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nern, seiner Sprache re. möglichst vertraut zu machen, soll man in dem hohen Familienkreise seiner nächsten Verwandten beabsichtigen, denselben an die Herzogliche Hofhaltung seines Oheims zu bringen, und ihm dort eine auf seinen künftigen Beruf ganz wesentlich berech­nete Erziehung geben zu lassen.

Kassel, 15. Juli. Seit dem 1l. d. M. verweilt Se. f. Hoheit der Kurfürst wieder auf WilhelmShöhe, um Se. Maj. den König von Preußen hei dessen bevorstehender Durchreise (nach Paderborn) durch daS Kurfürstenthiim zu begrüßen. Die Vertagung der zweiten Ständekammer ist nun, wie man hört, auf den 30. d. M. bestimmt. Bis dahin wird die be­reits weit gediehene VerfaffinigSangclegcuhcit beendigt sein, die Berathung über die provisorischen Gesetze und Verordnungen dagegen soll bis zu dem, im November l. J. statlfindenden, Wiederzusammcutritt der Kammer auSgesetzt bleiben. Acußercm Vernehmen nach soll zu dem im Herbst l. J. im Langenfelde bei Wilhelms- Höhe stattfindenden großen Herbstmanöver auch eine Commission der Bundesmilitär. Commission aus Frank­furt zur Jnspection deS kurfürstl. Hessischen UrmeccorpS eintrcffen.

Köln, 15. Juli. In seiner gestrigen Generalver­sammlung hat der M â n u e r g c s a n g Verein be­schlossen, von dem Erträge der Londoner Concerte 500 Thaler zu anderweitigen wohlthätigen Zwecken zu ver­wenden.

Kiel, 14. Juli. (H. N.) Heute sind Prälaten und Ritter hiev wieder versammelt. ES ist dieselbe Veran­lassung heute, die sie schon neulich zusammenführte (Pa- trimonialgerichtsbarkeit); über ihre Beschlüsse verlautet jedoch noch nichts.

Berlin, 16. Juli. Die orientalischen Verwicklungen sagt die N. P. Z. ist als gelöst zu betrachten, der Friede ist in dieser Beziehung gesichert. Nach den Erklärungen des Lord Clarendon und Ruffel im britischen Parlament, nach den Auslassungen des französischen Ministers Dronyn de Lhuys und unseren anderweitigen eigenen Nachrichten nach unterliegt es keinem Zweifel, daß Frankreich und England die Pforte einladen werden, das Ultimatum Rußlands anzunehmen, da dieser Staat seinen Erklär- ungenznfolge ein politisches Protektorat über die Türkei nicht beabsichtige. DaS französische und das englische Geschwader dürften die Gewässer bei (Konstantinopel demnächst verlassen und die friedliche Ausgleichung wird bald allgemein bekannt werden.

An den gegenwärtig in der Nähe von St. Peters- bürg stattstndeiiden Manövern nimmt diesmal kein höhe­rer preußischer Offizier Theil; anderseits fällt es auf, daß die mit dem Dampfschiffe in Stettin eintreffenden hochgestellten Russen ihren Aufenthalt in Berlin mög­lichst verkürzen.

Dresden, 16. Juli. DasDresdener Journal" enthält die Nachricht aus Wien, Rußland habe Englands, Frankreichs und Oesterreichs Verinittelungsv o rschl äge angenommen.

Ihre kk. HH. die Frau Erzherzogin Sophie und der Erzherzog Karl Ludwig sind nach Wien abgereist. II. MM. der König und die Königin von Sachsen haben soeben die Reise nach Bayern und Italien an» getreten.

Wien, 15. Juli. Gleichzeitig mit den russischen Truppen iu Jassy ist eine russische Note in Constanti- nopel eingetroffen, in welcher die Pforte noch einmal zur unbedingten Annahme der Begehren Rußlands auf- gefordert worden sei. Die Antwort der Pforte enthält, wie derWanderer" berichtet, die Erklärung, daß jede Verhandlung unmöglich sei, so lange die Fürstenthümer von einer fremden Armee allein besetzt sind. Der Wanderer" berichtet ferner:Unrichtig ist die Nach­richt, daß russische Truppen durch Dampfboote von Galacz nach Braila und Giurgevo verführt wurden, denn bei Abg ng des letzten EilbooteS von Galacz (8. d. M.), war Galacz so wie Braila und Giurgevo von den Russen noch nicht besetzt. Eben so unrich­tig ist die Angabe, daß Omer Pascha, bei Sistow die Donau habe recognosciren lassen; bei Sistow wäre der ungeeignetste Punkt zum Uebergang. Glaubwürdiger erscheint folgende heute aus Hermannsstadt hier einge. troffene Depesche, nach welcher Omer Pascha den Kern seines Corps am 9. zwischen Nicopoli und Rustschul concentrirt hätte. Am jenseitigen Ufer bei Giurgevo stehen 8000 Mann Russen.

Die Oesterr. Corr. erklärt ebenfalls obige Nachricht für unrichtig.

Die kaiserliche Regierung hat eine Circularde. -esche an ihre Gesandtschaften des wesentlichen In­haltes erlassen, daß sich dieselbe in der orientalischen Frage nach keiner Richtung hin und in keiner Weise die Hände gebunden, vielmehr die vollkommenste Frei­heit des Handels für den Fall erhallen habe, daß trotz ihrer Bemühungen, den Frieden zu erhalten, ein Krieg aus den russisch-türkischen Verwickelungen entstehen sollte. Im Uebrigeu habe Oestreich vermöge der konservativen Principien, an welchen es unverweigerlich festhalte, eine andere als Friedenspolitik nicht befolgen können.

Se. Maj. hat dem Pater Joachim H a s p i n g e r, dem berühmten Kampfgenossen Andreas Hofers, wegen seines hohen Alters und steter Kränklichkeit eine jährliche Zulage von 200 fl. C.-M. als Aushilfe ver­

liehen. Mehemed Saftaluge ist gestern als Courier mit Depeschen direkt aus Konstantinopel hier angekommen und reist morgen wieder mit Depeschen dahin zurück. Derselbe Hal dem Vernehmen nach nebst an« deren Aktenstücken eine Circulaidepcsche der Pforte in Betreff der Besetzung der Fürstcnlhümcr durch kaiserl. russische Truppen überbracht, aus welcher za entnehmen ist, daß der Sultan keine Neigung hat, in die russischen Forderungen einzugehen. Die Pforte sucht in diesem Schreiben die Anschuldigungen der russischen Regierung zu entkräften, und die Ursachen deS Bruches auf Ruß­land zu ück zu leiten.

Frankreich.

PariS, 15. Juli. DerMoniteur" bringt heute einen mit Hessen-Kassel abgeschlossenen Vertrag zur ge­genseitigen Auslieferung von Verbrechern. DiePa­trie" zeigt an, daß Prinz Napoleon den gestrigen Abend in Sl. Cloud bei dem Kaiser und der Kaiserin zubrachte. Nach dem Monatsberichte der Bank von Frankreich hat ihr MetaÜvorrath (gegenwärtig 478 % Mill.) um 55 %, und die laufende Rechnung deS Schatzes um 15 Mill, ab genommen, während ihr Disconio um 53 V« und ihr Notenumlauf (gegenwärtig 654 Mill.) um 25 Mill, zugeuommeu hat. Bei den Departementalwah­len zeigt sieb die Verwaltung fortwährend sehr streng ge­gen die Kandidaten der Opposition. Der Präfekt des Loire- und Cher-Departement hat z. B. einMitge- theilt" gegen einen dieser Kandidatin erlassen, worin es u. A. heißt:Hr. Chevalier (so heißt der betreffende Kandidat) ist ein Feind der Regierung deS Kaisers, der Frankreich den Frieden, die Sicherheit und Arbeit wiedcrgcgeben hat; seine Kandidatur wird vom Präfek­ten mit der lebhaftesten Energie zurückgewicscn, und feine Ernennung würde als eine feindselige Hand- lung gegen die Verwaltung betrachtet werden, deren Bemühungen darauf hiuzielen, allen Gemüthern die Ruhe wieder zu geben. Hi. Aucher, kaiserlicher Procu rator im Appelhose von BloiS, hat allein die Sympa­thie der Regierung." DerConstitutionnel", der die zweite Nessclrode'sche Note so heftig angriff, ist auch heute noch kriegerischer gestimmt. Er glaubt zu wissen, daß ein Projekt zur friedlichen Beilegung der russisch- türkischen Zwistigkeiten vorli'gt, scheint aber im Wider­spruch mit dem Pays nicht zu glauben, daß dieses Pro­jekt je zur Ausführung kommen werbe, und sieht in der Nole vom 2' den deutlichen Willen Rußlands, der Mä­ßigung deS Westens keine Rechnung zu tragen. Der K. Z." wird geschrieben: Englgnd yat Frankreich im Stich gelassen. Morgen soll em Manifest deS Kaisers erscheinen, welches bekannt machen wird, daß, da Eng­land seine gegen Frankreich cingcgangencn Verpflichtun­gen nicht erfüllt Hal, die französische Regierung nicht den Don Quixote Europa'- spielen will und deßhalb ihre Flotte nach Frankreich zurückberufen wird. Ob bieje Nachricht begründet ist, weiß ich nicht. Gewiß ist aber, daß England sich geweigert hat, Rußland offen entgegen zu treten. Nach der letzten russischen Note wollte Frankreich von Unterhandlungen nichts mehr wis­sen, und schlug dem englischen Kabinette vor, an Ruß­land ein dahin lautendes Ultimatum zu richten. Eng­land ging darauf nicht ein, wie auch die Erklärung Lord John Russell'S in der gestrigen Unterhaus-Sitzung be­weist. So wird sich denn wohl die hiesige Regierung, wenn auch nicht auf die glänzendste Weise, doch ehren­voller als England, aus dem türkisch-russischen Zwiste zurückziehen.

Dem Pariser Korrespondenten der Times zufolge hatte General Woronzoff mit dem zweiten Rundschrei­ben des Grafen Nesselrode zugleich einen an L. Napo­leon gerichteten Brief des Kaiser Nikolaus nach Paris gebracht. DaS Gerücht behauptete, dieser Brief ent­halte Stellen, in welchen die Werthlosigkeit des Bünd- nisses mit England bewiesen werden sollte. Derselbe Berichterstatter schreibt:Wir müssen nun abwarten, wie man die gemeinschaftlichen Vorschläge Englands und Frankreichs in Petersburg aufnimmt. Diese Vor­schläge bestehen in drei Noten-Entwürfen^ welche der österreichischen Regierung durch das Pariser und das Londoner Cabinet gemeinschaftlich übermittelt worden sind. Diese drei Entwürfe wird die österreichische Re­gierung , welche die Vermittler-Rolle übernommen hat, dem Czaaren zustellen, und sobald dieser seine Wahl ge­troffen hat, werden Frankreich und England sich be­mühen, den Sultan zum Unterzeichnen zu vermögen. Diese Noten halten so viel wie möglich einen Mittel­weg ein zwischen dem russischen Ultimatum und den Zu­geständnissen, zu welchen der Sultan sich geneigt zeigen möchte. Alle diese Schritte jedoch sind vor dem Bc- kanntwerden deS zweiten russischen Rundschreibens gethan worden."

Unter den neulich verhafteten Personen wird der Sohn Lafsise'S, ehemaligen Mitglieds der constitutioni- renben Versammlnng, genannt. Einige Freunde dessel­ben baten Goudchaux, ehemaligen Minister deS Gene­rals Cavaignac, Schritte zu Gunsten der Verhafteten zu thun. Goudchaux aber antwortete, für Leute, die bei einem derartigen Komplott bethciligt feien, könne er nichts thun, selbst wenn cs sich dabei um seinen eige­nen Sohn handeln sollte.

Paris, 17. Juli. (Fr. Bl.) In einem heute im Monsieur erschienenen Resume der Antwort des auswär­

tigen Ministers, Hrn. Drouin de Lhuys, auf die letzte Circulardcpesche des Grafen Neffelrode wird ausgespro­chen , das Erscheinen der französischen und englischen Flotten außerhalb der Dardanellen verletze keinen der bestehenden Verträge; eine offenkundige Ver­letzung solcher Art fei dagegen durch die Besetzung der Donaufürstklithümer coustatirt. Das Interesse Europa'- und insbesondere der Pforte weise die Auffassung Ruß­lands zurück, dessen Ansicht die Wege verschließ, auf denen man die Versöhnungsmittel zu suchen habe. De- französische Gesandte in St. Petersburg, Hr. Castelbar jac, sei von der Regierung beauftragt, dem Grafen Nesselrode dies auSzndrücken.

Schweiz.

Basel, 12. Juli. (S. M.) In der letzten Groß- rathS-Sitzung von Graubüudtcu wurde dem bekannten Dr. Heinr. Simon gegen Erlegung von 2000 Fr. daS Bürgerrecht ertheilt.

Zürich, 14. Juli. Die vereinigten SängergescU- schäften Stadtvercin und Harmonie, so wie der Dilet- tanten-Musikverein und die Mitglieder des hiesigen Or­chesters haben gestern Abend dem Herrn Richard Wagner eine Serenade mit Fackelzug gebracht. Der ganze Zeltweg in der Länge der neuen Escherhäuser, in welchen der Künstler wohnt, waren mit Menschen ange­füllt, obgleich ein leichter Regen die festliche 3)emon stration zu bedrohen schien. Bei dem Anlaß wurden dem Herrn Wagner die Diplome als Ehrenmitglied der beiden anwesenden Sängergesellschafteu überreicht. Als Professor der Chemie ist Herr Prof. Städeler von Göttingen berufen worden.

Kielst'rtonbr.

Haag, 12. Juli. (D. B. H.) In Folgender heutigen Berathung der Kammer iu ihren Abtheiluvgin' sind zu Berichterstattern über das Religions­gesetz ernannt worden: Groen, das Haupt der Ultra- protestanten , Wintgeuö und de Brauw, konservative Protestanten, Westerhof und Sloet tot Oldhuyo, Liberale. Nicht ein einziger Katholik ist darunter. Ungeachtet dieser Ausschließung der Katholiken von her Berichter­stattung ist vorherzusehen, daß die Mehrheit der Kam­mern das Gesetz verwerfen wird (?), wenn sic gleich im Principe wahrscheinlich anerkennt, daß der Regierung durch die Verfassung nicht untersagt sei, auf bem den Staat berührenden Gebiete sich in die Angelegenheiten der Kirche zu mischen.

Schweden.

Aftonbladet zufolge ist der Contre-Admiral P. E. Petersen, höchster Befehlshaber der norwegischen Flotte, am 5. Juli in Christiani« mit Tode dbgc» gangen.

Italien

Turin, 15. Juli. (Telegr Dep.) Der Herzog und die Herzogin von Genua sind gestern Abend uuu 10 Uhr auS Deutschland hier wieder eingetroffen.

Am 12. d. M. fanden zu Turin, wie dieOesterr. Corresp." meldet, unruhige, durch Herabsetzung be» Arbeitslohnes veranlaßte Bewegungen statt. Die Markt^ leute konnten MorgenS nicht alle Thoren der Stadt passiren. Das Einschreiten der Nationalgarde stellte die Ordnung bald her.

Rom, 6. Juli. Für den auS dem Kirchenstaate exilirten Fürsten von Canino sind wieder von Paris her begütigende Stimmen bei Sr. Heiligkeit laut ge­worden. Ich kann Ihnen als zuverlässig melden, daß der Papst einer nicht unbedeutenden Anzahl politischer Gefangener, Verurtheilter und Exilirter, in Kurzem eine Gnade zugedacht hat. Doch zweifele ich, daß auch der Principe bi Canino daraus hoffen darf. Seine hier lebende Gattin begab sich mit ihrer Familie eben jetzt nach Neapel.

Türkei.

DieOesterreichische Lorrespondenz" bringt über die neuesten Vorfälle in Smyrna folgende-: ES liegen uns Berichte auS Smyrna vom 6. Juli vor. Sie geben Auskunft über ein, in der Geschichte der völkerrechtlichen Verhandlungen unerhörtes Vor­schreiten des Commandanten der americanischcn Corvette S. LouiS" in der Sache des verhafteten, wortbrüchigen Flüchtlings Koszta. Es ist bekannt, daß derselbe mit Verletzung seines schriftliche» Reverses aus den Ver­einigten Staaten nach Smyrna gekommen war, wo sich in Folge der neueren Verwicklungen im Oriente, zahl­reiche Banden italienischer ungarischer Flüchtlinge ge­sammelt haben, und daß der k. k. Generalconsul da­selbst, Ritter von Weckbecker, in Gemäßheit der, den europäischen Consuln in der Levante vertragsmäßig zu- stehenden Jurisdiction über ihre Nationalen; den KoSzta verhaften, und an Bord der kais. k. BriggHuffar" bringen ließ. Die darauf erfolgten empörenden Scenen, wo ein braver k. k. Marineoffizier in einem Kaffeehause von einer Bande von Flüchtlingen meuchelmörderisch getödtet, zwei andere k. k. Offiziere auf das Schmach­vollste mißhandelt wurden; die Unthâtigkeit des türkischen Gouverneurs, das Benehmen des americanischen Cor- vettencapitänS, der zuletzt aus Koszta's eigenem Munde sich belehren lassen mußte, daß Letzterer nicht Bürger der Vereinigten Staaten fei ; endlich die auf erhobe­ner Beschwerde des k. k. Jnternuncius zu Constantinopel, erfolgte Absendung eines Pfortencommiffärs in der Per- I son deS Dchekib Effendi zur Untersuchung dieser Sache,