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Nassauische Allgemeine Zeitung.

M 151. Samstag den 23. Mi 18 » !.

®ieNassauische Allgemeine Zeitung" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, täglich lind beträgt der PränumerationSpreiS für Wiesbaden und», nach dem neuen Postregulariv nunmehr auch fLr den ganzen Umfang des Ldurn. und TariS'schen Verwaltungsbezirks mit Inbegriff des Postausschlag« 2 fl., für die übrigen Länder des deutsch.bsterreichifcken PostvereinS, wie für daâ AnSland 2 fl. 24 kr. Inserate werden die dicrspaltig Petit, eile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von.W. Friedrich, Langgasse 42, auswärts bei den nächstgelegeiikii Postämtern, zu machen.

Zeitungs chau.

Die Eingangszölle für österreichische Weine. Zur orientalischen Frage.

* Ein Artikel in derA. A. Z." über die öster­reichischen Weine und die Wcinzölle des Zollvereins versucht den Beweis, daß die Herab­setzung der Weinzölle gegen Oesterreich für den rheini­schen Weinbau nur vvrtheilhaft sein könne. Von der preußischen Regierung war bei der nun tagenden Geueralconferenz der Zvllvereinsstaaten eine Herab­setzung der Weinübergangssteuer beabsichtigt, was der süddeutschen Weiuproduction allerdings zn gute käme. Später bemerkten preußische Zeitungen, daß man sich zu Berlin habe bescheiden müssen, eine bedeutende Zahl von Zollcrmäßigungen nicht in Vorschlag zu bringen, da man durch vorläufige Anfragen bei den deutschen Zollverbündeten auf ablehnende Erklärungen gestoßen sei. Seither wurde bekannt, daß die Weinzölle über­haupt, also auch gegen Oesterreich, von 8 auf 6 Thlr. der Zollcentner herabgesetzt seien. Wer den österreichi­schen Wein im Durchschnitt zu 6 fl. den Eimer schätzt, wird finden, daß 6 Thlr. Ucbergangssteuer für den Zollcentner Sporcogewicht einen Zoll von beiläufig zweihundert Procent' darstcllen, mithin noch immer einem Einfuhrverbot gleichkommen. Der Verfasser des er- wähnten vom Gardasee datirten Artikels sieht dadurch natürlich die guten Zeiten für die österreichischen Weine in immer weitere Ferne gerückt, er meint aber auch, daß der rheinische Particularismus, in seiner Angst vor der österreichischen Concurrenz, die Augen vor den un­abwendbaren Consequenzen des neuen Handelsvertrages verschließe, sich dem allgemeinen Handelsverkehr Oester­reichs mit dem Zollverein entgegenstemme und ohne da­durch dem eigenen Vortheil zu dienen, eher einen Weg einschlage, welcher dem rheinischen Wein­bau in der Folge verderblich werden müsse. Eine Ueberaangsßeuer von 6, von 4, ja nur von 2 Thlrn., sagt der Verfasser, wird die Ausfuhr österreichi­scher Weine nach dem Zollverein, ausgenommen die kostbarste Waare, noch immer unmöglich machen. Die' FNcsèn dieser fortgesetzten Unterbindung der Leoeuöaoern sind für Oesterreich unheilvoll; und müssen namentlich in Südtyrol bei einiger Dauer deu kleinen Besitz gründlich ruinircu. Worauf werden dann die noch aufrechtstehenden Weinproducenten angewiesen sein? Handgreiflich darauf, ihr Erzeugniß zu verbessern, um es trotz den hohen Zöllen durchzubringen; also franzö­sische Weinkundige koiymen zu lassen, die tauglichen Tranbensorten zu Ausbrüchen zu verwenden, und über­haupt das überschüssige Product für den Export vorzu­bereiten. Hat einmal, sei es nach zwölf Jahren, der Zwang sein Ende erreicht, dann ist der Weinbau am Rhein und am Main um so schlimmer daran, als er am meisten Sorge getragen, seine Concurrenten, die theilweise burcb Clima und glückliche Bodenverhältnisse ohnehin einen Borsprung haben, heranzubilden. Anders käme es, wenn der österreichische Wein alsbald die Wege des Absatzes offen fände. Die Producenten wür­den die alten Methoden nur in so weit verlassen, als es nöthig, wäre, um den Wein den neuen Kunden, welche bei dessen niederen Preisen großentheils zu den unteren Schichten zählen müßten, genehm zu machen, und eher auf Steigerung der Production bedacht sein. Neue kostspielige Bahnen betritt man, wenn man ge­zwungen ist. Die jetzigen österreichischen Weine sind aber den Rheinländern nicht gefährlich, und müssen es bei gesteigerter Erzeugung immer weniger werden. Es liegt etwas wahres in diesen Dcductiouen; allein zwölf Jahre reichen nicht hin, den Nebenbuhler der rheini­schen Weinindustrie so furchtbar zu machen; auch ist nicht anzunehmen, daß unsere Weinbauer mittlerweile die Hände in den Schoß legen werden. Dagegen wol­len wir glauben, daß ein allmäligeS Herabjetzen der Eingangszöllc für österreichische Weine für beide Theile unschädlich und für die Gesammtheit von Nutzen wäre.

Der gestern in einer telegr. Dep. erwähnte Artikel der Oesterr. Corr, vom 20! Juli lautet:Die Mini­sterkrisis, welche am 8. Juli zu Lonstantinopel stattfanb und die so unheilvoll für die Türkei hätte werden kön­nen, ist glücklich beseitigt. Nur wenige Stunden konnte der Einfluß jener alttürkischen Partei obherrschen, welche die Machtverhältnisse des eigenen Landes und die des großen nordischen Reiches ebenso mißkennt, ais das Be- dürfnlß des gejammten Europas nach Erhaltung des Friedens von ihr unbeachtet bleibt. Hatte der erste Ein­druck der Nachricht von dem erfolgten Einmarsch der k. russischen Truppen in die Donaufürstcnthümer dahin ge­

führt, daß sowohl dem greisen Großvezier Mustapha Pascha, als dem-Minister deS Aeußcrn, Reschid Pascha, plötzlich die Siegel abgcsordcrt und Führer der eben be­zeichneten. Partei damit betraut wurden, so wird doch die ruhigere und besonnene Auffassung in demselben Au­genblick wieder vorherrschend, wo die höchst begründe- ten Besorgnisse und Bedenken gegen diese Wendung der Dinge durch den Repräsentanten einer großen westli­chen Macht vollkommen entsprechend den Ansichten und Wünschen der Vertreter der drei andern Großmächte Seiner Majestät dem Sultan ehrerbietig vorgetragen wurden. Mustapha und Reschid Pascha wurden als bald wieder in ihre Aemtcr eingesetzt und werden, ge­stützt auf das ihnen von neuem geschenkte Vertrauen ihres Souveräns, ihre Bemühungen zar Wiederherstel- lung des guten Einverständnisses der hohen Pforte mit dem kaiserlich russischen Hofe eifrig fortsetzen. Haben weise und freundschaftliche Rathschläge diese gefährliche Krisis abgewcudet, so ist nunmehr zu erwarten, daß die hohe Pforte die Gefahr ihres Zustandes wohl beachten werde, der den Frieden Europas allen Wechselfällen aussetzt und zumeist ihre eigenen Besitzungen und Hilfs­quellen exponirt. Es ist zu hoffen, daß sie end­lich j u einem Entschlusse k o in m e n werde, welcher ihrer Würde nich t zu nahe tritt, da er der Billigung der ihr befreundeten Mächte gewiß ist, n§ch ihre Souveränctäts- rechte schmälert, in welcher Beziehung ihr di.e bündigsten Zusagen zur Seite stehen. So wie diese Angelegenheit von beiden Sei­ten sich nunmehr gestaltet hat, liegt eine sachliche Dif­ferenz nicht mehr bevor, und eine Politik der Verzöge­rung erschiene ungerechtfertigt gegen das in Spannung .versetzte Europa, am meisten aber in Berücksichtigung der Interessen der hohen Pforte selbst."

Detttschlaud.

Wiesbaden, 23. Juli. Gestern ist I. k. H. die Prinzessin Karl von Preußen mit der Prinzessin Louise um 6 Uhr Abends zum Besuch.bei I. k. Hoh. oer verwitlweteii Frau Herzogin hier eingetroffen und nach dem Thee, gegen 9 Uhr Abends, wieder nach Schlangenbad zurückgekehrt.

Z Schlangenbad, 21. Juli. Sr. k. k. Hoheit der Prinz Emil von Hessen machte heute Sr. Maj. dem König von Württemberg einen Besuch. Unser Staatsminister Prinz Wittgenstein hat seine hier weilende Tochter, Gräfin Görtz, besucht.

Eltville, 21. Juli. Die anhaltend günstige Wit­terung seit längerer Zeit hat die Hoffnungen in unse- rem Gaue sehr gesteigert. Die Blüthe ging so gleich­mäßig vor sich, wie fast noch nie; der drohende Sauer­wurm wurde durch einen heftigen Gewitterregen nach der Blüthe vertilgt, ein unendlicher Vortheil für den Weinstock. Die jetzt etwas kühle Witterung ist der Ent­wickelung der Beeren sehr günstig, und so werden wir, verleiht 'uns der gütige Himmel eine günstige Septem­ber- und Octoberwärme, nach langen, langen Jahren wieder einmal eine gesegnete Weinlese haben, ein wahrer Balsam für die vielen durch die Mißjahre ge­schlagenen Wunde.

W Aus dem Unteren Rheingau, 20. Juli. Die eine Zeit lang sehr getrübten Erndleaussichten haben sich wieder erfreulicher gestaltet, es ist eine reichlich ge­segnete Erndtc zu hoffen. Nur eine solche Erndte an Früchten und Kartoffeln vermag der tief eiugcrffse- iieit Noth zu steuern. Hier und da bemerkt man schon geschnittenes Korn, und wird bei günstiger Witterung im Laufe dieser Woche mit der,Noggenerndte fast allent­halben der Anfang gemacht werden. Auch der Wein­stock, welcher während seiner Llülhczcit durch den herr­lichsten Sonnenschein begünstigt wurde, macht in seiner Entwicklung die erfreulichsten Fortschritte und berechtigt zu den schönsten Hoffungen. Bei A ß m a n nshause n ist kürzlich das neue und schöne Schiff des Schiffers Pohl von Lorch, welches mir circa 120Klafter buchen Holz beladen war, gestrandet. Die ganze Ladung ist au­genblicklich fortgetricben und nur das leere Schiff, das nicht einmal versichert ist und nur stückweise wieder- flott gemacht werden kann, liegt quer vor dem Felsen Man schätzt den Schaden aus 7000 fl.

Frankfurt, 21. Juli. Se. k. Hoh. Prinz Fried- rich von Hessen nab dessen junge Gemahlin haben ge­stern Rumpenheim verlassen und eine Reise in die Schweiz anqetrctcn. Die Forderung Hr». M. von Habers an die portugiesische Regierung beläuft sich nach einer genauen Angabe auf 60,017,058 Milreis oder

160,560 fl. mit Zinsen von Zinsen auf 72,160,000 Milreis oder 193,090 fl.

In FrankfurteiugetroffeneHande lsbriefe aus Triest vom neuesten Datum berichten, daß mehrere öster­reichische Kriegsschiffe, worunter zwei Fregatten, aus jenem Hafen nach den Gewässern von Smyrna a bge gangen sind. Als Befehlshaber dieser Schiffsabtheilung wird Herr v. Bourguignon ge­nannt (welcher von Seite Oesterreichs Mitglied des Marine-Departements in Frankfurt gewesen war) ES werden sich, wie man versichert, diese Schiffe zu dem Zwecke nach Smyrna begeben, um jede unbefugte Ein­mischung in die Angelegenheit des ungarischen Flücht» litigs Koßta mit aller Entschiedenheit zurückzuweisen. Dem anmaßenden Verfahren des Commandanten, der nordamerikanischen Korvette zu Smyrna dürfte nun bald die gehörige Schrauke gezogen werden, (s. u.)

Darmstadt, 20. Juli. Die zu Bornheim bei Frankfurt a. M. unter dem Titel:Volksfreund für das mittleres Deutschland" erscheinende Zeitschrift ist in dem Großherzogthum verboten worden.

München, 20. Juli. (F. Pstz.) Gestern Abend ist der königl. Gesandte am französischen und spanischen Hofe, Herr von Wendland, von der Reise nach Berlin hierher zurückgekehrt, und es heigt, derselbe werde sich nächster Tage zu Sr. Maj. dem König Ludwig nach Berchtesgaden begeben. Man vermuthet, daß dies in einer Familienangelegenheit unseres königl. HauseS ge­schieht und daß der gleiche Zweck der Reise des Herrn v. Wendland nach Berlin zu Grunde lag.

Der katholische G e s e l l e n - V e r e i n zu München hat die allerhöchste Bewilligung erhalten, zur Gründung eines eigenen Gesellenhauses eine Sammlung im ganzen Königreich veranstalten zu dürfen.

Kassel, 21. Juli. Se. Majeflät der König von Preußen und Se. Kgl. Hoheit der Prinz von Preußen sind heute mit Gefolge von WilhelmshöHe nach Pader­born abgereist.

Köln, 21. Juli. In Folge der über die hier ent­deckte großartige Stcüer-Dcsraudatiou schwebenden Unter­suchung sind wieder drei Steuerbeamte festgenommcu worden, so daß sich jetzt sechs in Haft befinden. Wie schon gemeldet, ist der hiesige Spediteur, dessen Bücher früher in Beschlag genommen wurden, nebst seinem Bru­der aus der Flucht; jetzt soll auch ein Berliner Manu- facturwaareahäudler, der mit in die Sache verwickelt ist, das Weite gesucht haben. Der seit Jahren getriebene Unterweis hat angeblich einen so großen Umfang, daß et der bekannten Stettiner Defraudation an die Seite zu stellen ist. DemFrankf. I." wird geschrieben: Daß die Eisenbahn von Hagen über Betzdorf, circa 5 bis 6 Stunden unterhalb Siegen an der Sieg, nach Gießen als gesichert zu betrachten ist, werden Sie Ihren Lesern schon mitgetheilt haben; die Bahnlinie, welche von hier die meiste Aussicht hat, geht von Deutz das Siegthal hinauf und mündet bei Betzdorf in obige Bahn.

Hamburg, 19. Juli. II. MM. der König und die Königin von Bayern (unter dem Namen Graf und Gräfin von WttelSbach) sind heute Nachmittag um 2 Uhr mit einem Extrazuge von Berlin hier eingetroffen und im Hotel de l'Europe abgestiegen.

Berliu, 20. Juli. Die Verhandsilngen der Zoll- vercins-Conferenz dürften sich allem Anschein nach', ob­schon dieselben dadurch wesentlich gefördert werden, daß unter den Bevollmächtigten sich allenthalben der Wille größten Entgegenkommens geltend 'macht, doch mehrere Monate hiuziehen, und wir hören sogar,* daß einzelne Bevollmächtigte für eine Anwesenheit bis über den Oc- tobcr Vorbereitungen treffen. Auf der General-Zoll- Conferenz, welche in den ersten Sitzungen dieser Woche das Regulativ über steuerfreie Niederlagen berieth, ist ein Antrag aus gemeinschaftlickc Konsulate oder auf eine gemeinsame und gegenseitige Vertretung in Han­delsangelegenheiten noch nicht gestellt worden. Bekannt­lich legte Preußen bereits im Herbst 1852 der Zoll- Confercuz einen solchen Antrag vor. In Bezug auf die Tarif Fragen sind der Spen. Ztg. zufolge den Be­vollmächtigten bereits mehrere Druckschriften von bcthei- listen Gewerbetreibenden zugegangen, welche diesen Ge­genstand betreffende Ansuchen und Motive enthalten. So ist von demVerein der Raffinadeure im Zollver- und Hannover" eine Vorstellung in Betreff der Expork- Bonification für rafsiuirten Zucker den Konferenz-Be­vollmächtigten übergeben, in welcher um die Beibehal­tung des Satzes von 6'/, Thaler pro Zentner gebeten wird. Von dem Präsidium desvolkswirthschaftlichen Vereins für den Deutschen Zollverbaud" ist gleichfalls