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Nassauische Allgemeine Zeitung

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Dienstag den 12. Mi

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Bestellungen auf das dritte Quartal der Nassauischen Allgemeinen Zeitung werden baldigst erdete

DieNassauische Allgemeine Zeitung" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, täglich und beträgt der PrânumerationSpreiS für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulanv nunmehr für den ganzen Umfang deâ Ldurn- und TaiiS'schen Verwaltungsbezirks mit Inbegriff des Postausschlags 2 st., für die übrigen Länder des deutsch-österreichischen PostvereinS, wie für das Ausland 2 fl. 24 fr. Inserate werden die viersp Petitzeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgasse 42, auswärts bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

Deutschland.

* Wiesbaden, 12. Juli. In der H. Residenz zu Biebrich ist die durchl. Frau Prinzessin Marie von Anhalt-Dessau zum Besuch Ihrer Tochter I. Hoh. der Frau Herzogin Adelheid eingetroffen. Gestern Nach­mittag chesuchten die hohen Herrschaften von Biebrich aus die Anlagen am Cursaal. Von Schloß Rumpcn- heim war Se. Hoh. der Herzog in Begleitung I. H. der Frau Herzogin und des Erbprinzen am 8. nach Biebrich znrückgekehrt.

*t Wiesbaden, 8. Juli. Sitzung der II. Kammer über den Gesetzentwurf, Einführung zweier Schullehrer- Seminarien betr. Der Gesetzentwurf be­stimmt, daß ein Schullehrer-Seminar zu Montabaur und ein anderes zu Usingen errichtet, in beiden aber, wenigstens für die zwei unteren Classen, das Internat eingeführt werde. die Majorität des Ausschusses be­antragte, diesem Entwürfe die Zustimmung zu ertheilen, sowie dem Beschlusse der ersten Kammer beizutreten, daß nämlich an dem Seminare zu Montabaur nur ka­tholische Lehrer und an dem zu Usingen nur evange­lische Lehrer angestellt werden sollen. Dieser Zusatzan­trag wurde jedoch von der zweiten Kammer mit großer Majorität abgelehnt.

Für den Majoritätsantrag des Ansschnsses sprach Heydenreich folgendes: Daß die confessionelle Tren­nung der Schullehrerseminarien auch in den Elementar­schulen eine strenge Scheidung nach Konfessionen zur nothwendigen Folge haben werde, hat der Abgeordnete für Wiesbaden zwar behauptet, aber nicht erwiesen. Freilich besteht übrigens eine solche Scheidung bereits in allen ungemischten Gemeinden; in den gemischten aber werden die befürchteten Nachtheile nicht eintreten, weil die H. Regierung die Sache in der Hand hat und darüber nur je nach dem Bedürfniß und der Möglich­keit der Ausführung entscheiden wird.

Uebrigens haben die Redner, welche heute aufgetre­ten sind, zwar ihre eigenthümlichen Ansichten angedeutet,. jedoch vorsichtiger und weniger offen ausgesprochen, als in der gestrigen allgemeinen Ausschußsitzung, daher ich auch auf diese Bezug nehmen muß.

Der Herr Abgeordnete für Dillenburg hat den Commissionsbericht fast einen Confessionsbericht genannt: etwa deßhalb, weil derselbe gleiche Gerechtigkeit für beide Konfessionen beansprucht? Er hat das schöne Bild von der christlichen Liebe, welches der Abgeordnete . für Walmerod entwickelte, anerkannt, aber sich auch auf die leidenschaftlichen Verirrungen des menschlichen Her­zens in der Geschichte berufen; solche Verirrungen haben jedoch leider in beiden Konfessionen stattgefunden und unsere Aufgabe ist daher nicht, solche im Andenken zu behalten, sondern zu vergessen und selbst zu vermeiden. Er will nichts von der christlichen Liebe wissen, wenn sie sich konfessionell ausspricht, sondern hielt es mit dem Gleichniß vom Samariter: gleich als ob der Herr, wenn er auch Barmherzigkeit a» Jedermann ohne Un­terschied des Glaubens übte und geübt wissen will, nicht von dem Glauben die Seligkeit abhängig gemacht hätte. Er hat sich gestern und heute mit der factisch bestehen­den confessionellen Trennung der Schullehrerseminarien sehr zufrieden erklärt; er hält sie für nothwendig, gut, nützlich und dankenswerth, ist aber trotzdem dagegen, daß diese Breunung in dem Gesetz ausgesprochen werde, und macht gleichwohl selbst den Vorschlag, daß an je­dem Seminar ein Geistlicher als Lehrer angestellt werde, welcher zugleich den Religionsunterricht zu besorgen habe. Wird dann dieser Geistliche nicht auch seinen ganzen übrigen Unterricht mit seiner religiösen Richtung durchdringen? In allen diesen Dingen liegt wenig Konsequenz, und eine Principlosigkeit, welche allerdings früher schon einmal für vergünstig erklärt worden ist. Jedoch hat der Herr Abgeordnete für Dillenburg den näheren Grund angegeben, weßhalb er gegen die Auf­nahme der confessionellen Trennung in daö Gesetz iss indem er nämlich sagt: man wisse nicht, wohin eine solche Bestimmung nach Jahren führen werde; sei die Brücke zur confessionellen Trennung der Elementar­schulen.

Die hier augedcuteten unheimlichen Gefühle und Ahnungen laufen am Ende thatsächlich wohl nur darauf hinaus, daß man den Einfluß der katholischen Kirche auf die katholischen Seminarien fürchtet, oder daß man glaubt, sie werde einen solchen Einfluß in höherem , èade üben, als die evangelische Kirche. Aber wenn j man der ersten deßhalb ihren Einfluß auf die Schulen i nicht gönnen wollte, so würde man wenig Vertrauen auf

die eigene Sache verrathen. Und was jene Furcht be­trifft, so haben dazu in der That nur diejenigen Ursache, und es gibt deren heut zu Tage Viele, welche den Ei­fer für ihre Kirche nicht besser darzuthun wissen, als indem sie der andern Kirche bei allem, was sie thut oder läßt, schlechte Motive und böse Absichten unter­schieben, ohne doch den Beweis dafür zu liefern. (Im Frankfurter Journal liest man dergleichen täglich). Ich meinestheils halte jedoch weder solche Furcht, selbst wenn sie begründet wäre, für ein richtiges und edles Motiv zum Handeln, noch halte ich solche Verdächtigung um nicht zu sagen Verläumdung des Gegners, wie vielmehr einer christlichen Schwesterkirche für erlaubt; denn beides wirft, nach meiner Meinung, schwerlich ein gutes Licht auf die Festigkeit der eigenen Stellung und auf den eigenen Charakter.

Ohne allen Zweifel hat jede christliche Kirche, die evangelische so gut wie die katholische, einen gleich ge­rechten Anspruch darauf, die Schulen ihrer Confession und also auch die Anstalten, auf welchen die Lehrer jener Schulen gebildet werden, zu überwachen und dafür zu sorgen, daß dieselben dem Standpuncte und den Anforderungen der Confession entsprechen. Wie würde man schreien, wenn Protestanten in einem katho­lischen Staate gerechte Ansprüche auf ähnliche Art nnd aus ähnlichen unhaltbaren Gründen verkümmert würden I Aber was dem Einen recht, istsdcm Andern billig.

Nach dem Antrag des Abg. König soll die Re­gierung bei Besetzung der Lehrcrstcllen auf den Semi­narien nicht an die Confession gebunden, es sollen diese also paritätisch sein. Der Antrag stützt sich darauf, daß, unser früheres paritätisches Seminar so treffliche Früchte getragen und besonders zu Erhaltung des con- fessionellen Friedens beigetragen habe. Aber da das frühere paritätische Landesgymnasium fast nur zur Gleichgültigkeit gegen die Religion führte, so wäre es auffallend, wenn dieses auf einem paritätischen Seminar anders gewesen wäre. Gründliche Sachkenner sind je' doch anderer Meinung, als iwr Herr Abg. König. Der Württembergische Seminardireetor E i s e n l oh r z. B. erklärt in einem 1840 erschienenen Reisebericht über die Verfassung der deutschen Seminarien : es sei für die religiöse Bildung am wenigsten geschehen in dem evangelischen Seminar zu Weimar (welches in­zwischen längst umgestaltet worden ist) und in dem paritätischen Seminar zu Idstein. Nach demselben Schriftsteller werden in der Schweiz Simultanseminarien nur von den Radicalsten augestrebt: und gewiß kann man der Revolution kein leichteres Spiel bereiten, als wenn man erst durch gemischte Anstalten die christliche Religion in dem Herzen deö Volks möglichst abschwächt und austilgt.

Nach der Ansicht des Abg. König soll in den paritätischen Seminarien dem confessionellen Bedürfnisse durch Sorge für confessionelle Trennung des Religions­unterrichts genügt werden, der ganze übrige Unterricht also gemeinsam sein. Da aber auf diese Art der con­fessionelle Geist nicht, wie er muß, die Seele des gc» stimmten Unterrichts werden kann, so kommt man auf diesem Wege mit Nothwendigkeit nur entweder zu un­lösbaren innern Widersprüchen, oder zu dem sogenannten allgemeinen Christenthum, welches ehedem auf unsern gemischten Schulen cingeführt war und nur die allge­mein christlichen Wahrheiten lehren sollte. Eine solche allgemeine christliche Religion mögen sich allenfalls manche sogenannte Gebildete abstrahiren, obwohl sie auch bei ihnen gewöhnlich danach ist und am Ende meistens doch nur zum Deckmantel des Jndiffcrentismuö dient. Das christliche Volk dagegen weiß rind versteht nichts von solchen Abstractionen, welche zudem in verschiedenen Köpfen zu den verschiedensten Resultaten führen und daher selbst von jedem Gebildeten, dem es wahrhaft um christliche Religion zu thun ist, verworfen werden müssen. Das christliche Volk begnügt sich auch nicht etwa mit der christlichen Moral, deren Vortrefflichkeit freilich so­gar die Gegner des Christenthums anzuerkennen ge­zwungen sind und welche sie eben deßhalb, um den Schein zu retten, gern für das ganze Christenthum auS- geben; das Volk, in welchem größerer religiöserer Eifer rege geworden, verlangt auch einen Trost für das Herz und Gemüth, es verlangt den christlichen Glauben und die Erziehung seiner Jugend in diesem Glauben. Leider gibt es zwar auch einen entgegengesetzten Eifer, einen solchen nämlich, welcher nur gegen daö positive Christen­thum gerichtet ist und die Gläubiger aller Konfessionen anfeindet; doch findet dieser Eifer des Unglaubens und

des flachen Rationalismns nur noch Anklang bei t vornehmen wie bei dem niedern Pöbel. In dem chr lieben Volke und in den Schulen dagegen wurzelt Religion hauptsächlich in dem confessionellen Bewu sein, in dem positiven Glaubensbekenntnis mit welch das Christenthum in ihm lebt und zu Grunde ge Wie sehr und wie lange man auch das Volk den e gcgengcsetztcn Weg zu führen gesucht hat: das V will in seiner großen Wahrheit und je länger und mehr kein Christenthum, in welchem man die wese liebsten Glaubenslehren der Confession über Bord wi oder doch nur insoweit beibehält, als sie auch aus 1 bloßen Vernunft geschöpft werden können; uud 1 evangelische Volk insbesondere sehnt sich nach gläul gen Lehrern, es zeigt daS, was es will, klar gen dadurch, daß es gläubigen Predigern ebenso zahlrc zuströmt, wie cs die Kirchen der abgelebten Rationalist mit ihrem sogenannten allgemeinen Christenthum b stehen läßt.

Dieses sogenannte allgemeine Christenthum hat th sächlich auch der protestantischen Kirche stets weit m< geschadet, als der katholischen. Die Letztere wurde l durch selbst zu den Zeiten Ronge's nicht, wie Ku sichtige wähnten, an den Rand des Verderbens gebrac sondern durch den Kampf selbst nur zu neuem Leb angefeuert. Ueber einen solchen Ausgang kann sich al der wahre Feind des Christenthums nicht ärgern, so dem nur freuen, und der gläubige Protestant kann f daraus zugleich für seine eigene Kirche die nützlich Lehre ziehen.

Da man also mit dem confessionellen Bewußse nothwendig auch das Christenthum abschwächt und niebe reißt, so kann ich in dem Bekämpfen des Commission antrags nur einen Kampf gegen das Christenthu selbst sehen.

Wie man ferner von der confessionellen Trennm der Schullehrerseminarien und der Schulen Fanatism! und Feindschaft befürchten kann, ist vollends nicht ; chegreifeu. Ich wenigstens halte das nicht für dc Mittel zum confessionellen Frieden, wenn man ein oder der andern Confession oder gar beiden Theilen zi gleich gerechte Ansprüche vorenthält. Denn gerät dadurch erzeugt man Erbitterung, während die christlist Liebe nur bei freier, unverkümmerter Ausübung der 601 fessiou sich zu ihrem vollen, reinen Geiste entfalten kan und erst dadurch ein friedliches Neben- und Miteinander leben ermöglicht wird.

Uebrigens ist, wie ich glaube, die confessionelle Trer nung der Schullehrerseminarien und der Schulen für in unsichtbare evangelische Kirche noch weit nothwendiger als für die sichtbare katholische. Diese hat ohnehin ihr festen Mittelpunkte, dessen Einfluß und Wirksamkeit ma wohl hier und da etwas schwächen, aber doch nie aus heben kann. Jene dagegen muß ihrem christlichen Glau beusbekenntniß nothwendig feste Anhaltspunkte zu schas fen suchen und dieselben pflegen, wann und wo st nur kann, wenn sie nicht in eine zahllose Menge vor unchristlichen und unter sich feindlichen Seelen ausein ander fallen will. Der Staatsschutz wenigstens, au welchen man sich bisher überhaupt wohl allzu sehr Der lassen hat, wird ein solches Auseinanderfallen gewiß nich verhüten, weil er eben in Glanbenssachen immer ohn­mächtig ist und bleiben wird.

Man sagt uns oft, man wolle nichts Besonderes für das Herzogthum Nassau, man solle hier nichts an­deres thun, als was auch in den andern und größern deutschen Staaten geschehe. Nun, warum will man denn gerade hier die einzige Ausnahme machen? denn in ganz Deutschland, ja wohl in der ganzen Welt e;i- stirt sonst kein gemischtes (paritätisches) Schullehrersemi­nar. Wie man anderwärts denkt, dafür will ich nur ein Beispiel anführen. In Preußen trat zu Anfang des Jahres 1849 auf Einladung des Ministers Laden­berg in Berlin eine Conferenz der Seminardirectoren und Lehrer aus allen preußischen Provinzen zusammen zu einer Berathung über Lehrerbildung. In dieser, auS 8 Evangelischen und 5 Katholischen bestehenden Confer renz stellte nur Hitze (Lehrer des Seminars in Ber­lin) den Antrag: Die Seminarien sind Simultananstal­ten. Es wurde indessen von der Conferenz mit allen gegen jene Eine Stimme der Regierungsvorschlag an- nommen, daß evangelische, katholische und jüdische Schullehrerseminarien, insofern für letztere ein Bedürf- niß vorhanden sei, eingerichtet werden sollten. (S. 33 bis 35 der von Bormann herausgegebenen Conferenz- protocolle.) Ja Kundler (Director des evangelischen