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aus der dunkelen Kunde, daß eS in der Türkei schief stehe und problematisch auSsehe, praktische Folgen abge. leitet. Junge Soldaten sind auf Urlaub hierher ge­kommen , die Schritte bei der betreffenden Behörde zu thuen sich vorgenommen haben, um für sich, wenn man in der Türkei gegen die Russe» sich schlagen würde, ein glorreiches Dabeisein auszuwirken. Sie sehen sich mit der Epaulette schon geschmückt, und die napoleonische Verheißung von dem Marschallstabe in der Patrontasche des Recruten ist in ihrem Gehirn plötzlich wieder auf­gewacht. DieAssemblee Nationale", welche häufige Mittheilungen aus dem russ. Gesandschasthotel empfangen soll, meldet, daß die Russen a in 5. ober 6. Juli den Pruth überschreiten würden. Auch wird versichert, der Bruch zwischen Frankreich und Rußland sei notorisch; man spreche sogar von der Abreise des russischen Ge­sandten. Was letzerer Nachricht einige Wahrscheinlich­keit gibt, ein Artikel im Constitutionuel, der von oben inspirirt zu sein scheint. In demsebcn wird zu verstehen gegeben, daß, selbst wenn Rußland die Fürstenthümcr nicht besetzen würde, die jetzige Lage, unter der Alles leide» müßte, nicht fortdauern könnte, und daß man Rußland durch alle mögliche Mittel zu veranlassen hätte, seine Forderungen aufzugeben. In den von dem Grafen Woronzoff, dem hiesigen russischen Gesandten überbrachten Depeschen soll ein bc onberer Nachdruck auf die Stimmung in Serbien, Bosnien und Montenegro gelegt werden (?). Nach dem Siecle wäre eine Note der türkischen Regierung, worin sie nach der Ver­werfung des russischen Ultimatum# die bewaffnete Inter- vtnNon der Mächte verlangt, hier und in London an. gekommen. Der in Aufträgen seiner Regierung nach Constantinopel reisende spanische General Prym ist hier angelangt. Wie verlautet, werden Hr. St. Priest und andere ausgezeichnete Legitimisten nächstens nach Froschdorf reisen.

Paris, 3. Juli. Ein ministerielles Blatt theilt mit, daß nicht nur aus Wien, sondern auch aus Berlin ein Specialgesandtcr sich nach St. Petersburg begeben werde, um daselbst in versöhnender Weise bezüglich der Haltung des russischen Cabiiietö der Türkei gegenüber aüfzutrcte». Man versichert, die Mission dieser beiden Specialgesandten Oesterreichs und Preußens sei mit Zustimmung des Kaisers von Rußland beschlossen worden.

Großbritannien.

London, 2. Juli. Wie man sich hier erzählt, soll Kaiser Nikolaus sich bei der Kunde, daß die türkische Regierung sein Ultimatum verworfen, gegen den franzö- fischcu und englischen Gesandten ziemlich gereizt ausge­sprochen und erklärt haben: er werde ohne Rücksicht auf die Folgen vorwärts gehenM. Der hiesige russische Ge­sandte soll neue Instructionen erhalten haben. Gene­ral Graf von Montebello, Adjutant des Kaisers der Franzosen, Vicomte Reille und Obrist Lovencey, Offi­ziere des französischen Heeres, sind in London angekom- men. Sie wollen den Uebungen der Truppen im Lager von Ehobham beiwohnen. Aus Portsmouth wird von gestern berichtet, daß daS KriegsschiffNeptun", Hlit 120 Kanonen, seine letzten Vorbereitungen trifft, um zu der Flotte zu Spithead zu stoßen. Der Contre- Admiral hat seine Flagge an Bord dieses Schiffes auf- gepflanzt. Die SchraubendalnpssregatteArrogant" hat die Weisung erhalte», ihre Ausrüstung möglichst zu bc* schleunigen, um sich dann sofort zur Flotte von Spithead zu begeben. Heute sollte sich, wenn die Witterung es gestattet, die Flotte von Spithead in Schlachtordnung formtreu. General Ogaroff, Adjutant des Kaisers von Rußland, nahm gestern das Arsenal von Ports­mouth tu Augenschein. Er war zu -diesem Behufe mit einem Einlaßschreiben des ersten Lords der Admiralität versehen. In der gestrigen Sitzung des Hauses der Gemeinen hat dasselbe die g ä n z l i ch e A b s ch a f f u n g der von dem Fiscus auf die öffentlichen Anzeigen erho­benen Steuer mit 70 gegen 61 Stimmen votirt. Der Plan einer unterseeischen Telegraphen Ver­bindung mit America wird jetzt ernstlich in An­griff genommen. Galway und Halifax werde als die geeignetsten Punkte dazu bezeichnet (ungefähr 1600 Mei­len Entfernung). Es sind von verschiedenen englischen Firmen Kostenüberschläge eingereicht worden; sie variiren von 300,000 bis 800,000 L., und wie dies gewöhnlich der Fall ist, sind die Ueberschläge der größeren Firmen die annehmbarsten.

B o m Cap reichen die neuesten Berichte bis zum 23. April. Die Greuzdistricte waren ruhig. General Cathcart war damit beschäftigt, den Gaika-Stämmen neue Ausiedlungsplätze, einige Dutzend Meilen von ih­ren früheren entfernt, anzuweisen. In Natal wurde Gold in kleinen Quantitäten aufgesunden. In der Cap stadt herrschte über die nun gewährte Verfassung großer Jubel.

Italien.

Nach einer Correspondenz derßcit" wird aus Turin vom 26. Juni berichtet, daß der Herzog von Atta vorläufig nicht nach der Lombardei zurückkehrcu. Daß so. viele reiche und vornehme Herren, die weit da­von entfernt sind, die Illusionen ihrer den niederen Kreist» der Gesellschaft angehörenden Leidensgefährten zu theilen, eS dennoch vorziehen, mit diesen in der Ver­bannung zu bleiben, statt das zu thun, waS, wie sie

sich unmöglich verbergen können, eben so die Pflicht und folglich auch die wahre Ehre, wie ihr Interesse gebietet, sei nur dem Terrorismus zuzuschreiben, den die untern Klaffen angehörigen Flüchtlinge auf sie übe».

Der General Bebeau kam am 22. Juni in Novara an und besuchte das dortige Schlachtfeld.

Nom , 22. Juni. Gestern haben die hier zur Wahl eines neuen Ordensgenerals versammelten Vater von der Gesellschaft Jesu ihre erste Sitzung gehalten. Das Conclave besteht aus etwa 50 Mitgliedern. Für jede Ordensprovinz sind etwa drei Väter erschienen. Der Orden zählt 15 Provinzen. Für jede der zwei Halb­provinzen wohnt ein Abgeordneter der Versammlung bei. Außerdem gehören zum Conclave ein Generalvicar und vier Assistenten. Morgen wird zunächst die Wahl des Pater Superiorgeneral stattfinden. Die Wahlarbeiten des Conclave werden über 2 Monate dauern.

Malta, 25. Juni. Das gestern hier eingetroffene Schraubendampfschiff Sans - Pareil begibt sich schon morgen nach der Bcschikabucht. Wie man aus sicherer Quelle vernimmt, herrscht in der russischen Marine im schwarzen Meere die größte Thätigkeit. Kriegsschiffe gehen fast täglich von Sebastopol ab, um die Küsten der europäischen und asiatischen Türkei zu überwachen. Die russische Fregatte Kolumna kam bei einer solchen Recognoscirung bis auf eine Stunde vom BoSpor.

In Malta sind am 21. mehrere kleinere englische Kriegsschiffe angelangt, welche zur Verstärkung der Dar- danellenflotte abgeschickt wurden.

Rußland.

Petersburg, 25. Juni. (H. N.) Der Kaiser hat nicht allein Kronstadt, sondern auch die Forts Ris- bank und Kronschlot in Augenschein genommen. Dear Erbauer derselben, Jngenieur-Generallieutenant Maslow, wie sämmtlichen dabei beschäftigten Offiziere» hat Se. Maj. für den schnellen Fortgang der Arbeiten seinen Dank zu erkennen gegeben. In der Flotte finden noch immer ungewöhnlich zahlreiche Beförderungen statt. Die Lösung der orientalischen Frage befindet sich fortwäh­rend in der Schwebe.

Nach einer telegraphischen Depesche derPatrie" hat der Kaiser von Rußland am 21. Juni sämmtliche in und um St. Petersburg stehende Garde- und Artillerie- Regimenter die Revue passiern lassen, und bestimmte, das am 25. ein großes Cavallericmanöver auSgeführt werde. Als der Kaiser am 22. in Staatsuniform und gefolgt von einem sehr zahlreichen und glänzenden Ge­neralstab sich nach der Jsaakskirche begab, trug Seine Majestät auf der Brust das große griechische Kreuz, welches eines der Hauptzeichen der religiösen Ober­macht ist.

Vonaufü^stenthüme^.

Jassy, 24. Juni. Am vergangenen Montage traf hier plötzlich der russische Generalkonsul Herr von Hal- czinski von Bukarest einund stattete beinahe unmittelbar nach seiner Ankunft dem regierenden Fürsten Ghika einen Besuch ab. Er nahm seine Wohnung nicht, wie dieß sonst gewöhnlich ist, bei bem russischen Consul, sondern bei dem Minister des Innern, Stourdza, und reiste vorgestern nach Kischenct ab, wo der General Gortschakow sein Hauptquartier hat. Die unerwartete Erscheinung des Generalkonsuls gab hier, wie man sich lcicbr denken kann, zu vielfachen Besprechungen Veranlassung. Nie­mand zweifelt jetzt mehr daran, daß die Russen in den nächsten Tagen einrücken werden.

Briefe aus Jassy vom 20. Juni enthalten sehr bemerkenswerthe Details über die Anstalten, welche die Russen treffen. Es sind diese Anstalten der Art, daß man behaupten kann, daß die Truppen des Czars sich nicht auf eine kurzwährende Besetzung der Donaufürsten- thümcr beschränken, sondern dort ihre Winterquartiere beziehen werden, wie sie es in den unterworfenen Thei> len des kaukasischen Landstriches thun. Schon durchzie­hen Ingenieure und Stabsoffiziere das Land, um die vortheilhaftesten Punkte für die Lagerung und den Au­fenthalt der verschiedenen Corps deS JnvaflouSheercs aufzusuchen. Die russischen Agenten äußern mit einer gewissen Absichtlichkeit, daß pie Einwohner des Landes keinen Schaden erleiden würden, daß man ihnen nichts Schlimmes zufügen werde, daß ihre Rechte refpectirt werden sollen, und daß der Kaiser dadurch, daß et die­ses Land besetzen lasse, sich nur ein Pfand sichern wolle.

Griechenland.

Athen, 24. Juni. Der Triester.Zcitung wird ge­schrieben : Wenn man in deutschen Blättern von russi­schen Emissären spricht, die in Unzahl nach Griechenland gesendet worden seien, so nehmen wir dies so hin, als ob es wahr wäre, wenn wir uns auch von der That­sache nichtüberzengt haben. Anderseits ist auch die engli­sche Propaganade gar nicht unthätig, und darüber lie­gen Beweise vor. Eine Partei Kretenser schickte Abge­ordnete nach Syra, um die Meinung der daselbst woh­nenden Landsleute ciuzuholen,ob es gerathen sei, die von den Engländern geforderte Bittschrift um ausschließlichen Schutz für die schöne Insel von England nachzusuchen, zu unterzeichnen?" Indessen hält die Mehrzahl der Kretenser fest am heutigen Griechenland und an seiner Zukunft. Sie sprechen sich mit großer Entrüstung aus gegen eine solche Zumuthung, die ihnen von England gemacht worden und sehen schon seit ei­

nem Jahre mit großem Verdachte die nautischen Arbi ten, welche unermüdlich von englischen Offizieren vo genommen werden. Die Insel. mit ihren Bergen, Schluc ten, Höhlen, Buchten, Rheden, Hafen, Untiefen w Tiefen ist in letzter Zeit vöy englischen' Marine-Offizi ren so genau ausgenommen worden, als gewiß nie vi Offizieren einer andern Nation. Zu diesem Zwecke li gen fortwährend zwei Schiffe in diesen Gewässern. D^ obenerwähnte englische Manöver ist durchaus nicht ne es ist gleichsam stereotyp; namentlich ward es währei der Parkerschen Blokade such auf den Inseln Hyd und Spezia in Anwendung gebracht. Auf Malta ft len wie der A. Allg. Ztg. unter gleichem Datum b richtet wird, 15,000 Mann englische Linientruf pen ausgeschifft worden.

Türkei.

Der Jndcp. B. wird aus Constantinopel vom 2 Juni geschrieben: Die Vertreter der vier Grö Mächte, welchen der Entwurf der Antwort der Pfor auf daß Ultimassimum mitgetheilt worden war, hab> gestern in einer außerordentlichen Conferenz die Fassur dieses Actenstückes gebilligt.

Der A. A. Z. wird aus Constantinopel ve sichert, daß dem Einflüsse $gu v. Brucks vorzüglich , verdanken sei, daß die Pforte nicht alsbald die beid Flotte» ins Marmorameer berufen, sondern beschloss habe einen außerordentlichen Gesandten nach St. Peter bürg zu schicken.

DerJmpartial" de Sniyrna will durch neapo! tonische und sardinische Schiffer erfahren haben, daß " Seemeilen vom Kanal von Constantinopel im schwarze Meere sieben Linienschiffe und eine Fregatte unter d russischen Flagge gesehen worden seien.

Eine Correspondenz aus Smyrna theilt mit, dc zwei schwedische Kriegsschiffe, eine Brissg und eine Co vettc, daselbst angelangt waren. Alle europäischen Se Mächte haben nunmehr Kriegsschiffe zur Observation i der Levante.

Die DebatS haben Nachrichten aus Alexandri vom 20. Juni. Bis dahin waren weder Truppen uoi Schiffe nach Constantinopel abgegangen, obgleich for während sehr eifrig gerüstet wurde. Die Flotte nah, Lebensmittel an Bord. Falls der Krieg ausbricht, glaul man nicht, daß die Flotte nach den Dardanellen gehe: sondern im Archipel bleiben wird, um die Jagd ai die griechischen Piraten zu machen, die sich alsdar dort voraussichtlich in Unmassen einfinden werden. Ma wußte noch nicht, wann die Hülfstruppen abgehen den, erwartete aber jeden Augenblick Depeschen aus dc türkischen Hauptstadt:

Beirut, 9. Juni. (Zeit.) Die kriegerischen Nast richten aus Constantinopel haben hier weniger Eindru gemacht, als man glauben sollte. Der Handel stoc freilich, aber nicht etwa weil man, in Folge der Abreis des Fürsten Menczikoff von Constantinopel, hier an eine, Krieg der Pforte mit Rußland glaubte, sondern lediglic weil der Handelsstand in Europa, besonders in Mar stille, sich durch die orientalische Frage beunruhigt fühl und in Folge dessen keine Bestellungen zu Ankäufe macht. Die Christen in Beirut haben, da sie fal % der Bevölkerung der Stadt ausmachen und das be nachbarre Gebirge ausschließlich von Maroniten un Drusen bewohnt ist, im Falle eines Krieges nichts vo den Muhammedanern zu fürchten. Dcstomchr Ursach aber haben die wenig zahlreichen Christen in Damascu^ und Aleppo. Die Haurän-Frage ist noch immer niet gelöst. Der neue commandircnde General, Masst Pascha, verhält sich vollkommen passiv, sei es, daß ec ihm überhaupt an Energie fehlt, oder daß seine Trupc pen und materiellen Mittel nicht ausreichend sind, um die Offensive zu ergreifen. Die gütlichen Unterband hingen sind noch immer ohne Erfolg geblieben, weil di Regierung auf die Gestellung von Rebald ein eigene.! Corpv unregelmäßiger Cavallerie stellen, bald eine Geld? entschädigung, gegen gänzliche Befreiung von der Cond scriptivu, geben wollen. Am Nachtheiligsten, eben sowohl für die Regierung, als für die Regierten ist, daß dih Bundesgenossen der Ersteren fortfahren, ohne Unterschieds Freund und Feind zu plündern und zu lraudschatzcig! Die Heuschrecken haben im Thäte von Aedscham (M lich von TamaScus) große Verheerungen angerichtepc so daß 30 Gemeinden bereits erklärt haben, sie seiest nicht im Stande, dieses Jahr die Grundsteuer zu entu richten. Die Regierung weist aber alle Gesuche utpi Erlaß der Steuern zurück. In der That sind die Einck nahmen des Paschaliks bereits, .sehr dadurch geschmälerte daß außer dem Hauiün, 6 andere mit den Drusen ver'fi bündele Distrikte, Dsckedür, Ledfâ'â, Saulân, Erbekck und Adschlüu, keine Steuern mehr zahlen. Di^ Nachricht von dem AuSbrnche-der Cholera in Damast«', cuS, welche vor einigen Tagen hier verbreitet war, if^ vollkommen unbegründet. ,M . !r- isè

Wegen der jetzt stattfindenden getrenntelnd Ausgabe deS Haupt- und Beiblattes wird der viertele» jährige poslnummerando zu entrichtende Trägerlos»^ um 6 kr.,- somit von 18 kr. auf 24 kr. erhöht.

Afrantwortticher Reracteur: Dr. A. Aoc-at.