Nassauische Allgemeine Zeitung.
Wr /»- Donnerstag den 7. Mi 1833
Bestellungen auf das mit dem 1. Juli beginnende dritte Quartal der Nassauischen Allgemeinen Zeitung werden baldigst erbeten.
Dit,,Nassauische Slllflemeine Zeitung" mit dem belletristischen Äeiblalt „Der Wanderer" erschein«, Sonntags ausgenommen, täglich und beträgt der Pränumerationspreis für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulaiiv nunmehr ai für den ganzen Umfang deS Tburne und TariS'schen Verwaltungsbezirks mit Inbegriff deS Postaufschlags 2 fl., für die übrigen Länder deS deutsch-österreichischen Postoereins, wie für daS Ausland 2 fl. 24 fr. — Inserate werden die »ierspal Petitzeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. — Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgasse 42, auSwärtS bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.
Amtlicher Theil.
D i e n st n a ch r i ch t e n.
Der mit Versehung der Lehrvicarstelle zu Nieder- mörsbach beauftragte Schulcaiididat Eiffert ist zum Lehrvicar daselbst ernannt worden.
Nichtamtlicher Theil.
$ Nassauisches Vereiuswesen
Das Lob, welches der treffliche Statistiker v. Reden unserem Verein für Land- und Forstwirthe (jn Nr. 140 d. Bl.) spendet, hat allseitig einen wohlthuenden Eindruck gemacht und wird gewiß nicht verfehlen, auf die weitere Thätigkeit dieses Vereins anregend einzuwirken. Der zunehmende Verfall des kräftigen Bauernstandes in Nassau, der nur der zu großen Zersplitterung des Bodens und dem zu häufigen Wechsel des Besitzes, größtentheils zugeschriebcu werden muß — und damit endigen zu wollen scheint, daß wir nur noch reiche, große Grundbesitzer und Ackerbau - Proletarier haben; wodurch nicht allein die öffentliche Gesittung, die einen Hauptträger im soliden Bauernstände hat, leidet, sondern auch das Volk einen großen Theil seinerPStcucr- kraft einbüßt, während die Staatsbedürfnisse durch die erschwerte Verwaltung wachsen: gibt für diesen Verein hinreichenden Stoff, durch neue laudwirthschaftliche Cul- turzweige und Anbahnung einer besseren Bodengesetzge^ bung eine fruchtbare Wirksamkeit zu entfalten. Ohne die Letztere werden jedoch alle Bestrebungen, die die Regierung und der laudwirthschaftliche Verein machen mögen und wozu alles Vertrauen zu fassen ist, diesen Verfall nur auf einige Zeit aufhalten, aber nicht verhindern können. Unter dem Einfluß dieser Uebelstände, die auch das Hauptmotiv zur Auswanderung bilden, ist es doppelt wichtig, daß dieser Bevölkerung Industriezweige eröffnet werden, in denen die übrige Arbeitskraft nützlich verwendet werden kann. Es wäre deßhalb sehr zu wünschen, daß der laudwirthschaftliche und der Gewerbe-Verein , welch' Letzterer ohnehin zu keiner freudigen Lebensthätigkeit mehr kommen will, in nähere Beziehung zu einander gebracht würden, damit sie durch vereinte Kräfte diejenigen Mittel in Bewegung setzten, welche geeignet sind, dem drohenden Uebel mit Erfolg zu begegnen. Aus einer solchen Combination, die das eigentliche Wesen beider Vereine nicht zu alteriren brauchte, könnte nur Gutes für das Gemeinwohl her- vorgeheu — und die Vereine selbst würden ein frisches, productives Lcbensclemeut gewinnen. Das gemeinsame Augenmerk müßte dann natürlich auch vorzüglich auf das innere Land gerichtet sein — und besonders darauf hingewirkt werden, erschöpfendere und brauchbarere statistische Nachweisungen zu sammeln, die sich aus alle unserem Lande naturgemäßen Objecte der Betriebsamkeit im weitesten Sinne und auf die Kräfte, mit welchen sie bearbeitet werden könnten, zu erstrecken hätten. Nicht minder müßte eine Zusammenstellung über die Verthei- hing des culturfähigen Bodens, die Qualität desselben, die Hülfsmittel ihrer Besitzer und die Nahrungszweige der Arbeiterklasse rc. geschaffen werden, — um die Quellen der bestehenden Leiden ausdecken und die besten Mittel zu deren Abhülse der Gesetzgebung Vorschlägen zu können.
Mit diesen Andeutungen soll nur der Standpunkt annähernd bezeichnet werden, der unserer Meinung nach von dem Vereiuswesen eingenommen werden könnte, welches sich mit den materiellen Interessen eines Landes befaßt —und hoffen wir, daß der berühmte Publi- cist (v. Reden), welcher unser Land seiner Beachtung so werth hält, und der es so treu und aufrichtig mit dem Wohle seines Vaterlandes meint, es noch ferner für gut findet, seine Aufmerksamkeit den Interessen Nas- sau'S zu widmen.
Deutschland.
Z Wiesbaden, 5. Juli. Angesichts der in diesen Tagen in Berlin eröffneten Zollconferenzen' können wir nicht umhin, im Allgemeinen und im Speciellen unsere Wünsche nach Erhaltung des dem Zollvereine zu Grunde liegenden Tarifs und nach planmäßiger Durchbildung desselben wiederholt an den Tag zu legen. Die Erhaltung des mäßigen Schutzsystemes ist die )
Voraussetzung unter welcher die Regierungen der meisten Zollvereinsstaaten in die Erneuerung des Zollvereins aus weitere zwölf Jahre gewilligt haben, es ist auch die Voraussetzung, ohne welche die österreichische Regierung den in so vielen Beziehungen wichtigen Vertrag vom 17. Februar nicht geschlossen Haden würde. Freilich ist, wie die „Kass. Ztg." richtig bemerkt, auch der Zollverein ein Amphik'yonen Bund, und wegen der selbst in Zukunft in allen Fundamental-Fragen nothwendigen Unanimität der Bethciligten kann nicht wohl daran gedacht werden, daß der als weise und probat erwiesene Grundsatz des mäßigen Schutzes mitfreihänd- lcrischen Experimenten werde vertauscht werden. Allein es ist gar nicht zu leugnen, daß eine starke und nicht kleine Partei in Preußen, welche die norddeutschen noch nicht zum Zollverein gehörenden, demnächst aber gewiß mit ihm verschmelzenden Länder als Reserve im Rücken hat, die preußische Regierung auf die abschüssige Bahn der freihändlerischen Experimente treiben möchte; und was noch viel bedenklicher erscheint: die Elemente, aus denen die Regierung Preußens zusammengesetzt ist, bieten uns keine Garantie dar gegen das Betreten jener Bahn. Ist es doch zwar v. d. Heydt, selbst, der augenblicklich auf freihändlerischer Seite steht, und eine Herabsetzung der Eisenzölle bcfiiroortet, deren mörderische Folgen im Voraus unverkennbar sind. Unter solchen Umständen würden wir die Hoffnung auf eine glückliche, seegenbringende Nutznießung deS Vertrags vom 17. Februar uud«den Gedanken an einer allmâhligen Gleichstellung dec Außcnzolltarife des Zollvereins und Oesterreichs oder eine rationelle nach Muster des österreichischen Tarifs vorgeuommene Reform des diesseitigen Zolltarifs gänzlich aufgeben müssen, dürften wir nicht das vollste Zutrauen zu unserer und zu den süddeutschen Regierungen haben, daß sie etwaigen Experimentations-Gelüsten in Berlin im richtigen Ämphiklyonenbcwußtsein ihre Zustimmung verweigere, vielmehr das Interesse ihrer Unterthanen nach dem Maßstabe messen werden, den ihnen der Wohlstand ihrer eigenen Länder und die Rücksicht auf deu österreichischen Vertragsgenossen gibt. Was die specielle Angelegenheit der Eise nfr a ge anbelangt, so hat vielleicht kein Zollvereinsstaat mehr Grund als Nassau, sich denjenigen Stimmen anzuschließen, welche eine Antastung der bestehenden Eisenzölle entschieden von der Hand weisen werden. Es ist in der That äußerst befremdend, erleben zu müssen, daß von Berlin aus fast gleichzeitig Schritte geschehen, welche das eben mit schwerer Mühe aufgebaute wieder einzureißen geeignet sind. Wir haben kaum angefangen unS Rechnung aus wohlthätige Folgen des Februarvertrags zu machen, und schon kommt der hinkende Bote mit einer Hiobspost hintendrein, um uns darauf vorzubereiien, daß die Rechnung in einem ihrer Hauptposten, in dem der Eisenindustrie, ohne den Wirth gemacht sein soll. Solche Boten verdienen von unserer Thür abgewiesen zu werden.
* Wiesbaden, 6. Juli. Gestern ist Ihre kgl. Hoheit die Prinzessin Karl von Preußen in Begleitung Ihrer Tochter von Schlangenbad zu einem Besuch Ihrer kgl. Hoheit der verwittweten Frau Herzogin hier eingetroffen und an demselben Tage wieder nach Schlangenbad zurückgekehrt.
O Vom Lande, 28. Juni. Das Institut der Gerichtsvollzieher beschäftigt noch immer unsere Stände- kammer, indem in der zweiten Kammer schon wieder eine Gebührenverminderung beantragt sein soll. Von einer gänzlichen Aufhebung dieses JnstitutMfchcint man zurückgekommen zu sein, indem sich für dessen Beibehaltung zu viele Gründe ergeben haben dürften. Wie sich indessen eine Verminderung der Gebühren rechtfertigen läßt, ohne sich vorher aus den Manualieu der Gerichtsvollzieher vergewissert zu haben, ob dieselben denn Mit 6 und 8 Kreuzern für Insinuationen, da die wenigsten Klagen bis zur Pfändung kommen, so viel verdienen, als man hie und da glaubt, ist schwer zu begreifen; auch hat eine Gebührenherabsetzung noch sonst allerlei Bedenklichkeiten, unter die gewiß nicht geringste ist, daß dienstfähige Leute, sobald sich ihnen eine andere passende Stelle darbietet, einer Stelle fahrwohl sagen, welche ihren Mann nicht mehr ernährt ; daß indessen sich dadurch das Institut nicht heben kann, sondern im Gegentheil der Verachtung, besonders im Vergleiche zu andern Ländern, anheimfallen muß, liegt auf flacher Hand. Fest steht, daß sich die Klagen seit der Be
stehung des Gerichtsvollzuges schon sehr verwinde haben und sich von Jahr zu Jahr mehr verminter also der Verdienst der Gerichtsvollzieher immer gering« wird; dies dürften die Manualien der Gericbtsvoi , zieher schon jetzt, und nach einigen Jahren in no stärkerem Maaße nachweisen. Weder unsere Kammer noch unsere Regierung können eS indessen wollen, ix der Verdienst der Gerichtsvollzieher allzusehr verminte werde; da es wohl schwerlich einen Dienst geben dürft welcher mit soviel Mühen und Stapatzen verbunden i als der der Gerichtsvollzieher, wobei noch besonders Betracht kommt, daß diese Bediensteten außerhalb zehr« müssen, und da keine, noch so schlechte Witterung s auch nur einen Tag, besonders bei eilenden Sache von der Ausübung des Dienstes diSpensiren kann, der« Kleiderverbrauch ein verhältnißmäßig starker ist. Tâgliä Gefahr, Unannehmlichkeiten und Aerger sind überdi noch stehende Artikel für den Gerichtsvollzieher, ui die Aussicht für die Wittwe eines solchen, wenn d Mann den Strapatzen des Dienstes erlegen ist, ist eb nicht erfreulich, da bis jetzt noch keine Einrichtung deren Versorgung getroffen ist. Die Beschneidung d ohnedies, im Vergleiche zu dem Gerichtsvollzug unser Nachbarstaaten, sehr geringen Gebühren, muß ssach in nach den gänzlichen Verfall des Instituts herbeiführe Freilich wird man bei noch so geringen Gebühren no immer Leute finden, welche einen solchen Dienst a nehmen; doch darf hierbei nicht übersehen werden, d« die Behörden dann Leute anzunehmen gezwungen fin von denen sie im voraus wissen, daß sie den Die, nicht gehörig bestreiten können. Die Gebühren hätt« vermindert werden können, wenn die erste Einrichtm geblieben wäre; doch später stellte man Finanzexecutant« an, und ein großer Theil ihres Verdienstes wurde d« ursprünglichen Gerichtsvollziehern entzogen. Die G richtsvollzieher waren im Stande in ihren Bezirken d, ganze Zwangsverfahren, gleichviel, ob solches von d« Jusiiz- und Kreisämtern oder von den Recepturen au ging, zu versehen, und ganz überflüssig waren daher I Finanzexecutanten; doch, da diese jetzt bestehen, so könn« die Gebühren der Gerichtsvollzieher nicht wohl vc mindert werden, wenn man diese Stellen nicht dem g wohnlichen Taglohn ganz gleich stellen will. Es besser den ganzen Gerichtsvollzug aufzuheben und t alten schleppenden Gang von 1848 wieder einzuführe als ein Institut, welches kaum diesen Namen Verdier ins Leben zu rufen!
X Eltville, 6. Juli. Die localen Nachricht vom Lande sind letzterer Zeit sehr einzeln geworden m ich glaube, den Grund darin zu finden, daß eben a dem Lande sich wenig eignet, was zur Mittheilung f die Oeffentlichflit paßt. Man ist auch auf dem Lau überall in großer Thätigkeit, die aber auch durch d« raschen Wechsel der Witterung sehr geboten scheint. I Allgemeinen verspricht man sich eine günstige Ern während dagegen der Weinstock noch vieles zu wünsch« übrig läßt, so daß des Winzers lange genährte Ho nung nur auf schwachen Füßen steht. — Die Ausführui der Rhein-Eisenbahn, an deren Linie fortwährei gemessen und nivellirl wird, gewährt allgemeine Befri digung und Aussichten auf p'ccuniäre Vortheile für di Rheingau und hoffentlich bringt uns dieselbe Ersatz fi die leider auch dieses Jahr wieder nicht auSg führte Dampfschiff-Landebrücke. So tri eben eine Hoffnung an die Stelle der andern und habe sie uns insgesammt am Ende auch betrogen, so trüge sie doch dazu bei, den durch den allgemeinen Nothstan gesunkenen Muth aufzurichten und zu erhalten.
Z Bad-Ems, 6. Juli. Gestern traf zum G brauch der Kur Se. lönigl. Hoheit der Prinz Geor von Preußen hier ein. Dem Vernehmen na« wird auch Herr Oberpräsident v. AuerSwald au Coblenz hier erwartet
Frankfurt, 4. Juli. Hiesige Handelsleute, met^ nach Konstantinopel âcschäste machen, haben, wie d; „L. 3’" meldet, V* ihren dortigen Geschäftsfreunde die Weisung erhalten, die Waarenscndungeu dorthin bi auf Weiteres über Triest und nicht wie seither die Dr nau abwärts gehen zu lassen, da man demnächst cic russische Blockade in dieser Richtung befürchte. Im Gj schäftsverkehr nach dem Orient überhartpt wird gege? wärtig, wie natürlich, mit größter Vorsicht verfahre^ Herr Brommy, ehemaliger Contreadmiral der aufg« lösten deutschen Nordseeflotte, wird sich dem Veruel