Einzelbild herunterladen
 

für die Erhaltung der Ruhe im Orient gebracht nicht verloren gehen werden und daß Rußland endlich Ausgleichungsmittel finden werde, um die zwi­schen ihm und der Pforte entstandene Störung in an­derer Weise als durch Anwendung von Gewalt zu Ende zu bringen."

öroßbritimnicn.

London, 13. Juli. Wie gestern Lord Russel im Unterbause, erklärte Lord Clarendon auf die Inter- pcllation des Marquis Lansdowne im Oberhause, die Anwesenheit der Flotte in der Befika - Bey habe mit Besetzung der Douaufürsteuthümer nichts gemein. Die Entfernung der ersteren und die Räumung der letzteren seien von einander unabhängig.

Die Londoner Journale vom l 1. besprechen die neue Circularnote des Grafen von Nesselrode. Ihre Sprache ist nicht so heftig, wie sie es in ihren Kritiken über die erste Circularnote des Grafen von Nesselrode war. Wie gewöhnlich, sprechen sich dieTimes" am gemäßigsten aus; am schärfsten derMorniug-Advertiser" und der Standard", welche ihre Angriffe mehr in verletzenden Schmähungen gegen die Person des Kaisers Nicolaus äußern. Man liest imStandard" :Die neueste Note des Grafen von Nesselrode hat keinen Einfluß auf die Preise der Laudproducten russischen Ursprungs gi-übt." Die Note hat also die Handelswelt nicht be- sorglicker wegen Erhaltung des Friedens gestimmt.

Unter den Rothen herrscht hier große Rührigkeit. Die Nerven des großen Agitators Kossuth wurden kürzlich gewaltig agitirt. Kossuth wähnt sich bekanntlich stets vonösterreichischen Spionen" umringt, die ihn mit Gift und Dolch" bedrohen. Kürzlich begleitete der Mz-Gouverneur" einenFreund" über die Treppe nach der Hausflur, als plötzlich etwas heftig an der Haus­thür die in London stets geschlossen ist gepocht wurde. Als man öffnet, stürzt ein Individuum in einem Zerlumpten und verwilderten Aufzuge auf Kossuth mit dem Ungarischen Worten zu:Nun gut, daß ich Dich habe . . . ." Darüber war der Magyarische Held so entsetzt, daß er, nach Hülse schreiend, die Treppe hinauf­stürzt und im Zimmer halb ohnmächtig zusammenfällt. Madame Kossuth fängt fürchterlich an zu heulen, da sie ihren lieben Sohn Lajos am Boden erblickend schon von einem Dolche gemeuchelt wähnt, kurz, es entsteht eine gräuliche Verwirrung. Endlich kommt auch das Factotum Jhazy hinzu und klärt den ganzen Spectakel auf. Der vemeiutliche Br vo war selbst ein Flüchtling, der Jhazi fortwährend mit Geldforderungen belästigte und, als er nicht befriedigt wurde, gedroht hatte, er werde denGouverneur" schon erwischen und ihn fra­gen, ob es denn in der Ordnung sei, daß er (Kossuth) eine prächtige Wohnung habe, gut esse und trinke, Kar- ten spiele u. dgl. , während andern armen Ungarn der Hunger in den Eingeweiden wühle? Man hatte schon um ein paar Constabler geschickt, welche den ver­meintlichen Attentäter arretiren sollten, was natürlich nach der Erklärung des eigentlichen Sachverhaltes nicht geschah. Kossuth mußte in Folge dieser Alteration meh­rere Tage lang das Bett hüten.

Rußland.

Petersburg, 5. Juli. (H. N.) Die letzte Cir­cular-Note des Reichskanzlers Grafen Nesselrode kündigt an, daß die türkische Frage auf das Gebiet der Thaten verlegt worden ist. Ob sie auf das der Unterhand­lungen bald wieder gelangen wird, ist sehr fraglich, ^ie Disposition des HofeS scheint sehr entschieden, und die Idee des Kampfes gegen den Halbmond, für den rechten Glauben (Prawoslawie) wirkt auf die Russen wie ein Zauber. Sollte die Occupatio» der Fürsten­thümer (so heißt es nun hier) nicht genügen, die Pforte zur Annahme des russischen Ultimatums zu zwinge», so werden die Truppen (und davon ist hier Jedermann überzeugt) auch die Donau überschreiten. Gewiß scheint so viel, daß Rußland sich gegenwärtig durch Annahme seiner modificirten Forderungen nicht abspeisen lassen werde. Weder die Rüstungen der Pforte noch die an den Sultan gerichtete Dankadresse des Patriarchen, der Metropoliten und Erzbischöfe in Constantinopel haben hier in höheren Kreisen Eindruck gemacht; weil man die Consequcnz und Charakterfestigkeit des Czaaren kennt, mag der AuSgang der obschwebenden Frage voraus­sichtlich Glück oder Unglück weissagen.

Es wird versichert, daß Großfürst Constantin daS Oberkommando der russischen Südarmee persönlich über­nehmen wird, sobald dieselbe in den Donaufürsteiilhümern vollständig eingerückl ist.

In St. Petersburg wird demnächst die dies­jährige Rekrutenaushebung ausgeschrieben werden. Mit Rücksicht auf die Möglichkeit eines Krieges sollen im ganzen Reiche, Grusien und Beffarabien ausgenommen, von 500 Mann 3 Rekruten ausgehoben werden.

Donaufürstenthümer

Von der Grenze der Donaufürstenthümer wird derCop. Zeit. Corr." geschrieben: Die russische» dem Armeekorps zugethcilten Admimstrationsbeamten haben die schärfsten SanitâtSmaßregeln augeordnrt, um die Einschleppung der Pest, welche bei den früheren Occupationen zum Vorschein kam, diesmal zu verhüten. Wenn die Pforte das russische Ultimatum nicht anneh- meu sollte, ist im Anträge, aus den walachlschen Pan­duren, deren Geschicklichkeit im Kleingewehrfeuer bekannt

ist, ein Corps zu organisiren und zur Vertheidigung der Schanzen zu verwenden, welche am Donauufer aufgeworfen werden sollen, um die Walachei gegen ei­nen etwaigen Einfall zu sichern. Zur Errichtung der Schanzen würden ordentliche Arbeiter -Compagnien sor- mirt werden. Nahrung, Unterhalt und Werkzeuge würde die russische Regierung liefern. Der gr. n. u. Metro­polit in der Walachei , Sophronius Miklerko, hat sich am 4. d. dem russischen General Dannenberg an der Spitze der böheren Geistlichkeit vorgesteUt, um seine Ergebenheit auszudrücken.

Daß der Rückzug der russischen Truppen nicht so bald in Aussicht steht, geht aus dem Umstand hervor, daß die zur Verpflegung derselben ausgeschriebenen Per- proviantirungslieferungen auf 9 Monate contrahirt werden.

Aus Belgrad schreibt man, daß in den letzten Tagen mehrere hohe Offiziere aus den benachbarten Garnisonen des Kaiserstaates am fürstlichen Hofe, wo sich auch General Mayerhofer befindet. begrüßt wurden. Der Eindruck dieser Besuche ist entschieden günstig, da er von dem guten Einvernehmen, in welchem die hie­sige Regierung zu Oesterreich steht, zeugt.

Sürkei.

Folgende, derA. Allg. Z." zugehende, verbürgte Nachrichten aus Scutari vom 28. Juni sind geeignet, über die dort herrschende Stimmung, die orientaliiche Frage betreffend, einiges Licht zu verbreiten. Nachdem Osman Pascha bei den jetzigen Verhältnissen Rußlands mit der Pforte einen Einfall der Montenegriner be­fürchtet, hat derselbe sich an die Acltesten der dortigen christlichen Bevölkerung gewendet, mit der Aufforderung, sich bereit zu halten, beim ersten Aufrufe gegen Podgo- rizza zu rücken. Die meisten christlichen Gemeinden ha­ben jedoch schon im Voraus ihre Weigerung auSgespro- chen, unter ihnen die Choty und Climeuty, indem sie sich auf die erfolglosen Anstrengungen in dem letzten Kampfe mit den Montenegrinern berufen. Hiezu kommt noch, daß es dem Pascha an Mitteln fehlt, und daß er aus Constantinopel vergebens auf Geld wartet, um die Truppen zu bezahlen. Nicht besser ist aber auch die Stimmung unter der muselmännischen Bevölkerung sowobl in Albanien als in Numelien. Der Ferman deS Sultans , der alle Gläubigen unter die Waffen ruft mit dem Befehle nach Schumla zu eilen, findet keine Folge, und ein Tabor vom regulären Ncdif, wel­ches in Tyran (etwa sechszehn Stunden von Scutari) garnisonirte, Hal, nachdem es Befehl erhalten nach Schumla zu marschiren, mit den Waffen in der Hand den Gehorsam verweigert. In Albanien sind die Türken ziemlich entmuthigt, und aus den um Scutari gelege­nen Dörfern sucht alles sein Hab und Gut nach der Stadt zu bringen. DerDascha sucht die Stimmung der Türken dadurch zu beruhigen, daß er die Nachricht verbreitet, die Pforte habe das Ultimatum Uußlauds angenommen.

* In Wien eingetroffene Handelsbriefe aus Con- stantinopel melden, daß die h. Pforte in dem am 24. v. M. gehaltenen Ministcrrathe die Hauptbestim­mungen der russischen Forderungen anzunehmen beschlos­sen habe; doch sind an die Annahme Bedingungen ge­knüpft, in welche Rußland nicht eingehen dürfte, weil der Rückmarsch der Truppen aus |ben Fürstenthümern als einzige Bedingung, die der unbedingten Annahme folgen soll, angenommen wird. DerFr. P. Ztg." wird aus Wien geschrieben, daß der Pforte dieser Tage der Vorschlag gemacht wurde, in einem neuen Fer- m a n die Rechte und Immunitäten aller Christen wie­derholt und allen Mächten gegenüber feierlich anzu- erkennen. Doch soll in dem Ferman ausdrücklich ge­sagt werden, daß der Sultan deßhalb wiederholt dieses Versprechen leiste, weil der Czar als Beschützer der orthodoxen Kirche, welcher die Rechte seiner Glaubensgenossen gekränkt glaubte, diese Versicherung verlangte. In Constantinope l circulirte ge­rüchtsweise die Nachricht, daß der Fürst von Serbien den beabsichtigten Durchzug bosnischer Truppen nach Bulgarien durch Serbien nicht gestatten werde, und daß seit dem Einrücken der Russen in den Fürstcnthü- mern trotz der Wachsamkeit Omer Pascha's zahlreiche Auswanderungen aus Bulgarien nach (Serbien vorkom- men. Der k. k. Jntcrnuntius, Freiherrr von Bruck, hatte während seiner Anwesenheit in Constantinopel vier Konferenzen mit Reschid Pascha. Die griechische Geist- lichkeit hält fortwährend feierlichen Gottesdienst, um eine für die griechische Kirche glückliche Lösung der schwe­benden Differenzen zu erflehen. Von Omer Pascha sind am 1. d. M. (türkischer Kalender) Depeschen ebn getroffen, in denen er dringend um Truppenvcrstärkuug ansucht, indem er, falls die Russen die Donau über­schreiten sollten, nur geringen Widerstand zu leisten in der Lage sein würde. Es wurde beschlossen, einen Theil der in Makedonien concentrirten Truppen gegen Sophie in Marsch zu beordern. heißt, der türkische Kriegsminister habe die Fortificationen am schwarzen Meere besichtigt, Divisions- und Brigade- Generale seien an der Douaulinie eingetroffen, die Schiffe Tahiri-Bahri, Peersud, Taif, Medschidie, Su- gaver, Missiri-Bahir, Vassilai-Tidscharet seien beschäftigt, Kriegsmaterial nach Anatolien, Warna, Schumla, Rust- schuk, Turnowa und W'ddin zu schaffen. Die Trup­pen aus Adrianopel haben sich auf den Marsch nach Warna begeben. Zur Charakterisirung der in Con-

stantinopel herrschenden Stimmung dürfte die Thatsacht nicht ohne Interesse sein, daß Chosrew Pascha, der be- kanntlich immer mehr Sympathie für Rußland als für die westlichen Mächte äußerte, eine ihm zugedachte Sendung nach Petersburg mit Berufung auf fein hohes Alter abgelehut haben soll. Als der Sultan hier­auf an ChoSrew Pascha das Ansuchen stellte, ein Schrei­ben an den Czar zu richten, habe er auch dieses mit dem Bemerke» verweigert, er könne, in so lange die Russen die Donaufürstenthümer besetzt halten, in keinem Russen seinen Freund erblicken. Zwischen der Pforte und Rußland oder richtiger zwischen iyren Generalen Omer Pascha und Gortschatoff wird in diesem Augen­blick darüber verhandelt, daß zwischen der türkischen und rusflschen Armee dies- und jenseits der Donau eine Dem ar cati on s li n i e gezogen werden soll, in wel­cher auch Lucharest mit einbegriffen wäre. Wenn die Verhandlungen von günstigem Erfolg begleitet sind, so werden die Russen Bucharest vorläufig für die Zeit, als die diplomatischen Verhandlungen über neuliche Ver- mitlelungSvorschläge fortdauern, wieder räumen. Das Gerücht, Herr von Bruck habe eine ,Entschädigung von fünf Millionen Piastern wegen der Rüstungen Oester­reichs zur Zeit deS montenegrinischen Handels und die Abtretung der Häfen Kleick und Suterino verlangt, stellt sich als eine Fabel heraus.

Bezüglich der Verhaftung des Koßta in Smyrna und der Berufung anderer Flüchtlinge auf americani- schen Schutz, ist zu erwähnen, daß nach dem Gesetze der Vereinigten Staaten, von dem durchaus keine Aus­nahme stattsinden kann, oder je stattgefunden hat, kein Ausländer das dortige Bürgerrecht, bevor er sich fünf Jahre ununterbrochen in den Vereinigten Staaten auf­gehalten , erlangen kann. ES versteht sich mithin von selbst, daß kein einziger der Flüchtlinge, welche sich nach der Unterdrückung der ungarischen Revolution, nach jenem Lande begeben, bis nun Bürger desselben geworden sein kann. Die Vereinigten Staaten lassen auch niemals irgend einem Andern als einem Bürger des Landes ei­nen Reisepaß verabsolgen. Der Beweis deS Bürger­rechts muß stets beigebracht werden, bevor der Staats- secretär zu Washiiigton ein solches Documeut ausfertigt. In den Instructionen an die auswärtigen Agenten der vereinigten Staaten ist jede Ausstellung eines Passes an einen Fremden auf das strengste untersagt und je­der Beamte, der dennoch einen solchen verabfolgen sollte, mit Entlassung bedroht. In den americanischen Pässen^ ist daher stets bemerkt, daß der Inhaber ein Bürger der Vereinigten Staaten ist. Das k. k. österreichische Generalconsulat zu Smyrna verweigerte daher mit Recht die von dem americanischen Konsul im Vereine mit dem Commandanten der am 22. Juni zu Smyrna eingelau- senen americanischen Korvette St. LouiS geforderte Aus­lieferung des Koßta. Das Kaffehaus des Paul Boni» fazio auf dem englische Quai, wo die Unthat sich er­eignete, wird in den Abendstunden von dem gebildetsten Herrn- und Damenpublicum Smyrna's besucht. Der Commandant des Hußar Herr Schwarz hatte den an das Land gehenden Herren Vorsicht empfohlen und du«; ßerte den Wunsch, daß sie noch vor Sonnenuntergang, an Bord des Schiffes zurückkehren möchten. Die Mör«s derrotte bestand aus etwa 30 Köpfen, durchgehends Jta-, liener, worunter sich nur ein Ungar befand. Zwei Eng-, länder Namens Werry, Kaufmann, und Friedrichs Turrel, Director des englischen Collegiums, welche^ an einem Tische mit dem Lieutenant Auerhammer und, dem Cadelten Baron Hackelberg zusammen saßen, wehr-^ ten die Andringenden mit äußerster Kraft ab, indem, sie die Stühle schwangen und der Bemühung dieser, Ehrenmänner gelang er dem Lieutenant Auerhammer, das Leben zu retten.

Nach derWiener Zeitung" bestehen die von dem, k. k. österreichischen Jnternuutius wegen der Vorfälle! in Smyrna an die Pforte gestellten und von dieser ge-, währten Forderungen aus folgenden Punkten: 1) Ali, Pascha wird seines Postens als Gouverneur von Smyrna entsetzt. 2) Schckib Effendi, früher osmanischer Jöot*, fünfter in Wien, begibt sich als außerordentlicher Com-, missär nach Smyrna, um im Einvernehmen mit dem, kaiserlichen Generalconsulat deu Proceß gegen alle au jenem Attentat Betheiligten einzuleiten. 3) Die Flücht­linge österreichischer und toscanischer Nationalität, deren , Theilnahme oder Mitwissen um das Attentat erwiesen wird, werden an die österr. Behörden ausgcliefert und überhaupt die strengsten Maßregeln gegen die Flücht­linge in der Türkei ergriffen werden.

ES heißt, daß bereits drei americanische Kriegsschiffe sich inmitten der türkischen Flotte im Bosporus befin-. den, und daß die americanische FregatteCumberland" : eine Baarfracht, die für 80 Millionen Piaster versichert ward, der Pforte überbracht hat (?).

America. |

Aus Venezuela hören wir, daß die Revolution, daselbst im Fortschritt begriffen ist. Die Provinz Cu-, mana hat gegen die Tyrannei der Gebrüder MonagaS, einen Ausruf ergehen lassen, worin cs unter Anderem heißt:Wir proclamiren eine Konföderation alS daS den Rechten der Bürger von Kumana entsprechendste, System, und führen die Regierung der Vereinigten, Staaten als nachabmenswertheS Beispiel an."

Beraiilworltuyer Revacreur: Dr. A. Aocitlr.