Einzelbild herunterladen
 

Nassauische Allgemeine Zeitung.

TV? 194.

Mittwoch deu 27. Mi

1833.

^ N^ffauisckr Ällkkmei»e Zkitiiiift" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanverer" erscheint, SonniâftS ausgenommen, täglich und betragt der Pränumerationspreis für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregiilariv nunmehr auch für den ganzen Umfang des Dburn- und TariS'schen Verwaltungsbezirks mit Jubigriff des Postausschlags 2 fl., für die übrigen Länder des deutfch.öüerreichischen PofivereinS, wie für das Ausland 2 ft. 24 fr. Inserate werden die drerspalti, Petilzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgaffe 42, auSwärt« bei den nâchstgelegeuen Postämtern, zu machen.

Jur orientalischen Frage.

Die friedliche Lösung der orientalischen Frage, so berichtet'dieNeue Münchener Zeitung", wie es scheint in officiöser Weise aus Wien kann nickt mehr in Zweifel gezogen werden. Der gegenwärtige Stand der Sache resumirt sich, wie ich Ihnen von verläßlicher Seite be­richten kann, darin, daß Rußland die versöhnlichsten Zusicherung ertheilt und sich bereit erklärt, unter Ver­mittelung Oesterreichs die Ausgleichungsvorschläge Frank-. reichs und Englands anzunehmen. Diese Vorschläge bestehen darin/ daß die Pforte vermocht werde, eine Note an Rußland zu richten, deren Inhalt zusammen­gesetzt wäre aus dem Notencntwurfe des russischen Ul­timatums und der Reschid Pascha früher angegebenen Note, worauf Rußland seinerseits ein: sichernde Gegen­erklärung abgeben würde. Im Principe ist die Pforte mit einem derartigen Arrangement einverstanden. Die bisherige Zögerung in Betreff des Anschlusses hatte Anfangs seinen Grund in der Unentschlossenheit der Pforte; dann, nach erfolgter Besetzung der Donau- sürstcuthnmer, in der Krisis vom 7. und 8. d., welche zu einer Entzweiung im Rathe des Sultans, ja sogar einem momentanen Rücktritte des GroßvèzirS Rescbid Pascha führte, nachdem der Sultan, unter dem ersten Eindrücke der Krisis, der alttürkischen Partei Gehör ge­geben hatte. Durch das energische Auftreten des Lord Stralfort de Redcliffe wurde dem jedoch abgeholfen, und Reschid Pascha übernahm seinen Posten wieder. In­zwischen war der Ramazan eingetrclenj und die Türken waren zu einer Geschästsübern hme während dieser heiligen Zeit" nicht zu bewegen. Aber der Ramazan ist jetzt zu Ende, und von keiner Seite wird bezweifelt, daß die Lösung jetzt in dem oben angeführten Sinne erfolgen .werde, wie man denu auch nicht zweifelt, daß, nachdem die betreffenden Noten, die türkische und russi­sche, gewechselt sind, der Rückzug der russischen Truppen aus den Douaufürstenthüm.r und der englischen und französischen Flotten aus der Besika-Bai gleichzeitig er- folgen werde.

Wie demWanderer" berichtet wird, hat die hohe Pforte am 11. beschlossen, die Vermittlung der vier Großmächte in Anspruch zu nehmen, und in Uebereinstimmung mit diesen zu Handeln. Früher jedoch sollten alle diplomatischen Mittel versucht wer­den, ehe man zu den Waffen greife. Dieser Beschluß wurde einstimmig angenommen. Der SeraSkier und Ober Commandant der Leibwache haben zuerst ihre Sie­gel bcigesctzt. Die Verwahrung gegen die G e b i c t s v er le tz u n g wurde rcdigüt und bereits den auswärtigen Rcpräseuianten sowohl, wie der russischen Agentschaft, den türkischen , im Auslande befindlichen Bevollmächtigten nutgctbcilt. Die Kriegsvorbereitungen dauern fort, der Kriegsminister soll sich ins Lager bei Schumla begeben. Nach derA. A. Z." hat man einige der türkischen Kriegsschiffe, die seither bei Bnjnk- berè in einer Stellung waren, ganz geeignet, um mit Beihülfe der Laudbattericu zu beiden Seiten der rnss. Flotte den Eingang sehr schwer, ja fast unmöglich zu machen, auf einmal von dort ins schwarze Meer hinauS- geschleppt. DerOstd. Post" werden auS Constantinopel vom 14. d. einige nickt sehr wahrscheinliche Nachrichten gemeldet. Eine davon ist, daß Herr v. Ozeroff wieder in Constantinopel erwartet wird und dag gegen 30 Ar­beiter beschäftigt sind. die Adler an dem russischen Ge- sandtschastShotcl wieder aufznpflauzcn. Einer zweiten zufolge halte Rußland einen Congreß vorgeschlagen, doch sollen die Berathungen nur zwischen Rußland nnd der von den übrigen Mächten unterstützten (?) Türkei vor sich gehen. Ferner soll ein aus England angelang' ter Courier Lord Redcliffe das feste Zusammenhalten mit der Pforte verschreiben. DerWanderer" läßt in einer Korrespondenz aus Jassy die russische Occupa­tio nsarmee aus IGO,000 Manu (!) bestehen. Die neuesten Nachrichten ans Bukarest sprechen nur von der Hälfte. Derselbe Korrespondent will aus der Schnellig­keit, mit der die Occupationsarmee ihre Positionen ein- nehme, den Schluß ziehen, daß man in Rußland von der Verwerfung der gemachten Vorschläge im Vorhinein überzeugt war, und daß bei diesem Bewußtsein alle nothwendigen Maßregeln zur Mobilmachung dieser zahl­reichen Armee noch vor Verwerfung dcö Ultimatums wie deS UltimalissimumS getroffen waren. Dirchs ener­gische Aufgebot der russischen Militärkiäfte lasse jedoch noch immer der Befürchtung Raum, daß eS sich im gegenwärtigen Falle nicht um eine bloße Demon­stration handelt, und daß Rußland selbst nach erfolgtem Erlangen einer formellen Genugthuung sein Herr über

den Pruth nicht sobald zurückführen dürfte. Der Presse" wird aus Galacz vom 13. geschrieben: General KasalinSki rückt mit einem Corps von 12,000 Mann Russen gegen die Donau. Man schreibt den Hamburger Nachrichten" aus St. Petersburg: Der gegenwärtige Stand der russisch - türkischen Differenz ist ein Geheimniß des Cabincts, von dem män in öffentlichen Kreisen nichts erfährt. Ein zahlreicher Depeschenwechsel zwischen den europäischen Cabincte» ist indessen sichtbar. Der österreichische Ab- gesandte, Graf Gyulai, hat täglich Conferenzen mit den Gesandten der Mächte, und will man Aeßernngen von der preußischen Gesandtschaft her glauben, so wird der Friede nicht gestört werden.

Der St. Auz. f. Würkt.- schreibt aus Wien vom 22. d.: FZ.M. Graf Gyulai hat seine Mission mit dem besten Erfolg zu Ende geführt. Wie uns ver­sickert wird hat Se. Maj. der Kaiser von Rußland be­schlossen, mit England, Frankreich, Oesterreich und Preu­ßen in Betreff der orientalischen Angelegen­heit Verhandlungen anzuknüpfen, und cs soll dicscr allerhöchste Entschluß durch eine Circnlardcpcsche den einzelnen Gesandten zur weitern Verlautbarung an die betreffenden Regierungen mitgetheilt werden. Die kürz­lich mirgetheilte Angabe von der Ersetzung Lord Strat­ford de Redcliffe's durch den Lord Carlisle soll sich wirklich bestätigen (?); ein solcher Entschluß seitens des englischen Cabinels wäre unter den dermaligen Um­ständen von um so größerer Wichtichkeit, als damit der Sieg der russischen Diplomatie am augenscheinlichsten anerkannt würde. Wie aber die Verhältnisse jetzt sich gestaltet haben, dürfte dem englischen Cabinet kaum ein anderer Weg übrig bleiben, um sich aus der Verlegen­heit zu ziehen, in die eS sich durch die Politik des Lord Redcliffe gebracht siebt. Die National Ztg. be» merkt: Die Nachrichten schwanken noch immer darüber, welche Aufnahme die nach St. Petersburg geschickten Vermittlungsoorschlâge dort gefunden haben. Nachrich­ten von neuem Datum aus Petersburg reden davon, daßbet Kaiser unerschütterlich auf seinen Forderungen beharre, und daß dort nur darüber die Meinungen ge­theilt seien, ob England, Frankreich und die Türkei sich zu einer vollständigen Nachgiebigkeit entschließen könnten oder nicht. Nickt minder ungewiß sind, wie dieNat.- Zlg." schreibt, die Nachrichten darüber, wie das Ver­halten der b. Pforte diesen Vermittlungsvorschlägen ge­genüber sei. Es dreht sich vorzugsweise noch um den Senedentschluß und das russische Protcctorat, während die Schwierigkeit der factischen Occupation der Donau- fürstenkbümer gar nickt berührt ist. Inzwischen tritt die Letztere immer entfeb (ebener in den Vordergrund. Die unmittelbare Räumung der Donaufürstenthüiner ist der Kern der Frage.

Da es sich bei den Versuchen zur Beilegung der türkisch-russischen Differenz um den Erlaß eines Äcten- stückes Scil«is der Pforte handelt, so ist die Bedeutung der verschiedenen Formen derselben gegenwärtig von Ju- tercsse. Nach einem Pariser Journale heißt Hatti-sche- rilk wörtlich übersetzt: eine Bulle des Kalifen ; es ist Dieß ein organisches, vom Sultan ottroyirtes Gesetz, welches er aus eigener Bewegung unter religiöser Sanc­tion und unwiderruflich als Oberhaupt der Gläubigen ertheilt. Das Wort Tanzimat bezeichnet die Regelung des Halti-scheriff von thaue oder die Verfassungs­urkunde der Türken. Iradé ist eine Ordonnanz , ein VcrbaltnngSbefchl, nnterzeicknet vom Sultan , der in diesem Falle mehr als politischer Souverän handelt. Firman ist ein vom Sultan unterzeichnetes Dccrct, das sich aber vorzugsweise auf VerwallungSaiMlegeubeiten belebt. Berat ist ein Diplom und betrifft ' zunächst Personen. Sened ist eine diplomatische Convention, welche von einem hierzu ermächtigten Minister unter­zeichnet ist und eine synallagmatische (zweiseitige) Ver­pflichtung enthält.

Dc»tschland.

* Wiesbaden, 27. Juli. Ueber die Feier des GcburtSfesteS S r. Hoh. des Herzogs finb uns aus verschiedenen Theilen des Landes Berichte zugegangen. Dieselben zeigen, wie allgemein und herzlich die Theil­nahme und wie bedacht man allenthalben war den be­deutungsvolle» Tag in sinniger und würdiger Weise zu be­gehen. In Biebri ch machte der Gesangverein zur Vor­feier eine Wassevfahrt auf prachtvoll erleuchteten Kähnen. Brennende Tbeerlonnen schwammen auf dem Rhein und ließen den Wasserspiegel wie ein Feuermeer erglänzen. BiS tief in die Nacht wechselten vor dem Herzoglichen Schloß Gesang und die Musik der dortigen Garnison, während ;

jenseits des Rheins die österreichische Artillerie, welche große Holzstöße mit bogenförmig fliegenden Feuerkugeln zur Uebung in Brand schoß, mit ihrem Kanonendonner den Grundton zu diesem Concerte gab. Am Geburts­tage selbst waren die Landungsbrücken und Häuser mit den Flaggen der nassauischen niid dessaischen Landes- farbew festlich geschmückt. Ebenso alle zu Berg und Thal gebenden Dampfschiffe, die vom Landungsplätze aus mit Böllerschüßen begrüßt, donnernd wieder grüßten. Aber auch im Goiteshanse und durch Werk der Liebe wurde das schöne GeburtSfest gefeiert. Der Bürger und Handelsmann Leopold Liebmann, der schon viele Jahre lang diesen Tag durch Wohlthätigkeit bezeichnet, ließ auch in diesem Jahr durch Herrn Bürgermeister Reinhardt Brod und Geld an Ortèarme vertheilcn.

Die kirchliche Seite der Feier, die sich wohl nir- gendsso erhebend wie in den beiden Kirchen der Haupt­stadt ausgesprochen haben mag, wird unS besonders in den Berichten aus Wallmerod resp. Meudt hcrvorgeho- ben wo beide Hrn. Geistlichen Vorträge über die Liebe zum Vaterland und den für- dieses sorgenden Fürsten, 'o wie über die daraus entstehende Pflicht der Dankbar­keit, der Treue und des Gehorsams hielten. GlcicheS gefduebt in den Berichten vom Taunus.

In Rüdesheim vereinigte sich am Abend zur Feier des Geburlsfestes in dem am Rhein gelegenen mit bunten Fahnen geschmückten Gasthofzum Darm­städler Hof" eine Anzahl Perioncn, meist zwar dem biestgen Staatsdicnerstande, zum Theil übrigens auch bem dortigen Bürger stände angehörig, zu einem Fest­essen. Nach der Tafel, bei welcher Musik, Böllerscküffe und Toaste wechselten, unternahm die ganze Gesellschaft bei Fackelschein und Musik eine Wasserfahrt auf dem Rhein, auf welchem ein mit einer passenden Inschrift versehenes Transparent erglänzte. Die Feier schloß ein improvisirter Ball im Darmstädter Hof.

3ii Usingen fand zur Vorfeier deS Gcburtsfeste« in dem großen Saale des evangelischen Lehrerseminars ein Concert statt, wobei Lehrer Zitzer eine Ansprache hielt. Am Sonntage Morgens hielt Director ß.$ einen liturgischen FrübgolleSdieust, wozu Lehrer Feye die ge­gebenen Respousonen in Musik gesetzt hatte. Nackmit- tags fand ein Auszug statt in eine nabe gelegene Wal­dung, ivo unter mnsicalischcr und geselliger Erheiterung ein wirkliches Fest gefeiert wurde und bei Gelegenheit einer kurzen Ansprache von Seiten des Seminardirec- tors die herzlichste» Glückwünsche für das Wohl deS Herzogs zum allgemeinen Ausdrucke kamen. Abends war das Seniinargebäude erleuchtet.

* Wiesbaden, 27. Juli. Jbre Majestät die Königin der Niederlande sind gestern Abend nach 8 Uhr zum Besuch bei I. K. H. der Frau Her­zogin Pauline im Palais an dem Berge hier ein­getroffen nnd fuhren nach 10 Uhr wieder nach Mainz zurück.

Schlangenbad, 2E. Juli. Unter den in den letzten Tagen hier Angekommenen besindet sich die Fürstin Osten off aus St. Petersburg, sowie der beliebte Compositeur Frauyois Hünten, deren Name in der musikalischen Welt einen guten è lang bat. Die in Ihrem Blatte enthaltene Nachricht, daß viele hiesige Gäste ihre Badekur vollendet haben und abgereist sind, war gegründet.

Frankfurt, 21. Juli. (N. Corr.) Die Frage, ob mehrere BnudeScafernen in Frankfurt für geeignete Unterbringung der verschiedenen Truppcntheile der Bun- deSgariiison gebaut weiden sollen, wird dem Vernehmen nach zufolge nunmehr gefaßter DeschlußnahM ausgesetzt bleiben, bis die Bundesversammlung darüber entschieden haben wird, ob und in welcher Ausdehnung eine stän­dige ButtdeSgarnison zum Schutze der Ceiitralbebörde in Frankfiirt unterhalten werden soll. Die Commission der Staatsbehörde von Frankfurt, welcher die Führung der dießfallige» Unkerhandlnng-'n mit den dazu delegir- ten Bmlbesbcamten übertragen ist, hat die Mittheilung erhalten, daß der Militärausschuß der Bundesversamm­lung die BuudcSmilitärcomniission angeiviefen hat, sofort neue Unterhandlungen mit dem Senate anzuknüpfen, auf daß die gegenwärtig den verschiedenen TlUppenthei- len der Bundesgarnison cingeräumten Casernen und Gebäude in zweckmäßiger Weise auSgebeffert und berge» stellt würden. Von gutunterrichterer Seite wird indeß versichert, daß das Project, eine Anzahl Bundescasernen in Frankfurt zu bauen, zu geeigneter Zeit wieder aufge- nominell werden würde, da in maßgebenden Kreisen die Ansicht vorherrsche, daß nach den bisherigen Erfahrun­gen die Sicherheit der Bundcsbchörden nicht mehr den beschränkten militärischen Mitteln allein, welche der freien