eine Denkschrift übergeben worden , welche sich, dem Vernehmen imd>, über die einzelnen Tarifsätze verbreitet.
— Die Restc dcö wahrscheinlich in nichts zerfallenden Granaten-CMploiteö sitzen noch immer in ihren Kerkern, und noch immer hört man nicht, daß die Unter such urig zum Schluffe gekommen ist. Es sei sogar noch immer unentschieden, ob gegen die fünf Gefangenen überhaupt eine Anklage auf versuchten Hochverrath begründet werden könne.
Der Legationsrath v. Canitz wird, dem Verlieb Men nach, nach -Turin geschickt werden, wo, wie dies früher der Fall war, wieder ein außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister accreditirt werden soll.
Wien, 20. Juli. Bei Turas in Mähren soll auS Anlaß der in Anregung gebrachten Juspicirung der Bundescontiugeute ein Lager gebildet und sollen im September des laufenden Jahres hierzu 40,000 Mann Infanterie und 11,000 Mann Kavallerie beigezogcu werden. Für die Truppeninspieiruug in Oesterreich bezeichnet man Se. königl. Hoheit den Prinzen Wilhelm von Preußen, Hochwelchcr schon früher dieser Mission vorstand.
Allerhöchsten Orts soll beschlossen worden sein, die Truppenzüge nach dem Süden zu sistiren. Die dahin bereits abgesendeten Truppen bleiben vorläufig in Pe- terwardein und den umliegenden Orten stativnirt. Man hält diese Vorsichtsmaßregel für nothwendig, weil man recht gut die Pläne der ungarischen und polnischen Emigration kennt, die sich unsere östliche Gränze ausgesucht hatte, um im Fall eines Krieges zwischen Rußland und der Türkei einen Handstreich auf Ungarn zu versuchen. Wie man vernimmt werden auch für die Zukunft die Garnisonen an unsern östlichen Grenzen verstärkt werden, da diese verhälknißmäßig sehr schwach besetzt sind.
Jetzt, wo die gesetzliche Verwaltung Ungarns jener in den anderen Kronländern gleichartig festgcstellt ist und die Rechte des Besitzthums und der Personen gegen jedwede Willkür gewahrt werden können, hat cs die Staatsverwaltung als den angemessensten Zeitpunkt erachtet, mit möglichster Beschleunigung auch das Colo- nisationsgesetz zur Vollendung zu bringen, dessen Erscheinen mit Nächstem schon cntgcgengesehcu werden darf. Die Vortheile desselben werden sich in doppelter Richtung zeigen. Die kaiserliche Regierung ist geneigt, auswärtige, namentlich deutsche Einwanderungen bestmöglichst zu unterstützen, wodurch Ungarn eine Masse fleißiger und intelligenter Kräfte gewinnen wird und andererseits das deutsche Element Gelegenheit erhält, in diesen östlichen Marken wieder erneuert festen Fuß zu fassen.
Die „C. Ztg. C." meldet: „Die Truppenzüge in Bessarabien dauern fort; woraus zu entnehmen ist, daß die Russen im Falle des Krieges von dem im Jahre 1828 befolgten Operations - Plane nicht abweichen und
von zwei Seiten über die Donau gehen würden. — Die Nachricht, welche ein hiesiges Tagesblatt brachte, daß Omer Pascha mit dem russischen General Nipro- koitschisky in seinem geheimen Cabinct conferirt habe, ist irrig da sich Omer Pascha cut dem Tage, als dieCon- ferenz statlgefundcu haben soll, nicht einmal in Schumla befand, sondern auf einer Trnppeninspectionsrejse begriffen war, und General NipèokitschiSky gar nicht bei der Armee in den Fürstenthümern, sondern im Lager bei Moskau steht." — Der Kaiser besuchte kürzlich auch die bekannte Strafanstalt auf dem Spielberge. Wie die „Brünner N." vernehmen, haben Seine Majestät 12 von den Sträflingen, 9 Männer und 2 Frauen, zu begnadigen geruht.
^A us Bulgarien schreibt man vom 10. Juli, daß daselbst Räubereien seit Kurzem an der Tagesordnung sind. Das St. Nicolauskloster zu Bazarzik wurde geplündert und ein Werth von 100,000 Piaster geraubt. Ein Prister wurde dabei schwer mißhandelt und gemartert. Die engl. Regierung hat den Hrn Ed. St. John Reale zum Consul in Bulgarien bestimmt, der sich von Varna nach Schumla begibt. — Das über die „Brest. Ztg." verhängt gewesene Verbot ist mit heutigem Tage Mieder aufgehoben worden.
An der holländischen Küste, unweit Helvoctsluis ist am 9. Abends die österreichische Brigg „Cavaliere Ma- ccdone" , Capt. Blasinich, in Ballast, von Antwerpen nach New-Castle bestimmt, verunglückt. Der Capitân mit yemi und Kind und 9 Matrosen sind durch das Looffenboot Nr. 1 gerettet und nach Helvoctsluis gebracht worden Das Schiff ifUn Folge eines heftigen Sturmes auf derselben Stelle gestrandet, wo vor einem
der „Pegno d'Amicizia" verunglückt war. Bei diesem Anlässe zeigte sich wieder das Bedürfniß einer osterr. Consularvertretung im Helvoetsluis. Die verunglückten Oesterreich« fanden jedoch bei Herrn Mair (der bei etwaiger Errichtung eines Viceconsulats Berück- stchtigung verdient), raschen und thätigen Beistand
Innsbruck, 19. Juli. Se. Majestät der König von Sachsen ist unter dem Namen Graf v. Hohenstein gestern Abend um % auf 10 Uhr hier angekommen, und setzte heute früh um 6 Uhr seine Reise nach Süd. tyrol fort«
Frankreich.
Paris, 20. Juli. Am Montage führten die Trup
pen des Lagers von Satory Schlacht-Manöver ans, denen eine halbe Stunde lang der Kaiser, welcher in Civilkleidung und zu Pferde war, so wie die Kaiserin zusahen, die in offenem Wagen saß. Unweit des Lagers werden jetzt eine Red oute und eine Bastion aufgeführt , um die Truppen im Angriffe und in der Vertheidigung von Festungswerken zu üben. — Es heißt jetzt, daß der Hof erst am 29. Juli nach den Pyrenäen abreifen werde. — Der Kriegsminister begibt sich morgen über Rouen, wo er die Truppen und die Na- Nonalgarde mustern wird, nach Havre. Der Marine- Minister ist vorgestern von Nantes zu Rochefort angelangt. Zu gorieiit wurde in seinem Beisein der durchaus gelungene Versuch gemacht, ein Dampfschiff ver- mitteist Chloroform-Dampfes in Bewegung zu setzen. — Gestern war gegen die Gewohnheit Ministcrrath in St. Cloud. — Sämmtliche Logen des Hofes in den Theatern sind der Königin Christine zur Verfügung gestellt worden. Am Sonutage saß sie im Circus auf dem Sessel der Kaiserin und ihr Sohn auf dem des Kaisers. Gestern empfing sie mehrere Mitglieder des diplomatischen Corps; die Prinzessin Mathilde war ebenfalls zu Malmaison. Prinz Jerome und sein Sohn haben sich dort noch nicht gezeigt; vielleicht scheuen sie sich, das bekannte Heiraths. Gerücht glaubhaft zu machen. — Wie verlautet, sollen Fünf-Franken-Stücke nach einem vom Kaiser selbst angegebenen Muster geprägt werden. — Seit einigen Tagen sind im lateinischen Viertel eine Anzahl von Verhaftungen erfolgt, die angeblich mit dem Komplott der komischen Oper in Beziehung stehen. — Die Vorbereitungen zum Feste des 15. August haben auf dem Eintrachtsplatze gestern begonnen. — Zu einem Denkmale, das zu Amiens Peter dem Einsiedler errichtet werden soll, haben der Kaiser 1000 und die Kaiserin 300 Fr. beigesteuert. — Der Seine-Präfeet hat befohlen, daß fortan keine Arbeiter, welche blauen Montag machen, bei Staatsarbeilen beschäftigt werden sollen.
Gestern war auf der Börse das Gerücht verbreitet und wirkte nachtheilig auf die Course, daß die Pforte alle Concessionen verworfen habe, welche ihr von Seiten der ihr befreundeten Mächte vorgcschlagcn worden seien. In Bezug auf dieses Gerücht sagt heute der „Constitutionnel," daß diese Mächte der Pforte Nichts vorgeschlagen haben können, was dieselbe nicht anzuneh- meu im Stande sei; daß man daher nicht aus kon- stantinopel, sondern nur aus St. Petersburg neue Schwierigkeiten erwarten dürfe. Man vernimmt indessen mit Bestimmtheit, daß auf der russischen Gesandtschaft heute die Nachricht eingetroffen ist: Kaiser Nikolaus habe die von Frankreich und England gemachten Vorschläge zur Verständigung angenommen. Die Donaufürstenthümer soll indessen der Czar nicht eher räumen wollen, als bis die ganze Sache definitiv abgeschlossen und die WrëffMeu Verträge unterzeichnet seien. L. Napoleon und das Ministerium sol- len den gegenwärtigen türkisch-russischen Conflict als beendigt ansehen.
Obgleich die Berichte aus den meisten Departemen- ten eine gute Ernte in Aussicht stellen, kündigt der „Moniteur" heute doch an, daß die Regierung es für ihre Pflicht erachte, kein Mittel, wodurch der Bevölkerung eine möglichst große Getreidemenge zu dem billigsten Preise zugeführt werden könne, unberücksichtigt zu lassen. Demzufolge ist durch ein kaiserl. Decret vom gestrigen Tage die durch den Art. 3 der Ordonnanz vom 8. Febr. 1826, hinsichtlich des aus den europäischen Besitzungen Großbritanniens einzuführenden Getreides und Mehls festgestcllte Beschränkung, provisorisch wieder ausgehoben - worden.
Aus London wird gemeldet, daß der Fürst Czar- torsyki dort noch einige Zeit verweilen wird. Er will nämlich warten, bis alle Aussicht aus einen Krieg im Orient vollständig verschwunden ist. Der Fürst steht in sehr freundschaftlichen Beziehungen zu Lord Palmerston. Der scheinbare Zweck seines Aufenthaltes in London ist diz Verheirathung einer seiner Töchter mit einem Abkömmling der Stuarts (?); in Wahrheit aber kommt es ihm darauf an, sich für einen möglichen Kriegsfall in Bereitschaft zuhalten. Der Mann laborirt nämlich an der phantastischen Einbildung, er sei zum König von Polen prädestinirt und setzt zu diesem Zwecke schon seit Jahren alle möglichen Intriguen in Bewegung.
Marseille, 17. Juli. Heute ist das englische Dampfschiff Fury mit wichtigen Depeschen für die britische Regirung aus Konstantinopel hier angelangt. .
Schweiz.
Bern, 19. Juli. Die Verhandlungen der Bundesversammlung von Bern erstrecken sich auf die Geschäftsberichte der verschiedenen Verwaltungen. Herr Druey, Chef des Polizei- und Justizdepartcments vom Jahre 1852, erhielt bei dieser Gelegenheit mehr, sachen Tadel; einerseits waren viele seiner Geschäfte im Rückstände, andererseits erregte das Bekenntniß , daß nicht allein Herr Druey, sondern auch der Bundesrath, die beste Absicht gehabt, im vorigen Jahre den Herrn Thiers zu interniren und die Herzogin von Orleans auszuweisen, wenn nicht eine französische Note (vom 7. Juli 1852) das Gegentheil angerathen, großen Unwillen. Gegen den westlichen Nachbar erblicken wir also eine übertriebene Augendienerei; gegen Oester
reich ein fortgesetztes Renommiren, Chicaniren und Op« poniren. Herr v. Gonzenbach bemerkte sehr richtig, daß der neue Bund oft viel kaiserlicher handele, als dèr Kaiser selbst, und daß der alte Bund von 1815 viel weniger Willfährigkeit und Dienstbeflissenheit gegen Frankreich und andere Nachbarschaften gezeigt habe; er erinnerte an die Weigerungen, L. Napoleon, L. Snell, Follen u. A. auszuweisen, und gab schließlich Herrn Druey den Rath, seine schmutzige Wäsche daheim zu waschen und sie nicht zum Gespötte des Auslandes auszukramen.
SMßieii.
Brüssel, 20. Juli. Der Herzog von B r a b an t und der Graf von Flandern sind von den Maseru befallen worden. * ■ - ,
Der Bürgermeister von Brüssel, Hr. C. de Brou<- ckcre, hat die Anschlagzettel abreißen lassen, welche Stierkämpfe zu Brüssel anzeigen. Bekanntlich ist ein Circus dafür in einer der Vorstädte errichtet, nachdem der dortige Gemeindevorstand ^ine Zustimmung dazu ertheilt hat. Hr. de Brouckere hat eine Aufforderung an den Gouverneur der Provinz erlassen, worin er denselben ersucht, hier eiuzuschreitem „Man will, sagt er, wirklich Stierkämpfe vorführcn. Dieses Schauspiel gewöhnt das Volk an blutige Scenen, au leidenschaftliche' Aufregungen, und muß. ungünstig auf die Moral wirken." Uebrigens untersagt ein Provinzreglement vom 6. Juli 1843, das durch königlichen Beschluß vom 25. Juli gutgeheißen wurde, nicht nur Thierkämpfe, sondern selbst alle öffentlichen Spiele, wobei Thiere Quälereien erdulden würden, und hier ist das Leben der Menschen selbst in Gefahr. Der Circus, der für die Stierkämpfe in der Nähe, der Thore ,von Brüssel ausgeführt worden, soll 400,000 Fr. kosten.
Niederlande.
Haag, 18. Juli. Vorgestern wurde zu Maestricht in einer zahlreichen Versammlung von Bürgern eine Petition an die zweite Kammer, worin sie nachdrücklich zur Verwerfung des vom Ministerium in Betreff der Culte vorgelegten „freiheitsmördcrischen" GesetzentwMfF aufgcfordert wird, genehmigt und allgemein'unterzeichnet. — Man sammelt jetzt weitere Unterschriften Auch haben 44 Geistliche des Canton Maestricht Petitionen gegen jenen Gesetzentwurf au den König und an die Kammer eiugcschickt. Die vor einiger Zeit dahier eröffnete Synode der niederländischen reformirten Kirche hat eine Commission mit Prüfung alles'dessen beauftragt, was auf die kath. Hierarchie-Frage Bezug hat. —• Zu Rotterdam ward vorgestern durch den jansenistischer Erzbischof von Utrecht ein neuer jansenistischer Bischof für Deventer geweiht.
Wie aus Utrecht gemeldet wird, hat die ständige Commission für den holländisch-belgischen Sprach-Con- greß beschlossen, wegen der confessioiicllen Kämpfe in Holland in diesem Jahre der in Utrecht beabsichtigteil allgemeinen Germanischen Kongreß aus- zusetzen und im nächsten Jahre abzuhalten. Die beabsichtigten Einladungen, welche, wie bekannt, an viele hervorragende Männer Deutschlands von Seite der Holländer und Belgier gerichtet werden sollten, werden, aus dem angegebenen Grunde in diesem Jahre unterbleiben. Dem Kongreß wird, sobald er wieder zusammenkommt, der Antrag gestellt werden, auß der hol» ländischen und der belgischen Abtheilung der ständigen Commission des Kongresses auch eine Deutsche zu ernennen.
Dänemark-
Kopenhagen, 16. Juli. (N. Pr. Z.) Die Hoffnung auf ein schnelles Abnehmen der Cholera hat sich leider bis heute noch nicht bestätigt. Von vorgestern bis gestern stieg die Zahl der Erkraiikungsfälle voü 8$ auf 153, von gestern bis heute auf 350 Personen, von denen gegen 170 dem Tode als Opfer fielen. Heute Abend verlautet bereits von neuen, man sagt 300, Er» krankungsfällen. Die Gcsanuntzahl derselben beträgt nach neuester Schätzung 1524, die der Sterbefälle 806. Von den Inseln, namentlich von Falster, läuft die Nachricht vom Ausbruche der Cholera ein.
Vroßdritauttken.
London, 13. Juli. Die Proclamation des Obersten Charras an die französische Armee ist im Namen des revolutionären militärischen Central-Comites erlassen. Die Mitglieder dieses revolutionären „militärischen Central - Comites bestehen aus ehemaligen Offizieren und Soldaten der französischen Armee und beschäftigen sich ausschließlich damit, unter der letzteren im socialistischen Sinne Propaganda zu machen. Präsident ist Oberst Charras, ein tapferer Soldat, der aber durch die Tollheiten des Jahres 1848 völlig confus gemacht ist. Man wird sich erinnern, daß sich derselbe wie ein Wüthender gegen die Patrouille wehrte, welche ihn bei Gelegenheit der Ereignisse vom 2. December 1851 in Paris verhaftete. Charras ist auch auf den Fall einer neuen „Volksbewegung" in Frankreich von der Emigration zum General en Chef der Revolutionsarmee ernannt worden. Auch versichert man mich, daß das französisch- militärische Central - Comite mit der Propaganda entlassener deutscher Lieutenants in innigem Zusammenhang stehen soll.
London, 19. Juli. Admiral Corry, der jungst mit einigen Schiffen von Portsmouth abgegangen war.