzogchum betreffend.)

ES wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß vom 1. August dieses Jahres an, die Abgabe des Salzes in Säcken von 200 Pfund neuen Nassauischen Gewichts, statt wie seither in Säcken von 215 Pfund Mainzer Silbergewichts aus den Salzmagazinen statt- findet.

Der Verkaufspreis für das Kochsalz bei Pfund- weisem Bezug von den Detailhändlern und Salzaus wiegernbeträgt entsprechend dem seitherigen Preise D'rei Kreuzer Ein Heller für das neue Nassaui­sche Pfund.

Bei dem sackweisen Bezug von Kochsalz auS den Magazinen wird demnach der Verkaufspreis, welcher für einen Sack Kochsalz von 200 neuen Nassauischen Pfunden, einschließlich des Sacks, an die Magazinsverwaltuna zu entrichten ist, auf neun Gulden vierzig Kreuzer festge­setzt, wobei die seither vergüteten Transportkosten auch ferner in Ausrechnung kommen.

Wiesbaden, den 22. Juli 1853. Herzoglich Nassauisches Staatsministerium, Abtheilung der Finanzen.

â Vollpracht.

vdt. Olfenius.

(Verordnungsblatt Nr. 20 vom 28. Juli 1853.)

Nichtamtlicher Theil.

Zur orientalischen Frage.

* Der kurz erwähnte Artikel in der neuesten Nummer der officiösen österreichischen Korrespondenz, datirtWien,

28. Juli, lautet seinem vollen Inhalt nach:Wie wir vernehmen, hat die Regierung der hohen Pforte gegen die durch kaiserlich russische Truppen bewirkte Be­setzung der Donaufürstenthümer einen Protest eingelegt, in demselben zwar geltend gemacht, daß für sie aus jenem Acte das Recht des Krieges erwachse, unter Einem jedoch die beruhigende Versicherung hinzugefngt, daß sie keinen Gebrauch davon zu machen gesonnen sei, sondern einen friedlichen Ausgleich des Streites wünsche und erwarte. Wir können nicht umhin, dieses Actcnstück nach Form und Inhalt als eine Friedensbürg­schaft zu betrachten ; denn wenn die Pforte Frieden zu halten entschlossen ist, wenn sie nicht- Gebrauch ma­chen will von Mitteln gewaltsamer Abwehr, wenn sie mit einem Worte ^eu Gegenstand des Streites selbst auf das Terrain diplomatischer Unterhandlungen verlegt: dann dürfte wohl der nächste und wichtigste Anlaß zur Befürchtung eines gewaltthätigen Zusammenstoßes als bcsemgt- zu betrachten sein. Denn so wie wir einer­seits aus das Innigste überzeugt sind, daß eine Störung des allgemeinen Friedens den größten Kalamitäten, welche dieses Jahrhundert treffen könnten, beigezählt werden müßte, eben so zuversichtlich glauben wir and), daß es wesentlich im Interesse und im Kreise der leb­haftesten Wünsche aller europäischen Re­gierungen liegt, dieses Gul des Friedens unangetastet zu bewahren. Was die k. k. öster­reichische Regierung betrifft, so kann über ihre Inten­tionen in dieser Beziehung durchaus kein Zweifel ob­walte». Ihre Aufgabe ist eine schwierige, aber ehrrn- volle. Auf einem objectiven neutralen Standpunkte sich haltend, ist sie nur auf Erhaltung des Friedens, aus eine freundschaftliche Vermittelung durch eine der Würde und den Interessen der Streitenden entsprechende Schlichtung des Zwistes gerichtet, und hat in ihrer rei­nen Absicht die beste Befürwortung für alle Vcrmit- telungsschritte zur Seite. Es ist begreiflich, daß das Stadium der Unentschiedenheit, in welchem sich diese Frage jetzt befindet, eine lebhafte Spannung der Sei müther in sämmtlichen Theilen Europas unterhält. Des­sen ungeachtet würbe man unrecht thun, sich ungerecht- sertigten Besorgnissen hinzugeben, und wir halten es für eine Aufgabe, ja sogar für die ernste Pflicht aller Rechtschaffenen, die Zuversicht einer friedlichen Lösung bei sich und anderen möglichst wach und lebendig zu erhalten. Allerdings hängt die Lösung der Frage von manchen nicht zu berechnenden Wechselfällen ab, aber einer nüchternen Erwägung der Sachlage wird keines­falls entgehen, daß bei weitem mehr Gründe der Wahr­scheinlichkeit für eine friedliche als gegenteilige Bei­legung sprechen. Die Unterhandlungen sind diesfalls noch in vollem Gange. Allein dieser durch mannigfache Rücksichten ernster Art bestimmte Gang kann nicht im­mer gleichen Schritt halten mit der Ungeduld des Publicums. Wo so unendlich gewichtige Interessen auf dem Spiele stehen, bedarf es vor allem der materiellen Zeit, um den glücklichen Weg zn ihrer Ausgleichung aufzufinden."

Nach Allem scheint der Stand der orientalischen Frage der zu sein, daß der österreichische Vermittlungs- Vorschlag von dem Kaiser von Rußland jircvisorifch ge­billigt wurde; dass aber der Czar seine definitive Ent­scheidung bis zu dem Augenblicke sich vorbehielt, wo auch die Pforte dem österreichischen Vorschlag sich ge­fügt haben würde. Nachdem nun aus den neuesten Nachrichten hervorgeht, daß der Sultan dieses gethan, so fehlt weiter nichts, als die definitive Erklärung des Kaisers Nikolaus. Der Lloyd schreibt: Was wir nun wissen ist, daß cS den Bemühungen.des kaiscrl. JnternuntiuS gelungen ist, Frankreich und England mit Oesterreich in den Fricdensbediugungen zu eini­gen, und daß die drei Gesandten mit Erfolg sich ver­einigt haben, um daS Eingehen der hohen Pforte auf ihren nun gemeinsamen Vorschlag zu erwirken. Es bleibt nun nichts übrig, als ans St. Petersburg die Nachricht zu vernehmen, daß Rußland mit-jenem Üeber- einkommen einverstanden sei; allerdings die allem Aus­schlag gebende Nachricht. Aber wir haben guten Grund die Vermuthung auszusprechen, daß die Vermittlungs- Vorschläge des Herrn v. Bruck in St. Petersburg nicht unbekannt waren und daß ihre Aufnahme von Seite» des russischen Cabinets eine günstige sein wird. DerWanderer" berichtet Folgendes:Es hängt der­zeit die mit aller Kraft von Seite der westlichen Mächte und des Wiener Kabinettes an gebahnte Vermittlung von dem Bleiben Reschid Pascha's im Amte a b. Der Divan ist auch jetzt wieder einer Minister- krisiS ausgesetzt. Gelingt es Reschid Pascha im Amte

zu erhalten, so werden mit Zustimmung. Rußlands, Konferenzen, und zwar in Wien eröffnet werden, wobei Oesterreich, wie man' annehmen darf, mit bereits erfolgter Zustimmung Rußlands, die unmittelbare Ver­mittlung zwischen den westlichen Mächten und Ruß. land, dann Rußland und der Türkei, zu übernehmen bereit wäre. Die Vereinigten Staaten haben der Pforte jeglichen Succnrs in Geld und Streitkräften angelragen. Es steht zu hoffen, daß die redlichen und umsichtigen Bemühungen des Wiener Cabinets aber die Verhält- nish: in correcten Wegen erhalten und der auf Grund­lage der Wiener Verträge beruhende Weltsriede an der Donau eine neue Sanction erhalten wird."

Aer-lschlaud

* Wiesbaden, 30. Juli. Nachträgliche Berichte über feierliche Begehung des GeburtsfesteS Sr. Hoh. des Herzogs erhielten wir aus Bad-Ems und Ober­tiefenbach. Die neueste hiesige Fremdeuliste vom 30. zählt 14,617 Kurgäste. Angekommen vom 27. bis 30. Juli: 769. Bei der gestern dabicr stattgefundene» Ziehung der Geschwornen für die Assisen des 3. Quar­tals diesseitige» Hofger. Bezirks traf das Loos folgende: EOnptgcschwöreiie: Georg Heppenheimer in Biebrich; Landobcrs.i nltheiß Steubing in Nassau; Feld- gerichtsschöffe I. Hoffmann in Eschbach; NevisionSrath Göllner in Wiesbaden; PH. Fischer in Griesheim; Joh. Erkel in Zorn; Kaufmann Fr. Letzerich in WicS- baden; Gerhard Pfeiffer in Höchst; Herrmann Löwen­herz in Wiesbaden; Ph. Jacobi in Sossenheim; Chr. Gottlieb in Bleidenstadt; Heinrich Nagel in Erbach bei Idstein; Nhemzollbcseher Mylius in Kaub; Wilh. Hasselbach in Georgenthal; Ad. Christian in Sulzbach; Joh. PH. EudcrS in Panrod; Wilh. Strack in Egen­roth; PH. RamSberger in Hattersheim; Bäcker Hip- pachcr in Wiesbaden; Fr. Sorg in Wehrheim; Joh. Lauth I. in Flörsheim; Peter Belte II. in Auspach.; PH. Boen in Anlhansen; J. Straus jun. in Kahlbach; General Alefeld in Wiesbaden; Fr. Jäger in Wies­baden ; Revisor Freitag in Wiesbaden; Ludwig Fuchs in Brandoberndorf; Kaufmann F. C. Willms in Wies­baden; Joh. Schmidt in Huadstadt. 2) Ersatzge- schworeiie: Wagner Heinrich Brenner, Carl Fausel, Ph. Fr. Höser, Schneider Scheurer, Kaufmann Joseph Bertram, Hofrath Leyendecker, Philipp Zollmann, Rc- gistnrtor Lehr, Joh. Carl Wilh. Beckel, sämmtlich von Wiesbaden. Harr v. Reden der bekannte Sta­tistiker, ist von dem Dircctorium des Vereins nass. Land- und Forstwirthe zum Ehreumitgliede des Vereins ernannt worden. Nach der kürzlich vorgenommenen neuen Taxation für das zweite Halbjahr 1853 haben 126 Viehbesitzer bei der hiesigen Local-Niudvieb Asse- curanz-GeseUschaft für 35,305' Gulden Rindvieh ver­sichert. Dieses Institut, das % des Versicheruugs- werthes bei dem Fallen eines Thiers vergütet, hat sich bis jetzt als ein sehr gutes und nützliches bewährt.

< Biebrich, 30. Juli. Heute hat der Herzog!. Hof die Platte verlassen und traf Abends nach 6 Uhr in dem Schlosse dahier wieder ein. Um dieselbe Zeit kamen J. k. Hoheit die Prinzessin Karl von Preußen, welche gegenwärtig in Schlangenbad verweilt, an hiesigen Hof zu Besuch. Nach genommenem Thee wird die hohe Danie wieder nach Schlangenbad zurückkehren. Die Abreise Sr. Hoheit des Herzogs und I. Hoh. der Frau H c rz o g i ii nach Norderney, zum Gebrauche der Seebäder, wird kommenden Dienstag erfolgen.

/^ Schlangenbad, 30. Juli. Se. Majestät der König von Württemberg machten gestern eine Spazierfahrt nach dem % Stunde entfernten Dorfe Bärstadt: nach W. H. Richl's Wcrkchcn über Schlan­genbadeine Wanderung in die hügelreiche Hoch­ebene der alten Niedergrafschaft Katzenclnbogeii" oder in eine dervier großen Landschaftsgruppen, die so zu sagen vor den Thüren Schlangenbads anfangen." Ihre k. Hoheit die Prinzessin Karl von Preußen war gestern zu Wagen auf der hohen Wurzel, auch Tannenstück" genannt, einer der schönsten Aussichten im Herzogthum. Nach Osten gewahrt man die ver­schiedenen Höhen bis zum Feldbera, die Burgruine Fal­kenstein; südlich den Main von Mainz bis gegen Höchst hin, den Rhein vom Odenwald bis nach Rübesheim, jenseits desselben die Pfalz; mehr westlich den Donners­berg, daS romantische Nahethal mit Bingen, den Hunds­rücken , das Rheingau, den Rheinwinkel bei RübeS- Heim re.; nach Norden erreicht der Blick die meisten höher» Punkte M WesterwaldeS.

.V Limburg, 30. Juli. Der Hochwürdigste Hr. Bischof ist mit dem Herrn Generatvicar Dr. Klein