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Bis jetzt hatten wir einen Kaiser, nun haben wir auch einen General cn dies. Alle Nationalgar- defahnen, auf denen sich nicht die Abzeichen des Kaiser- thums anbringèn lassen, sollen vernichtet werden. Eine Depesche ans London meldet, daß gestern daselbst ein Ministeralh gehalten wurde, welcher sich mit der Frage bezüglich des Ueberganges über den Pruth beschäftigte.

Spanien

Madrid, 30. Juni. Der Hof kehrt heute Abend von Aranjuez zurück. Die Königin ° Mutter Christine wird in einigen Tagen nach Dieppe (?) Meisen , um dort die Seebäder zu gebrauchen. Ihr Gemahl, der Herzog von Rianzares, ist von Paris wieder hierher zu- rückgekehrt. Die Entfernung der Königin-Mutter aus Spanien wäre insofern nicht ohne Bedeutung, als man ihrem politischen Einflüsse alle revolutionären Maßregeln der letzten Ministerien zuschreibi.

Niederlande.

Haag, 1. Juli. Der in der Thronrede angekün­digte (im Wanderer kurz erwähnte) Entwurf eines zur Regelung der Aufsicht über die vers ch je­de ne n K i r cheu - G escl l sch a fte n wurde in der heutigen Sitzung der zweiten Kammer vorgelegt. Er enthält folgende Bestimmungen: Art. 1. Den verschie­denen Kirchen - Gesellschaften wird vollkommene Freiheit gelassen, sich mit Bezug auf Alles, was ihre Religion und die Ausübung derselben im eigenen Innern betrifft, zu organisiren; sie sind jedoch verbunden, den König sofort von ihrer Organisation in Kenntniß zu setzen und diejenigen Bestimmungen, welche nicht ohne Mitwirkung der Staatsregierung in Vollzug gesetzt werden können, Seiner Genehmigung zu unterwerfen. Art. 2. Dem Könige ist es Vorbehalten, von de» Geistliche», die vor oder bei dem Antrete» ihres Amtes einen Eid oder ein Gelöbniß geleistet haben, welche für die Sicherheit des Reiches oder die öffentliche Ruhe und Ordnung bedenk­lich erscheinen, zu fordern, daß sie dem Könige Treue und den Staatsgesetzen Gehorsam schwören innerhalb eines von Ihm zu bestimmende» Zeitraumes. Art. 3. Ausländer werden als Geistliche nicht zugclasse», wenn sie nicht zuvor die Erlaubniß des Königs erhalten haben. Art. 4. Die Titulaturen , welche in den verschiedenen Kirchengcsellschaftcn den Geistlichen beigelcgt werden, verleihen denselben weder in Bezug auf andere Kirchenge- sellschaften, noch in Bezug auf die weltliche Autorität irgend welchen Anspruch, Rang oder Vorrecht. In den Beziehungen mit der weltlichen Obrigkeit sönnen diese Titel nur nach Nennung der Geschlechtsnamen der Ti- tularen augewendet werden. Art. 5. Die zur Bezeich­nung des kirchlichen Gebietes Seitens der Kirchen-Ge­sellschaften gebrauchte» Benennungen von Provinzen oder Gemeinden werden ausschließlich als kirchlicher Art be­trachtet und haben keine weitere Bedeutung oder Folge. Art. 6. Kein Sitz oder Standort von Geistlichen ober Versammlungen, welche Kirchen-Gesellschaften reprâsen- tiren, werden errichtet, bezeichnet oder geändert, ohne daß Seilens der StaatSregierung im Interesse der öf­fentlichen Ruhe die Angemessenheit des Ortes beurtheilt und anerkannt worden ist. In demselben Interesse behält der König sich vor, über die Angemessenheit jener Sitze oder Standorte, welche nach dem 3. No­vember 1848 (bem Datum des Grundgesetzes) ohne Seinè Genehmigung errichtet , bezeichnet oder geän­dert sind, zu entscheiden innerhalb eines Jahres nach der Proklamation dieses Gesetzes. Art. 7. Die Geist­lichen dürfen die in ihrer Kirchengesellschaft für kirch­liche Ceremonien oder für den öffentlichen Gottesdienst vorgeschriebene Amtskleidung nur innerhalb der Ge­bäude und geschlossenen Räume, oder dort, wo der öf­fentliche Gottesdienst nach Art. 167 des Grundgesetzes erlaubt ist, tragen. Art. 8. Jede Errichtung eines Gebäudes für die Ausübung des öffentlichen Gottes­dienstes unterliegt im Interesse der öffentlichen Ruhe und Ordnung einer Untersuchung über die Stelle in der Commune, wo eS errichtet werden soll. Der König entscheidet darüber nach Vernehmung der Gemeindebe­hörden. Wenn die Erlaubniß des Königs nicht nach gesucht oder verweigert worden ist, so kann die Weg- raumung des Gebäudes auf Kosten der Albaner besoh­le» werden. Art 9. Das Läuten der Glocken zur Feier von Kirchen-Ceremonie», oder um die sEinwohucr zusammen zu rufen, d. rf in Gemeinden, wo Kirchen von mehr als Einer Confessio» sind, nicht Statt finden ohne Erlaubniß des königliche» Commissars in der Pro­vinz. Das Glockengeläute für sonstige Zwecke findet nicht Statt ohne Erlaubniß der OrlSpolizci. Die fer­neren Artikel enthalten Strafbestimmungen und Vor­schriften über die Art der gerichtlichen Verfolgung. Geistliche, welche die Bestimmungen dieses Gesetzes oder der kraft desselben erlassenen königlichen Verord­nungen übertreten, werden von dem Gerichte schuldig erklärt,wider das Gesetz gehandelt zu haben", und in die Kosten verurtheilt. Die Gerichts-Ver­handlungen finden bei verschlossenen Thüren statt. Ich Wiederholungsfälle tritt die Oeffentlichkeit der Verhand­lungen ein, und wird der Uebertrerer des Gesetzes zum Verluste der im Art. 42 des Code pènal erwähnten Rechte verurtheilt. Bei einer dritten und weiteren Ver- urtheiluiig erleidet der Schuldige außerdem Gefängniß, strafe von 6 Monaten bis zu 2 Jahren. Keine ge­richtliche Verfolgung darf von dem öffentlichen Ministe- I

rium kraft dieses Gesetzes eröffnet werden ohne Erlaub­niß des Generalprocurators an dem zugeständigen Pro- vinzialgerichtshofe. Das bei uns theilweise noch gültige französische Gesetz vom 18. Germinal X. Jahres wird ausdrücklich abgcschafft.

Die Prüfung des Gesetzentwurfs wird am 12. Juli in den Abtheilungen dieser Kammer beginnen.

Großbritannien.

London, 2. Juli. Der Prinz von Preußen wird übermorgen nach Deutschland wieder abreisen. Die Prinzessin von Preußen und ihre Tochter, die Prin­zessin Louise, werden noch zwei Wochen am britischen Hofe verweilen. In dem Befinden des Prinzen Wa­les ist eine wesentliche Besserung eingetreten und cs wird sich derselbe wohl bald nach Windsor begeben können. Gestern Abend war großer Ball am Hofe. Ueber 2000 Personen waren eingeladen, worunter auch der Prinz Lucian Bonaparte.

Das toihstische Wochenblatt The Press berichtet, daß der Kaiser von Rußland persönlich dem französischen und dem englischen Gesandte» eine Erklärung gegeben, die auf daS energischste gelautet. Er erklärte, daß selbst die Vernichtung seiner Flotte ihn nicht hindern würde, in die Türkei einzufallen und die Genugthuung zu verlangen, die ihm gebühre. Der Kaiser beschwert sich darüber , daß das Benehmen Aberdeens ganz im Widerspruch stehe mit den Erklärungen, die er Herrn v. Brnnnow persönlich gegeben. Hr. v. Brnnnow soll peremtorisch angewiesen sein, mit dem englischen Pre­mierminister nicht mehr zu verkehren unb sich fortan auf seine officiellen Beziehungen zum Staatssecretär des Neußer» zu beschränken.

Wie dieMorning-Post erfahren, ist einer der höch­sten Beamten des russischen Ministeriums der auswär­tige» Angelegenheiten am 25. Juni von St. Peters­burg in außerordentlicher Mission nach Paris und Lou­don abgegangen.

Die bei Spithead (Gewässer von Portsmuth) zu- sainmenberufene imposante Flottille ist jetzt ziemlich voll­ständig bemannt und wartet auf die weiteren Befehle der Admiralität, um nach dem noch nicht angegebenen Orte ihrer Bestimmung unter Segel zu gehen. Vor­läufig steht dieses Geschwader unter zwei Flaggen. Der Herzog von Wellington (131 Kanonen), Agamemnon 91, Blenheim GO, Hogne 60, Ajax 58, Edinburgh 58, Odin 16, Sidon 22, Encounter 14 und Nerbudda 12 werden von Sir Thomas Cochrane befehligt; dagegen haben der Prince-Regent 90, London 90, Jmperieuse 60, Amphion 34, Highflyer 21 und der Leopard 12 die blaue Flagge unter Contreadmiral Corry vom Mast wehen.

Italien.

In Turin gibt man sich, wie man derTr. Z." vom 28. Juni schreibt, der Hoffnung hin, die schwebende Frage zwischen Piemont und Oesterreich zur Zufrieden­heit beider Theile bald gelöst zu sehen; Oesterreich, wird beigefügt, zeige, wie bei jeder Gelegenheit, auch hier eine weise Mäßigung.

Für die Handelsmarine ist ein VerwaltungSrath eingeführt worden. Derselbe wird eine berathende Stimme haben und dein Ministerium der Marine nu- tergeorbnet sein.

Aus Sinigaglia, 29. Juni schreibt man der A. A. Z.": Der in dem Bauditen-Proceß von Ancona zweimal 'zum Tod verurteilte Engländer Murr a y , dessen doppeltes Todesurtheil aber weil er bas Glück hatte von englischer Abkunft zu sein, ins lebenswierige Galecreustrafe auf dem Wege der landesherrlichen Gnade verwandelt wurde, ist nach dem Gefängniß für politische Verbrecher in Pagliano abgeführt worden, obgleich es scheinen. dürfte, daß systematische Meuchelmorde wohl kaum der Kategorie des politischen Verbrechens an- gchöre».

Donaufürstenthümer.

Aus Bukarest, 23. Juni, meldet derSch. M.": Wir glauben, die russischen Truppen werden schon von heute in acht Tagen in Bukarest eintreffen. Die Türken sind stark gerüstet., Omer Pascha legt sich mit feiner Macht jenseits der Donau und erwartet dort den An­griff. Ob eS aber dazu kommen wird, bezweifeln wir noch Alle sehr. Nach den neuesten Berichten aus Jassy haben die Coucentrirungen der russischen Truppen in Bessarabien, welche um so mehr einer Be­setzung der Donansürsteuthümer vorangehen müßten, als ein gleichzeitiges Einrücken türkischer Truppen be­stimmt angenommen werden. kann, [am 25. Juni noch Tiitt begonnen.

Snrkei.

* Gonstantinopel, 20. Juni. Die Antwort Reschid Paschas auf das letzte russische Ultimatum liegt nun vollständig vor. Sie ist überaus gemäßigt abge­faßt und erklärt nicht, wie seither verlautete, die Be­setzung der Donaufürstenthümer für eine Kriegserklärung, sondern bemerkt blos : ein solches Vorangehen Rußlands stehe mit Allem, was man von einer befreundeten Macht erwarten sönne, so sehr im Widerspruch, daß die Pforte nicht wisse,was sie davon halten solle."

Constantinopel, 23. Juni. (Köln. Z.) Von der englischen Flotte ist eben so wie von der französi­schen ein Adjutant der Admirale hier «»gekommen, und es haben sich durch dieselben die drei Flotten in Ver­

ständniß gesetzt. Zugleich hat eine ekwas vdrtheilhas Stellung auf den Rath derselben von der türkis Flotte eingenommen werde» können, und wegen nothwendigen Signalisirung ist Verabredung getri worden in der Art, daß beim ersten Signal die ver< französisch-englische Flotte einläuft. Auch sollen von sen höheren Offizieren die Vertheidigungswerke in Bosporus inspicirt worden sein und ihre Billigung halten haben. Die Truppenmärsche dauern un hallsam fort, und wenn auch in allem klebrigen größte Ruhe hier herrscht, so läßt der geregelte 6 nirgendswo nach.

Wie maü aus Bosnien, 23. Juni, schreibt, ben dort die neuesten orientalischen Verwickelungen fen Eindruck, ja eine gewisse Bestürzung Hervorgebr, die der französische Viceconsul, Hr. Vielt, damit zu schmichtigen sich angelegen sein lasse, daß er denG bigen" laut und öffentlich die wirksamste Hülfe Seiten Frankreichs und Englands gegen den Mosk Gjaur in Aussicht stellt. Aus der Herzegowina dort all malig einige Bataillone Infanterie ein und ziehen auf einer Anhöhe nächst Sarajevo ein La Alle sind in entblößtem Zustande und unvollzählig, vier Bataillone der jetzt in Sarajevo befindlichen E nifon dürften kaum 15,000 Mann erreichen.

America.

Neuyork, 18. Juni. Große Aufregung Herr bei uns in Folge einer telegraphischen Depesche dem Süden, der zufolge eine große Sclavenversch rung in NeuorleanS entdeckt worden ist. Ein fr Neger soll davon noch rechtzeitig die Anzeige gema und eS soll sich bei der sofort eingeleiteten Untersucht hcrausgestcUt haben, daß eS auf nichts Geringeres auf Gesammtautstand der Schwarzen im Süden Union abgesehen war. Neuorleans sollte der Ausgan Punct derselben werden. 2500 Schwarze, beißt cs, i reit in die Verschwörung cingeweiht und bereit, in Führung von Weißen die Caserneu und Pulvcrma zine der Stadt anzugreifen und letztere an allen Ec anzuzünden. Spätere telegraphische Depeschen aus N orlcaiiS widersprechen den ersten Angaben und schild die Verschwörung als einen Spaß, mit dem ein lu gcr Bruder die Polizei äffen wollte. So viel ist wiß , daß letztere ihre Vorsichtsmaßregeln treffen zu ir sen glaubte. An zwanzig Neger und mehrere Weiß darunter ein Engländer, Namens Dyson, der eine ! gerschule hält, sind als verdächtig am 16. gefäug eingezogen worden. In Washington erzählt man s Santa Anna werde zu feinem kecken Auftreten ge die vereinigten Staaten von Spanien aufgemunt und spanische Offiziere seien jetzt in seiner nächsten ll gebung.

Peru hatte Bolivia den Krieg erklärt und peruanische Flotte lag, nachdem sie 5000 Mann Trupi in Arica gelandet hatte, dort vor Anker.

Ntutste Nachrichten.

Paris, 4. Juli. Die ll'/zpCt. stiegen heute wieder 1 Fr. 5 Cent., bis 101. 60 und die 3pCt. um Cent., bis 75. 50; Bankactic» nicht notirt; Eisenb neu im Steigen. Am Anfang der Börse war die Ssi mung übel, was ein starkes Weichen veranlaßte, pL sich trat jedoch ein noch stärkeres Steigen aller Wer Papiere ein, was allein dem Umstand zuzuschreiben daß man sichere Bürgschaften für die Erhaltung 1 Friedens erhalten haben wollte.

Bern, 4. Juli. Die Bundesversammlung bega heute ihre Sitzungen. Im Nationalrath wurde Pio aus Tessin und im Ständerath Blumer aus Zürich Präsidenten gewählt.

Madrid, 1. Juli. (Tel. V.) Der Ministern hält heute eine Sitzung, um definitiv die Frage hi sichtlich der Rückkehr dcö Marschalls Narvaez »ach Sp nie» zu entscheiden.

t Tripolis, 25. Juni. Laut Nachrichten, wesi von dem deutschen Reisenden Dr. Barth am 25. M zu Tripolis eingegangen sind, befand sich derselbe a 23. November v. I. noch zu Kuka. Der an Ste des verstorbenen Dr. Overweg eingetretene Dr. V gel, welcher noch hier verweilt, wird seine Reise na Murzuck und Kuka in etwa 14 Tagen antreten. F den Sultan zu Borun wird derselbe eine Auswahl vi königlichen Geschenken in Waffen, kostbaren Zcugcn, i ner Thurmurh und anderen Dingen bestehend, mit fi führen.

Die neuesten Nachrichten aus China (Hongkong reichen bis zum 5. Mai. Die Insurgenten sollen È kaiserlichen Truppen wiederholt geschlagen haben ui nun in Eilmärschen auf Peking vorrücken.

Berichtigung. In dem Bericht über die Sitzur der ersten Kammer vom 25. Juni in Nr. 154 ist z lesen in der dritten Zeile: in gründlicher, ansta in pünctlicher Weise, und Sp. 3 Z. 5 : Zur Bild»» solcher Lehrer müsse |ba8 Seminar . .... den Charal ter einer bestimmten Confessio» haben, anstattEine Bildung re.

Verantwortlicher Revacteur: Dr. A. Koczek.