Nassauische Allgemeine Zeitung.
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Deutschland.
Wiesbaden, 2. Juli. (Sitzung der ersten Kammer vom 25. Juni. Schluß.) v. Eck: Er möchte seine Ansicht dabin aussprechen, daß er gegen die bereits faktisch bestehende nach dem Anträge des Anschusses gesetzlich zu sauctionirende Trennung der Seminare nach Eonfessiouen sei. Wolle man die Trennung nach Con- fessiouen durchführen, dann möchte es vielleicht noch besser sein, ein solches Institut ganz der Kirche zu überlassen. Er beabsichtige nicht die Gründe hierfür aus- einanderzusetzen, weil er wisse, daß in dieser Beziehung alles gegen die dermalen herrschende Zcitansicht verstoße. Er sei keineswegs davon überzeugt, daß das Seminar zu Idstein mit Zöglingen überfüllt gewesen und dadurch Mangelhaftigkeit des UnterrrichtS veranlaßt worden sei. Auf die Gründe, welche die Negierung bet der Trennung des Seminars zu Idstein geleitet haben mögen, wolle er nicht weiter cingch^ , er wolle daher auch nicht erörtern, ob die Aufhebung des Seminars zu Idstein geschehen sei um die Stadt Idstein zu strafen. Er wolle , ferner auch nicht darauf ciugehen, warum die Regierung die Trennung und Errichtung zweier Seminare factisch durchgeführt habe und jetzt erst spät zu biefe-t Maßregel die ständische Genehmigung einholen wolle, nachdem hier die Macht der vollendeten Thatsache so gewirkt habe, daß an eine Verwerfung biS Gesetzentwurfs selbst von denjenigen nicht zu denken sei, welche, sonst gegen die Trennung gewesen sein würden. Wenn er gegen das Gesetz stimme, wolle er hiermit zugleich auch gegen daS von der Regierung in dieser Angelegenheit eingehaltene Verfahren Verwahrung eingelegt haben. .
’ Bellinger: Es sei ihm sehr unerwartet, daß der Herr Abg. von Eck sich gegen die Gesetzesvorlage der Regierung äußerte, da er doch im verflossenen und auch in diesem Jahre darauf gedrungen habe, daß eine solche von der Negierung gemacht werde. Was nun die Bemerkung des Herrn v. Eck anlangt, daß man ^wenn man die Seminarien einmal konfessionell trenne, sie dann lieber den beiden Kirchen überlassen solle, so habe er hiergegen durchaus nichts einzuwenden. Rücksicht auf die Confession müsse der Staat immerhin bei den Schulen nehmen; er habe dieses auch selbst in den früheren Schulgesetzen nicht umgehen können, wiewohl er nur Communalschulen im Gegensatz zu CoufessionS- schulen habe bilden wollen. Es sei nämlich die Bestimmung getroffen, daß der Lehrer de^ Confession an- gehöreu müßte, zu welcher die Gemeinde oder sich in den Gemeinden die Mehrzahl der Schulkinder bekennen. Dèr "wichtigste Gegenstand der Elementarschule sei der Unterricht in der Religion und zwar in der Religion der oder jener bestehenden Kirche, daß die Eitheilnng desselben gehörig erfolge, daran müsse dem Staat sehr viel gelegen sein. Darum habe er die specielle Aufsicht über die Elementarschulen den Geistlichen überwiesen. Die Geistlichen seien als solche die Dirigenten und Mitglieder der Schulvorstände. Aus ihrer Mitte seien fast sämmtliche Schnliuspectoren genommen. Wenn der Herr Vorredner in der Ueberfüllung des ehemaligen Seminars zu Idstein keinen Grund finden könne für die Trennung, so komme MS daher, weil er sich nicht auf einem pädagogischen Standpunkt stelle. Darin seien längst alle Schullcule einverstanden, daß die Ueberfüllung der Anstalten nachtheilig sei und daß deßhalb Trennungen vorgenommen werden müßten. Die Preußische Semi- narbirectoren und Seminarlehrer um nur ein Urtheil von kompetenten Männern anzuführen, welche im Januar 1849 von der Preußischen Regierung nach Berlin berufen gewesen seien, um über die Angelegenheiten der Seminarien zu berathen , hätten sich ‘ ohne Ausnahme dahin ausg sprechen, daß ein dreiklassigeS Seminar nicht mehr als (.0 Schüler als Maximum, 'also in jede Klasse 20 Schüler aufnehmen dürfe, wenn» die Zwecke beS Unterrichts und der Erziehung nicht benachtheiligt werden sollten. Bedenkt man nun, daß in Idstein in manchem Jahre mehr als 60 Schüler sich in einer Klasse befunden hätten, so sei begreiflich, daß dieses für die Regierung ein Motiv zur Trennung hätte abgeben fön- uen. Die Einrichtung der Parallelklassen, welche in Folge der Ueberfüllung der Klassen hätte getroffen werden müssen, sei, wie er wiederholt erklärt habe, eine in jeder Hinsicht schädliche. Ein Seminar daS durch alle Klassen Abtheilungen machen müsse, könne seinem Zwecke nicht entsprechen; eS gehe allmählig zu Grund. Ob die Verlegung des Seminars für Idstein eine Strafe
habe sein sollen, wie der Hr. Abg. andeute, könne er weiter nicht beurtheilen ; sicherlich habe die Regierung noch höhere Rücksicht gehabt, die sie zu der Trennung und Verlegung veranlaßt hätten. Schon die Einführung der Internate habe eine Verlegung nothwendig ge. macht, da eö in Idstein an Gebäulichkeiten fehle, welche geräumig genug seien, zur Unterbringung aller Zöglinge. Hätte daher ein neues Seminargebäude angeführt wer den sollen, so hätten solche Orte für die neuen Anstalten gewählt weiden müssen, wo sich öffentliche zu keinem anderen Zweck: verwendete Gebäude befunden hätten.
Wilhelmi: Bei der Trennung des Seminars, die er für wohlthätig und nothwendig Halle, werde es sich wohl hinsichtlich der Confession von selbst machen; aber er finde nichts dagegen einzuwenden, daß darüber auch eine Bestimmung inS Gesetz ausgenommen werde, und zwar im Interesse der religiös - kirchlichen Bildung unserer Jugend, die in der Schule, welche fast überall eine Tochter der Kirche sei, sicherlich eine Berechtigung, ja die erste Stelle habe und haben müsse.
v. Eck: Er scheine mißverstanden zu sein: Er mache der Regierung keinen Vorwurf daraus, daß sie das Gesetz überhaupt vorgelegt habe, wenn er, darauf bestanden, daß die Regierung eine diesen Gegenstand ordnende Gesetzesvorlage machen solle, so habe er damit keineswegs seine Zustimmung zu der Gesetzesvorlage gegeben.
Marburg: Er sei gegen die confessionelle Trennung ; er fürchte, daß dadurch eine noch größere Span nung beivorgerufen wurde, die nur zu beklagen wäre; mit den Leistungen des Seminars in Idstein sei man zufrieden gewesen; dasselbe habe gut gewirkt.
Bellinger: Die beiden Konfessionen bestehen im Lande; sie lassen sich nicht verändern. Er führe nicht an, warum man den Anstalten, welche die Lehrer für die eine oder die andere Confession bilden sollten, nicht den Namen geben wollte. Confessionelle Spannung gehe daraus nicht hervor ; sie entstehe nur, wenn die Parität nicht gewahrt werde.
_ Wilhelmi: Er glaube, daß die confessionelle Spannung, die, wie sie jetzt herrsche, auch er beklage, durch eine Einrichtung, wie die in Frage stehende, nicht vermehrt werde, sondern, daß sie eben in dem Grade abnehme, als jeder Confession ihr Recht werde.
Kraus: Er glaube auch nicht, daß Religions- streitigkeiten dadurch entständen, wenn man die Seminarien confessionel trenne. Die Aeltern, welche ihre Kinder katholisch erziehen wollten, hätten lieber katholi sche, die evangelischen Weltern evangelische Lehrer.
Marburg: Ihm sei es gleichgiltig, zu welcher Religion sich der Lehrer seiner Kinder bekenne.
Kraus: Damit könne er sich nicht einverstanden erklären: ihm sei daS gar nicht gleichgiltig.
Bei der Abstimmung erhielt der Gesetzentwurf mit den von der Commission vorgeschlageneu Zusätzen die Genehmigung der Kammer mit 9 gegen 4 Stimmen.
(Sitzung der vereinigten Kammern vom 17. Juni. Schluß der Discussion über Capitel X. Lehranstalten.) Bezüglich beS gestellten Antrags : „die Regierung zu ersuchen, bei Vereinfachung und Reduktion der Lehranstalten auf bie in d e m Co in m is f i ons b er i ch te ent. halte neu Bemerkungen die geeignete Rücksicht zu n c h m c n," bemerkt der Bericht, unsere höhere Schulen litten im Allgemeinen an zwei Haupt- sehlcrn. Zue ist sei die Zahl der Ünterrichtsgegeustände zu groß, der Zweck beS VielwissenS zu vorherrschend geworden, was theils der Gründlichkeit und Klarheit, ja selbst der Gesundheit schade, zumal wenn so vielerlei Disciplinen weder zweckmäßig nach den Altersstufen ; vertheilt seien, noch auf die individuelle Anlage der Schüler immer gebührende Rücksicht genommen werde. Sodann aber sei die Erziehung überhaupt, sowie insbe- sondere bie christlich religiöse Erziehung zu sehr vernach tässigt, ja bei dem an bie Stelle des Classensystems getretenen Fachsystem geradezu unmöglich gewoiden. Mehrfach versuchte Abänderungen des SchulplanS, die Einführung eines zweijährigen Primacursus und einer ri« qorioseu Maturitätsprüfung hätten sich als wirkungslose { Palliativmiltel gezeigt, weil sie die Wurzel deS Uebels uicht berührten. Außerdem höre man Klagen über mangelhaftes Jneinandergrcifeli des Schulplans an verschiedenen Anstalten, über unzweckmäßige Unterrichts- . Methoden, übet Mißbräuche bezüglich der Privalstuuden, '
endlich über die in Betreff der Lehrbücher eingerissene Mißbräuche), wie Unglcichförmigkeit, zu große Zahl, z häufiger Wechsel, Die Hcrzegl. Regierung möge all diese Dinge prüfen , die' Bestimmung der Lehrbüche aber wieder selbst in die Hand zu nehmen.
Reichmann: Die Ständeversammlnng habe eine Beschluß darüber nicht zu fassen, welches System in Bi zichuug auf den Unterricht an den höhern Lchranstalte zu befolgen sei; daS fei lediglich Sache der Regierunz Mindestens habe der Antragsteller (b. h. der Ausschuß einen neuen Lehrplan Vorbringen müssen; aber auf di allgemeinen Bemerkungen des Beri tts könne man nich eingehen, zumal da alle Ausstellungen darin nicht durc Thatsachen belegt seien.
Braun: Er sei bezüglich der zur Sprache ge brachten technischen Gegenstände nicht inforMirt Un : daher gegen den Antrag. Die ganze Discussion si * nur veranlaßt durch -bie überflüssige Zahl der Lehran I statten und darauf solle man dieselbe a ich beschränken Keim: Der Bericht habe die hohe Versammlung j mit geistiger Speise so reichlich versehen, daß er sie fü ! gesättigt halte. Er wolle daher nur wenige Punkt : kurz berühren. Der Unterrieb tSgegenffânbe seien au den höhern Schulen nicht zu viel; sie seyen aber beffei i zu ordnen. DaS Claffensystem sey bis in die oberste: 1 Classen der Gymnasien daS allein zuverlässige, währeni das Fachsystcm die gesummte Erziehung erschwere. Gan einverstanden sei er mit der Commission bezüglich de RcligiouSuntcrrichts an den höheren Schulen, berci schwärzeste Seite hier sei. Von der chisherigeu Ein richtung habe man nicht sonderlich gute Früchte geärnd tet, über die er, um nicht verletzend zu werden, nich ins Einzelne eingchen wolle. So viel aber fei offen kundig, daß viele der jungem StaakSdieuer nicht s religiös gebildet seien, als man von Männern vertan gen muffe, in deren Hände ein großer Theil der Dolkâ wohlfahrt gelegt werden solle. Er wolle den Wnnsc zu Protocoll geben, daß auf den höhern Lehrauftalteii wie auf beii preußischen Gymnasien, Geistliche al ordentliche Lehrer ängcstellt würden.
Rau. Die innere Einrichtung des Schulwesen! : gehöre allerdings hierher; der Gegenstand sei zu wich tig, als daß die Wünsche und Ansichten der Stäub der Regierung vorenthalten bleiben bürsten. Die das sische Literatur sei die Basis der Gelehrtenschule; di Humaniören müßten daß H a u p t st nd i n in bleiben weil es zur Entwicklung btt Geisteskräfte und als Mit tel, um dadurch zur Wissenschaft zu gelangen, doppel wichtig sei. Das Sprachstudium sei aber nicht da Ziel, nur die Religion fei die belebende Idee, welch zu einer harmonischen Ausbildung führen könne. Hâtt^ man dies stets gebührend beachtet, so würde in neuere Zeit der Streit nicht entstanden sein, ob in christliches Schulen noch die heidnischen Classiker gelehrt weibcs sollten. — Ein Hauptgewicht müsse auf die christlich religiöse Erziehurg gelegt werden, und daß hierauf feit1 her so wenig Rücksicht genommen worden sei, erschein1 als ein großer Fehlerder Gelrhrtenschulcn. Metzle^ stimmt mit der Ausführung des Berichts über Einführung gleichmäßiger Lehrbücher überein; die Sache fe1 wichtig, und die Regierung möge sie wenigstens in (e^ ter Instanz in die Hand nehmen. Eine zweite Be' schwerde sei der zweijährige Primacursus und die Matu' ritätsprüfung. Diese verletze daß den Lehrern schuldig Vertrauen, fei unsicher und für Lehrer wie Schule drü^ ckcud. Wer nach einjährigem Primacurs nicht reif zu^ Universität sei, müsse noch eku Jahr warten; daS Mbf auch früher schon geholfen. Auf eine Anfrage des Abg? Knapp erklärt RegiernngS-Eommissär Schmidt: cs fr eine Arbeit im Gange über RcWckion der Lehrer uud^ Wbânbernug des LehrplanS.
Nachdem noch Berichterstatter Heydenreich einet; längeren Vortrag gehalten, welchen wir vollständig mit^ theilen werden, wird der Commissionsautrag' mit Mehr^ .heit angenommen.
Ein Antrag des Abg. Halbey, wonach in den bö-'t Heren Lehranstalten auf die Kalligraphie mehr Anf-^ meikfaiukeil als bisher gerichtet werden soll, veranlagt11! eine längere Diskussion, woran sich Metzler, KraLö/ Keim, Knapp, Schellenberg bethciligen, und wird^ schließlich angenommen.
Bezüglich der Gewerbe-, Sonntag S- u A b c II b s ch u l e n wiederholte der Ausschuß daS schon im vorigen Jahr an die Regierung gestellte Ersuchens