aufs bestimmteste erklärt haben, daß die Thore von Petersburg einem außerordentlichen Gesandten des Divans verschlossen bleiben würden, wenn derselbe keine unbedingte Unterwerfung unter das letzte Ultimatum bringe. Admiral Hamelin nimmt, wie eö heißt, den Befehl mit, in die Dardanellen einzulaufcu, sobald der Pruth überschritten ist." — Der ehemalige Minister der auswärti- gen Angelegenheiten Aegyptens, Artim Bey, ist in Paris angekommen. — Der berühmte Botaniker Adrian von Jussieu, Mitglied der Akademie, ist gestern veischie- den. — Im Elsaß heben sich die Anssichlen auf eine gute Erndte mit jedem Tage.
Man zeigt hier in Paris Briefe von Offizieren des Levantegeschwaders herum. Sie sind nichs weniger als entzückt über die Cameradschaft mit den Engländern, und eS cursirt unter ihnen die Phrase, daß eine Zcrstö- rung der russischen Flotte nur ein zweites Nava rin zum Profit der Engländer sein würde. — Der Graf Heinrich Martini, einer von den lombardischen in Piemont naturalisirnn Flüchtlingen, dessen Güter auch vom Sequester betroffen worden, ist hier angekommen. Da er ein sehr genauer Freund des Grafen Cavour ist, so legt man auf seine Sendung einige Bedeutung.
Die Kölnische Zeitung, schreibt ein pariser Corrc- spondent der N. Pr. Ztg., ist kein revolutionaircs Blatt im gewöhnlichen Sinne des Wortes, sie will es zum mindesten nicht sein, aber sie bat gar wunderlich burschikose Anwandlungen. Wir erinnern uns noch lebhaft eines ihrer Leitartikel auS den Zeiten der Sonderbunds- Frage; eS hieß da wörtlich, daß die Studenten; ich weiß nicht mehr aus welcher Französischen Stadt, sich mit Begeisterung erheben und den Schweizerischen Liberalen zu Hülfe eilen würden, wenn re. Wer dergleichen sagen konnte, hat die gegründetsten Ansprüche ans Nachsicht und Schonung. Eine ganz gewöhnlrchc Einsicht genügt dazu, um zu berechnen, daß der Sache der Türkei nichts schädlicher sein könnte, als die Bun- deSgenossenschait der politischen Flüchtlinge, so lange die Kanonen nicht wirklich losgegangen sind. Der Sultan bat es verstanden, und die Kölnische Zeitung hätte schon vor vierzehn Tagen in dem verhaßten Junkerdlatte lesen sönnen, daß er von jener Bundcsgcnossenschaft nichts wissen will. Man sagt sogar, der Sultan habe daö Anerbieten eines Redacteurs der Kölnischen Zeitung, ein politisches Blatt in Constantinopel zu gründen, klüglich zurückgewiesen. Die Kölnische Zeitung kann es mir aus'S Wort glauben, daß sie mit ihren 30—40,000 politischen Flüchtlingen der Sache der Türkei viel mehr schadet als nützt, fast eben soviel schadet, als das friege' rische Gebahren des lustigen Knaben Kossuth und seiner unartigen Spielkameraden in London. Die Einen und bu Anderen haben den hiesigen Flüchtlingen schon manchen Stoßseufzer abgepreßt.
Die letzten Berichte aus Algerien melden, daß der Feldzug in Klein -Kabylien bereits beendet ist, und vollständigen Erfolg gehabt hat. Sämmtliche arabische Stämme, die in jenem Landstriche wohnen, haben sich der französischen Herrschaft unterworfen.
Schweiz.
Die Berichte der Gazette de Fribourg über die Vorfälle am 16. d. M. in Bulle bestätigen in jeder Hinsicht das schon Mltgelhcilte. Man hat die unwahre Angabe, Charles habe eine Stimmkarte zerrissen, nur deßhalb erfunden, um den Mordanfall gegen ihn zu be- Königen. Es hat sich ferner herausgestellt, daß außer den Präfecten von Chatel St. Denis auch der Gendar- merielieutcnant Eicher den mit Tod bedrohten Charles inmitten eines Haufens wüthender Radicalen in Schutz genommen hat, und daß während Präfect Perrier den blutig mißhandelten Chef der conservativen Partei mit seinem Körper deckte, die scharfe Klinge eines Hirschfängers zwischen beide Männern durchdrang, ohne gLürf' licherweise den einen oder den andern zu verletzen. Erst als man den Ruf hörte, man werde mit Kartätschen schießen, flüchteten sich die Conservativen nach allen Seiten, und während ihrer Flucht worden von den Dächern herab Ziegel auf sie geworfen. In der Nacht vom 26. zum 27. wurde das Wirthshaus des conscr- vativen Sottaz in Gümeffens verwüstet. Mit großer Spannung erwartet man nun die Verhandlungen der Bundesversammlung über die Freiburger Angelegenheit.
RiederlanSe.
Haag, 1. Juli. Der Staatminister Lighteuvelt ist nach Rom gereist; die Geschäfte des DepartimentS des katholischen Cultus wird während seiner Abwesenheit der Minister des Auswärtigen besorgen. Der Gesetzentwurf bezüglich der religiösen Freiheit liegt gegenwärtig dem Staatsrath vor und wird nächster Tage an Kammer gelangen.
Großbritannien.
London, 1. Juli. Der von Lord Stanley zu der Bill bezüglich auf die Reorganisation der indischen Regierung gestellte Antrag ist vom Hause der Gemeinen verworfen worden. Die Majorität auf Seite der Regierung betrag 182 Stimmen.
Ein britischer Demokrateuverein, der unter dem Namen „brüderliche Demokraten" besteht, hat an Joseph Mazzini eine Sympathie-Adresse gerichtet.
Rußland.
St. Petersburg, 20. Juni. Die verwittwete Königin der Niederlande ist gestern in Peterhof eingetroffen.
Griechenland.
Athen, 23. Juni. Die türkische Regierung con» centrirt alle in Thessalien und Epirus stationirttu Truppen bei Betolia in Thessalien. Die Festungen dieser Provinzen werden von Albanesen besetzt. Den Christen sind die Waffen abverlangt worden , doch haben sic die Auslieferung verweigert. Mit Ungeduld sehen die Griechen dieser Provinzen dem Beginn der gegenseitigen Feindseligkeiten entgegen, und auch hier wartet alles mit höchster Spannung auf Rußlands Schritte.
Türkei.
Constantinopel, 20. Juni. (Tr. Ztg.) Die türkische ètaatsfregatte „Medschidsche" hat sich nach Smyrna begeben, um daselbst einen Theil der RedifS cinzüschiffcn. Der „Sudaver". „Pursud" und „Schadi- Schadi" brachten deren bereis aus Beirut, der Provinz Brussa und Varna. — Die beiden Dampffregatten „Niger" und „Retribution" sind am 16. in Konstantinopel eingetroffen. Der „Niger" überbrachte Lord Nedcliffe die Nachricht von der Ankunft der vereinigten englisch-französischen Flotte in der Besebika Dai. Das englische Geschwader führt ungefähr 8000 Mann mit 700 Kanonen und erwartete weitere Verstärkung; das französische zählt 10,000 Mann mit 900 Kanonen. Man erwartet ferner den Dreidecker „Friedland" mit 120, den „Jena" mit 90 Kanonen, dann den „Marengo" und den „Duperrö" jeder mit 50 Kanonen. — Die Flotten werden bei der ersten Bewegung der russischen Truppen gegen die türkische Grenze im Bosporus erwartet. — Sollte der Krieg zum Ausbruche kommen, sagt daS „Journal de Const." „woran wir übrigens nicht denken", fügt eS bei, so würden die Geschwader vom Admiral DundaS und die Landungstruppen von einem französischen General befehligt werden. Nach türkischen Quellen zahlen die ottomauischen regulären Truppen, die "gut eingeübt und mit allem Nöthigen versehen sind, gegenwärtig 260,000 Mann. Bereits haben sich andere 40,000 Mann Freiwillige gestellt. In Constantinopel wird seit einiger Zeit mit der größten Thätigkeit an den Blockhäusern gearbeitet, welche von den Höhen, die den Eingang des Bosporus beherrschen, im Nothfälle die an der Mündung des schwarzen Meeres agirenden Geschwader schützen sollen. j— Die englische Dampffregalte „Wasp", und die französische „Niger" sind, jene mit Depeschen des Lord Red- cliffc an den Admiral Dundas, diese nach den Dardanellen abgegangen. Die österreichische Stationscorvette „Carolina" ist nach Triest gesegelt, die französische Dampffregatte „Magellan" ist als Stationsschiff und der „Caradoc" mit Depeschen in Constantinopel eilige« laufen. — Die Conferenzen zwischen den Gesandten der vier Großmächte und den Pfortenministern datierten ununterbrochen fort. — Am 16. wurdè Lord Redcliffe hi einer Audienz vom Sultan empfangen. — An demselben Tage überreichte eine aus den vier Metropolitauen und anderen Notabeln bestehende Deputation der nicht unkten Armenier dem türkischen Minister des Auswärtigen eine Dankadresse bei Gelegenheit des in den letzten Tagen zu Gunsten der christlichen und jüdischen Bevölkerung erlassenen FcrmanS. — Ein heftiges Sturm- wetter am 19. erregte Besorgnisse wegen der Weinberge und Ernten in der Umgegend von Constantinopel. Von den Dardanellen meldet man den in der Nacht vom 12. erfolgten Zusammenstoß einer griechischen mit Steinen und Früchten beladenen Bvinbardc mit dem Lloydbampfer „Schild". Erstere ist mit sechs Mann, worunter der Capital!, zu Grunde gegangen.
Große Meinungsverschiedenheit herrscht hier in Betreff der zwischen den verschiedenen Regierungen aus Anlaß deS Auftretens des russischen Cabincls in der Türkei stattgcfundencu Verabredungen. Man glaubt hier nicht so ganz unbedingt an die Jsolirung Ruß lands, so wie au die entente cordiale zwischen England und Frankreich in der orientalischen Frage; ferner nicht an die uneigennützige Bereitwilligkeit des französischen und englischen Kabinetts zum Schutze der Pforte. Man zweifelt auch, daß Rußland die Vermittlung des des österreichischen Hofes angenommen hat, und stimmt endlich in der Beurtheilung der Stellung Oesterreichs und Preußens der Pforte gegenüber ebenfalls nicht überein. — Die österreichische und preußische Regierung sollen sich neutral erklärt haben. — Man ist hier allgemein der Meinung, daß die Umstände ein dem im Jahr 1839 ähnliches Zusammenwirken der Großniächte hcrbeiführcn werden. Man läßt sich bereits jetzt laut vernehmen, daß den administrativen liebelst einten der Türkei definitiv, und zwar jetzt auf diplomatischem Wege abgeholfen werden muß und abgeholfen werden wird.
Eine Correspondenz ans Constantinopel vom 18. Juni versichert, die russische Regierung habe einen außerordentlichen Gesandten nach Teheran abgeschickt, welcher besondere Reklamationen an den Schah von Persien richten solle, und man halte die demnächstige Besitznahme von Balfrusch, einem Haven des kaöpischen MeereS, durch die Russen für sehr wahrscheinlich.
* EineStiminc aus Griechenland in der „AugSb. Allg. Ztg." schildert die Lage der Christen in der Türkei als eine trostlose. Es gehöre eine große Leicht- gläubigkeit dazu, von den Resormbestrcbungcn der Pforte oder den ihr jetzt abgeuöthigten Zugeständnissen etwas
für die Christen zu hoffen; nichts werde die Lage der Dinge in der Türkei ändern. Der Koran Macht den Türken; nach dem Koran aber ist eine eine Gleichstellung des Christen mit dem Türken eim innere Unmöglichkeit, es wird im besten Fall immer nm eine Duldung sein.
Nach dem I. d. Smyrna setzt die türk. Regierung ihr, Rüstungen mit größter Thätigkeit fort. Alle ottomani scheu Dampfbootc sind damit beschäftigt, Truppen ode Munitionen zu befördern. Das Münzhotel arbeitet Ta, und Nacht, ohne Unterlaß, mit seinen vier Maschinen 100- und 50 Piasterstücke zu prägen. Woher das Goll dazu gekommen? Man weiß es nicht. Thatsache i| es, daß das Metall für diese Prägungen im Ueberflu vorhanden ist. Der Enthusiasmus der Nation ist im geheuer; sie ist bereit alle Opfer zu bringen, die ma von ihr fordern wird. Das Vertrauen ist nicht er schlittert, cs beweist dieß der Umstand, daß die Wechse tourst keine Neigung zum Steigen zeigen.
Wie man aus Salon ich, 11. Juni, schreib sind am 7. Morgens zwei Bataillone mit 8 Kanone und entsprechender Munition nach Schumla abgegange. An demselben Tage 9iachmittags traf Omer Pascha in 2 Bataillonen, 8 Kanonen und 2 Haubitzen von Sci Lui ein, welche Truppen ebenfalls nach Schumla weite marschirten, wohin sich der Pascha später mit der Pc begab. — Omer Pascha schien übel gelaunt und hie sich größtentheils in seinem Harem zurückgezogen. A 6. hatte er seine älteste Tochter mit seinem Neff, Tiflik Bei, einem Kroaten, vermählt , der sich Hiera mit dem ganzen Harem nach Constantinopel begeb- sollte. Auch theilte er unter Aerzten und Offizier der ehemaligen ungarischen Nevolutionsarmee Lvlde Medaillen aus. In Schumla sollten noch andere Tru pen mit 28 Kanonen von Larissa, Janina, Scutari z samlnengezogen werden, wobei sich mehrere ungaris, Flüchtlinge als Offiziere befinden. — Avni Pasch Gouverneur von Monastir, kommt nach Bosnien u wird durch Abdi Pascha von Larissa ersetzt, der zu Bataillone Redif commandirt. Den Rest der Bcsatzu bilden unregelmäßige Truppen. ■— Auch die Ml litt Kanzlei geht nach Schumla, und ein Spital soll ebe falls errichtet werden. — Es fehlt an Geld, und aus einer bei teil Kaufleuten anfgenommcnen Anleihe v 60,000 Piastern sind auch die Steuern des nächst Jahres im Voraus erhoben worden. Im Lande w den überall Ochsen und Pferde für den Transport quirirt. Die Türken sind sehr besorgt, besonders Offiziere, und es fehlt namentlich der Kavallerie Waffen.
Aus Alexandria vom 21. Juni erhalten wir bedeutsame Nachricht, daß das 15,000 Mann betraget ägyptische HülfScorpS für die Besetzung von Sy'ri bestimmt sei, und daß die englischen Agenten dem Pas mit einem ihm in Aussicht stehenden arabisch Reiche tun ter englischer Protection I) schmeicheln.
Listen
Nach dem „Sindiau" hat die ostindische Regiern den Dampfer „Bombay" um 9000 Rupien pr. Mo gemiethet, um denselben nach, dem persischen E zu schicken, wo den Absichten Rußlands in Bezug Persien entgegen gewirkt werden soll. Man macht doch dazu die, wie uns scheint, ziemlich gegründete 3 merknng, daß nach den neuesten Nachrichten'aus Eure der Czar allzuviel mit der Frage der h. Stätten u. s. zu thun haben werde, um nach einer Einmischung Persien zU streben, und daß, wenn der Kampf auf 'i sein Gebiete je beginnen sollte, der Kriegsschauplatz Europa, nicht in Indien liegen werde.
^»«crica.
In Montreal hatte sich die Gavazzi-Aufregung u nicht gelegt. Am 12. warf der Pöbel alle Fenster ' St. Stephanskirche ein. Drei Personen, die beim steil Krawall verwundet wurden, sind gestorben, k 13. hielten die achtbaren Katholiken von Montreal Meeting und beschlossen, nicht nur den Schaden zu v güten, sondern auch die Rädelsführer ausfindig zu r chen und vor Gericht zu bringen. Gavazzi sollte 15. zurückkommen und seine Vorlesungen beschließen.
Neueste Nachrichten.
Wien, 2. Juli. (Fr. Bl.) Die officiöse Oest reichische Correspondenz stellt die Nachricht des Llc aus Lemberg, die Russen seien in die Molban eingerü in Abrede.
Paris, 3. Juli. (F. Bl.) Der Moniteur wid legt heute die von den Zeitungen verbreitete Nachrii daß französische Offiziere ermächtigt seien, in türkis Kriegsdienste zu treten, eben so auch die, daß 1 Pforte 60,000 Gewehre verkauft worden ; man ha ihr nur 40,000 überlassen, ohne dabei mit dem geg mit Frankreich befreundeten Mächte unveränderlich ) folgten Verfahren in Widerspruch zu gerathen.
Kaffel, 1. Juli. Bei her heute hier stattgehabi 16. Ziehung der kurfürstlich hessischen 40-Thaler-Seri« Loose haben nachstehende Nummern bie dabei bemerkt Hauptgewinne erhalten: Nr. 166,735 40,600 Tblr., 9 49,766 8000 Thlr., Nr. (28,757 4000 Thlr., 9 131,584 2000 Thlr.
Verantwortlicher Redacteur: Dr. A. Aor-tit.